Interview – ELVENKING zum neuen Album „The Reader Of The Runes Divination“

Am 30.08.2019 erscheint das neue Album von ELVENKING – „The Reader Of The Runes Divination“. Carsten hatte die Gelegenheit, vorher ein paar Fragen an Damna loszuwerden.

Carsten: Zunächst danke, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast

E – Damna: Kein Problem

C: Wir werden über das neue ELVENKING Album “The Reader Of The Runes Divination” reden, welches am 30.08. erscheint. Ich durfte bereits in das Meisterwerk reinhören und habe ein paar Fragen diesbezüglich an dich. Darf ich zunächst spoilern, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt?

E: Das darfst du

C: Okay, dann ist die erste Frage recht offensichtlich. Wie entstand die Idee für das Konzeptalbum?

E: Eigentlich ist es das erste Konzeptalbum was wir gemacht haben. Wir hatten immer wieder Dinge, die sich durch ein ganzes Album gezogen haben aber kein richtiges Konzept. Wir waren immer fasziniert und angezogen von der Idee, so wie SABOTAGE das mit dem “The Street” Album gemacht hat, oder eigentlich alles von KING DIAMOND. Ich war immer fasziniert davon, Musik zu machen und da eine ganze Welt drum rum zu kreieren. Das wollte ich schon immer tun, aber dafür braucht man die passende Zeit und Thema. Diesmal hat es einfach mit mir Aydan, unserem Gitarristen und zweiten Songwriter, gepasst. Wenn wir uns zusammensetzen diskutieren wir oft nur über mögliche Themen der Texte aber auch die Stimmung, die mit den Texten einhergeht.  Diesmal kamen wir einfach auf diese Idee, die eigentlich eine Anspielung auf den den Song “Rune Reader” von unserem Album “The Red Silent Dyes” von 2010 ist. Die Thematik kommt von dort, von der mysteriösen Figur, dem “Rune Reader”. Da kam dann eine Idee auf die andere und über einen längeren Zeitraum entstand dann eine größere Geschichte und wir haben uns gefreut, dass wir es endlich hinbekommen hatten und ein Konzeptalbum machen können. Dann haben wir angefangen, dies weiter auszuarbeiten. Dann wurde dies immer mehr und immer detaillierter und wussten, dass es zu lang wird. Das war der Zeitpunkt, wo wir wussten, dass es nicht bei diesem Album bleiben wird. Lass es uns in mindestens drei Teile unterteilen. Wir wollten nicht an Details sparen und dem Hörer die ganze Stimmung vermitteln können und der Story die passende Aufmerksamkeit geben. Das Album ist also nur der Beginn von einer langen Geschichte.

C: Einer Saga?

E: Exakt

C: Ist das der Grund, warum der letzte Song mit dem Zusatz “Book 1” endet?

E: Ganz genau

C: Okay, weißt du schon wie viele weitere Teile es von der Saga geben wird?

E: Die Absicht ist e,s drei Teile zu machen. Das ist die perfekte Entwicklung der Geschichte. Danach schauen wir wie es den Leuten gefiel und ob man diese noch weiter führt. Aber erstmal bleibt es bei drei Teilen.

C: Wird es in der Zukunft auch neue Akustik Stücke geben? Vielleicht als Teil der Saga oder danach?

E: Ich glaube die Idee ein ganzes Akustik Album zu machen, so wie wir es mit “Two Tragedy Poets” gemacht haben, ist etwas das wir wiederholen möchten und wahrscheinlich auch werden. Ich glaube nicht, dass ein komplettes Akustik Album in die Geschichte passt aber die nächsten Alben werden denke ich einzelne Songs beinhalten, die dann auch zur Atmosphäre passen. Also ja, da wird es wieder mehr geben.

C: Schön, so wie eine kleine Symphonie?

