Fit For Festivals Teil 9: Dosenfutter vs. Haferflocken. Wie überlebt der Verdauungstrakt das Festival?

Der Festivalsommer steht vor der Tür – damit du ihn möglichst stressfrei erleben kannst, ist eine vernünftige Planung oft unerlässlich.

In unserem neunten Teil der “Fit for Festivals” Guides hat unser Alchemist ein paar Tipps für die Festival-Ernährung parat, die einfach, vorbereitungsarm und auch ohne großes Equipment zuzubereiten sind. Für das meiste braucht man nur eine Pfanne und einen handelsüblichen Gaskocher.

 

Das erste/nächste/letzte Festival steht kurz bevor. Alle wichtigen Vorbereitungen sind getroffen bis auf eine – das Essen. Also geht es kurz vor der Abfahrt in den Supermarkt des Vertrauens, denn wir wissen alle: Ohne Mampf keinen Kampf!

Sein wir mal ehrlich – was ist bei Festivalessen wichtig?

  1. Es muss einfach sein. Im besten Fall kann man es auch noch nach dem x. Bier ohne Probleme zubereiten.
       
  2. Es muss ohne großes Equipment zuzubereiten sein. Wer will schon eine komplette Feldküche mitschleppen? So hat man mehr Platz für wichtigere Sachen (Bier, Schnaps).
       
  3. Am besten halten sich alle Zutaten ohne Kühlung. Jeder weiß, wie warm es in so einem     Zelt im Sommer werden kann. Und es gibt wichtigere Sachen zu kühlen (das Bier z.B.)
       
  4. Es sollte nahrhaft sein und am besten keinen übermäßigen Klogang provozieren.
       
  5. Und am besten schmeckt es auch noch.

Das Einfachste und Naheliegendste ist natürlich: ran an den Grill und drauf mit dem Frischfleisch. Das kann allerdings spätestens nach dem zweiten Tag ganz furchtbar in die Hose gehen – wörtlich gesehen. Zudem benötigt man eine Kühlung für das Fleisch, einen Grill, Kohle, Anzünder, etc. und dauern tut es auch noch, bis man endlich in sein wohlverdientes Steak beißen kann. Sinnvollerweise hat man hier auch noch jemanden im Camp, der nicht komplett besoffen ist, denn Feuer und Feuerwasser ist in Kombination eher suboptimal bis absolut besch…eiden.

Oft müssen auch die allseits bekannten Dosenravioli herhalten… immer und immer und immer wieder. Wer schon einmal 3 Tage am Stück morgens, mittags und abends zum Dosenöffner gegriffen hat weiß: Irgendwann wird es eher zu mühseligen Notwendigkeit als zum Vergnügen. Auch die so typische 5-Minuten-Terrine ist kulinarisch eher ein Griff ins Klo, sättigt nur kurz und wirklich nahrhaft ist sie auch nicht (mal ganz davon abgesehen das sie von Maggi und damit vom Nestlé-Konzern ist, dessen Machenschaften man nicht unterstützen will)

Aber das muss alles nicht sein!

Unser Alchemist hat hier ein paar Sachen zusammengestellt, die alle fünf Punkte oben erfüllen.

EIER WIR BRAUCHEN EIER!

Eier sind sowieso der Festival-Allrounder schlechthin. Sie schmecken, man kann sie überall mit dazu essen, sie halten auch hohe Temperaturen aus (Im schlimmsten Fall sind sie halt schon gekocht), sie sind nahrhaft, halten lange satt und schmecken auch noch. Leute esst mehr Eier!

