M’era Luna 2022- So war der Sonntag

Guten Morgen, M’era Luna! Los sollte es gehen, zum zweiten Festivaltag auf dem Flugplatz in Drispenstedt. Die Nacht auf dem Zeltplatz soll wieder frisch gewesen sein, dafür warteten auf uns 24 Grad und Sonne, ideales Festivalwetter also!
Nicht sicher, ob es noch anderen Menschen so ging, aber diese Redakteurin verzeichnete ziemliche Startschwierigkeiten zu Beginn des Sonntages, trotz keines Tropfens Alkohol am Vortag. Vielleicht war das auch der Fehler? Schreibt uns doch mal auf Social Media, wie ihr in den Sonntag gestartet seid. Wahrscheinlich ist es nur die Festival-Entwöhnung nach zwei Jahren Abstinenz. Die nötige Ausdauer, um ein mehrtägiges Festival zu überstehen, muss auch erst einmal wieder aufgebaut werden.

Mit müden Schritten ab auf das Infield. Doch selbst zur frühen Stunde von 11 Uhr hatten sich bereits einige wache Menschen zu HELL BOULEVARD vor der Bühne versammelt und ließen sich schnell zum Mitmachen animieren. Respekt!
Die Schweizer Dark-Rocker selbst gaben aber auch zu, dass sie normalerweise zu dieser Uhrzeit erst aufstehen würden und es daher schwierig sei, jetzt schon zu performen. Aber unter der schwarz-weißen Bühnenschminke lassen sich eventuelle Augenringe auch schön kaschieren. Eine kleine Überraschung gab es auch, sie coverten Britney Spears’ Hit “Hit me Baby One More Time”. Das Publikum sang und klatschte mit.
Ein gelungener Auftakt für den M’era Luna-Sonntag!

OUL eröffneten die Club Stage, diese war aber wirklich spärlich gefüllt. Es war aber auch wirklich noch früh… Die Dark-Rocker von OUL warteten mit Gesang, Schlagzeug und Keyboard auf und machten das Beste draus. OUL ist eine Band von Allen B. Konstanz (THE VISION BLEAK, EWIGHEIM). Sie spielten unter anderem “Dwell On The Other Side”. Die Fans die da waren, waren umso begeisterter. Im nächsten Jahr soll auch an einem neuen Album gearbeitet werden.

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Fotos: Doctor Hentai

Als nächstes folgte auf der Hauptbühne AEVERIUM.  Die seit 2013 existierende Alternative Metal-Band war 2014 Gewinner des M’era Luna-Newcomer-Wettbewerbs. Begrüßt von “Hey!”-Rufen betraten sie die Bühne. In den acht Jahren hat sich aber einiges verändert, mittlerweile ist Vanessa Katakalos statt Aeva Maurelle am Gesang zu finden. Bereits im ersten Song forderten sie das Publikum auf, sich hinzusetzen um dann alle gemeinsam aufzuspringen und weiter zu hüpfen. Auch sie freuten sich, nach dem letzten Auftritt auf dem M’era Luna 2016 endlich wieder hier spielen zu dürfen. Ruhigere Töne wurden mit dem Song “Home” angestimmt.

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Fotos: Doctor Hentai

Auf der Club Stage wurden derweil endlich mal rockige Töne angeschlagen. Die schwedische Post-Punk-Band THEN COMES SILENCE spielte leider nur vor einer spärlichen Menschenansammlung- es war aber auch noch einfach verdammt früh. Sänger Alex Svenson trug einen auffälligen weißen Anzug. Die Schweden haben kürzlich ihr neues Album “Hunger” veröffentlicht.

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Fotos: Doctor Hentai

 

Mittlerweile brannte die Sonne ordentlich vom Himmel auf die vielen Scharen, die geschwärmt kamen, um UNZUCHT zu sehen. Die Band startete gleich stark durch und Sänger Der Schulz freut sich hier zu sein: “Endlich wieder Festival! Beim WGT war ich krank, beim Rockharz war Tobi krank…wir waren heute echt schon ein bisschen abergläubisch!”. Aber voller Energie ging es weiter, als Songs wie “Nein”, “Jenseits der Welt” und “Engel der Vernichtung”.  gespielt wurden. Der Sänger animierte zum Mitsingen, das “Ooooh!” war recht laut für die frühe Uhrzeit von 12:35.

