Konzertsommer im Revier: FROZEN PLASMA und FUTURE LIED TO US

Der Zirkus schläft nicht – The Show must go on! Nach ROTERSAND und NOYCETM vom Vortag und einer durchzechten Nacht verstand man den berühmten Spruch aus der Bibel „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach“ plötzlich sehr gut. Und doch war die Vorfreude auf FROZEN PLASMA uns FUTURE LIED TO US natürlich riesig und gefühlt war auch die Fanbase aus ganze Deutschland nach Gelsenkirchen gereist – dem “Place to be“ für diesen Abend. Eine Stadt, die unterjährig wohl normalerweise eine Touristenanzahl von nahezu null aufweist wurde plötzlich nicht zum Hotspot, sondern zum Cold Spot für die Plasmagefrorenen. Fast fühlte ich mich schon heimisch im Zirkus Probst, fast wollte ich mich zwischen den Konzerttagen in der Stallbox des Kamels einrollen und wie in Winterstarre verharren, bis die ersten Beats mich wieder reanimieren sollten. Aber dann hätte ich die kleine Hausparty der Redaktionskollegen verpasst, was gut für meinen Kopf aber schlecht fürs Herz gewesen wäre. Also ab zum Zirkus, durch den Regen und raus aus der Betonwüste, rein in den grünen Park.

FUTURE LIED TO US

Die vorab per Mail beantragte Ticketzusammenlegung hatte leider nicht geklappt, sodass wir uns im Innenraum weit verstreut wiederfanden, aber sei’s drum!
FUTURE LIED TO US war das perfekte Bindeglied zwischen ROTERSAND vom Vortag und FROZEN PLASMA, vereint diese tolle Truppe doch mit Krischan Wesenberg und Vasi Vallis Akteure beider Formationen und Tom Lesczenski von [:SITD:] kam als Kirsche oben drauf. (Hm, vll hätte das Kamel einen Text mit besseren Metaphern schreiben können, aber jetzt ist es zu spät). Die drei Herren erfreuten uns jedenfalls mit wundervoll emotionalen Songs wie z.B. „Break Me Into Pieces“, „Lost“ und „Falling“ und sorgten wieder für Grenzerfahrungen im Zusammentreffen von Holzbänken und zuckenden Schienbeinen der Tanzwilligen. Mit „Distance“ gab es auch eine echte Premiere, die auch vom Titel her gut zur momentanen Zeit passt. Diese Truppe vereint die kreative Energie dreier anderer Bands und sie live zu erleben gehört auf jede to-do-List!

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Fotos: Mirco Wenzel

Setlist FUTURE LIED TO US:
01. Blaze In The Dark
02. Tellurian
03. Break Me Into Pieces
04. Intentions And Masks
05. Lost
06. Falling
07. Distance
08. Born In Silence

FROZEN PLASMA

 

Der arme Vasi Vallis konnte nicht wirklich pausieren, schließlich musste er sich nach dem FLTU-Einsatz gleich wieder für den Hauptgig positionieren. Auch er vereint bekanntlich das Beste aus drei Kulturen in sich und zeichnet für einen Gutteil der heute Abend präsentierten Ohrwürmer verantwortlich. Nach einem energetischen Intro startete er mit Kompagnon Felix Marc am Mikro auch gleich mit einer Live-Premiere: „Westend“ vom aktuellen Album „Gezeiten“ erblickte das Licht bzw. die schummrige Düsternis der Manege und glänzte frisch poliert auf dem Präsentierteller. Doch halt, was da glänzt und strahlt ist ja gar nicht der Song, sondern das goldene Jackett des Sängers. Einem Zirkusdirektor hätte er in dem Dress alle Ehre gemacht, fehlte nur noch der Zylinder. „Habt ihr Lust auf ein wenig Abwechslung? Raus aus der Heimathöhle, hat ja lange genug gedauert!“, gab Marc gleich die Marschrichtung für den Abend vor. Nach dem beliebten „Earthling“ folgte auch gleich der nächste neue Song namens „Exit“ und bewies, dass man auch nach fast fünfzehn Jahren Bühnenpräsenz noch frisch klingen kann, während der Autor nach einer Nacht schon in den Seilen hängt- peinlich! „Foolish Dreams“ feierte ich persönlich sehr und auch um mich rum wurde munter getanzt. Dauergäste des „Konzertsommer im Revier“ des Kulttempel Oberhausen und von Pluswelt Promotion fanden sich natürlich reichlich, aber mancher hatte auch seit Februar nicht mehr das Tanzbein geschwungen und war dementsprechend extra enthusiastisch, dass endlich wieder etwas anderes die Gehörgänge durchdrang als neue Horrormeldungen aus den Nachrichten. In der Mitte des Sets gab es ein kleines Bonbon mit „A New Life“, einem Song aus der Feder von Felix Marc und üblicherweise Bestandteil von dessen Solorepertoire. Dann kehrten die „Gezeiten“ zurück, lehrten uns „Chameleon Love“ und boten einen Ritt auf der Welle von „Nautic“.

