“Eingenordet” von VERSENGOLD in der Hamburger Sporthalle
Momentan ist mal wieder gut was los in der Hansestadt, und es gibt kaum einen Tag, an dem nicht mindestens ein Konzert in einer der zahlreichen über die Stadt verteilten Locations stattfindet. Auch Samstag, der 18. April 2026, bildete hier keine Ausnahme und so verschlug es uns für die „Eingenordet“-Tour von VERSENGOLD zur Sporthalle. Dort angekommen begrüßte uns – in typisch norddeutscher Manier – erst einmal ein kleiner Regenguss. Diesen warteten wir kurz im Parkhaus ab und watschelten dann trockenen Fußes zum Eingang. Nachdem sich um 18:30 Uhr die Türen für uns öffneten und wir die Halle betreten konnten, zeigte sich schnell, dass dies ein besonderer Abend werden würde: der Innenraum war mit zahlreichen Wellenbrechern bestückt, welche nicht nur das FOH und den Graben zur Bühne umgaben, sondern auch eine kleine B-Stage sowie einen großen Kamera-Kran. Die Wohlinformierten wussten es bereits: der heutige Abend würde auf Video festgehalten werden. Der Rest konnte es sich spätestens nach dem Zählen der im Saal verteilten Kameras zusammenreimen.
Doch bevor es mit VERSENGOLD losgehen konnte, warteten erst einmal zwei Support Acts auf uns. Den Auftakt machten um 19:20 Uhr THE TROUBLE NOTES. Das multikulturelle Trio aus New York (Violinist Bennet Cerven), Manchester (Schlagzeuger George Bingham) und Berlin (Gitarrist Florian Eisenschmidt) stand vor der herausfordernden Aufgabe, das Hamburger Publikum in gerade einmal 20 Minuten auf Betriebstemperatur zu bringen. Für mich war die Band bis dato eine komplette Unbekannte und Gesprächen mit einigen anderen Leuten in der Sporthalle nach war ich damit nicht alleine. Malte von VERSENGOLD hatte die Band letztes Jahr bei einem kleinen Auftritt im beschaulichen Asendorf entdeckt und war direkt so überzeugt, dass er sie fragte, ob sie nicht Lust hätten, einige Shows der „Eingenordet“-Tour zu eröffnen. Long story short: die Antwort lautete „ja“ und so kamen wir nun in den Genuss von THE TROUBLE NOTES. Die drei Jungs legten einige temporeiche Folk-Rock-Nummern aufs Parkett, welche zum rhythmischen Mitwippen und Klatschen animierten. Violinist Bennet bildete sowohl den akustischen wie auch den visuellen Mittelpunkt der Show und wirbelte mit seiner Geige über die Bühne, während er den Bogen nur so über die Saiten fliegen ließ. Insgesamt legten die drei eine kurze, aber dennoch energiegeladene und souveräne Performance hin – so richtig Bewegung hatten sie damit allerdings nicht ins Publikum gebracht.
Fotos: Sandra Gentz
Nach einer kurzen Umbaupause war dann aber Schluss mit Stillstand, als um 20 Uhr KUPFERGOLD die Bühne übernahmen. Die junge Band aus dem Kölner Raum gehört momentan zu den aufstrebenden Acts der Folk- und Mittelalterrock-Szene und wurde von vielen im Saal bereits gespannt erwartet. Seit ihrer Gründung im Jahre 2018 veröffentlichten die Jungs und Mädels vier Alben, das aktuellste davon erschien 2025 und hört auf den Titel „Fasan-Alarm“. Live-Erfahrungen sammeln konnten sie unter anderem bereits als Opener von MR. HURLEY UND DIE PULVERAFFEN sowie auf zahlreichen kleineren und größeren Festivals. Hierbei schafften sie es, sich eine treue Fangemeinde zu erspielen und so verwunderte es wenig, dass direkt zum ersten Stück mächtig Stimmung in der Sporthalle aufkam und die ersten Reihen freudig mitsangen und -klatschten. Angeführt wurde die Truppe von Sängerin Bonnie Banks, welche uns mit einer Mischung aus frecher Schnauze, einer Menge Charme und einer noch größeren Portion Selbstironie durch das Set leitete. Oder, um es in ihren Worten wiederzugeben: „Wir sind KUPFERGOLD und wir bringen ein bisschen asoziale Vibes nach Hamburg!”. Songs wie „Und ‘n Tripper“ und „Der Klügere Kippt Nach“ fanden beim norddeutschen Publikum gut Anklang und brachten Bewegung in die zuvor noch eher statische Zuschauerschaft. Doch KUPFERGOLD können nicht nur laut und derbe, mit dem gefühlvollen „Lichtermeer“ wurde es für einen kurzen Moment emotionaler und tausende Handylichter wurden gen Hallendecke gereckt. Bevor man ihnen noch Gefühlsduselei vorwerfen konnte, wurde im Anschluss zu einer gepflegten „Koboldkeilerei“ geladen. Und ehe man sich versah, zeigte die Uhr dann auch schon 20:30 und Bonnie Banks und Co. mussten sich von der Bühne verabschieden, um Platz für den Main Act des Abends zu machen.
