AIRBOURNE über den Dächern Hamburgs
Der 14. Februar, im Volksmund auch bekannt als Valentinstag. Das schreit doch geradezu nach Rosen, einem romantischen Candlelight Dinner und Zweisamkeit. Oder? Nun, für viele mag das zutreffen – die Liebe, welche wir am Valentinstag zelebrierten, war jedoch die zu lauter Musik und einer geballten Ladung Rock’n’Roll. Hoch über den Dächern Hamburgs, im Bunker von St. Pauli, lockte uns die Georg-Elser-Halle mit einem Konzerthighlight aus Down Under zu sich, denn die Australier von AIRBOURNE befinden sich derzeit auf großer Europa-Tour, gemeinsam mit den Rockern von ASOMVEL und AVALANCHE.
Bevor wir uns jedoch der Musik widmen konnten, galt es zunächst einige Hürden zu überwinden. Hürde Nummer 1: die Anreise durchs nach wie vor eiskalte und verschneite Hamburg. Hürde Nummer 2: das Bilden einer gescheiten Schlange am Fuße des Bunkers. Außer natürlich, man betrachtet den Endzustand des Spiels Snake, bei welchem sich die Schlange in sich selbst verknotet und in ihren eigenen Schwanz beißt, als Referenz. Wenig überraschend resultierte dieses Schlangen-Schnecken-Gebilde zu Beginn des Einlasses um 18:30 Uhr lediglich in einen unkoordinierten Pulk gleichzeitig auf das Tor einströmender Menschen. Hürde Nummer 3: Der Aufstieg zur Georg-Elser-Halle. Bereits bei gutem Wetter ist das Erreichen der Halle in luftigen Höhen kein Klacks, gilt es doch Hunderte von Stufen auf der Außentreppe zu erklimmen. Bei den arktischen Verhältnissen wurde der Aufstieg jedoch zu einer Herausforderung für Fortgeschrittene – die Stufen waren verschneit und überaus vereist. Setzte man nicht jeden Schritt mit Bedacht, so zog es einem schnell die Füße unterm Körper weg. Uncool…und ehrlich gesagt auch ziemlich gefährlich.
Nachdem wir es gegen 19:00 Uhr endlich in die Halle geschafft hatten, und uns daran machten, unsere Winterjacken in einem der Schließfächer zu verstauen, erklang mit „In The Hall Of The Mountain King“ auch schon das Intro der ersten Band. Die aus Sydney stammende Hardrock-Formation namens AVALANCHE spielte an diesem Abend ihren ersten Auftritt der Tour (und nicht nur das, sondern auch ihren allerersten Auftritt in Europa überhaupt), bei den vorherigen Shows waren sie noch nicht mit am Start gewesen. Und damit nicht genug der Premiere: erst am Vortag (dem 13.02.2026) erblickte mit „Armed To The Teeth“ das Debutalbum der Gruppe das Licht der Welt. Ein Anlass zum Feiern also. Zentrum der Band bildet das Ehepaar Steven und Veronica Campbell – Veronica an der Gitarre und Steven an Bass und Mikro. Während ihres gut 30-minütigen Sets spielten sie (wenig überraschend) zahlreiche Songs von ihrem Debut-Album und hatten hierbei sichtlich Spaß dabei, auf der Bühne abzurocken und ein wenig herumzualbern. Die Reaktion des Publikums fiel im Gegenzug eher verhalten aus. Ob dies an der Tatsache lag, dass die Band noch eher unbekannt ist, oder daran, dass ein Großteil der Leute noch mit dem Erklimmen des Bunkers beschäftigt war, bleibt unklar. Wahrscheinlich war es wohl die Kombination aus beiden Faktoren.
Fotos: Sandra Gentz
Nach einer kurzen Umbaupause übernahmen dann um 19:45 Uhr die Briten von ASOMVEL das Staffelholz. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern sind für sie die Bühnen des Landes nichts Neues, schließlich ist die Band bereits seit 1993 aktiv, wenn auch nicht in der gleichen Konstellation wie am heutigen Abend. Seither veröffentlichten sie vier Studioalben und spielten zahlreiche Shows, unter anderem waren sie auch zuvor schon mit AIRBOURNE auf Tour gewesen. Somit waren sie zahlreichen Fans in der Halle bereits geläufig. Mit ihrem donnernden Hard-Rock a la MOTÖRHEAD schafften sie es schnell, das Hamburger Publikum für sich zu erwärmen und den Laden auf Betriebstemperatur zu bringen. Mit Songs wie „Born To Rock’n’Roll“, „If It’s Too Loud, You’re Too Old“ und „Take You To Hell“ preschten sie temporeich nach vorne und ließen uns wenig Zeit für Verschnaufpausen. Bass und Schlagzeug wummerten nur so aus den Boxen und rüttelten uns gut durch. Kniff man ein wenig die Augen zusammen, konnte man glatt dem Irrglauben erliegen, eine Reinkarnation von Lemmy Kilmister vor sich zu sehen. Frontmann Ralph Robinson erinnerte nämlich nicht nur vom optischen Auftreten her an die Legende, sondern ließ auch mit seinem dreckigen Gesangsstil keine Zweifel daran, wer ihn musikalisch inspiriert und geprägt hatte. Wenn er gerade nicht selbst mit Singen beschäftigt war, animierte Ralph das Publikum dazu, ihm Phrasen wie „I Was Born To Rock’nRoll!“ entgegenzurufen. Im Verlauf einer Dreiviertelstunde servierten uns die Briten ein mit 12 Songs prall gefülltes Set, bevor sie sich um 20:30 Uhr von der Bühne verabschiedeten, um Raum für den Headliner AIRBOURNE zu schaffen.
