Review EXPOSED TO NOISE – „The Ocean“

Gut Ding will Weile haben, heißt es im Volksmund. Und so haben sich EXPOSED TO NOISE viel Zeit genommen, sehr viel Zeit, um den Nachfolger ihres 2008 erschienenen Albums zu verwirklichen. Freilich nicht ganz ohne Grund, da einige Wechsel im Lineup stattgefunden haben und familiäres Engagement ihre Zeit in Anspruch nahm. Was das für eine Band bedeutet, weiß ich selbst als Musiker nur zu gut. Da ziehen plötzlich unzählige Monate ins Land und immer wieder gibt es Rückschläge und Zeitaufschübe. Untätig war man in dieser langen Zeit allerdings bei Weitem nicht, und hat nun von den über 20 Songs, die in dieser Phase entstanden sind, schlussendlich 9 auf diesen „The Ocean“ betitelten Longplayer gebannt. Wer nun ambientemäßiges Meeresrauschen erwartet, wird derbe enttäuscht sein. Wer aufgrund des Bandnamens vielleicht Noisecore erwartet, liegt ebenso komplett falsch.

Modern Metal amerikanischen Stils, mit dezenten, progressiv akzentuierten Anklängen möchte ich es nennen. Eröffnet wird das Album von einem Intro, das mich irgendwie an das „Game Of Thrones Theme“ erinnert, wenn auch industrial  sehr stark verfremdet.

Mit dem ersten, richtigen Song „ Procedure 9“, der auch als Vorabsingle online verfügbar ist, wird schnell klar, wohin die Reise auf diesem Ozean geht: Technisch ausgereifter modern Metal mit den typischen, aggressiven Core-Vocals im Wechsel mit melodiösen Refrain-Parts. Das Strickmuster ist bekannt und nicht gerade besonders ungewöhnlich, funktioniert aber eben immer wieder gut und tut niemandem wirklich weh. Und genau hier liegt für mich der Schwachpunkt des Albums. Wenn man behauptet, es wirke wie aus einem Guss, ist das einerseits ein Kompliment, andererseits aber auch ein Kritikpunkt. Denn aus meiner Sicht wurde hier die selbe Gussform immer wieder mit leicht unterschiedlichen Legierungen befüllt. Das Resultat ist, dass „Procedure 9“ durchaus repräsentativ für das Album ist, die nachfolgenden Stücke sich aber alle zu sehr diesem Arrangement und homogener Grundrichtung  unterordnen. Kurz gesagt, mir fehlt es hier an Abwechslung und echten, überraschenden Highlights. Nun ist es ja im Grunde gar nicht schlecht, wenn eine Band „ihren Stil“ gefunden hat, nur ist auch der leider alles andere als neu und ungewöhnlich. Populär ist er allemal zurzeit und man muss dem Quintett zweifelsohne zugestehen, dass die Produktion im eigenen Studio wirklich solide erfolgt ist, dass die Arrangements flüssig und schlüssig sind. Vielleicht ein bisschen zu… „genretypisch“ in der Gesamtwirkung.

Auffällig ist zudem, der für meinen Geschmack etwas zu euphorisch eingesetzte Vocalsynthesizer, der die Stimme von Marian Ruberg oft stark überlagert, was ich etwas schade finde, denn sein Organ wirkt eigentlich jederzeit sicher und auf den Punkt.

Wie gesagt, rein technisch kann man den Jungs absolut keine nötige Fähigkeit absprechen, und ich bin mir absolut sicher, dass ETN live richtig Spaß machen dürften. Wer also Lust hat, seine lokale Szene zu supporten, statt den etablierten Bands des Genres das Portemonnaie weiter anschwellen zu lassen, liegt hier komplett richtig. Es ist auch alles andere als unwahrscheinlich, dass nicht wieder im Rahmen der Promotion des Albums einige Gigs mit namhaften Bands stattfinden werden, wie bereits in der Vergangenheit (AUGUST BURNS RED, A DAY TO REMEMBER, etc…) Wer allerdings nach etwas sucht, was in dieser Form bisher nicht da war, wird leicht enttäuscht sein.

Wertung: 5,6 von 10 Punkten