ELECTRIC CALLBOY bringen die Barclays-Arena zum Beben

Sie sind momentan wohl einer der angesagtesten Acts des modernen Metals – die Rede ist natürlich von ELECTRIC CALLBOY. Die Erfolge der Band aus Castrop-Rauxel sprechen für sich und so verwunderte es auch nicht weiter, dass die Barclays Arena am Abend des 29.11. bereits seit langem restlos ausverkauft war. Seit einem knappen Monat ist die Band mit ihrer brandneuen „TANZNEID“-Tour unterwegs und die heutige Show stellte ihren letzten Auftritt vor der Weihnachtspause dar. Das wollten auch wir uns natürlich nicht entgehen lassen und waren daher für euch mit am Start.

Der Einlass begann pünktlich um 18 Uhr und ein stetiger Strom an Menschen füllte langsam aber sicher den Innenraum sowie Ober- und Unterränge der Arena. Bis zum ersten Act mussten wir glücklicherweise auch gar nicht so lange warten – für 19 Uhr war der Auftritt der britischen Band WARGASM (jaaa, streng genommen WARGASM (UK), aber das sparen wir uns der Einfachheit halber im Nachfolgenden) angesetzt. Die Gruppe rund um Sängerin & Bassistin Milkie Way sowie Sänger & Gitarristen Sam Matlock setzte musikalisch auf eine Mischung aus Electronic Rock, Punk und Nu-Metal und startete mit „Bad Seed“ in ihr Set. Auch optisch stellten die Briten einen eher unkonventionellen Anblick dar: Sam trug eine Herzchen-Sonnenbrille und eine UK-Flagge auf seiner Jacke, während Milkie in weißem T-Shirt und Rock, kombiniert mit einem Patronen-Gürtel und Cowboy-Boots in Schlangenleder-Optik über die Bühne lief. Auf der Setlist standen Titel wie „Spit.“, „Small World Syndrome“ und „Do It So Good“. Im Großen und Ganzen wurde die 30-minütige Performance von WARGASM gut aufgenommen und brachte auch schon ein wenig Bewegung in die Menge, ließ aber noch einiges an Luft nach oben – aber man muss sich seine Kräfte ja auch einteilen und es warteten noch zwei weitere Acts auf uns.

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Fotos: Sandra Gentz

Setlist WARGASM:

  1. Bad Seed
  2. Vigilantes
  3. Pyro Pyro
  4. Small World Syndrome
  5. D.R.I.L.D.O
  6. Spit.
  7. Do It So Good

Nach einer 30-minütigen Umbaupause ging es weiter mit dem ebenfalls aus Großbritannien stammenden Special Guest: BURY TOMORROW. Mit ihrem charakteristischen Mix aus harten Breakdowns und tiefen Growls von Sänger Dani Winter-Bates sowie den melodischen Hooks und Kristan Dawsons gefühlvollem Klargesang brauchten sie nicht lange, um die Barclays Arena auf Betriebstemperatur zu bringen. Bereits zum Opener „Choke“ bildeten sich die ersten Moshpits und auch Crowdsurfer ließen nicht lange auf sich warten. Von letzteren gab es Dani allerdings noch nicht genug, er hielt inne, um die Anzahl an Securities im Graben zu zählen und dies mit der Anzahl an Crowdsurfern zu vergleichen. Das Ergebnis seiner Rechnung: mehr Secus als Crowdsurfer, definitiv ein fehlerhaftes Verhältnis, und so forderte er zunächst 500 Crowdsurfer, korrigierte sich dann aber nach oben, denn was soll der Pessimismus: „Gimme a thousand Crowdsurfers!“. Das Hamburger Publikum bemühte sich zwar, dem nachzukommen, doch an die geforderte Anzahl kamen sie dann glaube ich doch nicht ganz heran (auch wenn ich nicht mitgezählt habe). Das 45-minütige Set der Briten hielt für uns Stücke wie „Boltcutter“, „Villain Arc“ und „Black Flame“ bereit und verging wie im Flug. Ehe man sich versah, war mit „Abandon Us“ dann auch schon das Ende des Sets erreicht und BURY TOMORROW verabschiedeten sich von der Bühne.

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Fotos: Sandra Gentz

Setlist BURY TOMORROW:

  1. Choke
  2. Death (Even Colder)
  3. Cannibal
  4. Boltcutter
  5. Let Go
  6. Villain Arc
  7. What If I Burn
  8. Black Flame
  9. Abandon Us

