Amphi Festival 2019 – Der Bericht zum Sonntag

Der zweite Tag des Amphi beginnt mit strahlendem Sonnenschein und schon zur ersten Band des Tages sind die Temperaturen artig in die Höhe geklettert. Der Bereich vor der Bühne ist wohl auch deshalb nur mäßig gefüllt, weil es sich viele nicht nehmen ließen ausgiebig auf den beiden Aftershowpartys am Vorabend abzufeiern. Der Sonntag startete musikalisch mit HELL BOULEVARD.

HELL BOULEVARD   

Matteo vDiva Fabbiani ist Mastermind der Schweizer Gruppe. Unterstützt wird er dabei von Von Marengo (Gitarre), A.ve (Drums) und Raul Sanchez (Bass). Auf einmalige Art und Weise verbindet HELL BOULEVARD klassische Gothic-Tunes mit Rock n‘ Roll. Gitarrensoli und sphärische Klänge im Orchester Stil lassen viel erwarten. Das Intro zum Konzertauftakt ist bemerkenswert. Ein Britney Spears Cover „…Baby One More Time“ ist dann doch eher von fragwürdiger Natur. Aber den Fans gefällt es und das ist die Hauptsache.  Der Titel des neuen Albums „In Black We Trust“, welches im Jahr 2018 auf den Markt kam, ist hier also Programm.

Setlist HELL BOULEVARD:

  1. As Above So Below
  2. Satan In Wonderland
  3. Bitch Next Door
  4. Love Is Dead
  5. Baby One More Time
  6. Zero Fucks Given
  7. Dead Valentine
  8. In Black We Trust

OST+FRONT   

Der Madendoktor Mark Benecke begrüßte zum zweiten Act, die inzwischen deutlich gefüllter Menge, vor der Mainstage. „Ich hoffe ihr habt ausgeschlafen und seid wach. Wenn nicht, wacht ihr gleich alle auf. Die Band die jetzt kommt heißt nicht Ost UND Front, Ost plus Front sondern OSTFRONT“.

Und schon legen Herrmann Ostfront und seine Bandkollegen los. Mit „Adrenalin“ pur, aus dem gleichnamigen letzten Album, wird es auf und vor der Bühne laut, dreckig und gnadenlos. Die tiefe, harte Stimme des Sängers knallt den Leuten um die Ohren, ebenso wie die harten Beats. Das ist Neue Deutsche Härte vom feinsten. Die Bühnenshow ausgefallen, mit viel Grusel Make-Up und anderen kleinen feinen Gemeinheiten – wie Kunstblut – soweit das Auge reicht. Spätestens beim Anblick der Latex-Schlachterschürze ist jedem klar, von wem sich die Band unter anderem hat inspirieren lassen: Natürlich – Rammstein. Songs wie „Freundschaft“, „Bruderherz“ und „Mensch“ lassen die Menge vor der Bühne toben. Siegfried Helm und Otto Schmalzmann (Gitarre), Wilhelm Rotlauf (Bass) und Fritz Knacker (Schlagzeug) erzeugen eine Mischung aus brachialen Sound und nachdenklichen Textzeilen, wie in „Bitte schlag mich“. Wer bis zu dem Gig noch nicht wach war, ist es jetzt garantiert.

Setlist OST+FRONT:

  1. Adrenalin
  2. Fiesta de sexo
  3. 10 Jahre Ostfront
  4. Denkelied
  5. Freundschaft
  6. Bruderherz
  7. Ich liebe es
  8. Mensch
  9. Heavy Metal
  10. Bitte schlag mich

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Bilder: Andreas Theisinger

SEADRAKE 

Diese Band schrieb schon vor Beginn des Amphi Festival Geschichte, denn sie sagen kurzerhand mal das Festival ab. Warum auch nicht? Was war passiert?

Interne Bandstreitigkeiten waren Grund für den Ausstieg eines Bandmitgliedes kurz vor dem Festival und dieser wollte die Facebook Veranstaltung der Band absagen. Der Facebook Algorithmus sagte daraufhin mal eben, das Festival als Ganzes ab. Nun shit happens und, wie wir alle erlebt haben, hat das Amphi stattgefunden, wie seit 15 Jahren immer wieder. Hilton Theissen, der Sänger, begeisterte dann mit Stimme und Sound. Die fulminante Nebel- und Lichtshow verdeckte dann so einige Aktionen auf der Bühne. Hilton Theissen mit Florian Grey beim Duett „Lower than this“ war für die Fans dann eine besondere Freude. Ansonsten versprach der Amphi Auftakt auf der Theater Stage mit Daydream ein gutes Omen abgeliefert zu haben, denn der weitere Festival Tag war einfach Tagtraum schön.

Setlist SEADRAKE:

  1. What You Do To Me
  2. Daydream
  3. On The Run
  4. Conformity Loves Company
  5. Get It On
  6. Die Of Temptation
  7. Lower Than This
  8. Something Durable

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Bilder: Andreas Theisinger

THE BEAUTY OF GEMINA                     

Beauty of Gemina sind bereits zum dritten Mal aus der Schweiz angereist, um am Tanzbrunnen ihre überwiegend handgemachte Musik zum Besten zu geben. Songs aus dem im letzten Jahr erschiene Album „Flying With The Owl” begeisterten die Fangemeinde.  Michael Sele als Frontmann bezauberte mit einer melodischen Stimme. Leider wirkte die Akustik aber etwas dumpf, sodass diese nicht mit voller Kraft zur Geltung kam. Mit tanzbarem Rhythmus und einem rocklastig geprägtem Sound animierten sie dennoch das schwarze Volk dazu das Tanzbein zu schwingen. Charisma und musikalisches Ausnahmetalent, präsentiert als Ästhetik der Dunkelheit in Reinform, so kann man diese Band umschreiben. Jedoch erfindet sich Frontman Michael Sele immer wieder neu. Sowohl auf, als auch hinter der Bühne. Liebhaber von Nick Cave oder The Cure kommen bei diesem Auftritt voll auf Ihre Kosten und in Zukunft wird man sicher noch viel aus der wundersamen Feder der Dark Beauty mit der besonderen Erscheinung hören und sehen.

Setlist THE BEAUTY OF GEMINA:

  1. End
  2. All Those Days
  3. This Time
  4. Bitter Sweet Good-Bye
  5. Last Night Home
  6. Hunters
  7. The Lonesome Death Of A Goth DJ
  8. Rumours
  9. Endless Time To See

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Bilder: Andreas Theisinger

FIX8:SED8

Goth – Ahoi. Zu früher Stunde hatte man noch gute Chancen auf einen der begehrten Sitzplätze auf der MS Reinenergie. Durch die klimatisierten Räume auf dem Schiff, war dieses das ganze Festival Wochenende sehr beliebter Zufluchtsort vor der Sonne. FIX8:SED8 eröffneten dann mit Elektronischer Musik in Reinkultur die Orbit Stage. Die Menge flippt schon am frühen Morgen aus, was nicht nur an der skurrilen Kostümierung liegt. Unter der Maske war es Sänger Martin Sane dann auch ordentlich warm, nach kurzer Zeit ließ er diese dann fallen. Dies tat der Energie seines Auftritts aber keinen Abbruch und so feierte die Orbit Stage genussvoll den Opener.

SCHATTENMANN  

Bei Schattenmann heißt es erstmal Licht an und die „Epidemie“ der dunklen Sucht greift um sich. „Wir stehen für die Neue Deutsche Härte 2.0“, wie Sänger Frank Herzig mal so schön sagte und somit explodierte die Band auch bereits schon beim zweiten Song „Brennendes Eis“. Doch nicht nur auf, sondern auch vor der Bühne wurde fleißig eskaliert. Angefixt durch die kräftigen, klaren und präzisen Worte von Frank Herzig, und der Power seiner Bandkollegen gab es kein Halten mehr auf und vor der Bühne. Der monumentale und wuchtige Sound haute alle beteiligten im wahrsten Sinne des Wortes um. Schattenmann ist somit eine wirkliche musikalische als auch menschliche Überraschung. Frische Helden der NDH und eine Band von der in Zukunft sicher noch viele explosive Shows zu erwarten sind.

