Fit for Festivals – Teil 2: No-Go-Guide for Festivals (multidirektional betrachtet, quasi ein Rundumschlag)

Der Festivalsommer steht vor der Tür – damit du ihn möglichst stressfrei erleben kannst, ist eine vernünftige Planung oft unerlässlich.

In unserem zweiten Teil der “Fit for Festivals” Guides geht es darum, was man besser bleiben lässt. Rico hat dazu einmal verschiedene Pateien, die man auf Festivals so antreffen kann, gefragt, was ihnen denn gehörig auf die Nerven geht. Hier das Ergebnis.

 

Wir alle pilgern ja gerne alljährlich zahlreich und voller Vorfreude zu diversen Open-Airs oder Hallen-Festivals und wünschen uns einen möglichst unterhaltsamen und zwanglosen Aufenthalt, mit coolen Leuten, super Musik und einer Orga, die keine Wünsche offen lässt. Soweit zur Theorie. In der Praxis gibt es natürlich auch immer wieder Situationen, die einem den Hochgenuss zu beeinträchtigen oder gar völlig zu verhageln im Stande sind. Um herauszufinden, welche „Ärgernisse“ am häufigsten die Stimmung negativ beeinflussen, haben wir mal in unseren eigenen Hirnwindungen gekramt und diverse festivalerprobte Metalheads gefragt, worauf sie echt gar keinen Bock haben, wenn sie eigentlich unbeschwert feiern wollen.

Wie man sich vorstellen mag, waren die Antworten durchaus sehr individuell, da die Toleranzschwelle der befragten Leute natürlich genauso unterschiedlich ist wie deren Musikgeschmack, Vorliebe für Getränke etc. Daher beschränken wir uns mal auf die Essenz der Punkte, die am häufigsten genannt wurden, somit erheben wir hier umgekehrt entsprechend auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Geschweige denn darauf, euch belehren oder gar missionieren zu wollen. Vielmehr möchten wir nur dazu anregen, sich die Punkte mal anzuschauen, kurz darüber nachzudenken und zu überlegen, ob man sich selbst schon über den ein oder anderen davon geärgert hat und ob man deshalb im Sinne der gegenseitigen Rücksichtnahme auch hier und da sein eigenes Verhalten reflektieren könnte/ sollte/müsste.

Also, dann gehen wir in „medias res“, wie der alte Latriner sagt….

Auf geht´s:

Top 1: MENSCHEN! So generell… die nerven! Wie war die Frage noch gleich gemeint??

Ich:„ Ähm, was nervt dich an Festivals am meisten, was geht für dich gar nicht, Stichwort „No-Go…“?

Person XY: „ Ja, sag ich doch….“

Ich: „Ok, geht es ein ganz kleines Etwas genauer?“

Häufig ganz weit vorne: Scheiß Wetter

… mal zu kalt, mal zu heiß, zu nass … Klar, das nervt, aber da müssen wir wohl aufgrund der sehr begrenzten Einflussnahme ein wenig kompromissbereit bleiben und uns equipement- und klamottentechnisch entsprechend vorbereiten und arrangieren müssen.

Womit wir gleich beim nächsten Punkt wären: Ich habe mein Lieblingsshirt, o.ä., meine Zahnbürste, Duschgel, den schwarzen Kajal oder whatever daheim vergessen… na ja, selber schuld, würde ich da meinen!

Könnten wir dann bitte vielleicht ernsthaft weitermachen?

Was ist mit: In meinem Camp sind die falschen Leute, die hören die falsche Mucke, trinken das verkehrte Gesöff …?

Lass ich auch nicht gelten, such dir halt neue Freunde, wenn die alten versagen, auf so einem Festival läuft ja schließlich genug zielgruppenspezifisches Publikum rum 😉

What next? Apropos Gesöff!

