HÄMATOM – Grande Finale in der Inselpark-Arena

Vor circa einem Monat starteten HÄMATOM in ihre Jubiläumstour anlässlich ihres 20-jährigen Bandbestehens. Nach einem guten Dutzend Terminen sollte es am Abend des 22. Januar in Hamburg schließlich die finale Show der Tour zu sehen geben. Der Konzerttag startete zunächst einmal hektisch, war doch kurzfristig eine Vorverlegung des Einlasses und Konzertbeginns bekanntgegeben worden. Um also doch noch rechtzeitig zum ersten Opener in der Inselpark-Arena aufzuschlagen, war also Beeilung angesagt. Wie durch ein Wunder fuhren zur Abwechslung mal alle meine Züge pünktlich, sodass ich es sogar noch schaffte, einige Minuten vor dem Öffnen der Türen einzutreffen. Als der Einlass begann, nahm das Chaos dann aber erst einmal endgültig seinen Lauf, benötigte man an diesem Abend doch ein grünes Bändchen für den Zugang zum Innenraum. Diese besagten Bändchen waren zwar von der Security vor der Halle an die Wartenden verteilt worden, allerdings hatten nicht alle dies mitbekommen und machten entsprechend erst einmal lange Gesichter als sie die Halle betreten wollten. Ich schaute mich derweil am Merchandise-Stand ein wenig um und machte mich dann langsam auf den Weg in Richtung Bühne.

 

Dort standen gegen 19 Uhr die Jungs von FOCUS. in den Startlöchern. Die Newcomer-Band stammt aus Riesa in Sachsen und bezeichnet sich selbst auch gerne mal als die „fünf Idioten mit Herzen aus Punkrock“. Ihr Bühnenbild fiel minimalistisch aus, lediglich ein kleines schwarzes Banner mit dem Namen der Band gehörte zum Setup. Was hingegen sofort ins Auge stach, war die Kleidungswahl, welche auffällig unauffällig war. Alle Bandmitglieder waren in schlichte weiße T-Shirts und dunkle Jeans gekleidet. Einzig Sänger Eric fügte seinem Auftreten einen unkonventionellen Touch hinzu und tänzelte beim Singen der Songs strumpfsock über die Bühne. Die Band hatte sichtlich Spaß auf der Bühne und ließ es sich nicht nehmen, zwischen Liedern wie „Für Immer 21“, „Alkohol“ oder „Kein Limit“ auch immer mal wieder herumzublödeln. Die Reaktion des Publikums auf den Auftritt fiel wohlwollend, wenn auch noch etwas verhalten aus. Aber man will sich ja auch nicht schon vor dem Headliner des Abends komplett verausgaben.

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Fotos: Sandra Curtz

Setlist FOCUS.:

  1. Für Immer 21
  2. Kein Fan
  3. Alkohol
  4. Rote Rosen
  5. Oma Wird Nochmal Mama
  6. AU
  7. Kein Limit

Weiter im Takt ging es mit einer weiteren Punkrockband – die Jungs von ENGST feiern in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bestehen und werden diesen Anlass im Dezember mit einer eigenen Jubiläumstour gebührend feiern. Zunächst aber war das Anheizen des Hamburger Publikums für den Headliner HÄMATOM gefragt. Die Berliner strahlten auf der Bühne ähnlich viel Enthusiasmus aus wie ihre Vorgänger von FOCUS. und schafften es, ein bisschen Bewegung in die bisher eher statische Menge zu bringen. Für den Song „Der König“ wurde zum Beispiel zwei Polonaisen quer durch die gesamte Halle angeleiert und auch Springen, Klatschen oder Mitsingen war ausdrücklich erwünscht. Doch neben humorvollen und feierwütigen Tracks wie „Nie Wieder Alkohol … Vielleicht“ oder „Eskalieren“ sprachen ENGST auch durchaus ernstere Themen an. So positionierten sie sich klar gegen den aufstrebenden Faschismus und riefen dazu auf, füreinander einzustehen anstatt einander gegenseitig anzufeinden. Eine Message, welche im Publikum viel Zuspruch fand. Nach einigen weiteren Songs war es dann auch schon Zeit für den letzten Song der Band. Man entschied sich für einen positiven Ausklang und spielte „Optimisten“ (und ein wenig Optimismus können wir doch in den aktuellen Zeiten wirklich ganz gut gebrauchen, oder?).

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Fotos: Sandra Curtz

Setlist ENGST:

  1. Digitale Liebe
  2. Nie Wieder Alkohol … Vielleicht
  3. Fremdes Elend
  4. Alle Wollen Alles
  5. Der König
  6. Denker & Dichter
  7. Eskalieren
  8. Geschichte Schreiben
  9. Optimisten

