15 Jahre Vainstream Festival – oder nicht?

Da ist es endlich, das langersehnte freie Wochenende. Gefüllt mit Vorfreude und Wegbier mache ich mich auf den Weg nach Münster – nur dieses Jahr nicht. Dieses Jahr hat und Covid-19 fest im Griff. Und die Musikbranche auch.

Ich würde so gegen 17 Uhr am Freitag vor dem Festival in einem nahegelegenen Hotel einchecken. Freitags abends reicht ja, da das Festival nur einen Tag dauert, aber auch relativ früh startet. Ich packe also aus, mache mich auf zur Warm-Up Party und lerne dann schon ein paar Menschen kennen, die am nächsten Tag auch zum Festival wollen.

An dem darauf folgenden Tag stehe ich so gegen acht Uhr auf. Der Schädel schmerzt mir noch leicht vom Vorabend. War wohl ne schöne Party. Ich mach mich fertig: Tasche – check, Handy – check, Geld – check, Ticket – als Mail auf dem Handy – check.
Ab zum Frühstück und los geht es Richtung Haverkamp. Kurz vergisst man den Weg, also erfragt man sich den. Angekommen noch schnell das Bändchen abholen und dann gilt es, erstmal das Gelände zu erkunden. Vorbei an Fressbuden, Bierständen und Merch geht es Richtung Bühnen. Es gibt ja schließlich zwei Bühnen draußen und eine in der Halle.

Man hört, wie die erste Band des Tages Line-Check macht. Ich schaue kurz auf meine Timetable um zu überlegen, ob ich sie sehen will.
METZER58, noch nie gehört. Also weiter erkunden, aber im Hintergrund hört man die Musik eh. Am Bierwagen 7 hole ich mir mein zweites Bier des Tages. Der nette Typ auf dem Wagen hält einen kurzen Plausch mit mir und schon geht es wieder Richtung Bühnen. Auf der zweiten Bühne machen sich grade LANDMVRKS bereit. Die will ich sehen, also geh ich näher an die Bühne. Nach LANDMVRKS spielen COUNTERPARTS und MARATHONMANN. Was mich also erst mal vor der Bühne bleiben lässt. Es ist schon 25 Grad heiß und die Sonne knallt einem nur so auf die Kopfbedeckung. Bier leer – neues Bier am Bierwagen. Der nette Bierwagentyp fragt mich, ob ich Sonnencreme bräuchte, ich lache und lehne ab. Ich denke manchmal an die dritte Bühne, in der Kühlen Halle. Da würde gleich MNYPNK, das NASTY- Sänger Mathias Projekt, spielen. Ich entscheide mich für einen Platz unter einem der wenigen Bäume. Es ist noch früh, also ist kaum jemand da. Kurz vor Mittag spielen dann GET THE SHOT und mit deren letzten Ton, wird der Platz voller und das VAINSTREAM wird zum Mainstream. CREEPER aus Großbritannien stehen auf der Bühne, schwarze Bühnenoutfits und ein Haufen Schminke bei 25 Grad, das sollte man nochmal überdenken. Aber die Musik ist gut.

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Fotos: Ingrid König

Da das Line-Up zwar überschaubar, aber gut gemischt ist, ist das Publikum auch dementsprechend divers. Vor den Bühnen und am Bierstand trifft man auch die ein oder anderen Gesichter die man beim Eingang schon gesehen hat. Es geht weiter mit THE DEVIL WEARS PRADA, die sind ja nun nicht so häufig in Deutschland, dementsprechend viele Leute sind vor der Bühne und schauen sich die Show an. Die Sets werden immer länger. BOSTON MANOR sind danach dran. Als BEING AS AN OCEAN anfangen überleg ich mir kurz, ins Hotel zu gehen um mir ein anderes, sauberes Top anzuziehen. Die Person im Spiegel lacht mich aus und ich laufe noch schnell los und kaufe mir Sonnencreme. Mein zweiter Sonnenbrand in 30 Jahren ziert meinen Körper. Wieder auf dem Festivalgelände angekommen, hole ich mir wieder ein kaltes Getränk und laufe vor zur Bühne. ANY GIVEN DAY zerlegen grade den Haverkamp und geben wie immer Gas. Laut Timetable spielen in der Halle grade AGNOSTIC FRONT. Ich lieb die Band, also renne ich schnell hin. Die Halle ist gut gefüllt.

29 Bands und eine endlos gute Stimmung

Es ist Halbzeit beim Festival, 29 Bands sind im Line Up. 12 kommen noch. Man trifft immer wieder Leute: Aus München, Leipzig, Hamburg. Sogar aus Holland, Großbritannien und Polen. Das Vainstream ist schon lange nicht mehr das kleine Festival, das keiner kennt, es spielt schon in derselben Liga wie Hurricane und Co. Festivals bieten einem auch die Chance, Bands zu sehen die man zwar hört, aber die nicht so oft unterwegs sind. Also lasse ich NECK DEEP auf der Nachbarbühne spielen und warte gespannt in den ersten paar Reihen vor der anderen Bühne auf THE MENZINGERS. Das bisschen Punk zwischendurch ist toll. Das Line Up ist sonst eher Hardcore und Metalcore- lastig. Bierchen schlürfend schwinge ich das Tanzbein zu SONDASCHULE, bevor ich mich auf zur Fressbude zu mache, um mir eine Portion Pommes Schranke zu holen. Bisschen was in den Bauch, bevor man vollends umkippt wegen Alkohol und Wärme, kann nicht schaden. LIONHEART fangen an. Die will ich mir immer angucken, also sprinte ich vor zur Bühne, mit Zwischenstopp am Bierstand. Wo der nette Bierauschänker mich schon grinsend erwartet und mich wegen meines Eincremens lobt. Er gibt mir ein Alster/Radler und sagt „Das bisschen Sprite da drin erfrischt besser als n normales Bier“. Er sollte Recht behalten und von dem Zeitpunkt ab trinke ich tatsächlich nur noch ein Biermischgetränk. OF MICE & MEN spielen grade auf der Bühne, da bin ich nicht mehr so der Fan von. Liegt aber auch an den Dingen die so nach Jahren mal raus kamen.

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Fotos: Ingrid König

Es wird langsam immer und immer voller, aber je später der Abend desto mehr schließen Buden und Bierstände. Zweimal noch Brit-Power in Form von BURY TOMORROW und ENTER SHIKARI, bevor es über SILVERSTEIN in der Halle wieder nach Draußen geht. Es ist langsam Endspurt angesagt auf den Bühnen:
Als Headliner sind für dieses Jahr SUM 41 und THE OFFSPRING bestätigt, da kam man in den 90ern ja nicht dran vorbei, dementsprechend halbiert sich mein Alter gerade mental und ich feiere dazu ab. Der nette Bierstand-Typ hat Feierabend und gesellt sich mit seinem Kumpel zu mir.

Während wir da so die Bands gucken fällt mir wieder auf, wie sehr ich doch Konzerte und Festivals mag und wie traurig es ist, dass dieses Jahr halt nichts geht. Dementsprechend fröhlich ist man dann, wenn man weiß, dass das VAINSTREAM 2021 mit dem gleichen Line-Up – bis auf ein paar Abwandlungen – seinen 15ten Geburtstag nachholt.

Während ich also mental mein Hotel buche und die Ticketpreise im Auge behalte, sag ich: „Bis nächstes Jahr, gleiche Stelle, gleiche Welle“ und dann auch tatsächlich live in der Sahara in Münster. Vergesst den Sonnenschutz nicht!