Setlist SCHATTENMANN:

  1. Schattenland
  2. Brennendes Eis
  3. F.U.C.K.Y.O.U.
  4. Ruf der Engel
  5. Epidemie
  6. Generation Sex
  7. Wahrheit oder Pflicht
  8. Schwarz = Religion
  9. Amok
  10. Licht an
  11. Kopf durch die Wand

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Bilder: Andreas Theisinger

FADERHEAD   

Sonnenschein pur auf und über der Bühne. Immerhin musste sich so der Iro-Träger keine Sorgen um seine Frisur machen. Gewohnt lässig brennt FADERHEAD die Bühne ab. Mit dem neuen Song „Did I Know“ begeisterte er die Fans und der tiefe Elektro Beat regte zum Tanzen an. Sein zehntes Studioalbum wird am 4. Oktober erscheinen. Seine Show ist zurzeit wohl mit eine der besten Dark Elektro Shows die die Szene zu bieten hat. Alleine deswegen wäre er ein würdiger Headliner. Die Fans können sich auf der kommenden Tour dann von der Qualität des neuen Albums „Asteria“ selbst überzeugen. Düster und eine immer weitergehende musikalische Entwicklung, das ist der Hamburger FADERHEAD. „Thank you Amphi! I haven’t smiled this much at a festival show in a long time!“, waren seine Worte zum Abschied an das Publikum. Die glücklichen Fans, welche noch ein Autogramm bei der  Autogrammstunde ergattern konnten, waren dann genau so begeistert und zogen lächelnd ihres Weges.    

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Bilder: Andreas Theisinger

WELLE:ERDBALL  

Was schallt denn da über den Tanzbrunnen? Ist Kraftwerk dieses Jahr auch mit am Start? Nein, das ist das Intro von WELLE: ERDBALL. Die Elektronik-Musiker Alf Behnsen „A.L.F.“ und Hannes Malecki „Honey“ aus Stadthagen nahe Hannover formierten sich 1990 zum Projekt Honigmond, welches später in WELLE:ERDBALL umbenannt wurde. Nun erfreut der Honigmund seine Fans mit seinem schnellen Synthpop in gewohnter Manier. Die Bühnenoutfits zollen den 50er Jahren ihren Tribut und die Bühnendekoration mit den ganzen Schaufensterpuppen ist vermutlich die Aufwendigste des ganzen Festivals. Die beiden „Red Ladys“ entfachen ein emotionales Herzglühen. Hier gibt es kein „Firlefanz“, sondern ausgelassene Tanz- und Klatschmusik vom Feinsten. Ein musikalischer Powerblitz. „Eigentlich war es das jetzt wohl“, sagt Honey am Ende, doch nein, ein Seifenblasen getragener Song musste noch folgen – “Es geht voran!”. Ein roboterartiger Sänger endet mit „den wollten wir eigentlich gar nicht spielen“ – nun haben Sie es doch getan. 

Im Herbst 2019 startet die Mumien, Monstren, Mutationen-Tour mit der neuer Besetzung.

Setlist WELLE:ERDBALL:

  1. Die Roboter (Kraftwerk)
  2. Schaufensterpuppen (Kraftwerk)
  3. Vor all den Jahren (Stahlnetz)
  4. FanFanFanatisch (Rheingold)
  5. Kabinett (Das Kabinette)
  6. Berühren (Profil)
  7. Eine neue Zeit (Der Liederkranz)
  8. Kleptomanie (Extrabreit)
  9. Und es geht ab (Piefke & Pafke und die Jungs aus der Dunkelkammer)
  10. Feuerwerk (Stefan Remmler & Nina)
  11. Karl der Käfer (Gänsehaut)
  12. Fred vom Jupiter (Andreas Dorau)
  13. Es geht voran (Fehlfarben)

