Da bebten die Grundmauern: DONOTS in Hannover

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Die DONOTS sind wieder zurück auf den Bühnen der Republik. Grund dafür ist ihr neues Album „Lauter als Bomben“ (VÖ: 12.01.2018), von dem sie nun auch live überzeugen wollen. Und das können sie! Aber wollen wir nicht zu weit vorgreifen. Auf der aktuellen Tour werden die DONOTS von Matze Rossi begleitet, der als Suppoartact das Publikum schon mal vorwärmen soll. Es ist der zweite Tag der Tour und das Capitol in Hannover steht schon kurz vor dem Überlaufen.

19 Uhr, der Raum wird dunkel und eine einzelne Person kommt auf die Bühne. MATZE ROSSI war Sänger und Gitarrist der Punkband Tagtraum, bis zu deren Auflösung. Nun ohne Band und lediglich mit Akustikgitarre und Mundharmonika bewaffnet, versucht er das Publikum schon mal in die richtige Stimmung zu bringen. Seine Songs begeistern sofort, auch wenn er jetzt deutlich leisere Töne anschlägt als früher, der Punk ist er im Herzen geblieben. Nach 40 Minuten ist alles auch schon wieder vorbei und so macht MATZE ROSSI, unter tosendem Applaus, den Platz frei für die DONOTS.

Nach kurzer Umbaupause ertönt das, worauf alle im Saal gewartet haben. Nein, es sind noch nicht die DONOTS, sondern „Blitzkrieg Bop“ von den Ramones, was schon seit Langem als Intro der Ibbenbürer Band dient. Danach geht es dann aber wirklich los. Mit „Geschichten vom Boden“ eröffnen sie ihr Set und setzen mit „Keiner kommt hier lebend raus“ danach gleich das Motto des Abends. Die DONOTS sind eben klassisch. Keine besondere Bühnenshow mit Pyro, nicht übermäßig viel Licht oder Video-Bildschirme, einfach nur ein Banner im Hintergrund und die Band davor. Fertig. Dazu noch eine eindeutige Anti-Rechts-Stimmung, so wie es im Punkrock üblich ist, das rundet das Ganze ab.

Jede „Gegen Nazis-Ansprache“ von Frontmann Ingo wird seitens des Publikums sofort mit einem lauten „Nazis raus“ beantwortet. Dies zieht sich üblicherweise auch so durchs ganze Konzert. So erhält „Dann ohne mich“ auch eine Widmung gegen Nazis, bei dem zwei Fans mit „Antifa“ und „Kein Bock auf Nazis“-Flaggen auf die Bühne geholt werden und mit der Band feiern drüfen.

Die DONOTS selber beschreiben den Konzertabend als Abrissstimmung – und das schon am zweiten Tourtag. Bei „Wake the Dogs“ bewahrheitet sich das auch nahezu, da beben fast die Grundmauern. Während des Songs werden die Fans zum Springen aufgerufen, was die Tribüne des Capitols ordentlich ins Wackeln bringt. „Hier also weg“ nimmt Ingo dann doch etwas wörtlich und verschwindet während des Songs von der Bühne, um kurze Zeit später dann auf der Tribüne wieder aufzutauchen. Dort entdeckt er zunächst eine selbst gemachte Flagge, der er nochmal extra dem Publikum zeigt und den begeisterten, jungen Fan im Anschluss mit einem T-Shirt belohnt. Anschließend gibt es von dort oben den nächsten Song und ruck zuck stürzt sich der Knollmann-Bruder schließlich im freien Fall in die Menschenmenge unter ihm.

Dann ist auch schon die Zugabe vorbei. Doch die DONOTS kommen erneut auf die Bühne um fünf weitere Songs zu performen. Nach „We‘re not gonna take it“, einem ihrem Megahits und dem Cover von Twisted Sister und „So long“ soll es dann aber wirklich vorbei sein. Die Band versucht sich zu verabschieden, wird aber von Zugaberufen des Publikums lautstark übertönt. Da beraten sich die DONOTS kurzerhand und beschließen, das nicht so stehen lassen zu können. Es wird improvisiert. Gitarrist Guido schnappt sich eine Akustikgitarre und Ingo bringt in der Zeit das Publikum dazu, sich auf den Boden zu setzten. Anschließend springen die beiden in die Menge und spielen „Hansaring, 2:10 Uhr“ in der Saalmitte, mit ihren Fans um sie rum. Damit unterstreichen die DONOTS mal wieder ihre Publikumsnähe und schaffen ein Konzert, was man so schnell nicht wieder sehen wird.

 

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Fotos: Cynthia Theisinger