Summer Breeze 2026 – Donnerstag – Es wird Mittelalt(erlich)!

Tag 2 begann um 12:30 Uhr und mit Hitze. So viel Hitze, dass die angeworfenen Wasserwerfer für Wellen der Euphorie und spontanes Entkleiden der vor sich hin brutzelnden Menge sorgten. Du wolltest schon immer mal bei strahlendem Sonnenschein halbnackt im Regen tanzen? Das Summer Breeze macht’s möglich!
Doch wir waren ja nicht zum Bewässertwerden dort, sondern für gute Musik und mit der ging es dann auch direkt weiter, als FROM FALL TO SPRING mit ihrem Hit “Draw The Line” die Bühne enterten. Die Freude über die Masse an Menschen, die zu dieser frühen Stunde schon vor der Bühne feierte und sprang, merkte man den Jungs definitiv an. So mancher mag seit dem Versuch beim Eurovision Song Contest reinzukommen, nichts mehr von der Band gehört haben – doch gerade die Songs vom letzten Album wie z. B. “Chasing The High” zeigten sehr eindrucksvoll, dass diese noch junge Band weiter an ihrem Sound gefeilt haben und definitiv auf solch große Bühnen gehören.

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Fotos: Birger Treimer

Auf dem Weg zur T-Stage und zur mittäglichen Portion Heavy Metal, blieben wir für einen Moment an der Tool Rebel Stage hängen. Grund dafür war eine etwas irritierende Mischung aus Anime-haften Frauenstimmen und dunklen Growls. Auch die Optik von BROKEN BY THE SCREAM zeigte ein ähnliches Bild. Und dann zeigte die Kombo, dass der Bandname bei ihnen Programm ist. Es war niedlich, es war brutal, es war “Kawaii trifft Wut” – zumindest klang es so.

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Fotos: Andre Schnittker

Während die Veranstalter absolute Brandgefahr ausriefen und zur Vorsicht mahnten, gab es auf der T-Stage stahlharten Heavy Metal aus 30 Jahren Bandgeschichte mit GRAND MAGUS. Trotz der unfassbaren Hitze, schafften es die Schweden die Menge vor der Bühne in die eisigen Fjorde von Skandinavien zu entführen, und uns an epischen Schlachten der nordischen Götter teilhaben zu lassen. So wurde zu “Hammer Of The North” enthusiastisch mitgebrüllt und diverse Fäuste gen Himmel gestreckt. Mitten im Set stellte Sänger Janne Christoffersen fest: “I smell something – personal: No thanks, but with you, it’s okay”, um danach sein Bier zu heben und zu erklären, dass Bier eine weitaus bessere Entscheidung, besonders nach einer Schlacht sei. Und um eine Schlacht ging es dann auch im nächsten Song mit dem plakativen Titel “Steel Versus Steel”.

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Fotos: Birger Treimer

Zwischendurch konnte man auch seine eigenen Fähigkeiten am Mikro mit niemand Geringerem als Britta Görtz von HIRAES trainieren. Die gut gelaunte Fronterin gab einen Workshop und holte auch einige der SchülerInnen auf die Bühne.

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Fotos: Richard Mastny

Als ich jünger war, kommentierte meine Mutter einmal meinen Musikgeschmack mit “Du hörst ja nur Krach mit Geschrei”. Dieser Satz tauchte unwillkürlich in meinem Kopf auf, als mein Weg mich an der Mainstage vorbei führte, auf der NORTHLANE grade eine Wand aus Lautstärke und Screams über das Infield schickte. Aber als ich mir die Masse an Menschen vor der Bühne ansah, die eisern der Hitze trotzten, kam ich nicht umhin festzustellen, dass ich mit meiner Vorliebe für Krach definitiv nicht alleine bin. Doch NORTHLANE können nicht nur “Krach” sondern auch sehr sanfte Töne und tiefe Emotionen, die nachhaltig auf die Zuhörenden übergriffen. Es wurde gesungen, geschrien, getanzt, gefeiert und gejubelt. Eine wahre Achterbahn der Gefühle.

