ELBRIOT 2025 – Sommer, Sonne & Circle Pits in Hamburg
Terminlich genau zwischen dem WACKEN OPEN AIR und dem SUMMER BREEZE gelegen, lockte uns am 09.08. das ELBRIOT Festival in die Hamburger Innenstadt. Das Wetter zeigte sich glücklicherweise, anders als noch letztes Wochenende, von seiner besten Seite und hatte für uns reichlich Sonne, sowie warme Temperaturen im Angebot. Gegen 11:30 Uhr sollte der Einlass beginnen, die vor dem Gelände des Großmarktes wartende Menge war blendender Stimmung und zählte zur Öffnung der Tore munter zum Countdown an.
Nach einem kurzen Hindernislauf bestehend aus den Stationen „Ticketkontrolle“, „Bändchenvergabe“ und „Sicherheitscheck“ hatte man es dann schließlich auf das Festivalgelände geschafft. Dieses ist beim ELBRIOT recht klein und übersichtlich gehalten, neben einigen (Merchandise-)Shops und den obligatorischen Essens- und Getränke-Ständen dominiert vor allem die Bühne das Geschehen. Ab 12:20 Uhr stellte diese dann auch den Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung dar.
Das Festival eröffnen durfte an diesem Tag die dänische Band SIAMESE. Mit ihrem Violinist Christian, welcher als erster die Bühne betrat, bot sich direkt ein recht ungewöhnlicher Anblick. Auch wenn die Geige im Bereich des Folk- und Mittelalter-Rocks ein gerne genutztes Instrument ist, im Metalcore sieht man sie doch eher selten. Komplettiert wird das Line-Up der Band durch die „üblichen Verdächtigen“ an Gitarre, Bass, Schlagzeug und Frontmann Mirza am Mikro. Mit einem Mix aus melodischen Hooks und einigen wohlplatzierten Breakdowns zogen die Dänen ein für die frühe Stunde beachtlich großes Publikum vor die Bühne.
Gegen 13:20 Uhr übernahmen dann FUTURE PALACE das Staffelholz. Die Metalcore-Formation aus Berlin war erst letztes Jahr im November mit ihrem neuen Album „Distortion“ in der Hansestadt zu Gast, auf dem ELBRIOT durften sie sich nun vor einem etwas größeren Publikum beweisen. Die Band rund um Sängerin Maria Lessing eröffnete ihr Set mit „Malphas“. Im Laufe ihres Sets boten die Berliner dann ihre volle musikalische Bandbreite dar: Von größtenteils geshouteten Stücken wie „Echoes Of Disparity“ bis hin zu soft-poppigen Stücken mit Klargesang war alles mit dabei. Ehe wir uns versahen, war es dann auch schon Zeit für das letzte Stück „Paradise“ (oder wie Maria ihn liebevoll betitelte: dem „FUTURE PALCE Theme Song“), welcher die Message der Band rund um die Themen Mental Health und Depressionen zum Abschluss noch einmal klar auf den Punkt brachte.
Alle Liebhaber des Metals hatten anschließend erst einmal „Pech gehabt“, wie Frontmann Eamon von THE CHATS gleich zu Beginn seiner Show humorvoll klarstellte. Das Trio aus dem fernen Australien preschte mit zackigem Punk-Rock voran und spielte Stücke wie „Billy Backwash’s Day“, „6l GTR“ oder „Temperature“. Die Songs waren größtenteils der Kategorie „kurz & knackig“ zuzuordnen und auch mit langen Ansagen wurde zwischendurch keine Zeit verschwendet. Doch auch wenn die australischen Jungs mit viel Energie am Start waren, so richtig wollte der Funken dann doch nicht auf das Hamburger Publikum überspringen. Zu groß war vielleicht die musikalische Differenz zum restlichen Tagesprogramm.
Während die Sonne inzwischen ordentlich vom Himmel brutzelte und den Asphalt erwärmte, sodass man sich ein wenig wie in einem Backofen bei Ober- und Unterhitze vorkam, heizten uns SMASH INTO PIECES nun mit einigen Pyro-Salven noch zusätzlich ein. Das Drumkit wurde von vier Displays flankiert und als der Schlagzeuger und Keyboarder „The Apocalypse DJ“ die Bühne betrat, fiel vor allem dessen Maske mit den leuchtenden LEDs ins Auge. Die Laserpointer an seinen Fingerspitzen, sowie auch die restlichen Bühneneffekte, hätten ihre Wirkung im Dunkeln wohl besser entfalten können, doch die Schweden ließen sich hiervon nicht beirren und wussten die Menge auch bei Tageslicht in ihren Bann zu ziehen. Mit melodischen und synthie-lastigen Stücken wie „Boomerang“ oder auch dem Fan-Favoriten „Six Feet Under“ brachten sie das Publikum in Bewegung und stimmten uns gut auf den restlichen Festivaltag ein.
