Wer lange wartet, wird belohnt – BEYOND THE BLACK holen abgesagte Show im Docks nach
Die „Rising High“ Tour von BEYOND THE BLACK sollte für uns eigentlich eine der ersten Touren des Jahres 2026 sein, stattdessen kam dann doch alles anders. Der für den 3. Februar geplante Termin in der Hansestadt musste damals kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen abgesagt beziehungsweise verschoben werden. Inzwischen sind alle Beteiligten, insbesondere Gitarrist Chris Hermsdörfer, welcher mit einer Netzhautablösung zu kämpfen hatte, glücklicherweise wieder wohlauf und so stand dem Nachholtermin nichts mehr im Wege. Einziger Wehmutstropfen: Die Schweizerin SERAINA TELLI, welche bei den Shows Anfang des Jahres noch als Support Act zu sehen gewesen war, konnte aufgrund von Terminüberschneidungen mit ihrer eigenen Solo-Tour beim Nachholtermin in Hamburg leider nicht mehr mit von der Partie sein. SETYØURSAILS, der andere Support Act der Tour, waren aber nach wie vor mit am Start.
Nachdem der Einlass wie geplant um 18 Uhr begann, kamen wir recht schnell und unkompliziert ins Innere des Docks, suchten uns ein gutes Plätzchen und warteten auf den Beginn der Show, während sich um uns herum der Saal füllte. Als gegen 19:30 Uhr SETYØURSAILS mit der Titelmelodie von „Die Sendung mit der Maus“ den Beginn ihrer Show ankündigten, war die Bude bereits rappelvoll und muckelig warm. Nach dem Verklingen des Intros kam dann die Kölner Metalcore-Formation rund um Frontfrau Jules Mitch auf die Bühne gestürmt und begann sofort mit der Mission Eskalation. Wer „seichte“ Klänge als Einstieg in den Abend erwartet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt, denn SETYØURSAILS brachen einer Naturgewalt gleich über das Hamburger Publikum herein und drückten mit „Bad Blood“ und „Nightfall“ direkt aufs Gaspedal. Insbesondere für Sängerin Jules gab es kein Halten, die Frau fegte einem Wirbelwind gleich über die Bühne, stets im Kontakt mit dem Publikum und keine zwei Sekunden am gleichen Fleck. Gesanglich deckte sie dabei von melodischem Klargesang bis hin zu aggressiven Shouts und Growls die ganze Palette ab. Und auch ihre Kollegen kamen nicht weniger energiegeladen daher. Bassist Stanni (welcher bei der Show in die Fußstapfen vom ehemaligen Bassisten Nicolai trat, welcher sich vor circa zwei Monaten aus der Band zurückzog) ging in Sachen Mobilität sogar noch einen Schritt weiter als Jules und tauchte für einige der Songs in der Mitte des Publikums auf, ob nun in der Mitte des Circle Pits vor der Bühne oder auch auf dem Tresen der Bar stehend und seine „Midlife Crisis“ auslebend. Zwischen den Songs sorgten die selbstironischen Ansagen der auf Krawall gebürsteten Jules für Schmunzler. Als besondere Kampfansage gegen Rassimus, Homophie und Sexismus schwang sie während des Songs „T.F.M.F.“ eine Flagge mit entsprechendem Aufdruck, welche sie nach der Hälfte des Songs durch eine Fahne aus dem Publikum austauschte. Da Jules und ihre Jungs allerdings schon Ü30 seien, merkte die Fronterin an, dass man es ab und an auch mal etwas ruhiger angehen lassen müsse – und setzte zu einem Cover von LIMP BIZKITs Klassiker „Break Stuff“ an. Nicht ganz das, was ich als „ruhig“ titulieren würde, aber gut, da sind wir anscheinend mit abweichenden Definitionen unterwegs. Ohne Verschnaufpause ging es direkt weiter mit dem nicht weniger energetischen „Fckoff“, bevor SETYØURSAILS dann tatsächlich auch schon am Ende ihres Sets angelangt waren und sich, nicht jedoch ohne uns zu ihrer eigenen Headliner-Tour im nächsten Jahr einzuladen, von der Bühne verabschieden mussten. Für mich war es meine erste, aber ganz bestimmt nicht letzte Show von SETYØURSAILS – auf Spotify und co. hatten sie mich musikalisch bisher nie so ganz abgeholt, aber live waren sie eine absolute Wucht, die mich voll und ganz mitreißen konnte und Lust auf mehr machte.
Fotos: Sandra Gentz
Setliste: SETYØURSAILS
- Bad Blood
- Nightfall
- In My Head
- Why
- Mirror
- Bad Company
- F.M.F.