Während der Umbaupause wurde der HÄMATOM-typische Vorhang bestehend aus Regenbogenfahne und den einhornifizierten Bandmitgliedern vor der Bühne hochgezogen. Kurz vor Showbeginn um 21 Uhr erklang dann „Wir Sagen Dankeschön“ als Intro aus den Boxen und das obligatorische Einhorn betrat die Bühne, um schon einmal die Stimmung des Publikums zu testen. Nach einer lautstarken Runde „Gummibärenbande-Intro Singen“ wurde die Stimmung für gut genug befunden und der Vorhang fiel. Bühne frei für HÄMATOM! Das enthüllte Bühnenbild bestehend aus mehreren LED-Screens, einem Schlagzeugpodest und einer überlebensgroßen WEST-Maske im Hintergrund zeigte sofort: der Tod von Bassist WEST beschäftigt die Band auch heute nach 1,5 Jahren noch sehr. So war es nur allzu passend, dass sie ihr Set mit „Ein’ Auf Den Tod – Zwei Auf Das Leben“ vom Album „Für Dich“, welches WEST gewidmet ist, eröffneten. Die Position am Bass ist nie nachbesetzt worden, stattdessen komplettiert seit letztem Jahr Gitarristin Annika Jaschke alias ROSE die Band als fünftes Mitglied. HÄMATOM gingen direkt in die Vollen und heizten der Menge mit Songs wie „GAGA“ und „Ich Hasse Dich Zu Lieben“ ordentlich ein. Pyrotechnik ist in der Inselpark-Arena zwar leider keine erlaubt, aber die Franken schafften es auch ohne Flammen mühelos, uns ins Schwitzen zu bringen. Einen ersten emotionalen Moment für Band und Publikum gleichermaßen gab es mit der Performance des als Reaktion auf den tragischen Tod von WEST verfassten Songs „Gott Muss Ein Arschloch Sein“, bei welchem man die Emotionen in NORDs Stimme deutlich spüren konnte. Mit „Wir Sind Keine Band“ zelebrierte man anschließend den Zusammenhalt innerhalb der Band und der Fangemeinde. Aber auch die Party-Tracks der HÄMATOM-Diskographie durften selbstverständlich nicht zu kurz kommen und wurde zum Beispiel zu „Diego Maradona“ und „Kids“ ordentlich abgefeiert. Auch das Drumsurfing, für welches die Band ja bekannt ist, durfte natürlich nicht fehlen. Als schließlich der „Buzzerman“ die Bühne betrat und NORD mit einem Schlag auf den Buzzer das Glücksrad aktivierte, erreichte die Party eine neue Stufe: der Glücksrad-Song an diesem Abend war kein geringerer als „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah). Während die Band noch damit beschäftigt war, den Song zu spielen, stürmte kurzerhand die Crew die Bühne und ließ als Streich zum Tourabschluss reichlich Konfetti auf die Bühne und das Publikum herabregnen. Nach so viel Eskalation war nun eine kleine Verschnaufpause angesagt. NORD und OST wagten für eine kleine Akustik-Einlage einen Abstecher in die Mitte der Menge und spielten von dort aus „Alte Liebe Rostet Nicht“. Anschließend gab es einen kleinen „Tanz Auf Dem Vulkan“, bevor dann Sänger Matze von ENGST für ein Duett von „Alles Wegen Bier“ mit auf die Bühne kam. Ein paar Songs später war es dann auch schon an der Zeit für die Zugabe. Während die Halle noch ins Halbdunkel getaucht war, machte NORD sich auf den Weg zur hinter dem Mischpult aufgebauten kleinen B-Stage, von wo aus er „Wir Sind Gott“ und „Lichterloh“ sang. Um wieder zurück zur Hauptbühne zu gelangen, ließ er sich in einem Schlauchboot sitzend über die Menge tragen. Vorne auf der Bühne wurde es derweil ganz schön voll, denn HÄMATOM hatten noch einen Wetteinsatz einzulösen: sie hatten dem Hamburger Publikum versprochen, eine besondere Version von „Schmutzig Liebe Machen“ aufzuführen, wenn die Show ausverkauft sein sollte. Da es in der Inselpark-Arena tatsächlich „ausverkauftes Haus“ hieß, holten sie sich also die Jungs von FOCUS. und ENGST mit auf die Bühne und spielten den Song in der „Küchengeräte und sonstige Utensilien“-Version. Auch für den allerletzten Song „Es Regnet Bier“ gab es Unterstützung in Form von Malle-Sänger SCHÜRZE und Band sowie Publikum rasteten noch ein letztes Mal gemeinsam miteinander aus, bevor nicht nur die Show, sondern auch die Tour gegen 23 Uhr ihr Ende fand.

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Fotos: Sandra Curtz

Setlist HÄMATOM:

  1. Ein’ Auf Den Tod – Zwei Auf Das Leben
  2. GAGA
  3. Ich Hasse Dich Zu Lieben
  4. Lachend In Den Untergang
  5. Gott Muss Ein Arschloch Sein
  6. Wir Sind Keine Band
  7. Erzähl Es Meinem Mittelfinger + Reprise
  8. Scheiße Kommt – Scheiße Geht
  9. Ficken Unsren Kopf
  10. Diego Maradona
  11. Kids
  12. Glücksrad – Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)
  13. Alte Liebe Rostet Nicht (Unplugged)
  14. Tanz Auf Dem Vulkan
  15. Alles Wegen Bier (mit Matze von ENGST)
  16. Pogo-Girl
  17. Bleib In Der Schule
  18. Wir Sind Gott
  19. Lichterloh
  20. Schmutzig Liebe Machen (mit ENGST und FOCUS.)
  21. Es Regnet Bier (mit SCHÜRZE)
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