Lagerobst / Nüsse / Trockenfrüchte

Sieht komisch aus, schmeckt aber wirklich gut und ist gesund. Beugt Skorbut vor und verhindert, dass unsere Freunde aus dem veganen Lager mit den Festivalrasen vorlieb nehmen müssen (für den Notfall: nehmt für die Veganer noch ein Essig-Öl-Dressing mit, dann schmeckt der Campground gleich viel besser). Trockenfrüchte oder Dörrobst kann auch dabei helfen, die Darmtätigkeit ein wenig anzuregen. Wer sich also vor dem Dixi ekelt kann sich so zu einem Gang zwingen. Nur übermäßiger Konsum kann eine Scheiß Idee sein. Nüsse enthalten wichtige Nährstoffe über die sich ein von Alkohol, Moshpit und Sonne gegeißelter Körper sehr freut. Außerdem: Tüte auf – Essen rein – sollte in jedem noch so desolaten Zustand funktionieren. Ansonsten: Die sanitären Einrichtungen sind meistens gut ausgeschildert.

DAS Festival Talent überhaupt: Gurke!

Gurke ist das Allheilmittel schlechthin. Hilft bei geschwollenen Augen und versorgt den Körper bei einem Kater mit Flüssigkeit sowie Nährstoffe und eignet sich hervorragend beim Lichtschwertkampf. Oder dabei eine Armlänge Abstand zu verdeutlichen. Kann man wunderbar zwischendurch snacken und erfrischt. Ein richtiges Allround Gemüse! Nicht zu vergessen: Gurke gehört in jeden vernünftigen Gin!

Müsliriegel

Ebenso ein Allrounder wie Eier. Darf zudem mit aufs Infield, passt in jede Hosentasche (Vorsicht bei Sorten mit Schokolade) und ist nach dem Moshpít auch mit Milch in einer Schale essbar. Wer vor hat, den ganzen Tag auf dem Infield zu verbringen, hat hier sein perfekten Basic-Snack. Praktisch ist auch, dass man sich daran eigentlich nicht überfressen kann, da es sehr sehr viele Sorten gibt. Nachteil ist: die meisten enthalten zu  viel Zucker. Allerdings braucht man bei Tagesaufenthalten im Moshpit auch entsprechend Energie, daher ist das wieder nicht so wild.

One-Pot Essen

Hier sind eurer Fantasie keine Grenzen gesetzt. Als Basis eignen sich Nudeln oder Reis, die einfach in einer Brühe, Kokosmilch, Sahne oder was auch immer in der Pfanne gekocht werden. Dann könnt ihr dazu schmeißen was ihr wollt: Pesto, Gemüse, Eier, Nüsse, Obst, Wurst-Sticks, Räucherspeck… man kann alles in die Pfanne hauen, selbst den grölenden Nachbarn, der euch die ganze Nacht mit der Cantina Band beschallt hat. Das Schöne hierbei: Ihr mogelt euch mit Gemüse etwas Gesundes dazu, Nudeln oder Reis geben die nötigen Kohlenhydrate und damit Energie. Ihr könnt es als Fleischfresser mit konserviertem Fleisch verfeinern, und als Vegetarier oder Veganer lasst ihr einfach die entsprechenden Sachen einfach weg. Man kann auch Kartoffelbrei, Bulgur, Quinoa oder andere wilden Sachen als Basis nehmen. Kochfaule Zungen mögen nun behaupten „Aber so ein Marke XY Fertiggericht geht viel schneller“. Jain. Klar, ihr solltet die Zutaten zum Teil etwas kleiner schnibbeln, was ein wenig Zeit und ein Mindestmaß an noch vorhandener Koordinationsfähigkeit benötigt. Dafür hat man eine perfekte Basis für’s Saufen, die nicht aus irgendwelchen pulverisierten Aromen und Analogkäse besteht, sondern aus frischen, gesunden Zutaten. Euer Körper wird es euch danken. Und Nudeln brauchen 7 Minuten – Fertigfraß hin oder her.