E: Ja, genau so. Man muss mit der Atmosphäre gehen, die man verbreiten möchte, sonst wäre es etwas komisch. Du beschreibst ein Ereignis, dass traurig ist und dazu läuft eine fröhliche Melodie, das passt einfach nicht. Das war auch beim Schreiben der Songs etwas komisch. Wir mussten da ständig drauf achten, dass beides perfekt aufeinander passt. Das war ein ganz andere Ansatz zu dem, wie wir sonst die Songs geschrieben haben. Aber auch ein ziemlicher Anreiz

C: Genau das macht das Album wahrscheinlich so einzigartig?

E: Genau

C: Warum habt ihr die drei Songs “Silverseal”, “Dinivation” und “Under The Sign of Black Start” als Singles veröffentlicht? Mit Videos und allem drum und dran, warum genau diese drei?

E: Wir wollten immer Kontrolle über unsere Band haben. Wir wussten immer, was wir unseren Fans zeigen wollen, aber diesmal haben wir uns mit unserem Label AFM Records unterhalten. Mit denenhaben wir ja auch einen neuen Vertrag und entsprechend haben sie immer mehr mit uns zu tun und unterstützen uns auch in unsere Entwicklung als Band und die Entscheidungen die wir treffen. Hier haben wir als Zeichen des Vertrauens die Verantwortung der Singles einfach abgegeben, weil wir auch so auf das Album und die Musik vertieft waren. Ja, wir wissen was unsere Fans wollen und was wir ihnen gerne zeigen möchten, aber manchmal sind wir so vertieft, dass wir möglicherweise nicht die besten Entscheidungen treffen. Also haben wir einfach gesagt hört euch das Album so oft ihr wollt an und entscheidet selbst. Sie fanden diese drei Songs zum Repräsentieren des Albums am besten, welchem wir selbst zustimmten. Ich mein wir hätten evtl. doch andere Songs gewählt, um den Leuten all unsere Facetten zu zeigen,aber das ist nicht möglich, wie du vielleicht beim hören gemerkt hast. Es gibt zu viele Facetten in jedem einzelnen Song. Daher hätten wir wahrscheinlich einen längeren Song gewählt aber AFM hat uns gesagt ihnen zu vertrauen, die Leute werden mit jedem Durchspielen des Albums mehr entdecken, also haben wir genau dies getan und ihnen vertraut.

C: Die Leute werden das Album so oder so kaufen, wenn ihnen eure Musik gefällt. Ich finde es auch gut etwas Abstand zu seinem eigenen Werk zu bekommen

E: Ja, das ist gesund. Sonst würden wir verrückt werden, wie es früher schon öfter der Fall war. Man wird von manchem richtig frustriert. Jetzt hat man ein ganzes Team mit einem arbeiten, die einem sagen, dass man einen bisschen runterfahren soll und die Entscheidungen übernehmen. Das ist sehr gut

C: Einer der Songs auf dem Album , “Under the Sign of the Black Star”, sticht etwas heraus, weil es eher wie ein Gedicht geschrieben ist. Es lässt auch viel Platz für Interpretationen. Möchtest du die Bedeutung mit uns teilen?

E: Eigentlich gibt es auf dem Album 8 Songs, insgesamt sind es ja 12, die jeweils einem anderen Charakter der Geschichte zugeteilt sind. Es gibt den Hauptcharakter, den “Reader of the Runes”, welchen man auch auf dem Albumcover sehen kann. Um ihn drehen sich drei Songs und etwas über die Geschichte in ihrer Gesamtheit. Aber es gibt acht Songs, die um Acht verschiedene Charaktere gehen, die in der Geschichte zusammen mit dem “Reader of the Runes” leben. “under the sign of the black star” beschreibt die Geschichte eines dieser Charaktere. In der Mitte des Songs gibt es sogar eine Wahrsagung von “Reader of the Runes” zu diesem Charakter. Ich glaube wenn die Lyrics, das Booklet und Notizen zu der Geschichte draußen sind wird das interpretieren leichter und man wird sich von jedem dieser Charakteren ein besseres Bild malen können.