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Bilder: Andreas Theisinger

CRYO

Mit Tosender Applaus wurde CRYO auf dem Schiff begrüßt. Die sympathischen Schweden haben ihre Fans von den ersten Takten an auf Ihrer Seite. Martin Rudefelt und Torny Gottberg verstehen schließlich ihr Handwerk. Elektro Musik aller erster Sahne. Fetziger Beat, krasser Bass und ordentlich Action an den Synths befeuern eine Energiegeladene Show, die die Fans dieses Musikgenres begeistert hat. Leider war der Sound nicht so gut, so dass das absolutes Tanzvergnügen ausblieb.

COMA ALLIANCE   

COMA ALLIANCE ist ein Joint Venture von DIARY OF DREAMS und DIORAMA. Adrian Hates und Torben Wendt vereinen in diesem Projekt, die jeweils für sich schon besonderen Musik, der Bands der beiden bandszu einer einmaligen Allianz von elektronischer Musik und eingängigem Gänsehaut Gesang. Der Auftritt gelingt in gutem Licht und Adrian Hates versprüht seinen besonderen Charme an die laut jubelnden Fans. Es wird gelacht, gescherzt und mit großer Freude das Tanzbein geschwungen.  Die teilweise sehr tiefe Stimme des Frontmanns Adrian Hates entführt in andere Sphären und wird von der Stimme von Torben Wendt weiter beflügelt. Diese ganz einmalige Mischung an Stimmgewalten und ruhigerem Sound lädt dann auch zum kuscheln vor der Bühne ein. Von dieser Allianz werden wir sicher noch sehr viel hören und sehen.

Setlist COMA ALLIANCE:

  1. Unusual
  2. Royd
  3. Starfruit
  4. Trembler
  5. HLA
  6. Miracle
  7. Sepia
  8. Butterfly Dance
  9. Coma Supreme
  10. CA2

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Bilder: Cynthia Theisinger

WHITE LIES            

„Time to give“ – der Song Name ist hier von Anfang an Programm. Die glasklare Stimme von Harry McVeigh und Gitarren lastiger Softrock schallt über den Tanzbrunnen. Der Sound erinnert ein wenig an DURAN DURAN und ist eine erfrischende Abwechslung im Tagesgeschehen. Das schwarze Publikum muss sich erst an die weiße Ausnahme im dunkeln Geschehen gewöhnen und wird nur langsam mit den eher sanften Klängen warm. Einige ziehen es vor, in den Schatten zu flüchten und lieber etwas der Nahrungsaufnahme zu frönen. Schade, denn hier verpasst man tatsächlich mal etwas, den die London Boys Harry McVeigh, Charles Cave und Jack Brown sind wirklich gut. „Is My Love Enough“ scheint dann das Eis zu brechen. Die Schockstarre löst sich auf und der Tanzbrunnen macht seinem Namen wieder Ehre – es wird getanzt zu den mit Elektro geprägten Klängen. Bei „Fire And Wings“  und „Bigger Than Us“ erhalten die Jungs dann auch den entsprechenden Applaus. Für mich eine schöne Neuentdeckung – denn dafür sind Festivals ja auch da. Neue Bands kennen und lieben lernen.

Setlist WHITE LIES:

  1. Time To Give
  2. Farewell To The Ground
  3. There Goes Our Love Again
  4. Is My Love Enough?
  5. Death
  6. Tokyo
  7. To Lose My Life
  8. Fire And Wings
  9. Unfinished Business
  10. Bigger Than Us

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Bilder: Andreas Theisinger

SPARK

Das Schiff blieb fest in EBM Hand. Mit SPARK, den sympathischen Jungs aus dem hohen Norden, die beim Reisen auch gerne mal „Wind of Change“ von den Scorpions hören. Die Hitze hat das Schiff inzwischen fest im Griff, so wie die feschen Schweden Jungs ihr Publikum. Es wird mitgesungen, getanzt und nein, es stört niemanden, dass die Songtexte auf Schwedisch sind. Das Publikum zerfeiert das Schiff zu schnellen Beats, provokanten Texte und artige Volleskalation im Sauseschritt. Es soll sogar Menschen geben, die sich beim EBM Tanzen schon den Ellenbogen gebrochen haben, habe ich mal gehört.