Fotos: Sandra Gentz
Setlist KUPFERGOLD:
- Fasan Alarm
- Kupfer Und Gold
- Und ‘n Tripper
- Muschelbusen
- Der Klügere Kippt Nach
- Lichtermeer
- Koboldkeilerei
Während ein Vorhang mit dem VERSENGOLD-Logo hochgezogen wurde, welcher die Umbauarbeiten auf der Bühne verbarg, stieg die Spannung in der Sporthalle langsam spürbar an. Um 20:45 Uhr war es dann so weit und die Band startete mit „Der Tag Mag Kommen“ in ihr Set, zunächst noch hinter dem Vorhang versteckt, ehe dieser dann fiel und den Blick auf das Bühnenbild sowie die Band enthüllte. Sänger Malte Hoyer stand, in einen blauen Mantel gehüllt und mit einer farblich passenden Mütze auf dem Kopf, auf einem mit Lichterketten geschmückten Kutter und blickte von dort aus auf das Geschehen hinab. Hinter ihm saß Schlagzeuger Sean an seinem Drumkit. Den vorderen Bereich der Bühne teilten sich Geiger Flo, Alexander an der Nyckelharpa, Gitarrist Daniel und Bassist Eike. Und auch wenn das Publikum nach dem Auftritt von KUPFERGOLD nun eigentlich genug aufgetaut war, sagten sich VERSENGOLD wohl „sicher ist sicher“ und halfen mit ein wenig Pyrotechnik nochmal nach. Und auch sportliche Ertüchtigung stand auf dem Programm: neben reichlich Gehüpfe kam bei „Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken“ die bereits von anderen Shows bekannte, riesige aufblasbare Erdkugel zum Einsatz, die von den Fans über den Köpfen der Menge hin- und hergeschubst wurde. Neben all dem Spaß und der Leichtigkeit standen jedoch auch ernstere Themen auf der Tagesordnung. VERSENGOLD ist eine Band, die aus ihrer politischen Haltung keinen Hehl macht und sich immer wieder laut und deutlich gegen Rechts und für demokratische Werte ausspricht. Der Song „Falscher Leuchtturm“ ist genau diesem Thema gewidmet und kam in Hamburg sogar noch mit einer ganz besonderen Überraschung daher. Sebastian von MADSEN, mit welchem sie das Lied fürs Album auch gemeinsam aufgenommen hatten, kam als Special Guest auf die Bühne und performte den Song mit Malte im Duett. „The Devil Is A Barmaid“ ließ dann die Partystimmung wieder aufkommen, zum „Feuergeist“ wurde uns mit ein wenig mehr Pyrotechnik weiter Feuer unterm Hintern gemacht und „Niemals Sang- Und Klanglos“ lud zum Mitsingen ein. Für „Verliebt in eine Insel“ und „Erde“ wechselten Malte, Flo und Daniel dann auf die B-Stage beim FOH und performten von dort aus weiter. Wer mochte, konnte im Anschluss bei „Dans Op De Deel“ und „Hey Hanna“ das Tanzbein schwingen (ja, auch wenn man nicht tanzen kann). Selbst die Bewohner der Meere ließen sich hiervon aus der Reserve locken, denn auf der Bühne gesellten sich nun zwei tanzende „Haie“ zur Band. Während des Stücks „Klopapier“ wurde eine Salve länglicher weißer Konfetti-Streifen abgefeuert, welche sich teilweise in der Hallendecke verfingen und dort für den Rest der Show hängenblieben. Ebenfalls nicht fehlen bei einer VERSENGOLD-Show durfte natürlich das emotionale „Haut Mir Kein‘ Stein“. Um die Stimmung nach derartigem Gegrübel über die eigene Vergänglichkeit wieder aufzulockern, kam der „Kobold Im Kopp“ genau richtig. Nachdem das reguläre Set so zum Ende gekommen waren, kehrten VERSENGOLD für eine kleine Zugabe dann doch noch einmal auf die Bühne zurück. Beziehungsweise im Fall von Malte und Eike direkt in die Mitte der Fans. Auf einer Kiste im Meer aus Menschen stehend gaben sie zu „Ich Und Ein Fass Voller Wein“ sowie „Butter Bei Die Fische“ noch ein letztes Mal Vollgas. Malte bedankte sich sichtlich gerührt bei den beiden Vorbands, der Crew sowie den gut 4000 Fans, die ihren Weg an diesem Abend in die Sporthalle gefunden hatten, bevor das Konzert dann mit dem traditionellen „Abgesang“ zu Ende ging. Ein denkwürdiger Auftritt – umso schöner also, dass man ihn nicht nur in Erinnerung behalten, sondern zukünftig dann auch auf Video wieder und wieder anschauen kann.
Fotos: Sandra Gentz
- Der Tag Mag Kommen
- Klabauterfrau
- Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken
- Solange Jemand Geige Spielt
- Die Halbe Welt
- Falscher Leuchtturm (feat. Sebastian Madsen)
- The Devil Is A Barmaid
- Krug Voll Mondschein
- Feuergeist
- Niemals Sang- Und Klanglos
- Verliebt In Eine Insel (B-Bühne)
- Erde (B-Bühne)
- Dans Op De Deel
- Hey Hanna
- Eingenordet
- Klopapier
- Thekenmädchen
- Haut Mir Kein’ Stein
- Kobold Im Kopp
- Ich Und Ein Fass Voller Wein
- Butter Bei Die Fische
- Abgesang