C: Das bedeutet also, dass die Geschichte hinter dem Album mit im Booklet verarbeitet ist und dort gelesen werden kann?

E: Natürlich. Im Booklet sind kurze Notizen, welche helfen alles etwas besser zusammenzufassen. Im limitierten Box-Set haben wir noch ein kleines Buch mit weitere Notizen über die die Geschichte und die Charaktere.

C: Also baut ihr eine ganze Welt um das Album? Ich mag das.

E: Absolut. Das war die Idee und das was machen wollten. Ich finde das faszinierend und hoffe, dass unsere Fans das genauso sehen.

C: Ist geplant das Album an einem Stück zu spielen, wenn ihr auf Tour geht?

E: Das ist eine interessante Idee. Ich weiß nicht, wie das bei unseren Fans ankommen würde. Normalerweise eher weniger, weil diese für bestimmte, alte Songs zu den Konzerten kommen und diese auch hören wollen. Aber das wäre dennoch eine gute Idee. Vielleicht bei speziellen Konzerten. Wir planen aber erstmal nur viele der neuen Songs zu spielen, aber nicht alle. Das ist sicher. Wir finden, dass auch wenn diese Songs neu sind, viele das Potenzial haben live richtig gut zu werden. Wir werden das natürlich vorher testen. Wir werden sehen, wie die Reaktionen darauf sind aber ich glaube es werden schon einige werden.

C: Der Song “Diamonds in the Night” wirkt eher wie ein Zwischenstück. Worum geht es hier genau, zumal der Text auch im letzten Song “Reader of the Runes Book I” vorkommt?

E: Das ist einer von den Songs, von denen ich vorhin erzählt habe. Es geht etwas mehr um den Hauptcharakter und ist eher ein Gedanke in seinem Kopf, weshalb er etwas traurig ist. Man kann spüren, dass ihn etwas verfolgt. Es hat außerdem etwas mit den Wahrsagungen zu tun, die für die anderen Charaktere gemacht. Darum geht es eigentlich in dem Song.

C: Also werden wir es wahrscheinlich besser verstehen, wenn wir das Booklet vor uns haben

E: Ganz genau

C: Das ist wahrscheinlich jetzt die schwierigste Frage für dich: Was ist dein Lieblingssong vom neuen Album?

E: Ja, das ist wirklich schwer. Allein weil sich das ständig ändert. Lass mich drüber nachdenken, was kann heute mein Lieblingssong vom Album sein. Wenn man mit dem aufnehmen und mischen fertig ist hat man das Album so oft gehört, dass man es einfach vergessen muss, zumindest für ein paar Wochen. Es einfach liegen lassen. Der Song der mir am schnellsten wieder zurückkam war als ich das Album wieder komplett gehört hatte, war “sic simper tirannis ” glaube ich. Besonders weil er so simpel ist mit einem richtig guten Tempo und kommt bestimmt live auch richtig gut. Daher ist er, zu diesem Zeitpunkt, mein Lieblingssong. Danach natürlich “the reader of the runes book I”, welches mehr kompliziert ist und unseren Sound zu 100% widerspiegelt. Also sage ich das, auch wenn ich hier etwas schummel und zwei Songs sage.

C: Dann nimm den zweiten doch einfach morgen als Lieblingssong

E: Das geht auch

C: Ihr seid jetzt seit 20 jahren auf Tour. Das ist eine richtig lange Zeit. Welche Tour ist dir besonders im Kopf geblieben?

E: Nun, mit der letzten Tour waren wir total zufrieden und ich glaub die war auch unser Highlight. Die war im letzten April und Mai. Alles was da passiert ist war über unseren Erwartungen. Wir wollten nur eine kleine Promo-Tour für unsere letztes Album machen, aber diese wurde sehr erfolgreich. Soweit, dass sie den Grundstein für die nächsten, größeren Touren geebnet hat. Das ist etwas, an das wir uns immer erinnern werden. Natürlich gibt es auch die “eine” Tour über die wir immer wieder denken und richtig lustige Geschichten von teilen. Das war unsere erste Tour mit Oliva’s Pain  in 2017. Das war auch unsere erste Tour, also kannst du dir denken was da abging.