Warmes Bier … geht tatsächlich gar nicht! Absolut nicht! Obwohl, muss ja nicht wirklich schmecken … helfen soll es! Oder noch schlimmer: BIER ist LEEEEEEER!!! Ok, das ist zugegebenermaßen das „worst case scenario“, aber Vorbereitung ist halt auch alles, und dazu gehört einfach eine angemessene Bevorratung! Statt Bier möge hier halt jeder bedarfsgerecht sein Lieblingsgetränk einsetzen, sei es Cider, Äppler (für die Hessen unter uns), Cola, Wasser, Jacky…

Gut, ja, alles verständlich. Aber, was nervt denn nun wirklich ernsthaft an den anderen Festival-Teilnehmern oder an der Orga?

Selbstverständlich waren hier die Antworten sehr eindeutig: Gewalt, Vandalismus, Diebstahl, Rücksichtslosigkeit! Allerdings ist das nichts, was „per se“ festivalspezifisch wäre … das nervt nicht nur generell, sondern geht einfach gar nicht, egal wann, wo oder in welchem Umfang oder wer davon betroffen ist. Im Sinne der gemeinsamen Rücksichtnahme und des Respekts! Man lese das Grundgesetz!

In diesem Zusammenhang  kann, darf und muss ich allerdings mal ein Beispiel aufzeigen, wie erfreulich es auch zugehen kann:  Wenn ich auf einem Festival unterwegs bin, trage ich zum Schutz gegen übermäßige Sonne oder hydrogenen Niederschlag aufgrund himmlischer Inkontinenz gerne Hut.

Mal davon abgesehen, dass sich dieser immer wieder gerne in der Crowd im engeren Kreis auf Rundreise begibt, weil es irgendjemand witzig findet, ihn mir vom Kopf zu nehmen, und ihn sich seinerseits auf die Birne setzen zu müssen, unternahm eben jener besagter Hut vor einigen Jahren einen generalstabsmäßig geplanten Fluchtversuch. Offenbar um dem harten Festival-Alltag endgültig zu entkommen. Zu fortgeschrittener Stunde begleitete er mich noch, wie vorgesehen, auf eines der reichlich angebotenen Dixis … auf dem ich verfassungsbedingt bei der Verrichtung geschäftlicher Angelegenheiten eingeschlafen bin. Als ich mir dieser Situation wieder annähernd bewusst wurde und beschloss, die Erholungstätigkeit in mein mir zur Verfügung stehendes provisorisches Zuhause (sprich: Zelt) zu verlagern, entschloss sich der Hut, einen anderen Weg einzuschlagen, und er legte sich in unmittelbarer Nähe zur sanitären Einrichtung kurzerhand auf der Wiese zur Ruhe … natürlich unbemerkt von mir, da ich quasi zombieartig, aber zielstrebig meine Behausung ansteuerte. Lange Rede, kurzer Sinn, weg war er, und nachdem ich folgenden Tages erfolglos den „Lost and Found”-Container aufgesucht hatte, schwand die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Aber – falsch vermutet! Ein barmherziger Mensch entdeckte das gute Stück, reinigte es sogar, und nach Kontaktaufnahme zu betreffender Person über das Festival-Forum fand der Hut tatsächlich den Weg zu mir zurück!!! Das beeindruckt mich heute noch nachhaltig, und mein ausdrücklicher Dank geht an dieser Stelle selbstverständlich noch einmal explizit an diese aufrichtige Person, die hier aus datenschutzrechtlichen Gründen leider anonym bleiben muss. Nur der Vollständigkeit halber: Es ist ein hochwertiger Echtleder-Hut, kein billiger Textil-Hut für 10 € vom freundlichen Festival-Inder oder welcher Herkunft auch immer. Die Versuchung, ihn für eigene Zwecke zu behalten, war also durchaus nicht abwegig, nehme ich an.

Nach diesem kurzen Exkurs zurück zum Thema: Was nervt denn nun noch so richtig?