FEUERSCHWANZ   

Ein Opulentes Tanzintro stimmt die Fans auf ein großartiges Konzert ein. Viele waren dem Aufruf von Hauptmann Feuerschwanz gefolgt und dementsprechend kuschelig warm war es im Theater. Ein Märchenland war das so nicht und auch über mangelnden Met konnte man auf dem Amphi nicht klagen. Dieser, sowie Drachenblut, flossen reichlich über den Tresen des Metstandes auf der kleinen Beton Insel am Tanzbrunnen. Wie dort getrunken wurde, so wurde hier vor der Bühne getanzt. Wild und ausgelassen war es ein „Schubsetanz2 der Extraklasse. Ein Gelage der Superlative für die Metvernichter und des Hauptmanns geilen Fanclubs Haufen. Die Kostüme rundeten die Showeinlage perfekt ab und Feuerschwanz hat den Fans ordentliche Feuer, nicht nur unter den Beinkleidern, gemacht.   

Setlist FEUERSCHWANZ: 

  1. Operation Drachensturm
  2. Die Hörner hoch
  3. Schubsetenz
  4. Ketzerei
  5. Metnotstand im Märchenland
  6. Krieger des Mets
  7. Methämmer
  8. Wikingerblut
  9. Liga des Mets

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Bilder: Andreas Theisinger

PROJECT PITCHFORK   

Hier ist der Gig Start, leider Technik verschuldet, sehr mies. Peter Spilles und Dirk Scheuber haben tote Mikrofone. Nichts geht mehr. Auch der Sound lässt leider sehr zu wünschen übrig. Das ist schade. Der letzte Amphi Auftritt ist noch in guter Erinnerung, da es dort so ein großes Fest war. Doch Frontman Peter Spielles löst das ganz Profimäßig und scherzt mit dem Publikum „Akustik können wir nur rhythmisch. Nun gut, dann eben eine rhythmische Liederstunde. Das ist volles Risiko“.  Das Mikrofon Problem wurde gelöst, aber der Sound bleibt dumpf – die rauchig tiefe Stimme von Peter Spilles ertönt über den von schwarz tanzwütigen Menschen gefüllten Theaterbrunnen. Ein Händemeer der Superlative lässt nicht lange auf sich warten. Ein großer Hit nach dem anderen bringt den Boden zum Beben. Es wird gehüpft, gesprungen, gelacht, geklatscht. Eine einzige riesengroße Party. Bei „Souls“ erleuchtete nicht nur die Sonne die Herzen der Menschen.  „Titanes“ kracht dann krass dazwischen und viele Hände schnellen in die Höhe.  Man merkt deutlich wer hier die Fans der ersten Stunde sind. Bei „Beholder“ sollten dann alle ran, als Frontmann Peter dazu aufrief: „Alle mal die Arme hoch“. Dies fiel aufgrund des jetzt doch wieder schwächelnden Sounds eher verhalten aus.  Ein guter Auftritt, in gewohnter Manier, jedoch weniger genussvoll als sonst durch die Soundprobleme.

Setlist PROJECT PITCHFORK:

  1. K.N.K.A.
  2. Timekiller
  3. IO
  4. Rain
  5. Alpha Omega
  6. And The Sun Was Blue
  7. Conjure
  8. Acid Ocean
  9. Souls
  10. Titânes
  11. Beholder
  12. I Am (A Thought In Slowmotion)

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Bilder: Andreas Theisinger

RABIA SORDA   

Electronic – Rock – Punk – Metall. Taub wird man hier nur vom Zuhören. Lautstark knallen die Beats aus den Boxen und die Stimme von Sänger Erk Aicrag schrillt durch das Mikrofon. Schreimetall in Reinkultur. Der tobenden Menge vor der Bühne scheint es zu gefallen und ist am headbangen wohin das Auge blickt. Marcus Engel schreddert seine Gitarre bis die Fetzten fliegen und alle anwesenden sind „Out Of Control“. Wem in der Halle bei den Temperaturen noch nicht warm genug ist, dem ist spätestens nach diesem Energieausbruch auf der Bühne mehr als heiß.