Beim Song “Nur die Ewigkeit” verwandelte sich der Vorplatz der Bühne in ein riesiges, bewegtes Händemeer und ein Fan in der ersten Reihe brach in Tränen aus. Der Schulz wagte eine kleine Partie als Crowdsurfer und rief erfreut aus: “Das erste Mal seit drei Jahren, dass ich wieder schwimmen war!”. Zwischendurch im Set machte die Menge Platz für einen am Rande durchfahrenden Rettungswagen- wir hoffen, alles ist gut ausgegangen!
Außerdem ließ es der Schulz sich nicht nehmen, die spanische Familie seiner Mutter zu grüßen, die sich im Publikum befand und ihn zum ersten Mal auftreten sah. Ein bestimmt besonderer Moment für alle Beteiligten.

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Fotos: Doctor Hentai

Die Dark- und Synth-Rock-Band A LIFE DIVIDED betrat mit rockigen Klängen die Club Stage. Am Anfang war der Platz vor der Stage nur wenig gefüllt und die meisten Zuschauenden verzogen sich in den Schatten. Nach dem Ende von UNZUCHT wechselten aber viele Menschen die Bühne. Wen sah man denn da im Bühnengraben einen Großteil des Auftritts beobachten? Alex Wesselsky! Kein Wunder: Ist doch auch der Sänger Jürgen Plangger von A LIFE DIVIDED als Gitarrist bei EISBRECHER zu finden. “Das letzte Mal haben wir vor drei Jahren gespielt. Willkommen zurück im Leben! Den nächsten Song solltet ihr kennen!” und schon erklang “Sounds Like A Melody”. Die Menschen klatschten und tanzten mit. Die Anfangstöne von “Heart on Fire” waren zu hören mit der Ansage: “Dann solltet ihr auch den kennen!”, lauter Jubel erklang. Als letzter Song wurde passend “The Last Dance” gespielt.

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Fotos: Doctor Hentai

Wieder zurück an der Hauptbühne wurde es ruhiger, THE BEAUTY OF GEMINA spielten. Viele nutzten die eher ruhigere, gelassene Dark /Indie-Rock Musik als Hintergrundmusik um  sich entspannt an einem der vielen Essenstände zu verpflegen. Auch die Picknickdeckendichte nahm schlagartig zu. Die Schweizer begannen ihr Set mit dem SISTERS OF MERCY-Cover “Nine While Nine”. Zuletzt waren THE BEAUTY OF GEMINA 2014 beim M’era Luna. Sie verrieten, dass ihre bereits vor zwei Jahren geplante Clubtour endlich im September nachgeholt werden wird, und falls es in Deutschland wegen Corona nicht klappen sollte, luden sie uns alle in die Schweiz ein. Außerdem appellierten sie an das Publikum: “Kommt in die Clubs!”. Weitere Songs die gespielt wurden waren “One Step To Heaven” und “Shades Of Summer”.

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Fotos: Doctor Hentai

SOMAN waren auf der Club Stage von Anfang an mit vollem Einsatz und guter Laune dabei, und Club-Musik war es auch, die gespielt wurde. Als Ergänzung hatte Kolja Trelle zwei Tänzerinnen im Cyber-Outfit dabei, die den ganzen Auftritt über die Menschen animierten. Dazu eine fetzige Leinwandshow, und man fühlte sich wie im Gothic Techno Club- einem sehr sonnigen Club! Es wurden u.a.  die Songs “Mask” und “Noise Anthem” gespielt. Bei “Blue Flame” kam eine dritte Tänzerin im Lederoutfit auf die Bühne, und hatte ein Feuerspiel dabei. Kolja Trelle bedauerte, dass der Auftritt so kurz war und bedankte sich beim Publikum.

