Review: JANOSCH MOLDAU – “Host“

Entgegen meinen üblichen Hörgewohnheiten aus dem überwiegend metallischen Sektor, dreht sich heute mal das neueste, elektronisch generierte Werk von Janosch Moldau auf meinem virtuellen Plattenteller und möchte von mir ein paar warme Worte einfordern. 

In meiner Jugend gab es sehr viel elektronische Musik, DEPECHE MODE, ALPHAVILLE, KRAFTWERK, FRONT 242 um nur einige wenige zu nennen. Von daher ist mir diese synthetische Form der Klangerzeugung alles andere als fremd. 

Wer allerdings Parallelen suchen möchte zu vorgenannten Bands, wird sicher etwas verwirrt werden, denn sie existieren schlichtweg nicht, abgesehen von der synthetischen Musikerzeugung! Was ja auch gut so ist, denn es beweist die Eigenständigkeit der musikalischen Kompositionen. Wer jedoch offen ist für die sehr persönliche Version elektronischer Transfusion von Janoschs ureigensten Emotionen in faszinierende Klangwelten, der liegt hier goldrichtig! 

Das Ganze kommt dabei eher nachdenklich und überwiegend schwermütig rüber, sehr intensiv und fast introvertiert der charakteristische Klargesang von Janosch, der seinen Schmerz immer wieder in Moll-Harmonien taucht, und einem damit Zugang zu seinen Gedankenwelten gewährt. Soviel ist klar: Partytauglich ist das eher nicht, es sei denn das Motto der Party ist eher düster und gothic-lastig gestaltet… Nebelschwaden, bunte Laser, Schwarzlicht und schwarze Klamotten. 

Nur selten klingt der grundlegende Beat und die beschriebene Welt, in die man entführt wird, wie in „Sense of God“, ansatzweise positiv und treibend, dennoch bleibt der Eindruck, dass auch das nicht so grundlegend positiv gedacht ist, wie es zunächst erscheint. Denn immer wieder zerschneiden gekonnt inszenierte, scharfe Synth-Irritationen diese trügerische Atmosphäre, und entfalten ihre ganz eigene Magie. Gegenüber Janoschs früheren Stücken sind die Strukturen diesmal deutlich progressiver ausgefallen, experimenteller, vertrackter und ausgefeilter die Vielschichtigkeit der Sounds und Melodielinien. Dadurch entsteht eine ganz eigene atmosphärisch aufgeladene Energie.

Ein ganz besonderes Beispiel dafür macht auch Track 3 des Albums bemerkenswert: „Embrace me“ startet mit einem depressiven Klavierintro, das immer mehr in den Song diffundiert, teilweise mit wirklich schneidenden Synth Attacken zerstört wird, und sich schließlich in der unendlichen Weite von hoffnungsvollen Harmonien verliert, die allerdings immer wieder von Disharmonien kurz kontrapunktiert werden, bis der Schlussakkord einen spüren lässt, die beschriebene Umarmung war wohl eher einseitig, die Erwiderung ein unerfüllter Wunsch. Mein persönliches Highlight auf dem Album, zweifelsohne! 

Insgesamt ist mir persönlich allerdings die durchaus überzeugende Vortragsweise des Gesangs auf die Dauer der 10 Tracks etwas zu wenig positiv moduliert, fehlen mir persönlich einige „Weckrufe“, die einen wieder ganz und gar fesseln und um Aufmerksamkeit heischen. Aber wer nach den passenden Soundtrack seiner eigenen depressiven Phase sucht, wird hier sicher die passende Hintergrund Untermalung finden, um sich bei Kerzenlicht und Opium-Duftlampe ganz seiner Stimmung hinzugeben. 

Ein Album fernab üblicher Gepflogenheiten des Genres, eben sehr persönlich und bedeutungsschwanger. Stellenweise gewöhnungsbedürftig oder gar irritierend, weil Janosch sich nicht vordergründig dafür interessiert Hits zu schreiben, obwohl der erste Song des Albums ja in den online-Charts bereits nachhaltig eingestiegen ist. Vielmehr klanggewordene Prosa in einer Form, die ungewöhnlich ausdrucksstark daher kommt, aber eben auch nicht immer leichte Kost darstellt. Originär und individuell ist es allemal.

 

Wertung: 6,2 von 10 Punkten