Summer Breeze 2026 – Samstag – Die totale Erschöpfung
Der letzte Festivaltag begann mit gemischten Gefühlen: Wehmut, dass dieses Summer Breeze sich dem Ende näherte, Vorfreude auf das eigene Bett und die Bedenken vor den angekündigten 38 Grad. Doch die Menschen vor der Bühne, die unter der Mittagssonne litten, waren noch gut dran im Gegensatz zur ersten Band, von denen jeder eine eigene 1-Personen-Sauna mit sich herum trug.
Die Rede ist natürlich von HEAVYSAURUS, die auch dieses Jahr viele Kinder und noch mehr Erwachsene begeisterten. Diese Form von musikalischer Früherziehung liebten auch die großen Kinder und man sah in glückliche Gesichter, selbst bei den Grabenschlampen, die den Haufen Kids direkt am Wellenbrecher sicher im Blick behielten. Und von denen waren nicht wenige bereits große, kleine Fans der Dino-Drachen-Gruppe, wie der laute Chor aus Kinderstimmen zu “Kaugummi Ist Mega” oder “Pommesgabel” zeigte. Und dann wurde auch noch die Frage beantwortet, die sich die meisten wohl stellten: “Warum steht ihr bei diesen Temperaturen, in den Kostümen, auf der Bühne und macht Heavy Metal für Kinder? Ganz einfach: Weil wir nicht wollen, dass eure Kinder später mal Helene Fischer hören!”, stellte Mr. Heavysaurus klar.
„Summer Breeze, willkommen zum Frühsport“ , begrüßte uns PARASITE INC., die als nächster Act die Mainstage eroberten. Jedoch war es nicht Sänger Kai Bigler, der uns diese Worte entgegenschrie. Da dieser aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten konnte, hatte sich die Band Dominik Christoph von der Band CYPECORE ausgeborgt. Doch dieser Wechsel in der Besetzung tat der Energie, mit dem das Sportprogramm durchgezogen wurde, keinen Abbruch. Besonders deutlich wurde die Wirkung des Melodic Death Metal in Kombi mit den Interaktionen der Band im Publikum. Die Aufforderung zu einer Wall of Death machte aus dem frühen Konzert endgültig eine körperlich spürbare Angelegenheit. Vor der Main Stage wurde gemosht, während Crowdsurfer durch die Menge getragen wurden. Bei dieser Euphorie sahen wir dann auch gnädig über die optische Irritation hinweg, dass das grüne Mikrofon-Kabel ein bisschen zu sehr nach Gartenschlauch aussah.
Fotos: Birger Treimer
Als nächstes gehörte die Mainstage einer Band, die sich zwischen Rock, Metal und einer gehörigen Portion Blödsinn bewegte. Statt klassischer Festival-Schwere lieferten THE SONS OF HUENS ein bewusst überdrehtes Kontrastprogramm zum ansonsten von Metal dominierten Samstag. Zwischen Death Metal, Thrash und klassischem Heavy Metal sorgten sie für einen Moment, in dem nicht die Härte oder die musikalische Versiertheit im Vordergrund stand, sondern Spaß und Blödsinn. Dafür nutzten Sie eine interessante Mischung aus eigenen Werken, aber auch Coverversionen von Wolfgang Petrys “Wahnsinn” oder auch einigen Songs aus der Feder von MEHNERSMOOS wie “Danke” oder “3 Uhr Nachts”. Insgesamt war dieser Auftritt recht passend für einen letzten Festivaltag, wo Magen, Ausdauer und Hirn gerne mal auf Halbmast hängen.
Fotos: Birger Treimer
Für diejenigen, die die letzten Tage gut mit ihrer Energie gehaushaltet hatten, und die noch genug davon für ein weiteres Workout hatten, brachte ORBIT CULTURE die passende Basis mit. Mit Songs wie “Death Above Life“, „The Tales of War“ und „Vultures of North” brachten die Schweden eine Mischung an Metal mit, die exzessives Moshen und Headbangen unabdingbar machte.
