Set the Tower on fire – WARGASM und MIMI BARKS mit FAREWELL SPIT in Bremen

Der Sommer hat radikal Einzug gehalten im Norden, die Temperaturen steigen unaufhörlich, die ersten Festivals laufen und wenn man Glück hat, kommen ausgewählte Locations in den Genuss von Clubshows der Bands, die eigentlich nur für Festivalshows unterwegs sind. So auch der Tower in Bremen am Abend des 16.06.2026, denn an diesem hatte sich das britische Duo WARGASM für ihre einzige Clubshow im Norden angekündigt. Schon vorab hatten sie – neben der Location – Geschmack bewiesen und sich als Co-Star des Abends die Ausnahmeerscheinung MIMI BARKS ins Programm geholt. Und um die dunkle Mischung noch vielfältiger zu gestalten, haben sie mit FAREWELL SPIT einen weiteren Opener ins Programm genommen. Ein klarer Fall für uns, sich das alles mal genauer anzugucken.

FAREWELL SPIT

Wer am Dienstagabend den Tower Musikclub betrat, wusste vermutlich, dass ihn kein gewöhnliches Rockkonzert erwarten würde. Was WARGASM auf ihrer aktuellen Tour auf die Bühne bringen, bewegt sich irgendwo zwischen Metal, Punk, Rave und kontrolliertem Chaos. Und irgendwie so zeigte sich auch das Publikum, das bereits weit vor Einlass vor den Türen des Towers wartete. Zünftige Metaller, sehr junge Gothic-Girls, witzige Typen mit weißem Shirt und Flauschfrisur – auch hier kann man kein einheitliches Genre ausmachen. Der Tower ist durch seine für ca. 250 Personen ausgelegte Größe und Aufteilung ein perfekter kleiner Liveclub, die Security zeigt sich freundlich und hilfsbereit und auch das Tresenpersonal schenkt ab Türöffnung freudig aus und kriegt sogar noch auf den letzten Metern das EC-Terminal wieder zum Laufen. Und mitten in diesem bunten Treiben geht erstaunlich früh das Licht aus und FAREWELL SPIT aus Koblenz eröffnen den Abend. Mit ihrem Sound, den sie als „Heavy Pop“ deklarieren, beginnt es melodisch. Doch das soll nicht über die Ernsthaftigkeit hinwegtäuschen, die die Band in ihren Texten verarbeitet. Sängerin Alica springt mit wehender Mähne über die Bühne, animiert das Publikum zum Mitmachen, lässt es shouten und beweist stimmliche Vielfalt. Mal leise und melodisch, mal laut und voller Power liefern die vier eine tolle Show ab, die auf wohlwollende Zustimmung beim Publikum trifft. Allerdings ist das Set recht kurz und nach ca. 30 Minuten verabschieden sich FAREWELL SPIT auch schon wieder. Ein gelungener Auftakt für einen gitarrenlastigen Abend.