Schlangen! Gemeint sind allerdings nicht die Tiere, die irgendwo in die Gattung „serpens …“ fallen, sooondern: Warteschlangen! Meist geht das ja schon bei der Anreise los: Wenn im günstigsten Fall auf den Zufahrtsstraßen keine Staus waren, steht man spätestens in der „Sicherheitsschleuse“ in einer Schlange. Selbstverständlich sind diese erforderlich, kein Zweifel, ABER: Es packe sich bitte jeder an die eigenen Nase, ob er nicht auch etwas dazu beisteuert, dass diese länger ist als unbedingt erforderlich. Sei es, weil er die FAQs nicht gelesen hat oder sie gar geflissentlich ignoriert, à la: „ Wie, ich darf kein Glas mit aufs Gelände bringen, Jacky aus Plastik schmeckt doch nicht“ oder „Pyrotechnik ist nicht erlaubt? Wusst ich nicht“. Aber da kommen wir später nochmal drauf.

Nächster Anlass, nächste Schlange: (Camping-)Platz-Zuweisung, falls vorhanden. „Ich will mich aber mit Gruppe XY vereinen, und die haben mir was freigehalten …  Und außerdem reicht der Platz nicht, weil da kommen noch 20 weitere Kumpels“. Diskussionen ohne Ende … Auch auf das Thema Platzhoheit/Autorität kommen wir später noch mal kurz zu sprechen.

Dann gibt es noch Schlangen am Merch-Stand, Schlangen am Getränke- oder Fressstand, Schlangen vor der Schleuse zum Gelände, Schlangen am Info-Center, Schlangen vor den Band-Signing-Ständen, Schlangen vor den Duschen oder Toiletten, Schlangen vor dem Bankautomat oder gar an den Kassen provisorisch aufgebauter Festival-Supermärkte usw.  Wer hier etwas sucht, findet vor Allem: Anlass zur Geduld! Das wird sich wohl auch nicht vermeiden lassen, daher nehmt es eben mit Geduld und Gelassenheit, nutzt die Gelegenheit zum Gespräch, um neue Leute kennenzulernen etc. … Vielleicht können wir hier auch noch etwas von den Briten lernen, die machen das ja angeblich gerne und beherrschen die Disziplin „Aufreihen“ bis zur Perfektion. Und wer Angst vor Schlangen hat: Diese beißen nicht und sind meiner Erfahrung nach auch völlig ungiftig. Daher sind emotional aufgeheizte Reaktionen einfach überflüssig und ärgerlich… man kann es eh nicht ändern, und Vordrängeln ist asozial!

Nächstes ganz großes Thema für viele: Müll!!!

Leute, mal ernsthaft, warum schleppen manche von euch ihren SPERRMÜLL mit aufs Festival???? Oder schaffen ihn womöglich erst noch an, um ihn genau DIESES EINE Wochenende zu benutzen bzw. zu zerstören und dann dem Veranstalter zur Entsorgung zu überlassen? Stichwort: Einweggrills, Wegwerf-Zelte, Billig-Pavillons etc. … Vielleicht auch noch einfach ein Trümmerfeld an Papptellern, zerbrochenen Stühlen und Zeltstangen, leeren Tetrapacks und Steak-Folien achtlos zurücklassen? Ist es denn wirklich zu viel verlangt, das wenigstens zusammenzutragen oder gleich in ggf. sogar kostenfrei zur Verfügung gestellten Säcken zu sammeln und zu entsorgen? In der Realität ist diese Situation leider mehr als dezent untertrieben! Aber hinterher meckern, dass die Ticket-Preise ständig steigen, obwohl das Billing nicht besser wird?! Natürlich fällt ein Haufen Müll an, wenn 1-90 Tsd. Menschen an einem Platz Party machen, aber gerade im Zeitalter der Nachhaltigkeit und der Müllvermeidung sollte auch ein Festival kein Freibrief zur Umweltverschmutzung und Müllvermehrung sein!

Wieder ein Beispiel: Vor einigen Jahren wurde das Summer-Breeze Gelände komplett evakuiert, weil ein Gewittersturm sein Unwesen trieb. Um mich herum zig Pavillons und Zelte und anderes Zeug, das den Weg allen Zeitlichen ging und Pirouetten im bodennahen Luftraum drehte, während ich in meinem fest verzurrten, auch nicht gerade high-end Pavillon saß und recht entspannt dem Treiben zusah. So viel mal wieder zur Vorbereitung.

Womit sich gleich der Bogen zum nächsten Thema spannt: Sorglosigkeit.

Fängt in diesem Fall schon beim Aufbau an, wie gerade erwähnt … Und wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits fast jenseits von Gut und Böse ist, was den Alkohol-Pegel angeht, hat das sicher suboptimale Folgen! Bitte nicht falsch verstehen, denn bevor ICH mit dem Errichten des Lagers beginne, fröne ich sicher auch erst einmal nach langer Anreise ganz entspannt einer Hopfenkaltschale oder Ähnlichem … Aber das muss ja nicht gleich ausarten …

Hygiene im Allgemeinen kann schnell zum Problem werden.

Das Thema Müll leitet quasi wiederum schon zwangsläufig fließend zum nächsten großen über: Hygiene im Allgemeinen. Sicher sind auch hier wieder die Toleranzgrenzen sehr individuell gelagert, sowohl was den eigenen körperlichen Pflegezustand angeht, als auch den der Anderen. Auf das Thema „klebrige, versiffte Crowdsurfer” sind wir in einem anderen Bericht schon nachdrücklich zu sprechen gekommen, daher sparen wir uns das an dieser Stelle, obwohl dies sicher auch hier nochmal einen weiteren Absatz wert wäre und bestens zum Thema passt. Aber wenn ich (und die meisten der Befragten) nicht irren, mag niemand versiffte Dixis, Kloaken, die offen über das Gelände rinnen, Kotz-Pfützen, in die der ein oder andere Barfußläufer unbedarft tappt, oder die Überreste irgendwelcher Speisen, in die man überraschend stolpert, selbst wenn man seiner Sinne vollständig mächtig ist, angemessenes Schuhwerk trägt und eigentlich ausreichend Mülleimer zur Verfügung stehen. Nun, wenn ein Dixi voll ist, wird es übrigens sicher nicht dadurch besser, dass der nächste seinen Haufen noch oben drauf setzt! Eure architektonischen Ambitionen in allen Ehren! Hochbau ist was für Fachkräfte, und an denen herrscht angeblich in Deutschland Mangel! Ansonsten ist es im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur SCHEISSE! Das ist auch keine Geschichte, bei der man sich ausschließlich auf die Entleerung durch das vom Veranstalter beauftragten Unternehmens verlassen sollte, auch wenn es diesbezüglich hier und da sicher noch Optimierungsbedarf gibt. Meist sind ja ausreichend Ausweichmöglichkeiten vorhanden! Und ich unterstelle mal allen Verantwortlichen, dass sie sich redlich Mühe geben und damit kalkulieren, dass all das, was irgendwo verzehrt wird, auch wieder raus muss. Wildpinkeln (oder eben gar mehr) ist somit absolut kein probates oder akzeptables Mittel, denn spätestens, wenn die nächste Alkoholleiche sich unbedarft in eurer Lache zum Verweilen bettet, freuen sich allenfalls die Keime, dass sie Nährboden bekommen, und die Sanis über ungewöhnliche Infektionen zu Studienzwecken… Überlegt mal, was ihr davon halten würdet, selbst derjenige zu sein, der dort landet, sei es auch nur, weil euch ein Betrunkener durch unkontrollierte Bewegungen unfreiwillig dazu veranlasst. (Rumgegendere lasse ich an dieser Stelle mal außen vor, falls sich jemand darüber beschweren möchte!)

Ach ja … wo wir schon beim Thema sanitäre Einrichtungen sind, schießen wir auch mal in die entgegengesetzte Richtung: Wenn man schon gewisse Zeit in der Warteschlange zur Dusche verbracht hat und dafür oft genug auch noch zusätzlich „Strafgebühr“ entrichtet hat … DANN KANN ES DOCH WOHL NICHT ZU VIEL VERLANGT SEIN, DASS DAS VERF***TE WASSER EINE HALBWEGS KREISLAUFVERTRÄGLICHE TEMPERATUR HAT??? Ich rede ja nicht von Hamam-Hitze oder Thermalbad, aber wenn es sich anfühlt, wie Quellwasser eines Hochgebirgsbachs, ohne dessen Qualität zu haben, läuft da was falsch! Und zwar gewaltig!