C: Natürlich kannst du nicht direkt sagen, welche die beste war. Die letzte is ja meist die eh die Beste.

E: Ja, wir hatten eine tolle Zeit mit Gamma Ray. Eine tolle Erinnerung und tolle Shows.

C: Hast du auch schlechte Erinnerungen? Etwas das katastrophal gelaufen ist?

E: Um ehrlich zu sein, nein. Uns ist nie etwas Schlechtes passiert. Kleinigkeiten aber wir haben das immer wieder hinbekommen. Wir hatten nie Probleme – bis jetzt zumindest.

C: Gibt es eine Band mit der du gerne mal auf Tour gehen würdest?

E: Natürlich gibt es da einige. Wir wollen ja mal mit den Füßen auf dem Boden bleiben. Es gibt viele gute Bands die zu uns passen würden. Amorphis oder Blind Guardian würde ich sagen. Die beiden wären denk ich realistisch, Ich sag mit Absicht nicht Namen wie Iron Main nur um realistisch zu bleiben.

C: Zumindest jetzt

E: Stimmt schon, noch nicht.

C: Ihr spielt in wenigen Tagen in Schweden auf dem Sabaton open Air. Auch eine gute Sache.

E: Ja, das ist ein tolles Festival. Wir haben da glaub ich schon 2013 gespielt und es war einfach toll. Es ist nur sehr viel größer jetzt. Ich erinnere mich an das Festival und hoffe, dass es wieder so wird. Ich erinnere mich an die tolle Organisation und den tollen Ankunftstag der Bands. Etwas, an das ich mich genau erinnere, ist der Weg vom Backstage zur Bühne. Dieser war etwas weiter und so wurden wir mit einem echten Panzer hin und her gefahren. Die haben uns vom Backstage zur Bühne in einem verdammten Panzer gebracht und das ist so cool, aber es ist natürlich auch Sabaton. Es ist toll.

E: Ja, am Ende ist es immer nicht Sabaton. Das ist verrückt.

C: Meine letzte Frage für dich: Ihr seht einen Haufen an Shows und Bands. Du bist ebenso Musiker als auch Fan von metal Musik. Gibt es eine Newcomer Band auf die du aktuell deine Auge geworfen hast?

E: Wie du sagst sind wir alle Fans der Musik. Ich bin immer ein Fan von neuer Musik. Wenn ich über Newcomer rede, kommt mir eine Name in dem Kopf und den anderen vergesse ich meist. Vor ein paar Jahren war da eine Band, die mich richtig beeindruckt hat. Das war TRIBULATION, natürlich kennst du sie. Ich glaube das ist eine Band, die kürzlich erst bekannt wurde. Sehr gut und das “Down Below”-Album ist richtig gut.

C: Da stimme ich dir zu

E: Es ist eine sehr bestimmte Band. Der Mix aus Extremen mit ein bisschen 70er und ein bisschen Horror Atmosphäre, das ist das Beste find ich.

C: Okay, das ist alles was ich wissen wollte

E: Kann ich dir dann noch eine Frage stellen?

C: Natürlich

E: Wie findest du das Album?

C: Ich liebe Konzeptalben. Das hat mit dem Konzeptalbum von HAGGARD angefangen, auch Italiener glaub ich. Ich mag das Geschichten erzählen dahinter. Man kann sich einfach hinsetzen, die Augen schließen, das Album anmachen und es ist als wäre man in einem Film wenn man die Musik hört. Das ist wirklich toll. Ich mag das Album wirklich gern.

E: Vielen vielen Dank

C: Viel spaß auf dem Sabaton Open Air und der kommenden Tour. Ich hoffe, dass es mindestens drei Alben mit dem Konzept werden

E: Natürlich mindestens drei

C: Danke für das Interview

E: Ich danke ebenso

 

Interview: Carsten Krüger