Setlist RABIA SORDA:

  1. Perfect Black
  2. We’re Here To Win
  3. So Slow It Hurts
  4. Violent Lovesong
  5. D.E.A.F.
  6. Out Of Control
  7. Radio Paranoia
  8. Demolición
  9. King Of The Wasteland
  10. We’re Not Machines
  11. Dekadenz
  12. Walking On Nails

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Bilder: Cynthia Theisinger

IN EXTREMO   

Der Headliner des heutigen Abends hat es Besuchertechnisch nicht so einfach. Viele möchten sich NACHTMAHR oder DAS ICH nicht entgehen lassen und kehren etwas enttäuscht zurück, weil Ihnen der Einlass in das Theater verwehrt wurde. Aber die richtigen Mittelalter Fans sind natürlich vor Ort um ihrer Band zu huldigen. Ihr geniale Pyro Aktion lässt die Bühne nicht nur im Scheinwerferlicht erstrahlen. Da hat sich die Crew von IN EXTREMO wirklich Mühe gegeben und brennt hier eine echt coole Show ab. Noch mehr Feuer und Rauch bei „Störtebeker“. Schlagzeug und Gitarren lastiger Sound mit sphärischen Klängen lassen das Gefühl aufkommen, sich mitten unter Gauklern auf einem Mittelalterfest zu befinden. Der ganze Theaterplatz schunkelt und tanzt zu den  Klassikern wie „Vollmond“ oder „Rasend Herz“. „Sternhagelvoll“ sind hier dann aber doch nur sehr wenige der Fans der mittelalterlichen Klänge. Dafür wird umso ausgelassener vor der Bühne getanzt und die Gewänder geschwungen. Eine einzige große Festungstaugliche Sause mit sehr vielen glücklichen Fan-Gesichtern. Ich kann mit diesem Mittelalter Sound eigentlich so gar nichts anfangen, jedoch hat mir der Song „Feuertaufe“ mit einem tiefgehendem Text und einer groovige Melodie gut gefallen. Wer möchte nicht mal gerne durch den Regenbogen laufen? Eine schöne Vorstellung. Der fulminante Festival Abschluss endete dann auch entsprechend lautstark mit einem ohrenbetäubenden Knall – dank der ausgefeilten Pyrotechnik. IN EXTREMO halt – ein würdiger Abschluss eines grandiosen Festival Wochenendes.

Setlist IN EXTREMO:

  1. Sängerkrieg
  2. Vollmond
  3. Störtebeker
  4. Feuertaufe
  5. Gaukler
  6. Unsichtbar
  7. Quid Pro Quo
  8. Liam
  9. Lieb Vaterland
  10. Rasend Herz
  11. Frei zu sein
  12. Himmel & Hölle
  13. Moonshine
  14. Sternhagelvoll  