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Fotos: Dennis Post

MIMI BARKS

Gegen 20 Uhr hat sich der kleine Tower nochmal um eine nicht geringe Anzahl an Menschen gefüllt, wie man aus den Gesprächen im Publikum entnehmen kann, sind von Hannover über Oldenburg bis Wilhelmshaven alle Ecken Norddeutschlands vertreten. Aber da die Community ja recht offen ist, entwickeln sich schnell Kontakte und bei einem Kaltgetränk kommen auch Unbekannte ins Gespräch. „Aber ihr könnt doch jetzt nicht rauchen gehen, jetzt kommt Mimi Barks!“, wird eine Gruppe junger Männer entsetzt aufgefordert. „Kenn ich noch gar nicht, ist die gut?“ „Oh mein Gott, JAAAA!“ lautet die überzeugte Antwort – und die Herren bleiben und nähern sich wie alle der flachen Bühne, denn jetzt betritt die Co-Headlinerin des Abends die Szenerie. Mit ihrem charakteristischen, in die Ferne gerichteten Blick und im langen Pelzmantel schreitet sie auf die Bühne, holt einmal Luft und bläst ab Minute eins einfach alle um. Ihr ganz eigener Stil verbindet gekonnt Elemente aus Metal, Doom, Trap und melodische Passagen und zusammen mit ihren expressiven Outfits bringt Mimi Barks eine ganz neue Art von Kunst auf die Bühne. Schon nach den ersten Songs hat sie das Publikum in ihren Bann gezogen. Die geringe Distanz zwischen Bühne und Publikum verstärkt das Gefühl, Teil eines gemeinsamen Ausbruchs zu sein und Mimi Barks hat offenbar auch absolut keine Angst davor, das Publikum zum Teil ihrer Show zu machen. Mit der Aufforderung, ihre Dämonen für sie zu begraben, wirft sie zwei Leichensäcke in die Crowd, klettert auf die Tribüne, shoutet und legt mit einem gekonnten Stage-Dive noch nach. Und nachdem das Publikum sie zurück zur Bühne trägt, trägt sie das Publikum weiter mit Traurigkeit, Wut und Power. Stichwort Power: Ihre neue Single „Power durch Verrat“ präsentiert sie ebenso wie weitere Songs ihrer kommenden EP „Dreamstate of Hell“. Und noch einmal geht sie am Ende der Show auf Tuchfühlung – springt samt Bassistin von der Bühne ins Publikum und versammelt zu ruhigeren Klängen alle in der Hocke auf dem Boden, schaut allen Umstehenden ernst ins Gesicht, ergreift sogar kurz die Hand einer Frau – wie ein kurzes, fast stilles Ritual, um dann mit Anlauf den Moshpit des Abends losbrechen zu lassen. Und in diesem befindet sich dann jeder, ob er Mimi vorher kannte oder nicht. Leider ist trotz „Zugabe“-Rufen aus dem Publikum auch dieser Auftritt recht schnell vorbei, aber eine ganz klare Empfehlung für die Zukunft für alle, die sie noch nicht kennen. Fragt mal die Typen, die eigentlich rauchen wollten.

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Fotos: Dennis Post

WARGASM

Als der Headliner des Abends ansteht, sind die Luftfeuchtigkeit und Temperatur schon auf Level „Terrarium“ angestiegen. Zum Glück gönnt man dem Publikum jetzt eine kurze Pause und FAREWELL SPLIT und Mimi Barks sind für Fotos und Gespräche am Merch anzutreffen. Nochmal schnell ein kaltes Bier und vor der Tür einmal durchatmen, denn wer WARGASM kennt, weiß, dass der endgültige Abriss des Towers noch bevorstand. Auf ihren letzten Konzerten zeigte das Duo aus London eindrucksvoll, warum es sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als eine der aufregendsten Live-Bands der modernen Heavy-Szene erarbeitet hat. Und weil es für manche Dinge auch keiner großen Worte bedarf, feuerten Milkie Way und Sam Matlock ohne große Vorrede direkt ab. Sie im knappen blauen Oberteil und er im punkigen Shirt, dessen er sich im Laufe der Show schnell entledigte, beide offenbar in absoluter Spiellaune. Und das gut vorgeheizte Publikum hatte offenbar auch Lust auf Abrissparty, denn der Moshpit entstand mit dem ersten Ton und endete mit dem letzten. Besonders die energiegeladenen Songs wie „Spit“ oder „Feral“ sorgten für Bewegung im Saal und auch hier erweist sich der Tower als perfekte Location, um das Geschehen auf der Bühne und im Raum zu vereinen. WARGASM setzt weniger auf aufwendige Showelemente als auf rohe Energie, direkte Publikumsansprache und eine kompromisslose Live-Präsenz. Inklusive Stage-Dive und Klettern an den Bühnenaufbauten. Die Wechsel zwischen aggressiven Shouts, eingängigen Refrains und elektronischen Passagen hielten die Stimmung während des gesamten Sets auf hohem Niveau und der Jubel am Ende des Konzerts sowie die verschwitzten, aber glücklichen Gesichter sind der klare Indikator dafür, dass so ein Abend in den Grauzonen zwischen Genregrenzen und Schubladen etwas sehr Befreiendes haben kann. Eine klare Empfehlung für alle Festivalgänger diesen Sommer, die die Chance haben, Mimi Barks oder WARGASM live zu sehen.

Einzig und allein die Kamera unseres Fotografen schien keinen guten Abend gehabt zu haben. Nach unerklärlichen technischen Problemen gab das gute Stück in der Umbaupause dann ganz auf. Fotos von WARGASM werden aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt, denn das, was die Londoner da auf die Bühne bringen, ist definitiv nochmal eine Reise wert.

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