Fotos: Richard Mastny
Weitaus rockiger ging es parallel auf der Rebel Tool Stage mit HAGGEFUGG zu. Der lediglich 30-minütige Slot wurde dabei konsequent genutzt, um das Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Sei es beim gemeinsamen “Hexenkessel” chanten oder beim Im-Rhythmus-Klatschen. Der Auftritt zeigte einmal mehr, dass das Festival musikalisch deutlich mehr zu bieten hat als reinen Metal und diese Portion Mittelalterrock kam mehr als gut an.
Fotos: Birger Treimer
Auf der T-Stage wurde es wieder schwedisch mit THUNDERMOTHER, die ebenfalls eher im Rock zu verorten sind. Der Einstieg mit „Thunderous“ machte dabei direkt klar, wohin die Reise gehen sollte. Auch im weiteren Verlauf blieb das Tempo hoch. Songs wie „Dog From Hell“ und „Shoot To Kill“ sorgten für ordentlich Druck, bevor mit einem Rock-Medley und „Speaking of the Devil“ noch einmal nachgelegt wurde. Die Setlist zeigte dabei eine ausgewogene Mischung aus aktuellen Songs und bewährten Live-Nummern. Ihr Auftritt lebte weniger von komplizierten musikalischen Experimenten als von Groove und einer unübersehbaren Lust am Live-Spielen.
Fotos: Richard Mastny
Unser nächster Programmpunkt waren TESTAMENT, die sich für den recht ungewöhnlichen Einstieg mit dem Beastie-Boys-Klassiker “(You Gotta) Fight For Your Right (To Party!)“ entschieden hatten, der jedoch begeistert mitgesungen wurde. Danach folgte mit “Catacombs“ ein Stück vom aktuellen Album “Para Bellum”, bevor mit “Into the Pit“ einer der großen Klassiker der Bandgeschichte die Richtung vorgab. Das anschließende Set spannte einen Bogen über mehrere Jahrzehnte der Band. Chuck Billys markanter Gesang traf dabei auf die präzisen Gitarren von Eric Peterson und die für TESTAMENT typische Mischung aus aggressiven Riffs und melodischen Passagen. Eine Stunde lang gehörte die Mainstage einer Band, die nach wie vor weiß, wie man Thrash Metal auf diesem Festival passend präsentiert.
Fotos: Richard Mastny
Der Tag neigte sich dem Abend zu, als schon wieder ungewöhnliche Melodien über das Infield wehten. Von der Rebel Tool Stage schallte uns DARUDES “Sandstorm” entgegen. Hatten wir uns in der Location geirrt? Während wir uns noch wunderten, stürmten MANNTRA zu einem wahren Gewitter aus Strobo die Bühne und legten mit “Titans” einen schwungvollen Start hin. Auch hier blieb der Anspruch an das Publikum hoch, das direkt nach diesem Start nachhaltig zum Klatschen und Springen aufgefordert wurde und das trotz der immer noch an den 40 Grad nagenden Außentemperatur. In der Mitte des Sets wurde es etwas kryptisch, als Sänger Marko anmerkte “I had 100.000 beers, wenn ihr hab 3 Bier und springt 3 Minuten, dann Bier kaputt!”. Doch als er dann den Song “Skål” anstimmte, war klar, was gemeint war, und diverse Hörner wurden gen Himmel gestreckt. Natürlich durfte auch der bekannteste Hit “Ori Ori” nicht fehlen, um diesen Auftritt komplett zu machen.
Fotos: Birger Treimer
Mit dem Ende dieses Auftritts verschwand auch die Sonne hinter Wolken, die kaum jemandem zuvor aufgefallen waren, doch die merkliche Kühle, die sich über das Infield zog, war uns allen sehr willkommen. Zusammen mit einer kühlenden Brise wechselten wir die Bühne, um uns im schwindenden Licht von SOULFLY und ihrer Lichtshow blenden zu lassen. Nachdem unser Timetable bisher sehr europäisch war, merkte man dieser Band aus Arizona ihre Herkunft stark an. Die rhythmischen “Jump Jump”-Rufe ließen uns unwillkürlich an Rap-Konzerte denken, doch die Menge kam auch dieser Aufforderung begeistert nach. Besonders auffällig war der Bass, der wie eine Wand aus den Boxen drang und an passender Stelle von fast aggressiven Gitarrenriffs zerteilt wurde. Dieser Eindruck einer chaotischen Ordnung war sehr passend für diesen bandtechnisch interessanten Samstag.