Noch ein weiterer Punkt zum Thema Camping: kein Zucker mehr…

Ärgerlich! Genauer gesagt, wird dieses Manko erst wirklich prekär, wenn der Nachbar der Meinung ist, dass sein Stromaggregat die ganze Nacht über laufen sollte, weil der Sprit gerade so schön billig ist und er auch morgens gerne damit angeben möchte, dass er um 6.30 A.M. bereits rein theoretisch in der Lage wäre, vorbildlich gekühltes Bier konsumieren oder anbieten zu können. Wenn an dieser Stelle die im eigenen Camp befindlichen Mitreisenden dann durch ihren ausufernden Kaffeekonsum dafür gesorgt haben, dass der mitgebrachte Zucker bereits verbraucht ist oder die Packung durch Witterungseinflüsse oder gar eigene Unachtsamkeit bereits restentleert ist, dann eröffnet sich einem leider nicht mehr die Möglichkeit, das betreffende Aggregat durch Versüßung des Treibstoffes endgültig zum Schweigen und den Besitzer zum Ausrasten zu bringen. Ist schade um die Erfahrung…

Nervig: Schlechter Sound und diffuses Licht.

Gerade im Hinblick auf den doch sehr wichtigen (oder irren wir da etwa?) Sound auf Festivals gibt es offenbar leider ebenfalls häufig Anlass zu durchaus berechtigter Kritik: Immer wieder mehr als verwunderlich und zudem höchst ärgerlich für alle Anwesenden ist es offensichtlich, wenn die Leute, die auf den FOAs oder generell an den Mischpulten ihr Handwerk nicht recht verstehen und daher ihre Arbeit teilweise bestenfalls auf dem Niveau eines Praktikanten verrichten. Vielleicht sollten diese (nur so eine Idee) einfach noch mal auf der nächsten 80er Party im nächstgelegen Jugendclub weiter Praxis sammeln und üben … Ich verstehe ja durchaus, dass ein Headliner das Recht für sich in Anspruch nehmen möchte, die beste Show des Abends liefern zu wollen, aber da sind aus meiner Sicht dann hauptsächlich die betreffenden Musiker für zuständig! (Behaupte ich jetzt mal als selbst Musik-Schaffender.) Ein absolutes No-Go ist es für reichlich viele Befragte und für mich hingegen, wenn die Soundqualität im Laufe des Abends wie durch Wunderhand pro Band signifikant besser wird, obwohl die Support-Bands für ihre Leistung ebenfalls das gleiche Maß an Wertschätzung verdient hätten und somit auch den gleichen guten Sound, den die PA zu liefern vermag. Dafür gibt es ja schließlich auch die Soundchecks – oder sehe ich das etwa zu idealistisch?

In diesem Zusammenhang ebenso unnachvollziehbar ist, dass je später die Stunde, desto BASS! Eine wohlige Vibration in der Magengrube ist ja wunderbar, aber wenn einem die letzten Reste von Omis Sonntagsbraten von vorletzter Woche noch nachhaltig aus dem Gedärm geprügelt werden, grenzt das schon an Körperverletzung und hat nix mehr mit Hörgenuss oder Headliner-Status zu tun!

Und wo wir schon bei den Technikern sind – an die Rotlicht-Fetischisten unter den Beleuchtern:  Wenn die Fotografen eh schon damit zu kämpfen haben, dass sie max. drei Songs,  ggf. noch irgendwo zwischen Pyroshows eingebettet, zur Verfügung haben, um im Interesse der Promotion einer Band vernünftige Bilder zu schießen, ist es relativ unproduktiv, diese dann auch noch mit dem unfotogensten Licht zu bestrafen, das auf eurem Bedienpult zu finden ist! Da sehen wir leider im wahrsten Sinne des Wortes ROT!

Auch ein großes Thema: Festival Merchstand.

Ok, dann kommen wir doch nochmals zurück zu den Schlangen am Merch. Gemeint ist der offizielle Festival-Merch. Wer zum Teufel hat sich dieses bescheuerte, unökonomische Konzept ausgedacht? Während die Versorgung mit offiziellem Band-Merch auf den allermeisten „normalen“ Konzerten zumeist hervorragend funktioniert, gestaltet es sich mit Festival-Merch oft folgendermaßen: Man reiht sich irgendwo auf dem Gelände in die längste Schlange ein, die auf dem Ground zu finden ist, in der berechtigten Hoffnung, dass diese überhaupt zum Stand des offiziellen Festival-Merch führt und nicht an dem Container endet, in dem gerade DIE Band ihre Autogramme verteilt, die man am wenigsten von allen leiden mag, steht dann bei ggf. unmenschlichen Witterungsbedingungen stundenlang an, um dann, wenn man endlich an der Reihe ist, zu erfahren, dass das gewünschte Shirt oder welche Trophäe auch immer in der gesuchten Größe oder Ausführung ohnehin nicht mehr vorrätig ist … Riesenspaß! Und wenn es aus irgendwelchen, für uns  an dieser Stelle unnachvollziehbaren, Überlegungen heraus so bleiben soll: DANN SCHICKT DOCH WENIGSTENS MAL DEN NETTEN KOLLEGEN MIT DEM GETRÄNKEFASS AUF DEM RÜCKEN VORBEI!

Ist ja durchaus verständlich, dass man nicht jeden x-beliebigen Artikel in Massen vorhalten und damit unnötig Kapital binden möchte…. Aber wäre es alternativ nicht möglich oder zumindest denkbar, an Ort und Stelle entsprechende (Nach-)Bestellmöglichkeiten zu unterbreiten, damit ziel- und bedarfsgerecht nachproduziert werden kann? Oder gar eine Art Vorbestellsystem? Mit der ausgedruckten Quittung aus dem Online-Shop ist die Abholung an Punkt XY möglich? Kann ja gerne der Versand ausgeschlossen werden, um sicherzustellen, dass, um die Exklusivität zu wahren, nicht jeder Beliebige seinen Kram nach Hause geliefert bekommt und eigentlich nie beim betreffenden Festival erscheint, womöglich gar nicht hinwollte. Obwohl, ist nicht Werbung eh alles, um was es da geht, abgesehen vom Gelderlös? Den könnte man sicher mit diesen Vorschlägen erhöhen…

Weiterer wichtiger Punkt: schlecht gebrieftes Personal.

Was sich auch offenbar immer wieder als Hinderungspunkt für einen ungetrübten Genuss eines Festivals darstellt, ist schlecht gebrieftes Personal: „Moment, da muss ich mal den Kollegen fragen“ ist da ja noch eine begrüßenswerte Antwort auf gestellte Fragen, ganz blöd wird es allerdings, wenn der eine „Hü“ und der andere dann „Hott“ sagt, mit ANDEREN Worten: Die linke Hand weiß nicht, was die rechte tut … Das erleichtert es einem durchaus nicht, sich regelkonform zu verhalten, und öffnet auch noch, wenn nicht schon Portale zu Parallelwelten, so zumindest in die Grauzone des Regelwerkes … Tststs!

An dieser Stelle war ich eigentlich schon längst der Meinung, am Ende meiner Interviews zu sein, aber weit gefehlt!

Daher Ich: „So, ich glaube, wir haben die wirklich nervigsten Punkte alle erfasst und erwähnt, oder…?“

PersonXY: „Moment noch, da hätt ich noch ein, zwei  …“

Gut, also denn:

Stichwort: „Touristen-Pöbel“!

(An dieser Stelle beziehen wir uns mal als Beispiel auf ein Metal-Festival, könnte aber mit vertauschten Musikrichtungen in den einzelnen Rollen ebenso meinetwegen auf dem Nature-One oder Festival XY stattfinden).

Die Leute, die meinen, Sie würden uns den Spaß an unserem Festival verderben können, indem sie es unterwandern… Nehmen völlig unnötig Zeltplätze in Anspruch, um dann zu meinen, den kompletten Tag auf dem Campingplatz verbringend, den letzten Rest an Gehirnzellen mit übermäßigem Alkoholgenuss vollends ins Jenseits befördern zu müssen und dabei lästernd über die auf den Bühnen sich den Arsch abspielenden Bands herziehen zu dürfen, während sie zu Schlagermusik oder Techno demonstrieren, dass sie eigentlich völlig fehl am Platze sind und ihren Spaß eigentlich allein aus der Tatsache ziehen, dass sie den Sinn des Festivals und dessen Publikum sabotieren. Wofür dann die nicht ganz unerheblichen Kosten für ein Ticket investieren? Habt ihr keinen Partykeller oder andere Alternativen? Wie leer kann denn ein Leben sein, um sich an so was ergötzen zu müssen?

Ich: „Puhhhhh ja stimmt, noch was?“

PersonYX: „Ja, ich finde es furchtbar, dass die Festivals immer größer und dadurch unübersichtlicher werden, die Laufwege immer länger … und sich dann auch noch die Auftritte der Bands immer zu meinen Ungunsten überlappen. Wenn ich gerade gerne BLABLABLA sehen möchte, verpasse ich auf Bühne 5 BLUBBBLUBB!!!“

Ich: „… Hmmm, okay, aber du fährst ja nach wie vor jedes Jahr auf Wacken, richtig?“

Person YX: „ ÄÄÄÄÄÄHHHHHH………………… ja …“

Gut, das lasse ich dann jetzt einfach mal so stehen 😉

Und was ärgert euch sonst noch so? Die Antworten hab ich eigentlich nur wegen ihrer Originalität mal stichpunktweise zusammengefasst und hier aufgeführt:

– Abreise Stau (uiiii, schon wieder Schlangen)

– Alkoholleichen (viel zu weiter Weg drum herum, weil drüber steigen ist zu gefährlich, bin ja selbst nicht mehr nüchtern)

– Polizeirazzien (wenn sich Polizeianwärter mit übermäßigem Eifer ihre ersten Sporen verdienen dürfen)

– Wenn der Typ neben mir meine Freundin unablässig anbaggert (sagte übrigens der, der eigentlich ständig und überall selbst als Schürzenjäger unterwegs ist)

– „Nirgendwo gibt es Merch von meiner Band zu kaufen“ (meckerte der erfolglose Musiker)

– „Das Schnitzel schmeckt scheiße!“ (bemerkte der Vegetarier, dem die Schlange am Asia-Stand für die Gemüsepfanne zu lang war)

– „Warum ich?“ (fragte der, der beim Abfackeln des Camps erwischt wurde und für den Einsatz der anrückenden Feuerwehr wegen des Einsatzes zur Kasse gebeten wurde)

– „Und schon wieder sind Metallica nicht Headliner“ (beschwerte sich der, der auf einem Black Metal-Festival weilte)

– „Das trocknet schnell wieder“ (meinte der, dem die Schlange am Dixi zu lang war, es einfach laufen ließ und sich stattdessen der Schlange am Bierbrunnen zuwandte)

– „Sche… scheise …Po… Pozilei“ (empfand der, der sich über die Alkoholkontrolle beschweren wollte, nachdem er direkt nach der Absch(l)ussparty die Heimreise antreten wollte, um der Po-Polidsei ein schn…Schannnn…. SCHNIBB..CHEN  zu schallllalaaaalalagen )

Zum guten Schluss haben wir dann auch noch einen Veranstalter zu Wort kommen lassen (der natürlich genauso gut auch selbst ein Festival-Besucher ist), um zu erfahren, was ihn an seinen Gästen denn richtig ärgert, bzw. ein No-Go darstellt.