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Fotos: Birger Treimer

Dem nächsten Act auf der Mainstage stand diese Achterbahn der Gefühle sehr offensichtlich ins Gesicht geschrieben. Fein herausgeputzt mit Unform betrat KIM DRACULA die Bühne. Doch der erhabene Eindruck hielt nur bis zur ersten Grimasse und dem Moment, wo eine Windböe ihre eigenen Pläne mit seiner Frisur hatte. Doch all das unterstrich nur die Performance dieses Künstlers, der gern mit gezieltem Chaos zu spielen scheint. Seien es die musikalischen Zitate aus der Filmmusik wie von James Bond oder Songs wie “Careless Whisper” – all dem drückte KIM DRACULA seinen eigenen Stempel auf und wurde dafür gefeiert. und wir können nur rätseln was nun ikonischer war: Der Moshpit über dem tausende Seifenblasen gen Himmel stiegen oder das enthusiastisch Mitbrüllen der Menge beim LADY GAGA Cover “Paparazzi”.

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Von dieser Kunstfigur wechselten wir zu einer sehr kunstvollen Band. Hinter IMMINENCE erstreckte sich eine eindrucksvolle Kulisse aus gotisch anmutenden Fenstern. Die bewusst theatralische Ästhetik untermalte hervorragend das Set der Schweden. Im Mittelpunkt stand Sänger Eddie Berg, der nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit der Violine die Charakteristik dieser Band prägt. Besonders wirkungsvoll war der Wechsel zwischen den ruhigen und den brachialen Momenten. Während Eddie Bergs Violine immer wieder melancholische und geradezu filmische Akzente setzte, sorgten die härteren Passagen für ordentlich Bewegung vor der Bühne. Einen besonderen Moment stellte „L’appel Du Vide“ dar. Bei diesem instrumentalen Stück lag der Fokus rein auf Gitarristen und Schlagzeuger. Die Setlist bot dabei einen gelungenen Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band und auch das erst im Juli 2026 veröffentlichte „False Light“ fand seinen Platz im Programm.

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Fotos: Richard Mastny

Auf den nächsten Act hatten viele Besuchende gewartet – und das obwohl niemand wusste, wer spielen würde. Der diesjährige Surprise Act zog einiges an Publikum aus den Camps und von den anderen Bühnen weg vor die T-Stage. Das Element der Überraschung schien viele zu kitzeln. Es wurde zuvor schon viel gerätselt und von KNORKATOR bis FEUERSCHWANZ wurde über viele verschiedene Bands spekuliert.
Dann war es so weit und SALTATIO MORTIS stürmten mit “We Might Be Giants” die T-Stage. Diese Überraschung wurde sehr geteilt aufgenommen. Während sich die einen euphorisch darüber freuten, das Sextett endlich wieder auf dem Summer Breeze zu sehen, waren andere eher enttäuscht, da Sie die Jungs dieses Jahr schon zu oft gesehen hatten, und es nicht gerechtfertigt fanden, dass SALTATIO MORTIS sowohl 2026 als auch 2027 spielen dürfen. Dennoch brodelte eine feierwütige Meute vor der Bühne, die Alea bei “My Mother Told Me” halbwegs sicher in seinem Drachenboot über die Menge trug und das Festivalmaskottchen MIKEY beim Song “Vogelfrei” in einem Circlepit umrundete.

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Fotos: Richard Mastny

Danach ging es Epochen-technisch passend weiter mit MITTEL ALTA, die auf der Tool Rebel Stage spielten und für etwas in Erinnerung blieben, das nur wenig mit Musik zu tun hatte. Der klamaukige Haufen schaffte es sehr zielsicher, Überleitungen zu finden. So fing das Set an mit “Auf dem Dorffest”, danach wurde als Lösung für den Zustand nach einem solchen Fest “Der gelbe Schein” oder auch direkt “Der Chef ist tot” angeboten. Und auch wenn laut der Band selbst “Mittelalter ist kein Metal” ein oft gehörter Vorwurf wäre, war das Publikum auf diesem Metal-Festival erstaunlich textsicher bei dieser Mittelalter-Sprechgesang-Kombo. Auch diverse Kreistänze mit hohem Tempo sowie Crowdsurfer wurden durch diesen Auftritt motiviert. Doch dann gipfelte das Set in dem Song “Traubenstampfen” bei dem selbst die Security im Graben motiviert mitmachten. Und an dieser Stelle versank das Infield endgültig in einer langanhaltenden Nebenwolke, die alle, die sie durchliefen, bis zum Sonnenuntergang Staub husten ließ.