Fotos: Ulli
Mit dem Headliner HELLOWEEN folgte nun eins der buntesten Sets des Abends. Besonders auffällig waren bereits zu Beginn die großen gotisch anmutenden Fensterrahmen auf den Screens, die atmosphärisch illuminiert wurden. Diese Videokulisse führte das Publikum durch verschiedene Settings von einer Burg bis hin zu einer Gaming-Konsole. Dafür, dass die Musiker dieses Jahr bereits ihr 40-jähriges Jubiläum feierten, war ihnen das Alter nicht ansatzweise anzumerken, denn alle zeigten eine Energie, die vielen Besuchenden mittlerweile in Teilen abhanden gekommen war. Aber nicht nur diese Performance oder der musikalische Querschnitt durch die Bandgeschichte machten diesen Auftritt zu etwas Besonderem. Nach Moshpits und Crowdsurfing zu Songs wie “Future World” oder “We Burn”, wurde es nostalgisch auf der Bühne: “Ich habe gehört wir haben hier schon mal gespielt, kannst du dich daran erinnern?” “Ich war da noch nicht mal geboren!”. Nach diesem Lacher philosophierte das Sänger-Trio darüber, wie sie “damals” im Jahr 2008 vor ca. 20.000 Menschen gespielt hatten und wie stolz sie seien, nun vor 50.000 zu stehen.
Fotos: Richard Mastny
Nach diesem Rückblick ging es nicht nur musikalisch heiß weiter, sondern es wurde tief in die Pyro-Kiste gegriffen für ein wunderschönes Feuerwerk, das optimal zu diesem bunten und denkwürdigen Auftritt passte. Nun fehlte eigentlich nur eines für das perfekt runde Festival … Und kaum war dieser Gedanke zu Ende gedacht, fing es an zu regnen, sehr zur Freude der tausenden vor sich hin dampfenden Menschen. Die Staubwolke, die seit Freitag über dem Infield gehangen hatte, senkte sich endlich und der Regenguss sorgte für eine kurze Erfrischung. Nachdem der letzte Songs verklungen war und wir gedanklich noch die angespielten Melodien von “Yesterday” und “Let It Be” nachsummten, ging es zu unserem absolut letzten Auftritt an diesem Abend und auch dem letzten des Festivals.
THY ART IS MURDER brachte noch einmal düsteren Deathcore mit extremen Vocals und beeindruckenden Breakdowns auf die Mainstage. Songs wie „Holy War“ und „Human Target“ boten dabei genügend Wiedererkennungswert für langjährige Fans, während das neuere Material die moderne Seite der Band repräsentierte. Die Australier beendeten den langen Samstag damit nicht mit großen Melodien, sondern mit maximaler Härte. Der späte Auftritt erwies sich als passender Abschluss für alle, die irgendwo in den von Sonnencreme, Schweiß und Staub panierten Körpern noch zu viel Energie für die letzte Nacht auf dem Campground hatten und sich ein letztes Mal die Seele aus dem Leib schreien wollten.
Fotos: Richard Mastny
Was vom Festival übrig blieb: Sengende Hitze, Schweiß der in Strömen läuft, Staub aushusten und Schlangestehen zum Duschen – all das könnte von diesem Festival abschrecken. Aber wir sind sicher, dass die Erinnerungen bleiben, die Sehnsucht zum Erscheinen dieses Berichts bereits wieder eingesetzt hat und der Staub sich wieder wie Sand zwischen den Zehen anfühlen wird, wenn wir nächstes Jahr zum großen Jubiläum wieder in Dinkelsbühl sein werden, um einmal mehr Metal in all seinen Facetten zu erleben.

