A Nordic Symphony ‘18 – Melodien für die Seele mit STRATOVARIUS und TARJA TURUNEN in Hannover

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Dass der Herbst nun endgültig in Deutschland Einzug gehalten hat, kann man inzwischen nicht mehr leugnen. Was gibt es da schöneres, als sich mit Kuschelsocken und einem Tee auf das heimische Sofa zu kuscheln und dabei ein gutes Buch zu lesen? Richtig, sich warm einpacken, zum Capitol fahren und, genauso zur Jahreszeit passend, melancholischen und melodischen Metal lauschen von keinem geringeren als den zwei Spezialisten auf dem Gebiet – STRATOVARIUS und TARJA TURUNEN.

SERPENTYNE

Zur Vorband SERPENTYNE ist es zwar noch etwas übersichtlich vor der Bühne, was aber vermutlich dem recht frühen Einlass geschuldet ist. Der feine, mystische Rock der sympathischen Engländer weist direkt die Richtung in die es heute Abend geht. Bei den ersten, sehr auf die Stimme der Sängerin Maggie-Beth gestützten Songs wirkt deren Stimme zwar klar aber leider ein noch ein wenig kraftlos, spätestens aber als sie zusätzliche männliche Unterstützung bekommt und die Songs etwas folkiger werden (inklusive Dudelsack, Flöten und Trommeln), ist man ganz gefangen in dem atmosphärischen Klangteppich und Maggie-Beth Stimme bringt einen zum träumen. Ein wundervoller Einstieg. Von dieser Band wird man hoffentlich bald noch mehr hören!

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Fotos: Cynthia Theisinger

STRATOVARIUS

Da wir uns auf einer Co-Headliner Tour befinden, ist die Überraschung groß, wer denn heute als nächstes auf der Bühne steht. Beim Bühnenumbau stellt sich für das geschulte Auge schnell heraus, dass dies heute in Hannover STRATOVARIUS sind.

Es geht direkt mit einem der Hits aus den Glanzzeiten los. Die ersten Töne von “Eagleheart” erklingen und ich bin wieder 15 und habe gerade angefangen Metal – außerhalb von dem, was meine Eltern so im CD Regal haben – zu hören. Das waren noch Zeiten, wo STRATOVARIUS beim Wacken als Headliner einer der Zuschauermagneten waren. Mittlerweile ist das Capitol auch ganz gut gefüllt – nicht voll, aber dafür laut! Echte Fans feiern Klassiker wie “Forever Free”, “Paradise” und “Black Diamond” immer noch als wären sie gerade erst auf einen Silberling gepresst worden – und textsicher sind sie ebenfalls! Frontmann Timo Kotipeltos Stimme ist auch nach all den Jahren Bandgeschichte immer noch glasklar und in der Lage Gänsehautfeeling zu verursachen. Zusammen mit Gitarrist Matias Kupiainen und Tieftöner Lauri Porra gibt es eine energiegeladene Bühnenperformance auf die Augen und feinsten Speed Metal aus Finnland auf die Ohren – was will man mehr? Einmal quer durch die Schaffens Geschichte und zurück geht es im vollem Tempo. Mal mehr klassisch, mal mehr episch, mal recht neu – die fünf Finnen wissen immer noch wie man die Menge begeistert. Spätestens bei “Hunting High and Low” steht im Capitol niemand mehr still. Hier beweist Bassist Lauri Porra noch einmal sehr eindrücklich, warum er einer der wenigen Bassisten ist, die ein Bass Solo spielen dürfen. Einfach Wow! Ach ja wir vermissen deine Enten auf dem Keyboard, lieber Jens Johansson!

STRATOVARIUS Setlist:

Intro
Eagleheart
Forever Free
Oblivion
Shine in the Dark
Paradise
4000 Rainy Nights
Keyboard Solo
Black Diamond
Destiny
Forever
Unbreakable
Hunting High and Low
(including bass solo )

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Fotos: Cynthia Theisinger

TARJA TURUNEN

Nach dieser grandiosen Show von STRATOVARIUS, die wieder einmal sehr deutlich gemacht haben, dass sie noch lange nicht aus der Speed Metal Sparte wegzudenken sind, ist es Zeit den aufgewärmten Hannoveranern den zweiten Headliner zu servieren. TARJA hat bei NIGHTWISH damals schon sehr viele Fans mit ihrer unverwechselbaren Stimme in ihren Bann gezogen. Dies hat sich seit ihrer Solokarriere rein gar nicht geändert. Als die kleine Finnin die Bühne betritt, wird einem direkt warm ums Herz. TARJA hat nach wie vor eine absolut bombastische Ausstrahlung und geizt nicht mit optischen Reizen. Mit “Demons in You” gibt es direkt voll auf die zwölf. Wer denkt es gibt jetzt nur noch brave, ruhige Nummern zu hören hat sich getäuscht – es rockt! Und das nicht zu knapp. TARJA und auch die beiden Seiten Männer, die sie flankieren, wissen sich und ihre Musik gekonnt in Szene zu setzten. TARJAs Ansagen werden immer wieder von Jubel unterbrochen, da wundert man sich, warum es heute nicht “ausverkauft” heißt im Captiol. Zu “Diva” erscheint TARJA in neuem Outfit mit schwarzer Krone und spätestens jetzt ist jedem klar – TARJA ist und bleibt eine Diva die an ihre alten Zeiten bei NIGHTWISH problemlos anknüpfen kann. Material von NIGHTWISH sucht man übrigens heute vergebens im Set. Warum auch, ihre eigenen Stücke können sich absolut sehen lassen und zeigen, dass sich die Sängerin nicht unterkriegen lässt sondern auch solo sehr gut funktioniert.

TARJA Setlist:

Demons in You
500 Letters
Little Lies
Deliverance
Calling from the Wild
Diva
Love to Hate
Innocence
Victim of Ritual
Until My Last Breath

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Fotos: Cynthia Theisinger

Man hätte allen drei Bands für das, was sie heute abgeliefert haben, deutlich mehr Publikum gewünscht. Scheinbar sind da irgendwie die goldenen Zeiten vorbei. Dennoch ein absolut gelungener Abend, mit viel Gefühl und epischen Songs, die einen die fallenden Temperaturen draußen für eine Weile vergessen lassen und in eine andere Welt entführen – eine vernünftige Alternative zu Tee und Sofa!