KISSIN‘ DYNAMITE in Hamburg – Ein Goodbye für Hannes Braun

Die Katze ist schon länger aus dem Sack: Hannes Braun, Frontmann der Band KISSIN‘ DYNAMITE, zieht sich zurück. Nicht komplett, im Hintergrund möchte er in der Band noch weiter als Produzent und Songwriter involviert bleiben, aber als Frontmann und auf der Bühne werden wir ihn zukünftig nicht mehr zu sehen bekommen. Die Entscheidung habe er sich laut eigener Aussage nicht leicht gemacht, aber letzten Endes hieß es „Gesundheit“ oder „Tour-Leben“ und da hat ersteres natürlich ganz klar Priorität. Still und leise abtreten wollte er aber nicht und so kündigten KISSIN DYNAMITE drei finale Shows im Arena-Format an, um den Abschied von Hannes und somit auch den Start in eine neue Ära gebührend zu zelebrieren. Einer dieser drei Termine fand am Samstag, dem 26. September, in Hamburg, genauer gesagt in der Wilhelmsburger Inselpark-Arena statt. Knapp viertausend Leute passen rein in die Halle und diese Kapazität wurde auch benötigt, denn die Show war ausverkauft. Entsprechend lang war kurz vor Beginn des Einlasses um 17:30 Uhr dann auch die Schlange, die sich rund um die Arena zog.

Nachdem wir es in die Halle geschafft hatten, bahnten wir uns unseren Weg am Merchandise vorbei in den Innenraum der Location – dort angelangt sahen wir direkt, dass uns für heute ein etwas anderer Aufbau als üblich erwartete. Von der Bühne aus führte ein Steg auf eine kleine B-Stage, der Wellenbrecher war um den Steg herum gebaut. Dort tummelten sich auch schon reichlich KISSN‘ DYNAMITE Fans, welche sich einen guten Platz in den vorderen Reihen sichern wollten. Wir ließen es etwas entspannter angehen und überbrückten die Wartezeit bis zum Opener mit einem Getränk und einem netten Plausch mit dem Bar-Personal. Um 18:45 Uhr erloschen die Lichter in der Inselpark-Arena dann für den Auftritt für LEAGUE OF DISTORTION. Die Band rund um Frontfrau Anna Brunner (kennt der ein oder andere vielleicht von ihrer Beteiligung am Projekt EXIT EDEN oder auch von ihren Beiträgen als Gastsängerin bei so manchem KISSIN‘ DYNAMITE Song) spielen modernen Metal mit elektronischem Einschlag, welcher der Musik zwischenzeitig leichte „Cyberpunk-Vibes“ verleiht. Mit ihrem halb rasierten Kopf, den langen Zöpfen und ihrer Outfit-Wahl passte Annas Look and diesem Abend wie die Faust aufs Auge. Bei atmosphärischer Beleuchtung in Blau- und Rottönen spielten LEAGUE OF DISTORTION einen Querschnitt aus ihren beiden bisher veröffentlichen Studioalben „League of Distortion“ und „Galvanize“. Auf der Setlist standen unter anderem Stücke wie „Wolf Or Lamb“, „Rebel By Choice“ oder auch „Crucify Me“. Für den finalen Track „L.O.D.“ forderte Anna vom bisher größtenteils eher passiven Publikum aktive Mitarbeit in Form von Mitsingen, und zumindest der vordere Teil des Publikums kam diesem Wunsch auch nach. Während beispielsweise SETYØURSAILS mich einige Tage zuvor noch mit ihrem Support Auftritt bei BEYOND THE BLACK geradezu aus den Socken gehauen hatten, musste ich bei LEAGUE OF DISTORTION für mich leider den gegenteiligen Effekt verbuchen. Auf ihren bisher veröffentlichten Studioalben gefallen sie mir gut, weshalb ich hohe Erwartungen hatte, doch ihren Live-Auftritt in der Inselpark-Arena empfand ich leider als eher unterwältigend. Zwar lieferte die Band eine solide Performance und insbesondere die rauchigen Vocals von Anna konnten bei mir punkten, aber insgesamt schafften sie es für mein Empfinden nicht, die Art von Bühnenpräsenz zu entwickeln, die einen wirklich in den Bann zieht und mitreißt. Aber dafür stand an diesem Abend ja noch eine zweite Band auf dem Programm…