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Fotos: Doctor Hentai

Mit Feuer und Pyroeffekten ging es dann auf der Main Stage voll zur Sache bei FEUERSCHWANZ-so sehr, dass man sich zwischendurch nicht sicher war ob die Mietzen nicht gerade doch unfreiwillig gegrillt wurden?
Der Platz vor der Bühne war brechend voll, als die Gruppe um Hauptmann Feuerschwanz mit dem Song “Memento Mori” die Bühne enterte. FEUERSCHWANZ sind immer ein Garant für eine gute Mittelalterparty, und die Leute waren voll dabei, bis zum FOH wurden die Fäuste in die Luft gestreckt und laut mitgesungen.  Die Tänzerinnen schwangen Äxte zu “Untot im Drachenboot” und auch bei “Ultima Nocte” konnte man einen Tanz mit Bändern bewundern. Auch das Cover vom O-Zone Hit “Dragostea Din Tei” war im Gepäck. Fette Mittelalter-Party vor der Bühne also! Netter Nebeneffekt: Der Mittelaltermarkt wirkte wie leergefegt. Wer jetzt gerade hier war, konnte sich in Ruhe die Stände anschauen und sich ohne Schlangen etwas Essbares an einem der vielen leckeren Essensstände besorgen. Die Brezeln waren besonders lecker!

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Fotos: Doctor Hentai

Unbemerkt von Vielen fand in einem ziemlich leeren Disco-Hangar ein Vortrag zum Thema Astrologie statt. Eine ältere Dame erklärte die Tierkreiszeichen und ihre jeweilige Bedeutung. Das Rahmenprogramm vom M’era Luna ist sehr vielfältig.

PRIEST waren als Ersatz für THE CASSANDRA CCOMPLEX auf der Club Stage erschienen. Die Synth-Pop Band aus Schweden war unterhaltsam, Sänger Mercury machte etliche Posen und erfreute damit die Fotografen und das Publikum. Die PRIEST-Mitglieder enterten charakteristisch die Bühne mit schwarzen Masken verhüllt. “Let’s continue with an oldie, but yet a goodie”, und es folgte “Neuromancer”. Große Überraschung: MIMI BARKS betrat die Bühne und sie sangen zusammen “Blacklisted”. Der Keyboarder kam bei zwei Songs nach vorne und spielte ein Solo auf der KeyTar, was ihm einen lobenden Kommentar vom Frontmann einbrachte “That’s what I call a keytar solo!”. Abgeschlossen wurde das Set mit dem Song “Vaudeville”. Das Publikum war voll dabei, tanzte und jubelte. Eine gute Show!

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Fotos: Doctor Hentai

COMBICHRIST stehen für absoluten Abriss und Eskalation! Sänger Andy LaPlegua growlte zu Beginn “M’era Luna!” ins Mikrofon und los ging es auch schon mit “Heads Off”. Die Sonne brannte heiß vom Himmel, und heiß ging es auch auf der Bühne her. Das Publikum war sehr gut gefüllt und feierte und tanzte mit. Auf und vor der Bühne wurde ordentlich geheadbangt. Als dritter Song kam “Throat Full Of Glass” . Andy LaPlegua betonte, dass das Publikum seine Familie sei, verbunden nicht durch Blut sondern durch Musik und leitete zum nächsten Song “Hate Like Me” weiter. Den Abschluss bildete “Maggots At The Party”.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Im Disco-Hangar fand unterdessen eine Shibari-Performance statt, der Hangar war mal wieder zum Brechen voll. Kunstvoll wickelte der Rigger sein Model ein und knüpfte so schnell Sicherungen, dass man gar nicht so schnell hinschauen konnten. Während die einen die Kunstfertigkeiten und die Technik des Mannes bewunderten, beobachteten andere Besucher sorgenvoll das sichtlich blau angelaufene Bein des Models. Auch die Sanitäter blickten besorgt und überlegten, ab welchem Punkt sie eingreifen würden. Am Ende der Performance war wieder alles gut und Model und Meister liefen strahlend von der Bühne. Beeindruckende Kunst und ein ganz schönes Spiel der Emotionen.

