Live fast besser als auf Platte – VNV NATION verzaubern im Lokschuppen in Bielefeld

ursprünglich geschrieben für monkeypress.de

Gerade noch ein neues Album veröffentlicht und schon gleich auf großer Tour – VNV NATION kennt keinen Stillstand. Nicht nur Deutschland, sondern auch viele umliegende Länder kommen dabei in den Genuss sich von den neue Stücken live überzeugen zu lassen. Auch wenn die Band um Ronan Harris gerne alleine unterwegs ist, so haben sie dieses Mal einen Special guest mit dabei: HOLYGRAM. Wir waren für euch in Bielefeld mit dabei und haben uns davon überzeugen lassen, das “Noire” auch live ziemlich gut funktioniert.

HOLYGRAM

Wer erst kurz vor Beginn von HOLYGRAM seinen Weg in den Lokschuppen findet, hat zunächst mit einen ungewöhnlichen herausforderung zu kämpfen: Die Halle ist fast komplett dunkel. Gepaart mit überwiegend schwarz gekleideten Menschen wird der Weg vor die Bühne zum Hindernisparcour. Dafür bringt dann die weitere Show Licht ins dunkle. Die Lichtshow gehört definitiv schon zur oberen Liga. Dennoch kommt die Stimmung nur langsam in Fahrt, was tendenziell nichts schlimmes ist, denn Holygram ist weniger Anheizer sonder sorgt eher für das richtige Ambiente. Dies kann aber auch an den kalten Temperaturen draußen liegen, schließlich sind viele gerade erst angekommen und müssen erst noch auftauen. Viel Bewegung kommt im Publikum auch nicht auf, bei vielen bleibt es bei einem im Takt hin und her wippen. Die fünfköpfige Band macht dennoch einen guten Job auf der Bühne. Der Auftritt ist nach nur 35 Minuten wieder vorbei und der Raum hellt sich für die Pause etwas auf.

2018-10-24 Holygram – Bild 11

Fotos: Cynthia Theisinger

VNV NATION

Plötzlich wird es wieder dunkel. Ein Spot durchbricht die Dunkelheit und dort steht der Mann der Stunde: Ronan Harris. Mit großem Jubel wird er begrüßt, während er schon mitten im ersten Stück ist. Passend zur “Noire” Tour ist der Opener des neuen Albums zugleich der Opener des Abends und stellt direkt die Weichen für den heutigen Abend – es wird düster – es gibt Gänsehaut – und es gibt tanzbare Beats. Perfekt mit einer ausschließlich weißen Lichtshow untermalt wirkt der Song einfach absolut großartig. Anschließend weist Ronan, wie bei ihm schon fast üblich, alle Besucher darauf hin, bei ihren Handys den Blitz auszuschalten um keinen zu stören und selber bessere Bilder zu bekommen. Dabei betont er mehrfach, dass er das nicht böse meint. Ein Grund hierfür ist aber auch die überwältigende Lichtshow, die dadurch massiv gestört werden würde. Das Bühnenbild selbst ist recht simpel gehalten. Nur Keyboards und ein Schlagzeug. Mehr ins Auge fallen die großen LED Wände hinter den Musikern und die restlichen Strahler neben der Bühne, welche für die Lichtshow verantwortlich sind.

Die Setlist ist stark vom neuen Album “Noire” dominiert, lässt jedoch genug Platz um auch keinen Klassiker auszulassen. Der ständige Wechsel zwischen Alt und Neu lässt das Konzert dabei nicht langweilig werden, was man auch am Publikum merkt. Stets motiviert folgt dies den Anweisungen von Ronan Harris. Egal ob Klatschen mit zwischenzeitlichen Pausen oder lautes mitsingen bei Songs wie “Illusion”. Grundsätzlich wird durchgängig gefeiert, wobei bei allen alten Songs die Stimmung noch etwas weiter nach oben geh – man kennt sie ja schließlich schon länger und kann so besser mitsingen.. “Bewegt eure Hüften, das Wochenende fängt hier an” – entsprechend wird auch ausgiebig getanzt. Aber auch zwischen den Songs zeigt Ronan immer wieder seine humorvolle Seite. “Du schreist so weil ich ein Mikro auf die Bühne Stelle? Wow” oder auch “Du hast ein VNV Logo auf dem Gesicht? du bist mein Held”, was natürlich auch für die teils verrückten Fans spricht. Auch ein immer wiederkehrender Lacher seiten Ronans in einem der letzten Songs, “Resolution”, bleibt nicht aus. Man merkt – die Band hat Bock – und trotz langjähriger Bühnenerfahrung wirkt nichts statisch oder choreographisch – alles wirkt authentisch, ehrlich. Auch Ronans Freude über den nicht endenden Applaus wirkt alles andere als aufgesetzt. Die Spielfreude sorgt schnell dafür, dass der Funke überspringt und das Bielefelder Publikum sich voll und ganz auf die Band einlassen – es wird mitgefiebert, getanzt und Gänsehaut geteilt. Von 6 bis 66 sind auch alle Altersklassen vertreten – einige sehen äußerlich zwar eher so aus als hätten sie sich verlaufen und wollten eher zu helene fischer – aber Ronans stimmt zieht sie alle in seinen Bann. So geht es mit bombastischen Sound (Zitat aus der Menge “Man muss erstmal eine Band finden, die es schafft, live so viel geiler als auf den Alben zu klingen”) durch zwei Stunden Schaffensgeschichte. Leider ist auch ein VNV NATION Konzert irgendwann zu Ende. Nach drei Zugaben verlassen die Musiker endgültig die Bühne und hinterlassen ein glückliches und leicht kaputt getanztes Publikum. Kurze Zeit später kann man Ronan aber erneut vor der Bühne sehen, wo er sich persönlich bei zwei sehr jungen Fans (in etwa 5 oder 6 Jahre alt)  aus der ersten Reihe bedankt und noch ein paar Fotos mit ihnen schießt. Er ist eben doch nah an seine Fans gebaut.

2018-10-24 VNV Nation – Bild 26

Fotos: Cynthia Theisinger

Setlist:

A Million
Retaliate
Armour
Space & Time
Sentinel
When is the Future
Honour 2003
Tomorrow Never Comes
The Farthest Star
Illusion
God of All
Epicentre
Chrome
Lights Go Out
Control
Carbon
Homeward
Immersed
Resolution
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Nova
Standing
All Our Sins