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Fotos: Sandra Gentz

Die Rede ist natürlich von KISSIN‘ DYNAMITE, welche nach einer kurzen Umbaupause um 20:45 Uhr die Bühne übernahmen. Diese fackelten auch gar nicht lange, sondern gaben direkt zu Beginn Vollgas und stiegen mit „I’ve Got the Fire“ und „DNA“ in ihr Set ein. Auch das Publikum war von der ersten Sekunde an voll und ganz dabei. KISSIN‘ DYANAMITE sind ja generell dafür bekannt, mitreißende Auftritte zu spielen, aber dieser Abend bewegte sich direkt auf einem anderen Level – alle Beteiligten schienen mehr als motiviert, diese letzten paar Shows mit Hannes zu einem denkwürdigen Ereignis zu machen und in die Historie der Band eingehen zu lassen. Die Band agierte wie eine perfekt geölte Maschinerie und egal wo man hinschaute, langweilig wurde es nie. Während Ande, Jim und Steffen in die Saiten griffen und dabei herumulkten, gab Sebastian hinter dem Schlagzeug den Rhythmus vor. Und auch wenn KISSIN‘ DYNAMITE noch nie eine One-Man-Show waren, sondern stets die gesamte Band im Mittelpunkt standen, lag der Fokus heute doch unverkennbar auf Hannes Braun, der sich noch ein letztes Mal im Hamburger Rampenlicht suhlen konnte und dies in vollen Zügen auskostete. Vom Steg durch das Publikum machte er dabei reichlich Gebrauch und verbrachte dort einen Großteil der Show, stets in Interaktion mit den Fans in den ersten Reihen. Ob bei älteren Titeln wie „Only The Dead“ oder brandneuen Stücken, die Hamburger Zuschauerschaft zeigte sich textsicher und bis auf die Ränge hinauf wurde mitgemacht. Für das Stück „Glory Days“, vom selbstbetitelten und mittlerweile neunten Studioalbum der Band, präsentierte Hannes uns stolz den Award für den ersten Platz in den deutschen Album-Charts, welchen sie frisch eingeheimst hatten. Einen ganz besonderen Dank richtete er in diesem Zuge an alle Fans, die mit ihrer Treue und den Albumkäufen diesen Award erst möglich gemacht hatten. Weiter im Takt ging es mit einem Duett – für das Stück „Ecstasy“ holte Hannes sich Unterstützung in Form von Anna Brunner, welche schon lange zur KISSIN‘ DYNAMITE Familie gehört und das Stück damals auf dem Album ja schon mit eingesungen hatte, mit auf die Bühne. Nachdem danach zu Stücken wie „My Monster“ und „Love Me, Hate Me“ weiter fleißig abgerockt wurde, folgte schließlich der erste andächtige Moment des Abends, als Hannes hinterm Klavier Platz nahm und zur Ballade „Heart of Stone“ ansetzte. Die Menschenmenge in der Inselpark-Arena verwandelte sich derweil in ein funkelndes Lichtermeer und rundete die Stimmung somit perfekt ab. Im Anschluss blieben wir noch ein wenig bei den leisen Tönen und die gesamte Band plus Anna Brunner versammelten sich auf der kleinen B-Stage am Ende des Stegs zu einer akustischen Version von „Lie For Me“. Nachdem die letzten Töne verklungen waren, drehten KISSIN‘ DYNAMITE die Regler wieder hoch und bewegten sich mit „The Devil is a Woman“ wieder ins Territorium der Rock-Hymnen. Heavy wurde es mit „Steal of Swabia“, einem der ersten Songs, den die Jungs je geschrieben hatten und der fürs neue Album eine Neuauflage erhalten hat. Wer bisher den Klassiker „You’re Not Alone“ auf der Setliste vermisste, dessen Wunsch sollte nur wenig später erhört werden. Wie bei ihren Shows üblich ließ Hannes sich dabei in einem Schlauchboot über die Köpfe der Menge tragen, während er von dort aus den Song weitersang. Langsam aber sicher näherten wir uns dem Ende der Show und entsprechend länger wurden auch die Momente der Pausen zwischen den Songs, bei denen Hannes auf sympathische Art und Weise in Anekdoten aus der Bandgeschichte schwelgte und gleichermaßen Stolz wie Dankbarkeit für all das äußerte, was er in zwanzig Jahren KISSIN‘ DYANMITE hatte erleben dürfen. „Not the End of the Road“ stellte schließlich das Ende der Show dar – wäre da nicht noch der Zugabenblock gewesen, den die Jungs sich natürlich nicht nehmen ließen. Statt temporeicher Kracher, wie man es sonst häufig aus der Zugabe kennt, ließen es KISSIN‘ DYNAMITE zum Abschluss wieder etwas gemächlicher angehen und wählten Songs, die zur bitter-süßen Abschiedsstimmung passten. Nach „Coming Home“ und „Six Feet Under“ holte man noch einmal das Klavier hervor und platzierte dieses auf der B-Stage, von wo aus Hannes zwischen den Fans und im finalen Konfettiregen sitzend mit seinen Jungs „Good in Goodbye“ performen und sich schließlich ein letztes Mal vor Hamburg verneigen konnte. Ein gelungenes Ende für einen gleichermaßen denkwürdigen wie emotionalen Abend.

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Fotos: Sandra Gentz

Setlist KISSIN‘ DYNAMITE:

  1. I’ve Got the Fire
  2. DNA
  3. No One Dies a Virgin
  4. Only The Dead
  5. Heartattack
  6. Glory Days
  7. Ecstasy
  8. My Monster
  9. Out In the Rain
  10. I Salute You
  11. Love Me, Hate Me
  12. Flying Colours
  13. Heart of Stone
  14. Lie For Me
  15. The Devil is a Woman
  16. Steel of Swabia
  17. Raise Your Glass
  18. You’re Not Alone
  19. Not the End of the Road
  20. Coming Home
  21. Six Feet Under
  22. Good in Goodbye
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