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Impressionen vom M’era Luna, Fotos: Virginia Weidhaas

DIORAMA machten nun an der Club Stage weiter, der Zuschauerraum war gut gefüllt. Torben Wendt trug eine dunkelrote Lederjacke und freute sich sehr, nach zwei Jahren endlich wieder spielen zu dürfen. “Wir sind alle Helden nach diesen zwei Jahren. Wir sind Dio-fucking-Rama”.
Weiter ging es mit der Ansage “Wir haben uns so gewöhnt ans Maskentragen und können es nicht mehr lassen.“ und Torben hatte plötzlich eine goldene Maske und Felix eine schwarz-weiße auf. Es folgte “Record Deal”- einen Song den viele Fans jahrelang nicht live gehört hatten! Die Freude war groß, das Publikum tanzte, klatschte und sang. Torben wurde plötzlich im Achselshirt gesichtet, das gab es noch nie! Es war aber auch sehr warm… Er war sehr gut drauf-total in seinem Element und sehr happy.  Sie spielten als vorletztes auch den Song “Why” was auch die Fans erfreute, ebenfalls ein Song der lange nicht gespielt wurde. Wer nicht beim M’era Luna war, hatte richtig was verpasst! Den Abschluss des Sets bildete “Kein Mord”.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Absolutes Kontrastprogramm zum vorherigen Act auf der Main Stage: Auf die VNV NATION CLASSICAL Show waren schon viele gespannt. Feierte VNV NATION doch letztlich erst ihr 30-jähriges Jubiläum in Gelsenkirchen nach (wir berichteten ), hieß es heute den Songs mit Unterstützung der Leipziger Philharmoniker, unter Leitung des Konzertmeisters Holger Engelhardt, eine klassische Seite einzuhauchen. Viele wollten sich die Chance nicht entgehen lassen, so nah wie möglich ihr Idol zu sehen, aber auch viele machten es sich unter schwarzen Sonnenschirmen auf Picknickdecken auf der Wiese bequem, ein Getränk in der Hand, und lauschten den Klängen im Sitzen. Mittlerweile brannte die Sonne auch nicht mehr ganz so unerbittlich vom Himmel. Ronan Harris betrat die Bühne und blieb das ganze Konzert über am Mikrofon stehen- ungewöhnlich für den sonst so dynamischen Frontmann. Aber vielleicht ebnete auch gerade diese Veränderung den Weg dafür, die Songs ruhiger und emotionaler wahrzunehmen. Mit “Nova” und darauffolgend “Illusion” gab es gleich einen starken Einstieg, der von Jubel begleitet wurde, sobald die ersten Töne des jeweiligen Songs erklangen und die ersten Reihen ließen es sich nicht nehmen, mitzusingen. Kaum ein Auge im Publikum blieb trocken, die erste Reihe lag sich schluchzend im Arm und auch Sänger Ronan Harris musste ein Tränchen verdrücken. Aber mal ehrlich, wer wird denn auch bei “Illusion” nicht emotional berührt?
Es war absolut beeindruckend, welche Stille auf dem Platz herrschte, als das Orchester spielte. Die VNV-Songs wirkten stark im klassischen Gewand: Ruhiger, emotionaler.
Nach “The Farthest Star” brach tosender Applaus bis in die hintersten Ecken aus, und die Menschen jubelten. Ronan Harris erwiderte: ”We love you, too!”.
Auch zwischendurch war zu merken, dass diese Erfahrung nicht nur das Publikum verzaubert hatte, sondern auch der Sänger selbst ergriffen war: “Darf ich ganz kurz was sagen? I love my job! I love to play in front of a wonderful audience with wonderful musicians! After 2,5 years, it is good to be back again!”. Eine wahrhaft schöne Erfahrung, die die Menschen noch danach im Bann hielt und nachhallte.