„Irony“ war vor vielen Jahren das, was man einen „Clubhit“ nennt, hat es aber auch in die Riege der Everblacks von FROZEN PLASMA geschafft, folglich dufte es auch an diesem Abend natürlich nicht fehlen. Felix Marc nutzte den Platz im Rund ordentlich aus: Endlich gab es mal ausreichend Raum für seine famose Arm- und Beinarbeit! Wie man bei diesem Workout nicht aus der Puste kommen und immer noch adäquat singen kann, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Nach der mitsingstarken „Gefühlsmaschine“ (ja FROZEN PLASMA kann auch außerhalb von Revolutionen gut Deutsch!) stand der letzte Block inklusive Zugaben dann ganz im Zeichen der All-time-Favourites. Die Restenergie der Zuhörer ging komplett zwischen „Living On Video“, „Murderous Trap“ und dem obligatorischen „Tanz Die Revolution“ drauf, bis die „Warmongers“ uns mit einem warmen Gefühl in die Nacht entließen. „Hitfeuerwerk“ gehört definitiv zu den ausgelutschten Phrasen, die keiner mehr in einem Konzertbericht lesen mag, aber was soll man stattdessen sagen? Die Gefühlsmaschine lief nunmal auf vollen Touren, als die verschworene Gemeinschaft der Plasmaten die eingestaubten Konzertemotionen vom Frühjahr endlich wieder auspacken und an die popcornduftgeschwängerte Luft entlassen durfte. Nach dem Konzert herrschte fröhliche “Klassenfahrt-Atmosphäre” im Gastro-Vorzelt. Viele Fans hatten sich lange nicht mehr gesehen und es wurde noch lange zusammengesessen und geplaudert. FROZEN PLASMA ist Leben, FROZEN PLASMA ist Freude und all das, was das verdammte Virus uns zeitweise genommen hatte. Entschuldigung bitte, aber das war vor diesem Hintergrund kein normales Konzert, sondern lebensrettend und -notwendig! Danke an die Zirkustruppe, Peter Jurjahn & Crew und Pluswelt Promotion sowie natürlich an die beiden Lieblingsbands für dieses Erlebnis. Und denkt dran: Felix könnt ihr am 7. November an gleicher Stelle mit DIORAMA noch einmal sehen und Tom beehrt den Zirkus mit [:SITD:] am 24. Oktober. Kommet in Scharen, aber wascht euch fleißig die Hände und hört auf FLTU: Distance! 😉

 

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Fotos: Mirco Wenzel

Setlist FROZEN PLASMA:
01. Westend
02. Earthling
03. Exit
04. Foolish Dreams
05. Rivers
06. Almond Flowers
07. A New Life (Felix Marc)
08. Chameleon Love
09. Nautic
10. Irony
11. Sailor
12. Gefühlsmaschine
13. Living On Video
14. Murderous Trap
15. Tanz Die Revolution
16. Warmongers