Ein Abend mit MACHINE HEAD in Hamburg

Am 13. April 2026 verschlug es uns mal wieder in die Wilhelmsburger Inselpark-Arena (irgendwie bin ich in letzter Zeit ziemlich oft in dieser Location unterwegs) zu einem Abend mit MACHINE HEAD. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die aktuelle Tour hört auf den Namen „An Evening With MACHINE HEAD“ und ist als genau das konzipiert. Keine Vorbands, kein Drumherum, dafür die volle Dröhnung Robb Flynn und Co. Nachdem die kalifornische Metal-Institution ihre Tour vor zwei Tagen im dänischen Kopenhagen begann, stand nun mit der Show in Hamburg der deutsche Tour-Auftakt an. Der Einlass begann um 17:30 Uhr und mit als erstes fiel uns der Andrang, genauer gesagt der Mangel an diesem auf. Lange Schlangen, Gedrängel in der Halle oder am Merch-Stand? Fehlanzeige. Wobei letzteres vielleicht auch ein wenig auf die Merchandise-Preise zurückzuführen gewesen sein mag – 50 € für ein T-Shirt und 100 € für einen Hoodie sind schon happig (wenn auch heutzutage ja leider keine Seltenheit mehr).

Aber weiter im Takt mit dem, was wirklich wichtig ist, nämlich dem Konzert an sich. Pünktlich um 19:00 Uhr erloschen die Lichter in der Arena, während aus den Boxen „Bohemian Rhapsody“ von QUEEN ertönte. Das Hamburger Publikum zeigte sich textsicher und sang, wie es sich bei diesem Klassiker gehört, inbrünstig mit. Im Anschluss betraten dann Drummer Matt Alston, Bassist Jared MacEachern sowie Aushilfsgitarrist Wacław Kiełtyka die Bühne, gefolgt von Frontmann Robb Flynn, welcher insbesondere von den ersten Reihen enthusiastisch und lautstark in Empfang genommen wurde. Mit „Imperium“, „Ten Ton Hammer“ und „CHØKE ØN THE ASHES ØF YØUR HATE“ legten sie einen eindrucksvollen Start hin, der die Messlatte hoch legte, und einen guten Vorgeschmack auf das bot, was noch kommen sollte. Sowohl Fans der ersten Stunde als auch Liebhaber der neueren Platten dürften hierbei gut auf ihre Kosten gekommen sein, denn MACHINE HEAD spielten ein vielseitiges Set, welches von jedem der elf veröffentlichten Alben schöpfte, ohne den Fokus dabei in besonders starkem Maß auf eine bestimmte Schaffensperiode zu legen. Die Inselpark-Arena war nach wie vor eher locker gefüllt, die Oberränge blieben die Show über komplett geschlossen und selbst im Innenraum stand die Menge eher locker. Der bewegungsfreudigere Teil des Publikums wusste diesen Umstand gut für sich zu nutzen, und konnte so die maximale Bewegungsfreiheit für Circle Pits und eine Wall Of Death herausholen, Crowdsurfen hingegen war aufgrund des locker stehenden Publikums eine Herausforderung. Ein erstes Programm-Highlight bekamen wir bereits recht früh serviert, als Robb nach „The Blood, The Sweat, The Tears The Beer“ den Fan-Favoriten „Is There Anybody out There?“ anmoderierte. Dank des fantastisch abgemischten Sounds konnten wir diesen (sowie auch alle anderen Songs) in seiner vollen Pracht genießen – Schlagzeug, Bass und Gitarren waren perfekt aufeinander abgestimmt, und Robb Flynns Vocals bildeten obendrauf das akustische „Sahnehäubchen“. Auch optisch ließ die Show wenig Wünsche offen – während stimmungsvolle Animationen oder auch statische Motive auf den LED-Leinwänden zu sehen waren, wurde das Geschehen von einer wohldosierten Lichtshow ins richtige Licht gerückt. Besonders schick fand ich die Kathedralen-Buntglasfenster-Optik, welche „SLAUGHTER THE MARTYR“ untermalte. Auch die Tatsache, dass der Song in seiner vollen Länge von über 10 Minuten gespielt wurde, machte diesen Moment zu einem weiteren Highlight. Im Nachfolgenden zogen Robb und seine Kollegen das Tempo wieder an und boten dem Publikum die Auswahl zwischen zwei schnelleren Songs: „Aesthetics Of Hate“ und „Blood For Blood“, der Song mit dem lauteren Zuspruch würde gespielt werden. Die Wahl fiel mit deutlich hörbarem Vorsprung auf „Aesthetics of Hate“. Ein paar Songs später wurde es mit einer kleinen Akustik-Einlage dann wieder ruhiger und Robb klimperte auf seiner Akustik-Gitarre eine minimalistische Version von „Circle The Drain“ und „Darkness Within“. Was ein emotionaler und atmosphärisch geladener Teil des Sets hätte sein können, wurde für mich leider ein wenig vom Verhalten des Publikums getrübt, denn das Gequatsche im Saal nahm hier deutlich Überhand. Vielleicht stand ich auch einfach in einer doofen Ecke, aber rund um mich herum waren Gespräche am Laufen, was echt arg auf die Nerven ging und teilweise sogar mit dem Lautstärkepegel der Musik konkurrierte. Ich meine, jetzt mal ehrlich, in den Pausen zu quatschen sowie vor und nach der Show, klar, gerne, aber während die Musiker auf der Bühne am Spielen sind sooo viel zu labern, finde ich einfach respektlos… Nach der Akustik-Session wechselte Robb wieder auf eine elektrische Gitarre und der Rest der Band setzte auch wieder mit ein für einen aus fünf Songs bestehenden finalen Block MACHINE HEAD-Mucke. Insbesondere die letzten beiden Songs, „Davidian“ und „Halo“, waren von vielen in der Menge bereits heiß ersehnt worden und sorgten somit für einen würdigen Abschluss dieses kolossalen Sets. Wo man sich bei anderen Bands freut, wenn das Set 90 Minuten oder gar länger geht, so spielten MACHINE HEAD scheinbar mühelos 150 Minuten am Stück und bewiesen einmal mehr ihre Qualitäten als Live-Band. Daher: wenn ihr noch am Grübeln seid, ob ihr eine der Shows dieser Tour besuchen möchtet und ob es sich lohnt: auf jeden Fall! Robb und seine Kollegen haben auf ganzer Linie abgeliefert und eine hochqualitative Show gespielt, die sich sehen und hören lassen kann.

130426_MachineHead_InselparkArena_Hamburg_SandraGentz_sharpshooter-pics_01

Bild 1 von 27

Fotos: Sandra Gentz

Setlist MACHINE HEAD:

  1. Imperium
  2. Ten Ton Hammer
  3. CHØKE ØN THE ASHES ØF YØUR HATE
  4. Now We Die
  5. The Blood, the Sweat, the Tears
  6. Is There Anybody Out There?
  7. Now I Lay Thee Down
  8. Crashing Around You
  9. Take My Scars
  10. SLAUGHTER THE MARTYR
  11. Aesthetics of Hate
  12. Old
  13. ØUTSIDER
  14. Locust
  15. BØNESCRAPER
  16. Circle the Drain (Acoustic)
  17. Darkness Within (Acoustic)
  18. Catharsis
  19. Bulldozer
  20. From This Day
  21. Davidian
  22. Halo
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner