Nett plaudern mit Sausi – J.B.O. im Interview

Nachdem wir das neue J.B.O. Album “Wer lässt die Sau raus” mit Freude rezensiert haben, nahm sich Vito von J.B.O. auf dem RockHarz 2019 auch ein wenig Zeit, um mit uns ein kleines Interview zu führen! Was wir zu fragen und er zu sagen hatte, könnt ihr nun hier nachlesen!

Ulli: Wie geht es dir?

Vito: Mir geht es gut, danke. Ja, wir sind ja heute auf dem Rockharz. Ich hoffe es auf der Bühne nicht so windig wie beim letzten Mal wie beim letzten Mal, denn da…

Ulli:… habe ich versucht, eure ganzen Bälle, die ihr ins Publikum geworfen habt, und schlussendlich im VIP-Bereich gelandet sind, wieder ins Publikum zurück zu kriegen. Also ich hatte genug zu tun. Aber ich fand das sehr lustig. 

Vito: Ja, und ich hatte die Haare durchgehend etwa hier [gestikuliert die Frisur der Medusa]. Also es war so, wie wenn du auf nem Auto stehst das ungefähr 60km/h fährt und du musst dabei dann da stehen, spielen und singen. Das war schon gar nicht so einfach…

Ulli:… aber es ist trotzdem schön, wieder aufs Rockharz zurück zu kommen?

Vito: Absolut! Wir sind ja hier wirklich quasi Urgestein. Wir waren ja von Anfang hier immer wieder vertreten. Wir waren glaube ich auf dem ersten oder zweiten Rockharz auch schon da, da war das noch so ein kleines Festivalchen irgendwo auf ner Wiese.

Ulli: Bei Osterorde! 

Vito: Bei Osterorde, genau. 

Ulli: Wie kriegt ihr das eigentlich mit, wie wenn ihr seit langem auf einem Festival seid, wie ein Festival wächst? Freut ihr euch mit dem Festival damit dazu?

Vito: Ja, selbstverständlich! Das ist cool. Ja, wir haben ja auch Wacken wachsen sehen. Wir waren das erste Mal ‘98 aufm Wacken, da war es schon auf jeden Fall im fünfstelligen Bereich. Aber natürlich noch lange nicht das Wacken, das es heute ist. Und, ähm, es war also sag ich mal: von der Musiker-Bewirtung eher noch so nen bisschen …

Ulli: … Currywurst Pommes?

Vito: … ne, das war so ne rote Pampe. Es war nicht so ganz definierbar was es war. Es war wirklich so: wir standen da so mit Kai Hansen in der Reihe und du hattest deinen Teller in der Hand und hast so von der Schöpfkelle auf deinen Teller geklatscht bekommen und standest da so “oh okay, danke”. Und das hat natürlich nichts mehr mit dem zu tun, wie es heute ist. Weil heute wirste bewirtet vom Allerfeinsten –  das ist schon geil!

Ulli: Du meintest gerade, du warst mit Kai Hansen in der Warteschlange für ein undefinierbares Essen? Du hörst ja privat auch noch selber Musik. Kennst du selbst noch so einen aufgeregten Moment? So nen leichten Fanboy-Modus oder ist das mittlerweile nach all den Jahren irgendwie vorbei?

Vito: Natürlich kenn ich noch den Fanboy-Modus! ALTER! Das gibt es immer! Aber das sind jetzt in den seltensten Fällen Metal-Acts. Ja, so einen Fanboy-Moment habe ich gerade auch gehabt. Am Sonntag vor ner Woche war ich bei Joe Jackson. Joe Jackson ist ein Musiker, der ist auch seit ‘79 unterwegs. Der macht eigentlich Popmusik. Ich weiß nicht, ob du “Steppin’ out” kennst oder “Is she really going out with him” ?

Ulli: Steppeing out – toller Song

Vito: Kennst du?

Ulli: Ja sicher, das ist ja ein Radio-Hit. Aber einer, über den man sich freut, wenn man ihn hört.

Vito: Ja absolut. Und da bin ich Fanboy. Also ich begleite den seit Anfang der 80er Jahre und kaufe eigentlich jedes Album und wenns noch so schräg ist. Der macht lauter schräges Zeug. Der macht auch mal nen Orchester Album oder Klassik oder Jazz ! Aber es ist immer cool.

Ulli: Ein Musiker, der die komplette Bandbreite von Musikgenres erfüllt, und man es einfach gerne mit macht, weil man weiß, egal was man was er macht, er macht es gut!

Vito: Genau. Und den hab ich eben live gesehen und es war wirklich toll! Ich fand es einfach Wahnsinn. Nachdem ich ja alles kenne und er kann halt spielen, was er will – ich kenns schon und es war wirklich mega und gerade “Steppin’ out”! Es war sehr cool, weil das hat er genauso gespielt, wie er es aufgenommen hat. Er hat quasi die alte Drummachine dabei gehabt, die er damals benutzt hat. Damals, das war dann ‘82 oder so. Diese hat er dann quasi live auf der Bühne angeschlossen. Dann hat er sie angestellt und noch den Synthiebass dazu und dann gab es noch ein Glockenspiel. Live wurde der Song quasi genauso gespielt, wie er aufgenommen wurde. Bisher hat er – wie gesagt, er ist 40 Jahren auf der Bühne – immer alle möglichen Versionen live gebracht. Mal hat er eine Slowversion draus gemacht, oder noch ein bisschen was geändert oder hats verrockt. Dieses mal hat er etwas gemacht, was er noch nie gemacht hat – nämlich er hat den Song ganz original getreu gespielt. 

Ulli: Das ja schön! Ihr hattet letzte Woche “ein Fest” zu feiern. Nämlich euer 30 jähriges Jubiläum. Wie war euer Fest?

Vito: Es war toll! Es waren viele bewegende, emotionale Momente. Das schöne daran war, es waren auch unsere ganzen Kids anwesend. Also es waren wirklich von uns vier Musikern die Kinder alle versammelt. Es war echt schön. Wir hatten am Samstagabend ein Grande Finale, wo quasi alle Musiker die da waren mitsamt der Crew und den Kids auf der Bühne versammelt waren. Es war echt schön! 

Ulli: Apropos Grande Finale. Das ist ein grandioser Song von Udo Lindenberg und ihr habt diesen auf eurem vorletzten Album quasi “Deutsche Vita” drauf. Was war für euch der Beweggrund zu sagen, wir machen jetzt mal ein Album, bei dem wir nicht so wirklich viel covern oder verblödeln, sondern wo wir mal wirklich eine Hommage schon fast ans Original abgeben? 

Vito: Genau so wie du sagst. Es ist natürlich gecovered und natürlich war das genau die Idee. Letztendlich halt einfach mal Songs herzunehmen, die uns selbst bewegt haben oder die wir eben super cool finden. Vor allem deutsche Songs, das war das Konzept. Es gab ja noch andere Songs, wo man drüber gesprochen hat, ob wir die machen und letztendlich wurde das nun mal die Auswahl. Und den Song von Udo habe ich natürlich mit in die Waagschale geworfen, weil ich seit jeher ein großer Udo-Fan bin. 

Ulli: Der Song ist einfach absolut geil!

Vito: Ja, der Song ist mega! Und ich meine wir haben es halt so gemacht und ich würde es mir jetzt nicht einbilden, wir hätten es jetzt besser gemacht, aber wir haben es halt ein bisschen verändert. Um quasi einen eigenen, ähh, Dings hier hineinzubringen. 

Ulli: Ein Fünkchen fränkisches Element?

Vito: Einen eigenen Kniff. 

Ulli: Ihr habt jetzt pünktlich auch zum Dreißigsten eines neues Album am Start “Wer lässt die sau raus?”. Dieses hat soweit man es in verschiedenen Magazinen gelesen hat wirklich sehr unterschiedliche Kritiken gekriegt. Manche haben es gut aufgefasst…

Vito: Wie jedes Album von uns …

Ulli: … und manche Kritiker meinen, die Luft sei raus. Aber könnte es evtl. auch daran liegen, dass ihr halt einfach schon die besten Lieder verwurstet habt und in den letzten 15 Jahren eigentlich was die Popmusik angeht nicht so richtig tolle Klassiker hinterher gekommen sind? Songs, die wirklich eingängig und vielen Leuten im Ohr sind?

Vito: Ich finde, wir haben einige Klassiker hervorgeholt, die sind zeitlos und kannst sie jederzeit wieder aus einer Ecke rausholen. Dass die Luft raus ist, sagen sie auch schon seit 20 Jahren. Sollen sie halt sagen. 

Ulli: Wie aufmerksam verfolgt ihr das aktuelle Musikgeschehen der trivialen Popmusik? In Hinsicht vom künstlerischen Stellenwert oder hört ihr schon im Hinterkopf “Oh, da könnten wir was drauß machen”?

Vito: Nö, also das denke ich in dem Moment nicht. Also gleich alles zu betrachten, als könnte man da was draus machen. Entweder es begegnet mir und dann fällt einem was dazu ein oder halt net. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich im Grunde immer etwas mit diesem Gedanken im Hinterkopf anhöre. 

Ulli: 30 Jahre J.B.O. Ist ne ganze Weil! Wo hättest du dich vor  30 Jahren in 30 Jahren gesehen.

Vito: Nirgends! Vor 30 Jahren habe ich da nicht drüber nachgedacht. Vor 30 Jahren als wir angefangen haben, haben Hannes und ich Zivildienst gemacht. Das war eigentlich eine Orientierungsphase, also die 20 Monate, die wir als Zivildienst abgeleistet haben. Weißt du was Zivildienst war?

Ulli: ja (und muss mich grinsend daran erinnern, vor 20 Jahren im örtlichen Jugendhaus unsere Zivis durch die Gegend gescheucht zu haben. Die Antifaltencreme taugt wohl doch was!)

Vito:  Das war ne relativ lange Zeit in der wir im grunde quasi nen Job hatten, was machen mussten, dafür Geld bekommen haben und wir halt aufgeräumt waren aber ansonsten halt die Birne frei hatten. Und irgendwas machen konnten. Damals haben Hannes und ich uns kennengelernt und haben dann festgestellt, dass wir uns gut verstehen, und auch humormäßig auf einer Schiene liegen. Wir haben uns halt einfach gut verstanden. Dann kam halt irgendwann Hannes mit der Idee rüber. Anfangs als wir uns kennengelernt hatten, hatte Hannes noch ne andere Band, aber dann gabs aber irgendwie Querelen und dann war er erst noch in ner anderen Band und dann hatte er mal keine Band. So kam es, dass er sagte “Mensch, wollen wir nicht einfach ne Band machen, so wir Zwei? Wo wir also jetzt nicht viel proben sondern einfach simple Songs mit drei Akkorden und dann gib ihm!” Und ich so “Ey cool, jo des mach mer.” Jedes Jahr gibts in Erlangen ein Newcomer Festival, wobei das heute anders stattfindet als früher. Aber damals musstest du dich einfach nur früh genug anmelden und dann konntest auch spielen. Es ging quasi nach dem Motto, wer als erstes kommt mahlt zuerst. Und da hab ich gesagt “Das machen wir, das ist gut, einfach net viel nachdenken und einfach auf die Kacke hauen.” Wir haben dann beschlossen, dass wir das einfach machen. haben wir uns dann jedes mal wenn wir uns wieder getroffen haben und das war oft in und uns ist so viel Blödsinn eingefallen. Und wir haben das alles dann gemacht weil es fällt ja vielen Bands im Proberaum ja irgendein Blödsinn ein. 

Ulli: Und ihr habts einfach gemacht.

Vito: Wir haben die Scheiße einfach gemacht, ja. Und deswegen war der erste J.B.O.-Auftritt musikalisch gesehen eher eine Katastrophe. Aber das war egal, weil es war eher musikalisches Kabarett. Es war nicht wie heute, wo Leute da sind, die alle Songs kennen, mitsingen und die Texte kennen, sondern wir waren eben eine neue Band. Wir hatten ja für den ersten Auftritt alle Ansagen genau aufgeschrieben, also quasi ein Libretto geschrieben, und das auch vorher geübt und uns die Bälle zugespielt. Das war wirklich so total durchgestylt. Die Leute im Publikum – das war ein kleiner 400er Saal, der war voll – die Leute waren konzentriert und haben aufmerksam verfolgt, was auf der Bühne passiert. Das war total geil und wirklich auch sehr interessant. Also ganz anderer Film als es heute ist aber es war an und für sich ein Erfolg. Man muss ja auch sagen, wir hatten es eigentlich auch nur für diesen einen Gig geplant. Aber hinterher kam halt mal irgendeiner der gesagt hat ”könnt ihr nicht mal da und da spielen?” und dann wir so “joa, okay, können ma.” Dann kam halt noch ein “könnt ihr mal da und da spielen” und nochmal und nochmal. So haben wir uns quasi von einem Gig zum anderen gehangelt. Wir haben uns nie selber darum gekümmert. Es gab aber in den ersten fünf Jahren auch mal ein Jahr, in dem haben wir nur einmal gespielt. Erst ab ‘94 als dann “Ein guter Tag zum sterben” im Erlanger Regionalradio lief, wurde das Interesse größer und Leute wollten eine CD von uns haben. Wir hatten keine CD und wir wollten auch keine CD machen. Aber dann nahmen wir halt doch den einen Song mal auf. Und noch ein paar andere. Schließlich hatten wir eine kleine CD fertig. Dann kam letztendlich just als wir das quasi alles aufgenommen hatten ein Typ von ner kleinen Nürnberger Plattenfirma auf Hannes zu, es würden dauernd Leute nach ner CD fragen, wollt ihr mal nicht eine machen? So haben wir auch die Plattenfirma plötzlich bekommen. Wir haben uns darum nicht bemüht. So war des und so ist es dann einfach passiert. Wir haben im grunde das erste Album “Explizite Lyrik”, die ist dann einfach so veröffentlicht worden und hat sich ja dann quasi von selber verbreitet wie ein Krebsgeschwür. Irgendwie hatte hat sie sich plötzlich ausgebreitet. Das war eigentlich interessant zu verfolgen, wie sich diese CD sich über Mundpropaganda verbreitet hat. Das wirklich auch sehr interessant. 