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Fotos: Mirco Wenzel

Auf der Club Stage ging es bereits vor dem offiziellen Start mit ROTERSAND gut los – beim Soundcheck sang Rascal plötzlich den Refrain von Merging Oceans:  “Für unsere Sound-Frau!” und wies an: „Wenn wir gleich wiederkommen, müsst ihr so tun, als hättet ihr uns noch nicht gesehen, ne? Ich freue mich jetzt schon!“. Offiziell ging es dann los mit der Ansage „Dankeschön und willkommen zu ROTERSAND“ und der erste Song “Grey” startete. Frontmann Rascal war sehr selbstsicher und präsent, man sah ihn auch immer wieder auf die vordere Box steigen, um das Publikum zu animieren und er zog auch Parallelen vom Hangar zur Club Stage: “Seit 20 Jahren empfangen wir euch in diesem Dom, den Hangar. Und nun auf dieser kleinen Terrasse.“

Die Stimmung war mega, die Leute hüpften, tanzten, jubelten, es folgten viele “Hey! Hey! Hey!”-Rufe z.B. bei “Torn Realities”. „Ich glaube, die Antwort auf viele offene Fragen – auch die, die wir heiß diskutieren, fängt mit ‘L’ an und hört mit ‘Ove’ auf”, hieß es und dazu kam der Übergang zum Song “Silence”. Die “First Time”-Ansage kam mitten im Song: “Und du sitzt auf deinem Sofa und kriegst den Arsch mal wieder nicht hoch- Aber diesmal wird es anders sein!“. Krischan veränderte einen Song live. Rascal daraufhin:  „Alter, der Typ spinnt! Die letzten 20 Gigs macht er immer irgend ‘nen Scheiß, um mich aus dem Konzept zu bringen!“ Ein sehr humorvolles Konzert mit vielen Schlagabtauschen also, und ein lustiger Spruch folgte dem nächsten. Das Mikrofon musste gewechselt werden, Rascal sagte: „Ich find Krischans ist viel schöner. Ihr habt das andere kaputt gemacht, weil ihr so rumschreit. Kommt, wir machen noch mehr Technik kaputt!“ Passend dazu: “War on Error”. Krischan und Rascal trieben die Menge immer wieder zusammen vorne an. „Danke, dass wir eine so schöne Terrasse bekommen haben, auf der wir ein bisschen Sonne haben für unsere blassen Gesichter.“ Rascal warf ein paar kleine ROTERSAND-Teddybären ins Publikum: „Komma her du Jammerlappen! Nimm diesen Teddybären. Hört auf zu heulen!“ Bei den letzten Songs sang Krischan mit. Am Ende standen beide mit ausgebreiteten Armen vorn und genossen den Moment nach dem Song “Merging Oceans”.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Heiterer und mittelalterlicher wurde es auf der Hauptbühne nach der Vorlage von VNV NATION CLASSICAL mit SCHANDMAUL. Die Folk-Rocker aus Bayern touren bereits seit 1998 über die Bühnen der Welt und vermögen mit ihrer Mischung aus alten Erzählungen, Märchen und Rock-Einflüssen die Massen zu begeistern. Mit vielen alten Klassikern wie dem starken Einstieg mit “Herren der Winde” und “Mitgift”, aber auch neuen Liedern wie “Knüppel aus dem Sack” brachten sie die Menge zum ausgelassen Tanzen. Aber auch ernstere Töne wurden angeschlagen: So erinnerte uns Thomas Lindner daran, immer genug zu trinken und verwies auch auf die Kooperation des M’era Luna-Festivals mit Viva Con Aqua und ermunterte uns, unsere Pfandbecher zu spenden.
Das Lied “Narren sind bunt und nicht braun” begann er mit den Worten, dass die Zuhörenden ja nicht Zielgruppe des Liedes seien, aber vielleicht könnten wir es auf den Lippen tragen und so in die Welt hinaus bringen, damit die Leute, die es hören sollten auch hören würden.  “Die Kollegen von VNV Nation haben gerade unheimlich vorgelegt, trotzdem ist es auch für uns an der Zeit – im hellen Sonnenlicht – eine Ballade auszupacken!”. Testweise versuchte ein Fan, ein Feuerzeug in der ersten Reihe zu erleuchten-keine Chance, natürlich war nichts zu sehen. “Wir stellen uns jetzt Dunkelheit und Romantik vor!” und die Fans packten trotzdem ihre Handykameras aus. Ein Chor aus tausenden Stimmen sang den Refrain von “Dein Anblick” mit.
Animiert von Thomas wurde das Publikum bei “Walpurgisnacht” dazu, einen riesigen Background-Chor zu bilden. “Ihr singt das jetzt weiter- ich mach was anderes!”. Auch nach dem Song entwickelte das Publikum ein Eigenleben und sang fast eine Minute lang den “Oooooh”-Mitsing-Teil weiter- so lange, dass Gitarre und Schlagzeug wieder einsetzten und Sänger Thomas doch noch einmal den Refrain erklingen ließ. Im Herbst sind die Schandmäuler wieder auf Tour unterwegs.

