Rezension – SCHATTENMANN – Epidemie

Release Date: 5. Juli 2019

SCHATTENMANN ist eine der neueren Bands im Bereich „Neue deutsche Härte“, die ihren Stil selbst als „NDH 2.0“ bezeichnet und mit ihrem zweiten Album Epidemie einen neuen Maßstab im Bereich des Genres setzen will.

Ich nehme meiner Rezension mal vorweg, dass ich von dem Album zwar tatsächlich recht angetan war, allerdings selbst nicht finde, dass sie eine neue Version des Genres erfunden haben. Vielmehr handelt es sich bei diesem Album um ein echt gelungenes Werk, das gute Laune und viel Bewegungsdrang weckt. Still im Hintergrund bleiben, wie es der Name der Band nahelegt, müssen die Schattenmänner um den ehemaligen Stahlmann Frank Herzig jedenfalls keinesfalls.

Schon der erste Song auf ihrer neuen Scheibe, „Schattenland“, macht Lust sich zu bewegen und hat einen Refrain, der sich als Ohrwurm unerbittlich in die Gehörgänge zimmert, um dort noch lange zu verweilen. Ganz generell kann ich dieses Lob für die meisten der Songs aussprechen, die sich auf dem Album befinden, wobei die Melodien selten gleichbleibend, immer wieder neu und nie langweilig sind. Speziell ein gutes Feeling für Refrains kann ich der Band bescheinigen. Auf der anderen Seite allerdings auch, dass sie für meinen Geschmack etwas übertrieben „edgy“ sind.

Eine deutschsprachige Band hat es bei mir in Sachen Lyrik immer etwas schwer. sprachliche Schnitzer (oder zumindest das, was man persönlich als solche empfindet) fallen einfach deutlich mehr auf, wenn man Musik in der eigenen Muttersprache hört. Hier sind mir des Öfteren und speziell in den Strophen Kleinigkeiten in sprachlicher Hinsicht aufgefallen, die den Songs jeweils keinen extremen Abbruch taten, aber hier dennoch erwähnt sein wollen. Da es sich nur um klitzekleine „Holzigkeiten“ und meinen persönlichen Geschmack handelt, muss ich darauf allerdings nicht im Detail eingehen. Ich denke mir, jeder kann sich da sehr gut ein eigenes Bild machen, denn wer das Genre mag, wird hier in jedem Fall keinen Fehlgriff mit dem Kauf des Albums machen. Außerdem gab es auch allerhand sprachliche Stilblüten, die alles, was ich bemängeln könnte mehr als wett gemacht haben.

Ein bisschen schade fand ich es, dass der Titelsong des Albums „Epidemie“ für mich hinter den anderen Songs des Albums beinahe etwas verblasst ist. Es ist nicht so, dass der Song schlecht ist. Er ist sehr melodiös und ich glaube, dass er auf der Bühne sehr gut funktionieren kann. Verglichen mit anderen Liedern, die ich auf dem Album lieber mochte, fehlte mir hier ein bisschen die Einzigartigkeit und das herausstechende Merkmal. Vielleicht habe ich auch einfach das Thema nicht so richtig kapiert, denn neben den anderen Songs, habe ich hier nicht ganz verstanden, worauf der Song hinaus will und welche Botschaft er an den Mann bringen will.

Das Thema von „Wahrheit oder Pflicht“ selbst hat mir persönlich jetzt nicht so viel gegeben und es ist auch nicht das erste Mal, dass eine Band im Bereich NDH mit dem Thema um die Ecke kommt. Bei mir ist „Wahrheit oder Pflicht“ irgendwie wohl in meiner Kindheit nie so dermaßen eskaliert, dass es nicht irgendwann in derselben gedanklichen Schublade wie Topfschlagen gelandet wäre. Technisch ist das Stück allerdings echt solide und richtig hörbar. Selbiges gilt übrigens auch für den Song „Darkroom“, der auf mich auch keinen wirklich fassbaren Eindruck hinterlassen hat, vielleicht weil ich mich dafür in den falschen Clubs rumtreibe, obwohl er rein technisch echt nicht schlecht war.

Erst war ich versucht „Schwarz = Religion“ als persönlichen Lieblingssong zu wählen, was allerdings eher auf einem Missverständnis meinerseits beruhte, da ich statt „Schwarz“ für eine deutlich zu lange Zeit „Spaß“ gehört habe und mich eventuell etwas zu sehr darüber gefreut habe, dass es ein Gute-Laune-Lied auf diesem doch sehr düsteren Album geben könnte, was ich für eine kurze Weile dann auch fast frenetisch gefeiert habe, zumal die Melodie hier tatsächlich trotz des Namens eine irgendwie richtig gute und undüstere Stimmung verbreitet. Ich denke, einige Freunde von mir werden den Song wie eine Hymne feiern und das zu Recht. Den Song werde ich sicherlich noch einige Male hören.

Wo ein Album ist, muss immer auch eine Quoten-Ballade her und ich würde „Nadel und Faden“ mal als diejenige bezeichnen, die auf dem Album „Epidemie“ ihren verdienten Platz hat und dazu einlädt das Feuerzeug rauszunehmen und rhythmisch im Takt zu wackeln und sich ganz einer festivalistischen Alkdepri hinzugeben. Ich finde das Gitarrenspiel hier sehr gelungen, konnte dem Lied allerdings jetzt nicht so extrem viel abgewinnen. Zu begründen, wieso ist schwer und hat sicherlich nur etwas mit Geschmack zu tun. Es gab daneben noch einen anderen ruhigeren Song mit „Ruf der Engel“, der mir deutlich besser gefallen hat. Er bringt eine gewisse Epik mit, die mich auf dem Album durchaus positiv überrascht hat. Ich erwähnte ja eingangs schon, dass die Melodien auf dem Album eigentlich nie langweilig werden und es ist wirklich schön zu sehen, dass teilweise mit verschiedenen Stilrichtungen gespielt wird, wobei die Songs dennoch alle im Gesamtbild sehr gut zueinander passen.

Es gab nur zwei Songs, die mir wirklich nicht gefallen haben. – Kurz und knapp: „Schlag für Schlag“ und „Phantom“, beide aus demselben Grund.  Ich bin wirklich kein Freund von dem Sprechgesang, der hier in den Strophen verwendet wird. Wobei auch hier der Refrain wieder jeweils durchaus hörbar ist.

Ich denke mein Lieblingsstück auf dem Album ist „Kopf durch die Wand“. Dieser Song ist schön energiegeladen und sogar die sparsam eingesetzten und von mir zuvor verpönten Sprechgesänge sind hier wie ich finde ziemlich passend. „Gewissen“ kommt fast direkt danach auf meiner persönlichen Hitliste und ist mit einem hohen Elektronikanteil in der Melodie richtig gut und wieder sehr eigenständig gegenüber den anderen Songs.

Tracklist:

01. Schattenland
02. F.U.C.K.Y.O.U.
03. Schlag für Schlag
04. Epidemie
05. Wahrheit oder Pflicht
06. Ruf der Engel
07. Kopf durch die Wand
08. Schwarz = Religion
09. Gewissen
10. Darkroom
11. Nadel und Faden
12. Phantom

Bewertung:

Meine Benotung des Albums wird daher eine solide 7,5 von 10 Punkten und eine klare Hörempfehlung.