Auch beim nächsten Act ging es heiß her: KISSIN DYNAMITE zündeten von Minute eins an ein wahres Feuerwerk ab, zwar nicht im literarischen, aber doch im übertragenen Sinne. Sänger Hannes Braun und seine Kollegen bezogen auf einem vor Lichtern geradezu funkelnden und mit dem Bandlogo gekrönten Podest Stellung und eröffneten mit „Back With A Bang“ ihr Set. Und was für ein Set es war. Die Schwaben strotzten geradezu vor leidenschaftlicher Spielfreude und machten den Auftritt zu einer Freude für Augen und Ohren gleichermaßen. Hannes hatte die Menge mit seiner charismatischen Ausstrahlung fest in der Hand, ob er nun von der Bühne aus zum Mitsingen animierte oder sich doch in einem Schlauchboot sitzend direkt ins Getümmel begab. Ob es sich bei Songs wie „DNA“, „I’ve Got The Fire“ und „Raise Your Glass“ nun um Metal oder doch eher Glam Rock handelt, darüber ließe sich wohl streiten, Fakt ist aber: egal was es ist, es macht gehörig Spaß.
Gen Abend bewegten wir uns schließlich in den Bereich eher „klassischer“ Metal-Subgenres, denn für die nächsten beiden Slots stand Thrash Metal auf dem Programm. Und das nicht von irgendwem: als erstes machte uns niemand geringeres als Slayer-Mitbegründer KERRY KING mit seiner gleichnamigen Band die Aufwartung. Die Band KERRY KING setzt sich zusammen aus diversen hochkarätigen Namen der Szene, z. B. Mark Osegueda (DEATH ANGEL) oder auch Phil Demmel (VIO-LENCE) und präsentierte uns eine Mischung aus eigenem neuen Material vom 2024er Album „From Hell I Rise“ sowie altbekannten und allseits beliebten SLAYER-Klassikern wie „Raining Blood“. Vor der Bühne ging es derweil richtig rund, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Während die Circle Pits munter kreisten, schwebte ein Crowdsurfer nach dem nächsten über die Köpfe der Menge in Richtung des Bühnengrabens und sorgte dort dafür, dass die Security alle Hände voll zu tun hatte.
Die nachfolgende Band hatte ebenfalls einen Fable für das Thema „Hölle“, wie man schon am Bühnenbild direkt erkennen konnte. Der Fall des Vorhangs, welcher in der Umbaupause aufgehängt worden war, enthüllte den Blick auf riesige dämonenhafte Fratzen, während von der Bühnendecke rot gewandete Gestalten am Strick baumelten. Bühne frei für die deutschen Thrash-Metal-Titanen von KREATOR. Die Band rund um Frontmann Mille Petrozza startete kompromisslos mit einer „Violent Revolution“, positionierte sich als „Enemy Of God“ und hisste die „Flag Of Hate“. KREATOR können auf eine über 40-jährige Diskographie zurückblicken und aus dieser schöpften sie auf dem ELBRIOT in vollen Zügen – von altem Material aus den 80ern bis hin zu neueren Stücken ist alles mit dabei. Die Band zeigte sich wie gewohnt souverän und lieferte eine eindrückliche Performance ab, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie zurecht ganz an der Spitze des Genres stehen und noch lange nicht ans Aufhören denken.
Alle Fotos: Sandra Gentz
Während der finalen Umbaupause machte sich gespannte Erwartung im Publikum breit, näherte sich doch der Moment des Tages, an dem Headliner PAPA ROACH endlich auftreten würden. Bekanntheit erlangten sie vor allem durch ihren Hit „Last Resort“ aus dem Jahre 2000, seither veröffentlichten die Kalifornier neun weitere Alben und sind mit über 80 Millionen verkauften Tonträgern alles andere als ein One Hit Wonder. Um 21:45 Uhr, im letzten Licht der sinkenden Abendsonne, betraten Jacoby Shaddix und seine Kollegen die Bühne und begannen ihr Set mit dem noch beinahe taufrischen Song „Even If It Kills Me“, gefolgt von der älteren Nummer „Blood Brothers“. Während auf mehreren Screens knallbunte Animationen die Musik untermalten und Flammenfontänen in die Luft schossen, zeigte die Band sich von ihrer besten Seite und lieferte eine einwandfreie Performance ab. Im Laufe von 75 Minuten präsentierten die Nu-Metal-Legenden sich vielseitig und präsentierten eine überaus diverse Setlist, auf der für jeden etwas dabei war. Zwischen vorauspreschenden Nummern wie „Braindead“ und Hip-Hop-geprägten Stücken wie „Liar“ gab es auch leise-emotionale Momente, wie zum Beispiel als Jacoby mit einer Schweigeminute einem verstorbenen Kollegen gedachte oder zu „Leave A Light On (Talk Away the Dark)“ tausende Lichter den Großmarkt erhellten. Den krönenden Abschluss bildete ein Medley aus Covern von den Bands KORN, DEFTONES, LIMP BIZKIT sowie SYSTEM OF A DOWN, für welches Jacoby auf Tuchfühlung mit dem Publikum ging und von der Bühne in den Graben sprang, um dort mit der ersten Reihe zu interagieren, sowie (wie sollte es auch anders sein) dem heiß ersehnten „Last Resort“, welches vom Publikum aus voller Kehle mitgesungen wurde.
Nach solch einem gelungenen Finale können wir gar nicht anders, als uns jetzt schon auf die nächste Ausgabe des ELBRIOTs zu freuen. Diese wird am 08.08.2026 stattfinden und der Headliner ist auch schon bekannt: die Herren von POWERWOLF geben sich die Ehre und werden im nächsten Jahr den Großmarkt mit ihrer Heavy-Metal-Messe segnen.