Zu diesem Zweck haben wir „Frederick Range“ (Name NICHT geändert, die Red.) interviewt, der mit einem relativ ungewöhnlichen Konzept für ein naturnah gehaltenes Festival auf seinem letztes Jahr zum ersten Mal organisierten kleinen Open-Air („Mahlstrom Open Air“) an einem malerischen Badesee für Aufhorchen sorgte:

Ganz weit vorne lag entsprechend bei ihm wieder das Thema Müll, bzw. der sorglose Umgang mit Ressourcen. Auf diesem Festival wurden beispielsweise kostenlos Mülltüten an die Camping-Gäste ausgegeben, und die, die ihren Platz sauber verließen, sogar noch mit einem kleinen Bonus honoriert, indem sie einen Teil ihrer Camping-Gebühr wieder zurückgezahlt bekamen.

Eine wichtige Anregung zum Thema FAQs, AGBs etc. hatte er auch parat:

„UNBEDINGT LESEN!“ – das erspart hinterher viele Diskussionen und Missverständnisse sowie das Eingreifen seitens der Security, weil irgendetwas nicht so läuft wie gewünscht oder gar erforderlich. Stichwort: Verbot von offenem Feuer. Gerade bei der Trockenheit des vergangen Sommers war das ein extrem wichtiges Thema und dem Gemeinwohl zuträglich, zwecks Brandschutz. Und dabei ging es nicht darum, die Grillparty zu versauen, denn geeignete Grills waren ausdrücklich erlaubt, Lagerfeuer hingegen eben nicht.

Auch ein regelmäßiger Blick auf die offizielle Website könne zudem nicht schaden, denn auf der News-Seite erfährt man oft wichtige Änderungen oder Ankündigungen, wie z.B. Band XY kann aus gesundheitlichen Gründen nicht wie geplant auftreten (erspart ggf. Enttäuschungen, falls genau diese Band der Hauptgrund für den Ticketkauf gewesen sein sollte), die Campgrounds werden nach neuen Maßgaben vergeben, weil …, die Anfahrt zum Gelände erfolgt nun nicht wie ursprünglich geplant über Buxtehude, sondern über Bielefeld etc…

Und ganz wichtig: „Den Anweisungen des Personals und den festgelegten Regeln ist unbedingt Folge zu leisten! Nicht, weil wir euch ärgern wollen oder selbst nicht gerne Party machen, sondern weil wir aufgrund gesetzlicher Vorschriften dazu verpflichtet sind, auf die Einhaltung gewisser Regeln zu achten! Denn auch ein Festival ist kein rechtsfreier Raum!  Und je mehr Leute auf engem Raum zusammenkommen, umso wichtiger ist es, dass auch jeder ein wenig mehr Verantwortung für sich selbst und andere an den Tag legt. Die Einhaltung von gewissen Verhaltensgrundregeln untereinander sollte ohnehin nicht zur Debatte stehen. Apropos Debatte: Diskussionen mit dem Personal sind auch schon deshalb nicht erfreulich, weil derjenige, der hinter dir steht und womöglich ein wirklich dringendes Anliegen hat, was zum Beispiel die eigenen Gesundheit oder die einer anderen Person angeht, wird es euch danken, wenn ihr den Verkehr nicht unnötig aufhaltet, nur weil ihr darüber diskutieren wollt, warum ihr für bessere Fotos nicht auf einen Lichtmast klettern solltet….

Anders formuliert: Wenn ihr in euren eigenen vier Wänden eine Party veranstaltet und sagt, dass nur auf dem Balkon geraucht werden soll, freut ihr euch sicher, wenn sich niemand dran hält, stimmt´s?

Alles in Allem zusammenfassend kann man wohl ganz simpel sagen, dass sich alle Beteiligten, egal ob Festivalbesucher, Organisation oder Dienstleister wie Händler, Getränke- oder Fressbude  jeweils über die gegenseitige Rücksichtnahme und den Respekt der anderen freuen, um ein möglichst unbeschwertes und kurzweiliges Erlebnis für alle zu ermöglichen.

Also gilt unser Appell: Gerade wenn man selbst in Hochstimmung ist, gerne auch mal an andere denken, denn gemeinsam macht es am Ende eigentlich immer noch mehr Spaß 😉

In diesem Sinne wünschen wir euch allen eine entspannte und spaßige Festivalsaison!