Ulli: Und irgendwann kam die “Explizite Lyrik” auch mal bei mir an. 

Vito: Wann?

Ulli: Wahrscheinlich ‘96 -’97, also noch in meinen Jugendjahren. Ihr habt ein Lieblingsbier und ihr besingt es öfters mal.

Vito: Ja, aber nun leider nicht mehr. 

Ulli: Schmeckt’s nicht mehr? Oder gibts Kitzmann Bier nicht mehr?

Vito: Letztes Jahr im Oktober hat die Firma Kitzmann dicht gemacht. Und zwar haben sie am Freitag verkündet, dass sie am Sonntag dicht machen. Den Namen haben sie an Kulmbacher verkauft. Mitsamt den Namensrechten und den ganzen Großkunden. Aber nicht die Rezepte. Sprich, Kitzmann ist heutzutage eigentlich ein Zombiebier. 

Ulli: Die Hülle ist die gleiche, aber die Seele eine andere.

Vito: Genau. 

Ulli: Trinkt ihr es noch?

Vito: Nö, die Kitzmann-Ära ist vorbei.

Ulli: Okay, damit hat sich die nächste Frage auch erledigt, ob ihr von Kitzmann ein Endorsement hättet.

Vito: Wir hatten ein Endorsement. Dahingehend, dass wir das Bier einfach umsonst bekommen haben. 

Ulli: das ist auch schonmal was.

Vito:  Ja absolut!

Ulli: Wenn ihr auf Festivals unterwegs seid, schaut ihr euch da auch gerne andere Bands an? freut ihr euch dann?

Vito: Ja 

Ulli: Kennt ihr hier auf dem Rockharz die Grabenschlampen? Die standen nämlich zu eurem letzten Rockharz-Auftritt allesamt im Graben und hatten ihre Standard-Shirts extra für euren Gig gegen eine rosane Shirts ausgetauscht. Wie findet ihr solche Aktionen?

Vito:  Total süß, das ehrt uns doch. Das ist wunderschön, mega! 

Ulli: Zwischen euren letzten zwei Outputs lagen gerade mal 14 Monate. Habt ihr das selber als sportlich betrachtet oder habt ihr schon Songs einfach vorbereitet gehabt?

Vito: Jaein – also es war sportlich!

Ulli: Aber es war das eigene Interesse da, zum 30. entsprechend noch ein Jubiläumsalbum rauszubringen.

Vito:  Genau. 

Ulli: Im Herbst geht ihr dann mit eurer Sau auf Tour. Was macht euch mehr Spaß, bzw. ist die Motivation verschieden, auf Festivals zu spielen oder eine eigene Tour zu fahren?

Vito: Es ist beides toll. Das Schöne ist, dass wir beides machen können. 

Ulli: Ihr habt jetzt die Sau rausgelassen. Nur, was passiert jetzt mit dem armen Schwein?

Vito: Mit der Sausi meinst du? Oder welchem Schwein?

Ulli: Die Sau, die ihr raus gelassen habt. Wie präsentiert ihr die Sau? Habt ihr euch für die Sau schon live was einfallen lassen? Was versautes?

…Vito steht auf um schnell etwas zu holen und präsentiert kurz darauf Sausi – eine niedliche Plüsch-Wildsau mit Nietenbändern und J.B.O-Gewandung!

Vito: Da isse!

Ulli: Ah, ist die süß!

Vito: Das ist die Sausi.

Ulli: Was ist das aber eine niedliche Wildsau.

Vito: Ja, das ist die Sausi.

Ulli:  Also die Sau haut nicht ab. Die Sau kommt einfach mit.

Vito: Genau, die Sau kommt einfach mit! Mal schauen, es kann auch sein, dass wir die Sau auch mal veräußern. Aber da müssen wir nochmal drüber nachdenken. Vielleicht bekommt die irgendjemand Spezielles oder kann sie vielleicht jemand gewinnen. 

Ulli: Oder versteigern für den guten Zweck.

Vito: Genau! Dann haben wir die Sau rausgelassen und wenn sie weg ist, dann ist sie halt abgehauen.

Wie die Sau sich live auf der Bühne macht, ist in diesem Sommer noch auf einigen Festivals zu begutachten, bevor die Sau im Herbst ab dem 1.11. mit J.B.O. für 15 Konzerte kreuz und quer durch die deutschen Lande Konzerthallen in Sauställe verwandelt!

https://www.jbo.de/tour/