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Während dieser wahnwitzigen Erfahrung wurde es auch auf der Mainstage mit SAXON geradezu historisch. Denn diese Band gibt es inzwischen seit fast 50 Jahren und basierend auf der Laune der Band, wird es sie noch eine ganze Weile geben. Das Set war zusammengesetzt aus einem eindrucksvollen Abriss verschiedener Eindrücke der Bandgeschichte. Doch neben musikalischen Highlights wie „Dallas 1 P.M.“, das flotte „Motorcycle Man“ oder der epische Song „Crusader”, kam es zu einer spontanen Neueinkleidung der Bandmitglieder, als Kutten aus dem Publikum gen Bühne wanderten, sehr zum Stolz der BesitzerInnen derselben.

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Fotos: Richard Mastny

Ausgiebig durch Sonnencreme und Schweiß paniert, versammelte sich eine beachtliche Menge Menschen nach Sonnenuntergang vor der Mainstage, um der Show von EISBRECHER beizuwohnen. Und eine Show war es! Mit “Everything Is Wunderbar” eröffneten sie das das Set und der Beweis für diese These folgte auf dem Fuße. Sei es der Outfitwechsel zum schussbegeisterten Cowboy samt Mundharmonika bei “Waffen Waffen Waffen” oder das Erscheinen von Joachim Witt für die gemeinsame Darbietung von “Zeitgeist”. Diese Band ist immer für eine neue Überraschung gut, wobei wir uns fragen ob es die Akkustik-Version samt Rosen bei “Miststück” im Rotlicht wirklich gebraucht hätte. Dafür gab es bei “Auf Der Zunge” Besuch auf der Bühne von Frank Herzig von SCHATTENMANN und zum Ende hin wieder mehr Tempo für den runden Abschluss; u. a. mit “FAKK” oder “Verrückt”.

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Fotos: Richard Mastny

Danach wurde es sinnlich auf der Mainstage und das im eigentlichen Wortsinn. AMORPHIS sparten sich großes Gerede. Stattdessen sprach die Musik: Atmosphärisch, intensiv und auf einer tieferen Ebene mitreißend. Auch die Reaktionen des Publikums waren weniger frenetisch, sondern vielmehr in sich gekehrt, fast wie in Trance den Rhythmen folgend. Und das trotz des Einsatzes von Pyro-Technik. Wer diese einzigartige, aber schwer zu beschreibende Erfahrung selbst machen möchte, dem empfehlen wir einen Besuch der kommenden Tour im Januar 2027.

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Fotos: Richard Mastny

Wem das Programm an diesem Tag bisher zu farbenfroh war, der kam zum späten Abend vor der T-Stage auf seine Kosten mit BLACKBRAID, bei denen der Name durchaus Programm ist. Düsterer Black Metal trifft auf aggressiven Körpereinsatz und half sehr effektiv dabei, sämtliche angestaute Emotionen in die Nacht hinauszuschreien oder sich den Kopf nachhaltig freizuschütteln. Ganz im Gegensatz dazu standen die Pausen zum Instrumentestimmen. Plötzlich war es viel zu still und das Licht erinnerte mehr an Autopsie als an Konzert. Doch kaum hatte man sich mit dieser Situation angefreundet, ging es auch schon weiter, bis zum Ende des Konzerts hin die Band im Graben stand und von Setlists bis Drumsticks alles hergab, was nicht festgezurrt war – sehr zum Dank des Publikums.

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Fotos: Richard Mastny

Zum Abschluss dieses Tages wurde es noch einmal folkig mit einem Hoch auf die Gemeinschaft in Form von D’ARTAGNAN. Das Set war geprägt von verschiedensten Emotionen. So rief “Der Ruf Der Freiheit” ein Sehnen nach ebendieser wach, danach ging es energiegeladen weiter mit dem AVICII-Cover “Wake Me Up” und sehnsuchtsvoll mit “Coeur De La Mer”. Doch auch ein Hauch Melancholie bgleitete diesen Auftritt als Sänger Ben Metzner erzählte, dass die Band einen Song einer ganz besonderen Sängerin gecovert habe und sie sich wünschen, dass Bonnie Tyler, die wenige Wochen vorher verstorben war, diese Version von “Holding Out For A Hero” wenigstens einmal zu hören bekommen hätte. Umso enthusiastischer sang das Publikum mit und schickte Wünsche in den Sternenhimmel. Und mit dem Remix von “Was Wollen Wir Trinken” ließen wir uns in die Nacht davon treiben und diesen Tag ausklingen.

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Fotos: Richard Mastny
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