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Fotos: Doctor Hentai

Härtere Klänge waren nun auf der Club Stage zu hören – NACHTMAHR waren da! Der Einstieg war mit “Nicht wie Sie”. Die Tänzerinnen lieferten eine tolle Show über das gesamte Set und waren deutlich präsenter als sonst. So wurde das Publikum in der ersten Reihe mit Dildopeitschen verprügelt, es gab Rauchfackeln. Beim Song “Feuer Frei” wurden Wasserpistolen ins Publikum gespritzt, was vom erhitzten, wild tanzenden und klatschen Publikum dankbar aufgenommen wurde. Es herrschte eine bombastische Stimmung vor der Bühne. Auch neu und sehr nett visuell anzusehen waren Kettenspielchen, als sich die beiden Tänzerinnen an einer langen Kette gegenseitig hin und her zogen. Bei “Can You Feel The Beat” gab es eine BDSM-Performance, wo eine Person aus der Crew etwas leiden musste. Es gab also viel zu schauen! Neu war auch, dass Andrea live Gitarre gespielt hat.
Natürlich durften auch die Songs “Mädchen in Uniform” (begleitet von lautem Mitsingen bzw. Mitrufen) und “Tanzdiktator” nicht fehlen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Vor der Hauptbühne wechselte nun das Publikum, der Altersdurchschnitt stieg ziemlich an – THE SISTERS OF MERCY spielten. THE SISTERS OF MERCY wurden 1980 in Großbritannien gegründet- zu einer Zeit, in der viele der jüngeren, heutigen Festivalbesucher noch nicht einmal geboren waren. Nachdem der erste Nebel verflogen war, konnte man die Band auch gut erkennen- ganz anders als beim letzten Auftritt der Band auf dem M’era Luna in 2016. Sänger Andrew Eldritch betrat die Bühne mit einer Kippe in der Hand und einer schwarzen Maske, die er erst abnahm, als sein Einsatz für den ersten Song erfolgte.
Mit “Guten Abend.” wurden die Fans  begrüßt: “Ihr wisst, dass wir hier wohnen?”. Zwischendurch wurde sich immer wieder für den Applaus bedankt: “Ach, ihr seid süß!”. Als letzte beiden Songs wurden die wohl bekanntesten Songs “Temple of Love” und “This Corrosion” gespielt. Während die älteren Fans sich vor der Bühne freuten, suchten die jüngeren nach etwas Essbarem auf dem M’era Luna, um sich für die Headliner zu stärken- die Schlangen an den Essenständen wurden wieder merklich länger.

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Fotos: Doctor Hentai

Als letzter Act des Abends auf der Club Stage waren FRONT LINE ASSEMBLY dran. Zunächst war der Bereich vor der Bühne zwar gut gefüllt, aber recht locker, sodass man schnell einen guten Platz bekommen konnte. Das mag wohl daran gelegen haben, dass auch die Kanadier bereits seit 1986 Musik machen, somit gab es sicherlich Überschneidungen in der Zielgruppe mit THE SISTERS OF MERCY. Der Auftritt startete mit viel Nebel. Der Sänger begrüßte uns nett und förmlich mit “Dankeschön! Guten Abend, meine Damen und Herren!”. Die Lichtshow war schön stimmungsvoll, auch wenn sie natürlich im Sonnenuntergangslicht nicht ganz so gut wirken konnte. Einige tanzten, aber auch hier sah man einen Alterssplit- die Älteren blieben vor der Bühne, die Jüngeren nutzten die goldene Stunde, um eine Runde durch die Händlermeile zu drehen.