Adäquat aufgewärmt waren wir nun alle und mehr als bereit für den Hauptact des Abends – nach einer weiteren kurzen Umbaupause erloschen um 21:15 Uhr die Lichter in der Halle und es erklangen die elektronische Sounds der TANZNEID-Melodie vom Band. In eben jenen Song ging der Sound dann auch nahtlos über, und mit einem Knall fiel der große schwarze Vorhang, welcher bis dahin die Mitte der Bühne verhüllt hatte. Zum Vorschein kam die Band, welche sich nun über die Bühne verteilte, während sich über ihren Köpfen drei überdimensionale Kreuze in die Luft erhoben. Nach hinten und zu den Seiten weg wurde die Bühne von LED-Leinwänden eingerahmt, auf welchen im Laufe der Show mal Aufnahmen der Musiker, und mal knallbunte animierte Szenerien zu sehen waren. On top gab es noch reichlich Konfetti, Sparks und Pyro-Effekte, die das Spektakel optisch abrundeten. Musikalisch bildeten die beiden Sänger Nico Sallach und Kevin Ratajczak das Zentrum des Geschehens, und überzeugten im stetigen Wechsel mit harten Shouts und glasklarem Gesang. Zwischen den Songs blödelten sie sowohl miteinander wie auch mit dem Publikum herum, und animierten an zahlreichen Stellen zum Mitmachen. Wobei Letzteres eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre, das Hamburger Publikum war auch so Feuer und Flamme und feierte ausgelassen mit. Es wurde gemosht, getanzt, lauthals mitgesungen und crowdsurfen gegangen. Nicht nur die Band zeigte sich an diesem Abend in zahlreichen Kostümen: Von Vokuhila-Perücke, neonfarbenen Trainingsklamotten und NASA-Anzügen bis hin zu dem ikonische Topfschnitt-Look war eigentlich alles dabei. Auch das Publikum hatte sich teils ordentlich in Schale geworfen und für so ziemlich jedes Outfit der Band konnte man in der Menge mindestens ein Pendant erspähen. Nach dem ersten Block an Songs, welcher bereits mit vielen Highlights und Fan-Favoriten aufwarten konnte (zum Beispiel „Hypa Hypa“, „MC Thunder“, „Tekkno Train“ oder auch „Pump It“), wechselten ELECTRIC CALLBOY in ihr Alter-Ego ELECTRIC BASSBOY und DJ Pascal Schillo kredenzte uns einen knapp zehnminütigen Rave, bestehend aus zahlreichen Song-Verschnitten. Im Anschluss wurde es wieder heavy und mit „Revery“ und „Mindreader“ folgten einige der härteren Stücke aus dem Band-Katalog. Zudem spielten die Jungs eine Art Medley aus ihren älteren Stücken der „Prä-Nico-Ära“, welches mich (als eine der Personen, die die Band bereits vor ihrem großen Durchbruch schon hörte) sehr erfreute. Während Schlagzeuger Frank Zummo sich ein Drum-Battle mit dem virtuellen Roboter auf der LED-Leinwand lieferte, schlichen sich Nico, Kevin und Daniel klammheimlich in die Mitte des Publikums, wo ein Piano für sie platziert worden war. Von dort aus spielten sie eine kleine Akustik-Einlage, bestehend aus „Fuckboi“ und „Everytime We Touch“. Letzterer Song ging zum finalen Breakdown hin nahtlos in die Tekkno-Version über und die drei bahnten sich durch die sich öffnende Wall of Death ihren Weg zurück nach vorne. Kurze Zeit später waren wir dann auch schon beim Semi-Finale angekommen – zu „Elevator Operator“ kam ein ganz besonderer Special Guest in einem Schlauchboot sitzend über die Menge hinweg zur Bühne „gerudert“. Die Rede ist natürlich von dem Elevator Operator höchstpersönlich, verkörpert von Uke Bosse. Nach einer kurzen Pause gab es als Zugabe zunächst „RATATATA“ und danach „Spaceman“ auf die Ohren. Den krönenden Abschluss bildete selbstverständlich „We Got The Moves“, zu welchem sowohl Band als auch Publikum noch ein letztes Mal alle Kräfte mobilisierten und gepflegt eskalierten.

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Fotos: Sandra Gentz

Ob das, was hier in der Barclays Arena gerade passiert war, noch Metal ist? Da gehen die Antworten vielleicht auseinander, schließlich nehmen ELECTRIC CALLBOY es mit den Genre-Grenzen nicht zu ernst. Mir persönlich ist das allerdings herzlich egal, es macht Spaß, und darauf kommt es an. Die Band versteht es hervorragend, zu unterhalten, und das nicht nur auf YouTube sondern auch auf ihren Live-Shows. Das Konzert war eine schwitzige, action- und effektgeladene Show, die Band zeigte sich wie üblich in Bestform und auch das Publikum tat sein Übriges, um die Stimmung in der Halle so richtig nach oben zu treiben. Definitiv eines meiner Konzert-Highlights des Jahres.

Setlist ELECTRIC CALLBOY:

  1. TANZNEID
  2. Still Waiting
  3. Tekkno Train
  4. Hypa Hypa
  5. MC Thunder
  6. Neon
  7. Pump It
  8. Electric Bassboy Set (Hurrikan / Overkill / All The Small Things / Bodies / Song Request)
  9. Revery
  10. Hate/Love
  11. Mindreader
  12. Oldschool Set (Monsieur Moustache / Muffin Purper-Gurk / We Are The Mess / Crystals)
  13. Drum Solo
  14. Fuckboi
  15. Everytime We Touch
  16. MC Thunder II (Dancing Like A Ninja)
  17. Elevator Operator
  18. RATATATA
  19. Spaceman
  20. We Got The Moves
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