COVENANT in Hannover – düstere Beats, Schietwetter und ein Regenbogen

Kräftige Böen treiben dunkle Wolken über den Himmel, dennoch behaupten sich die wackeren Besucher auf ihren Plätzen. Die vielen erfahrenen Festivalgänger unter den Gästen sind aber vorbereitet. In ihre Regenjacken und Regencapes eingepackt, lassen sie sich nichts entgehen. Auf ihren Stühlen harren sie im Acht&Siebzig darauf, dass COVENANT beginnt. Noch nie vom Acht&Siebzig gehört? Kein Wunder, handelt es sich dabei auch nicht um eine gängige Konzertlocation, sondern das Restaurant und Außengelände des Rasensportvereins Hannover 78, die sich als Location für Open-Air-Konzerte zur Verfügung gestellt haben. Die naheliegende Parkbühne ist anderweitig belegt. Wenn sich langfristig die Wirtschaftlichkeit verbessert, sind diese neuen Konzepte auch sicher langfristig nicht uninteressant. Bestuhlte Konzerte im Outdoor-Bereich haben ihren Reiz. Will man das Event im Sitzen genießen setzt man sich, braucht man doch mehr Platz zum Tanzen als der Platz zwischen den Stühlen hergibt, dann sucht man sich einfach ein freies Plätzchen außerhalb. Wenn dann auch noch das Wetter mitspielt, ist man auch ganz froh darüber; bei 30°C aufwärts nicht in einem eher schlecht belüfteten Klub zu stehen. Das ist auch sicher besser für den Kreislauf, zu oft musste schon der ein oder andere nach stundenlangem Stehen in “Sauna-Bedingungen” kapitulieren. Sonnencreme nicht vergessen! Man will sich ja nicht die gesunde Blässe verderben.

Nach einem langen Intro geht es um Punkt 20 Uhr unter Jubel mit dem ersten Song los. Der starke Wind hat die Nebelmaschine heillos überfordert und somit hat man klare Sicht auf Eskil Simonsson, Daniel Jonasson und Daniel Myer, welches eine interessante Abwechslung zu den sonstigen Konzerten der Band darstellt. Sofort fangen die Fans auf ihren Plätzen mit dem Tanzen an, wo es sie jedoch nicht lange hält. Zu “Bullet” juckt es dem Publikum doch schon so sehr in den Füßen, dass man aufs warm einpacken verzichtet und stattdessen lieber gegen die frische Brise antanzt. Manch einer geht sogar soweit, die weite Rasenfläche zu suchen und vollständig im Tanz aufzugehen. Der Regen perlt dabei am imaginären Regenponcho ab.

Zu “The Men” verabschiedet sich dann doch noch der Regen und zaubert wie zum Abschied noch einen kunterbunten Regenbogen an den Himmel. Die meisten streiften die klobigen Regensachen nun ab und nur die wenigsten hält es noch auf ihren Plätzen. Die, denen zwischen den Stühlen nicht genug Platz zum Tanzen war, wichen jetzt ausgiebig aufs Grün aus. Auch von der Bühne aus wurde die Stimmung besser “More uplifting songs, less sad songs! We have more uplifting ones, right?” verkündet Eskil Simonsson von der Bühne, mehr zu seinen Bandkollegen als zum Publikum, was aber niemandem wirklich auffällt.
Nach “Stalker” übernimmt dann Daniel Myer das Mikro, um eigentlich “Lightbringer” zu singen, aber nicht ohne vorher zu verkünden: “Ihr seid das sexyste Ü40 Publikum, was ich je gesehen habe!”. Gut, gewissermaßen hat er Recht, ein Blick durchs Publikum zeigt das. Über zwei Drittel der Gäste wäre auf einer Ü40 nicht deplatziert, aber wen wundert es, sind die Jungs – hehe jung – von COVENANT selbst auch alle schon über 50. Den Abschluss setzen die Schweden dann mit “Ritual Noise”.

Dachte man zumindest. Nach einer kurzen Pause kommen sie zurück. Mit den Worten: “Ich bin nur hier, weil ich euch so geil finde.” meldet sich Daniel Myer für sich und seine schwedischen Kollegen zurück. Mit guter Laune werden noch mal drei Songs hinterher gezimmert. Mit dem All Time Club Hit “Call The Ships To Port” verabschieden sich COVENANT schließlich final von der Bühne.

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Fotos: Cynthia Theisinger