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Fotos: Doctor Hentai

Dadurch, dass es dieses Jahr die Überschneidung mit Wacken gab, wurden einige Stände schmerzlich vermisst und auch das Gothic Fashion Town-Angebot war geringer als sonst. Nichtsdestotrotz gab es insbesondere nach der langen Pause genug zu sehen, und so manch eine war von der Übermacht der schönen Dinge in den Bann gezogen. Böserweise konnte man auch an ziemlich allen Ständen kontaktlos bezahlen- ohje, die armen Geldbeutel! Nächstes Jahr überschneiden sich zum Glück das M’era Luna und Wacken nicht, vielleicht sind dann auch wieder mehr Verkaufs- und Essensstände vor Ort.

Frisch gestärkt oder schnell mit den letzten Einkäufen versorgt, strömten nun Jung und Alt zur Main Stage, EISBRECHER beendeten das Festival als Headliner. Das letzte Mal spielten sie vor vier Jahren auf dem M’era Luna. Als die ersten Töne von “Verrückt” erklangen, klatschte das Publikum schon wild mit.  Zum dritten Song “Fehler machen Leute” setzte Frontmann Alex Wesselsky seine Brille ab. “Bis zur ersten Reihe kann ich gerade noch sehen. Den Rest kann ich maximal noch hören!” rief er ins Publikum und löste einen Jubelschrei aus. Es folgte der Song “FAKK” wo man im Publikum seine Frustration auf unangenehme Zeitgenossen schön herausschreien konnte. Beim Song “Eiszeit” schneite es weißes Konfetti und der Frontmann trat mit Pelzmütze und dicker Jacke auf. Die Hände des Publikums bewegten sich im Takt – bei EISBRECHER weiß man, was man bekommt, eine gelungene Show! “Im Guten im Bösen” begann mit einer Ansage, wo er sich bei der Crew und allen Beteiligten bedankte und das Publikum zum Applaus aufforderte. Es braucht auch wirklich viele Menschen, um so ein Event auf die Beine zu stellen, Veranstalter, Crew, Feuerwehr, etc. aber auch die Händler, das Service-Personal an den Ständen und so weiter. Sehr aufmerksam, dass dies noch einmal auf der großen Bühne erwähnt wurde! Auch wir sind sehr froh um all die Helfenden und Freiwilligen, die so ein Festival ermöglichen. Insbesondere die Dienste der Sanitäter haben wir auch selbst getestet, als sich eine Redakteurin mit einer Dixie-Klotür angelegt hatte. Leider hatte die Tür gewonnen. Aber zurück zu EISBRECHER….
Ein lauter Chor von Stimmen schallte bei “Himmel, Arsch und Zwirn” über den Platz. Als “Ausziehen, Ausziehen!”- Rufe die Bühne erreichten leitete Alex Wesselsky geschickt zum nächsten Song über: “Die letzten zwei Jahre haben wohl Spuren hinterlassen! Da kann man sich nur fragen:…Was ist hier los?”. Beeindruckend laut wurde beim Song “Miststück” mitgesungen, als das Publikum aufgefordert wurde laut “Du bist ein Miststück- ein Stück Mist!” zu rufen. EISBRECHER schließen mit dem Falco Cover “Out Of The Dark” ab. Das war ein gelungenes Ende eines tollen Festivaltages!

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Fotos: Doctor Hentai

Während die einen sich schnell zum Auto begeben haben und heimfuhren, tranken andere mit neu gewonnen Freunden einen Absacker auf dem Campingplatz zum Abschied. Ach wie schnell warst du vorbei, M’era Luna! Der Festival-Blues wird bestimmt kommen. Aber ein einem Jahr sehen wir uns ja hoffentlich alle wieder! Der Vorverkauf für 2023 hat bereits gestartet und auch die ersten Bands wurden bestätigt. Bis bald, Hildesheim!

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