KATAKLYSM entfesseln den „Samstag“ in der Zeche Bochum

Ein Sonntagabend in der Zeche Bochum, der sich eher wie ein verschwitzter Samstag im Hochsommer anfühlt – zumindest, wenn es nach KATAKLYSM geht. Doch bevor die Kanadier das Ruder übernehmen, wurde das Feld standesgemäß vorbereitet.

Den Auftakt machten BLOOD RED THRONE. Ohne große Vorwarnung stand der Gitarrist – optisch irgendwo zwischen Dimebag-Darrell-Hommage und norwegischem Death-Metal-Klischee – vorne an der Bühnenkante und brüllte ungefiltert ins Publikum: „Are you fucking ready?“ Kein Mikro, keine Distanz, nur rohe Energie. Was folgte, war ein Set, das vor Präzision, Spielfreude und diesem angenehm trockenen skandinavischen Humor nur so strotzte. Technisch auf den Punkt, dabei aber nie steril. Erste Circle Pits ließen nicht lange auf sich warten – ein früher Beweis dafür, dass der Abend nicht im Stehen konsumiert werden sollte.

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Fotos: Markus Ebbert

Kurz nach 20 Uhr betraten VADER die Bühne – eine Institution, gegründet 1983, und damit die dienstälteste Band des Abends. Das Drumkit leuchtete giftgrün durch dichten Nebel, während im Vorfeld noch AC/DC, IRON MAIDEN und MOTÖRHEAD durch die Anlage liefen – ein klassisches Warm-up, das die Stimmung greifbar machte.

VADER lieferten genau das, was man erwartet: eine kompromisslose Abrissbirne aus Polen. Weniger Bewegung auf der Bühne, ja – aber das wirkte eher wie eine bewusste Fokussierung als ein Manko. Die Wucht kam aus den Riffs, aus der Präzision, aus der Erfahrung. Mit Piotr Wiwczarek stand das letzte verbliebene Gründungsmitglied am Mikro – ein lebendes Relikt und gleichzeitig der ruhende Pol im Sturm aus Doublebass und Blastbeats.

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Fotos: Markus Ebbert

Doch wer denkt, das Maximum an Geschwindigkeit und Druck sei hier bereits erreicht gewesen, wurde eines Besseren belehrt.

Nach der Umbaupause übernahmen KATAKLYSM – und drehten die Intensitätsschraube noch einmal spürbar weiter auf. Mehr Groove, noch mehr Doublebass, mehr Dynamik. Oder anders gesagt: genau das, was man bestellt hatte – und vielleicht sogar ein bisschen mehr.

Frontmann Maurizio Iacono zeigte sich bestens gelaunt und suchte immer wieder den direkten Draht zum Publikum. Seine Ansagen wirkten nicht wie Pflichtprogramm, sondern wie eine ehrliche Einladung:

„Egal, wann wir in der Stadt sind – es ist immer Samstag. Egal, welcher Tag es wirklich ist.“

Und plötzlich fühlte sich dieser Sonntag tatsächlich genau so an.

Musikalisch war das eine Machtdemonstration. KATAKLYSM zementierten einmal mehr ihren Ruf als Speerspitze des Genres – nicht nur durch Geschwindigkeit, sondern durch diese Mischung aus Brutalität und Groove, die den Songs eine fast hypnotische Wucht verlieh. Der berüchtigte „Northern Hyperblast“ wirkte live wie ein kollektiver Exorzismus.

Besonders herausragend: Drummer James Payne. Sein Spiel war über das gesamte knapp 70-minütige Set hinweg beeindruckend präzise und gleichzeitig voller Energie. Den Höhepunkt setzte er mit einem Solo zwischen „The Rabbit Hole“ und „The Resurrected“, das weniger nach bloßer Technikdemonstration, als nach kontrollierter Eskalation klang.

Die Setlist ließ kaum Wünsche offen – ein wuchtiger Querschnitt durch das Schaffen der Band, von „Push the Venom“ bis „Elevate“, getragen von einer Crowd, die jeden einzelnen Song feierte.

Fazit:

KATAKLYSM sind keine Band, die sich neu erfinden muss – sie sind eine Konstante. Eine, die seit über 30 Jahren zuverlässig liefert, ohne an Relevanz zu verlieren. Getragen von einer treuen Fanbase und einer unermüdlichen Energie auf der Bühne wurde dieser Abend zu genau dem, was er sein soll: laut, intensiv, verbindend.

Oder, um es mit KATAKLYSM zu sagen:

Es war Samstag. Egal, was der Kalender behauptet.

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Fotos: Markus Ebbert

Setlist:

Push the Venom
Thy Serpents Tongue
Goliath
Die as a King
Prevail
Soul Destroyer
The Rabbit Hole
The Resurrected
In Shadows & Dust
As I Slither
Bringer of Vengeance
Crippled & Broken
At the Edge of the World
Narcissist
The Black Sheep
Elevate

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