- Break Stuff (LIMP BIZKIT Cover)
- Fckoff
- Halo
- Best of Me
Nach einer flinken Umbaupause, während der ein großer schwarzer Vorhang mit BEYOND THE BLACK Logo den Blick auf das entstehende Bühnenbild verdeckte, war es gegen 20:45 Uhr dann schließlich an der Zeit für den Headliner des Abends. Zunächst erklang der ROLLING STONES Song „Paint it Black“ vom Band, dann fiel der Vorhang und enthüllte uns die Sicht auf das Geschehen. Hinter dem Schlagzeug war eine LED-Wand angebracht und auf der Bühne wurde es, anders als noch beim Vorgänger SETYØURSAILS, plötzlich regelrecht hell und Frontfrau Jennifer Haben bezog mit ihren Jungs Stellung, um mit „Break the Silence“ das Set zu eröffnen. Bei der Nummer handelt es sich um den Titeltrack des aktuellen Albums, welches Anfang des Jahres erschien. Die Fans im Saal zeigten sich direkt textsicher und bereiteten BEYOND THE BLACK einen herzlichen Empfang. Während wir Songs wie „Hysteria“, „Heart Of The Hurricane“ und „Reincarnation“ zu hören bekamen, merkte man der Band sichtlich an, dass sie Bock auf die Show hatten und sich freuten, für uns auf der Bühne zu stehen. Gitarrist Chris richtete einige Worte des Danks an die Fans, dass diese nach der Absage des ursprünglich geplanten Termins ihre Tickets behalten und somit dafür gesorgt hatten, dass auch der Nachholtermin bereits seit langem ausverkauft war. Die erste „Unterbrechung“ des bisher eher geradlinigen Programms gab es, als Jennifer und Chris gemeinsam zu einem Synth Medley ansetzten und danach der Titel „Wounded Healer“ ebenfalls in einer Synthesizer Version performt wurde. Im Anschluss wurde es emotional, als Jennifer sich mit einem imposanten Paar goldener Schwingen ausstattete und, von Chris an der Akustik-Gitarre begleitet, die Ballade „Ravens“ performte. Passend zu den Rafrainzeilen a la „When we fly we’re unstoppable“ breitete sie ihre Flügel dann aus, ganz als würde sie sich gleich wirklich in die Lüfte erheben. Danach ging das Programm erst einmal wieder in metallischere Bahnen über. Ihren Song „Let there be Rain“, ebenfalls vom neuen Album, kündigte Jenny mit einer kurzen Ansprache darüber an, wie sehr sich inzwischen eine gesellschaftliche Spaltung in die Lager „schwarz“ und „weiß“ beobachten lasse. Statt sich von dieser Spaltung treiben zu lassen, ist die Message des Songs, dass wir lieber in den „Grautönen dazwischen nach dem suchen sollten, was uns alle vereint“. Langsam aber sicher näherten wir uns dem Ende des Sets und nach dem Klassiker „When Angels Fall“ sowie zwei weiteren Songs war es dann auch schon an der Zeit für die Zugabe. Diese eröffneten BEYOND THE BLACK nach einer kurzen Backstage-Pause mit „The Art of Being Alone“, zu welchem sich Jennifer einen Gast in Form von Chris Harms von LORD OF THE LOST mit auf die Bühne holte. (Auch wenn dieser zugebenermaßen keine wirklich große Überraschung war, schließlich hat er das Lied auch im Studio mit BEYOND THE BLACK eingesungen, zudem wohnt er ja quasi um die Ecke, was die Sache für ihn zu einem Heimspiel macht.) Chris wurde vom Publikum enthusiastisch begrüßt und gemeinsam machten Jenny und Chris das Lied zu einem der Highlights des Sets. Zum Abschluss war noch ein letztes Mal Mitmachen angesagt, denn Jennifer und Co. hatten sich neben dem energetischen „Running To The Edge“ auch das „Hallelujah“, welches auf keiner BEYOND THE BLACK Show fehlen darf, fürs Ende aufgespart.
Fotos: Sandra Gentz
Der Nachholtermin im Hamburger Docks erwies sich als Erfolg auf ganzer Linie. SETYØURSAILS waren ein mehr als würdiger Opener für den Abend und wussten mit ihrer Performance nicht weniger zu überzeugen als der Hauptact BEYOND THE BLACK. Diese punkteten neben ihrem souveränem Auftreten und Jennifers gesanglicher Performance mit einem großartigen Sound sowie einer schön anzusehenden Show. Einen Gastauftritt von Chris Harms gab es zudem als Sahnehäubchen oben drauf – ein Abend, welcher die Fans wohl kaum enttäuscht zurückgelassen haben dürfte.
Setliste: BEYOND THE BLACK
- Break the Silence
- Hysteria
- Rising High
- Heart of the Hurricane
- Reincarnation
- Songs of Love and Death
- Synth Medley
- Wounded Healer (Synth Version)
- Ravens
- The Flood
- Lost in Forever
- Written in Blood
- Let There Be Rain
- When Angels Fall
- Shine and Shade
- In the Shadows
- The Art Of Being Alone (feat. Chris Harms von LORD OF THE LOST)
- Running to the Edge
- Hallelujah