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Bilder: Andreas Theisinger

NACHTMAHR                         

Der Doktor Mark erzählt wieder lustige Geschichten zu Beginn des Gigs. Wie er z. B. dem Sänger Thomas Rainer auf die Toilette folgte, um dort WC Bilder zum Machen. Ebenso, dass es doch eine prima Idee wäre, der Feuerwehr draußen mal zu den tollen Outfits zu gratulieren und sie nach dem aktuellen Nachtmahr Fan Status zu befragen. Mir erschlossen sich diese vermeintlichen Lustigkeiten in ihrer Gänze nicht ganz, aber einige lachten ob dieser Äußerungen. Dann war es soweit. Köln konnte Geschichte schreiben – in gewohnt dreckiger Manier. Schon zum dritten Song kochte das Theater und es war kaum noch Platz zum wirklich tanzen, so dicht an dicht drängten sich die Fans. Thomas Rainer ist eben der Mann der „es einfach kann“. „Links, zwei, drei, Vier“, an Tanzpause war nicht zu denken. Die Uniformgirls wie immer eine Augenweide und Bühnenbereicherung. Der Boden des Theaters bebte immer mehr zu den krassen Technobeats. Weil Nachtmahr wohl zu kommerziell geworden wäre, hat uns Thomas Rainer den neuen Song „Gehorsam“ mitgebracht. „Du musst dein eigener Herr sein, koste es was es wolle“ spiegelt die Bandphilosopie voll wieder. Absolut in der Antithese – mit treibenden, scheppernden Technobeats. Wer da still stehen bleibt ist selber schuld. „Mädchen in Uniform“ durfte natürlich nicht fehlen und erzeugte ein weiteres Vollausrasten und zeigt das die Fans absolut Textsicher sind. Und nirgendwo sonst wollen gerade alle schwarzen Herzen sein und sich die Seele aus dem Leib tanzen. „Heile mich“ – eine dunkle Fantasie. Eine spontane Bühnenheilung durch die Bühnenärztin des Vertrauens als extra Showeinlage und wir sind leider am Ende des Gigs angelangt. Mit „Katharsis“ zum Abschluss gibt es nochmal ein absoluter Durchdrehsong. Nun tanzt und klatscht das gesamte Theaterpublikum und die Stiefel bohren sich hart in das Parkett. Passend zum peitschenden Antrieb des harten Technobeats. Ein Abriss der Superlative und genau das Tanzvergnügen und die Show, die man von Nachtmahr gewohnt ist.

Setlist NACHTMAHR:

  1. Blendwerk
  2. Wir schreiben Geschichte
  3. Weil ich’s kann
  4. Tanzdiktator
  5. Feuer frei
  6. Gehorsam
  7. Mädchen in Uniform
  8. Helden
  9. BoomBoomBoom
  10. Dein Herr
  11. Can You Feel The Beat?
  12. Tempus Fugut
  13. Ich glaube
  14. Heile mich
  15. Katharsis

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Bilder: CynthiaTheisinger

Damit war das Amphi 2019 viel zu schnell leider schon wieder vorbei.

Das Motto war ja dieses Jahr „Glaube, Liebe, Amphi“. Angelehnt an den bekannten Bibeltext eines Paulusbriefes: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ (1 Kor 13,13). Dieses war auch Grundlage für das neunte Drama des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Ödön von Horváth, das er unter Mitarbeit des Gerichtsreporters Lukas Kristl geschrieben hat. Es erschien im Jahr 1932 und trägt den Untertitel „Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“.

„Es soll gezeigt werden, wie tragische Ereignisse sich im Alltagsleben oft in eine komische Form kleiden … Alle meine Stücke sind Tragödien … sie werden nur komisch, weil sie unheimlich sind.“ (Ödön von Horváth)

„Komisch“ gekleidete  und geschminkte Menschen hatten die diesjährigen Zaungäste an der Rheinpromenade wieder zu bestaunen. Für den einen tragisch, für den anderen ein Lebensinhalt und Ausdruck seines ganz persönlichen Selbst. Das ist es, was die schwarze Szene ausmacht – SEIN und vor allem SEIN LASSEN. Hier kann sich jeder leben wie er möchte, anziehen wie er will, tanzen wie es ihm beliebt und sein wie er möchte, ohne das er ausgegrenzt wird. Nun, natürlich wird auch bei uns gelästert, keine Frage, wir sind ja alles nur Menschen, aber es findet eben keine Vollausgrenzung statt. Und das ist auch gut so. GLAUBE, LIEBE, AMPHI 2019 – vielen Dank an die Veranstalter, die Künstler, die Crews und die Besucher, die uns allen ein so großartiges Wochenende beschert haben. Dann sagen wir uns allen einmal gegenseitig DANKE.

Wir sehen uns bestimmt wieder am 25. & 26.07.2020.

Der Vorverkauf (auch für Call The Ship To Port) startet bereits am Donnerstag, den 01.08.2019, unter www.amphi-shop.de.