Fotos: Sandra Gentz
Setlist ASOMVEL:
- King Of The World
- Louder & Louder
- Born To Rock’n’Roll
- If It’s Too Loud, You’re Too Old
- Your Worst Nightmare
- Outside The Law
- Set Your World On Fire
- Luck Is For Losers
- Lone Wolf
- Take You To Hell
- Light ‘Em Up
- The Nightmare Ain’t Over
Nachdem ASOMVEL ihr Set beendet hatten, wurde es im vorderen Teil der Halle noch einmal merklich voller (und es war schon vorher nicht leer gewesen). Wer mochte, besorgte sich am Ausschank noch schnell eine frische Ladung Bier und machte sich dann bereit für die Party. Gegen 21 Uhr erklangen die Töne des „Terminator 2“-Intros aus den Boxen und kündigten uns den Auftritt von AIRBOURNE an. Im Hintergrund prangte in großen Lettern das Logo der Band auf einem Backdrop, davor stand das Schlagzeug, zur linken und rechten flankiert von einer Wand aus Marshall-Verstärkern. Nachdem das Intro verklungen war, betraten die Australier die Bühne und stiegen mit „Gutsy“, dem Song, welcher auch der Tour ihren Namen gab, in ihr Set ein. Das Zentrum der Band bildet das Geschwister-Duo, bestehend aus Sänger und Gitarrist Joel und Schlagzeuger Ryan O’Keeffe. Komplettiert wird das Line-Up durch Brett Tyrell an der zweiten Gitarre sowie den Bassisten Justin Street. Wie man es von AIRBOURNE kennt und liebt, gaben Joel und seine Jungs von Sekunde 1 an Vollgas. Mit nichts als einer zerfetzten Jeans bekleidet und seiner Gitarre bewaffnet flitzte Joel wie ein aufgescheuchtes Eichhörnchen über die Stage. Und auch vor der Bühne gab es kein Halten mehr, denn in der Menge ging es mindestens genau so heiß her. Zum Gitarrensolo von „Raise The Flag“ ließ Joel sich auf den Schultern eines Security-Mannes durch die Menge tragen, schredderte von dort aus fröhlich weiter und zertrümmerte zu guter Letzt noch eine Bierdose an seinem Dickschädel. Der Inhalt selbiger ergoss sich infolgedessen über die in den ersten Reihen stehenden Zuschauer. Dieser Move gehört inzwischen ebenso fest zum Live-Repertoire wie die „Lemmy-Bar“, an welcher Joel während des Songs „Live It Up“ stets Drinks aus Jack Daniels und Cola zusammenmischt und diese dann – unter Demonstration seiner Weitwurfkünste – an die Leute im Publikum verteilt. Die von Bier und Hochprozentigerem gut geölte Maschinerie namens AIRBOURNE preschte geradezu durch ihr Set und hielt uns mit Stücken wie „Hungry“, „Too Much, Too Young, Too Fast“ und „Breakin‘ Outta Hell“ gut auf Trab. Ehe man sich versah, war es auch schon beinahe wieder vorbei – allerdings entließen die Australier uns natürlich nicht ohne eine Zugabe. Diese bestand aus „Ready To Rock“ sowie dem ultimativen Fan-Favoriten und AIRBOURNE-Klassiker „Runnin‘ Wild“, zu welchem alle noch ein finales Mal eskalierten und ordentlich Party machten. Wenn die Anzahl an während des Gigs verschütteten Getränken und Schweißtropfen auch nur ansatzweise als Indikator der Show-Qualität zu betrachten ist, dann konnte man diesen Auftritt wohl nur als Erfolg auf ganzer Linie verbuchen. Joel und co. hatten in gewohnt hoher Qualität auf ganzer Linie abgeliefert und die ausverkaufte Georg-Elser-Halle zum Beben gebracht.
Fotos: Sandra Gentz
Setlist AIRBOURNE:
- Gutsy
- Fat City
- Cradle To The Grave
- Hungry
- Back In The Game
- Raise The Flag
- Cheap Wine & Cheaper Women
- Alive After Death
- Diamond In The Rough
- Too Much, Too Young, Too Fast
- Breakin‘ Outta Hell
- Live It Up
- Ready To Rock
- Runnin‘ Wild