Wo wir grade dabei sind: Käse und Wurst

Käse und frischer Aufschnitt sind, sofern man keine Kühlung hat, auf einem Festival höchstens etwas für den Ankunftstag. Zu schnell verflüssigt sich das Ganze und wird widerlich und gesundheitlich bedenklich. Als Alternative kann man hier auf Hartkäse oder Parmesan zurückgreifen. Der übersteht auch ein paar Tage bei über 30 Grad im Zelt. Und mit stinkendem Hartkäse kann man zudem auch nervige Bier-Schnorrer vertreiben. Statt Bacon und Mortadella kann man auf Räucherspeck und den ultimativen Salami-Prügel (vielseitig einsetzbar z.b. als Meinungsverstärker) zurückgreifen.

Wer’s kleiner mag: Salamisticks.

Die wohl ultimative Alternative des kleinen Fleischliebhabers. Tüte raus, auf und fertig. Perfekt für den Weg zur nächsten Band, wenn die Zeit zu knapp bemessen wurde oder zum Upgrade anderer Fertigprodukte. Schnell in ein Milchbrötchen gesteckt, ins Kartoffelpüree eingetaucht oder einfach kleingeschnitten in der Erbsensuppe mit aufgewärmt. Da die Sticks nicht weiter gekühlt werden müssen, eignen sich diese perfekt für den Festival-Alltag und werden auch gerne in der Runde rumgegeben, wo sich kaum einer gegen ein Würstchen sträubt. Allerdings sind diese auch mit Vorsicht zu genießen. Sich ein ganzes Festival nur von Salamisticks zu ernähren ist zwar unkompliziert und kostengünstig möglich, wer dies aber über die ganze Saison macht, kann diese anschließend über mehrere Jahre nicht mehr sehen. Wir sprechen hier aus Erfahrung!

Toast Festival Style

Wer zum Frühstück seinen Toast etwas krosser mag, kann mit Hilfe eine Metall-Grillzange den Gaskocher kurz zum Toaster umfunktionieren. Für den kulinarischen Genuss lassen sich auch gleich ganze Sandwiches zwischen die Zangen klemmen und kurz von links und rechts bräunen. Auf dem Grill lässt sich das ganze natürlich genauso realisieren. Besonders für die Vegetarier ergeben sich ganz viele neue Variationsmöglichkeiten um Käse und Grünzeug für den praktischen Verzehr zu erwärmen.

Für den süßen Zahn: Kekse und Milchreis aus dem Tetrapack

Zwischenmahlzeit Galore – Kekse. Kann man eigentlich immer essen wenn der kleine Hunger kommt. Vorsicht ist nur bei Keksen mit Schokolade geboten – die verflüssigen sich sehr gern mal im viel zu warmen Zelt. Böse Zungen behaupten, dass man an heißen Sommertagen (Klimawandel ole!) auch Kekse im Auto backen kann. Und dann gibt es noch was für die ganz Hartgesottenen: Hartkekse der Bundeswehr schmecken nach nichts aber sind perfekte Wurfgeschoss wenn die Band kacke ist oder die Nachbarn nerven. Und sie sind ein perfekter Bio-Grillanzünder (wo wir beim Klimawandel waren). Und in der Not frisst der Teufel Fliegen. Milchreis oder je nach Geschmack auch Grießbrei aus dem Tetrapack ist tatsächlich nicht ganz so schlimm, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht. Es sättigt gut, man kann es mit Obst, Trockenobst oder Nüssen aufpeppen und geht vor allem unglaublich schnell. Einziges Problem: man sollte sie ganz aufessen. Also schnappt euch eure Truppe und dann hau weg das Ganze.

Wir denken, mit diesen praktischen Tipps sollte euer Verdauungstrakt die Festivalsaison ohne größere Schäden überstehen. Wir haben hier bewusst auf festgelegte Rezepte verzichtet, da man auf Festivals mit den meisten Mengenangaben eh nichts anfangen kann und Geschmäcker eh unterschiedlich sind. Vielmehr soll euch das Ganze als Leitfaden dienen, wie man auf Fertigfraß und jeden Tag grillen verzichten kann.

In diesem Sinne:

Guten Appetit und möge Montezumas Rache ausbleiben!