Mit Fahnen und Uniformen – NACHTMAHR live in der Subkultur Hannover

Vier Tage – drei völlig unterschiedliche Konzerte. NACHTMAHR machen für uns bei diesem Minimarathon den Sack zu. Diese sind natürlich auch nicht allein unterwegs – mit dabei sind DKAG und SYNTHATTACK, welche dem Publikum schon ordentlich einheizen. Der Abend beginnt erst um 21:00 Uhr, was für ein Konzert verhältnismäßig spät ist. Allerdings gibt es im unmittelbaren Anschluss eine Aftershowparty, was alles erklärt. Hat man im Zweifelsfall eben etwas mehr Zeit zum Vorglühen – man muss ja das Positive in allem sehen.

DKAG

DKAG beginnen den Abend und stehen schon vor einer fast komplett gefüllten Subkultur. Schon beachtlich, wie viele Leute sich finden lassen, um auf einer Bühne zwei Personen zu beobachten, welche auf ihrem Laptop auf ein paar Tasten drücken. Zugegeben, ich kann nicht viel mit der Musik anfangen, aber auch beim restlichen Publikum will der Funke sich noch nicht so ganz zum Feuer entwickeln. Nur vereinzelt sieht man Leute tanzen oder auch nur mit dem Kopf nicken. Gut, es gibt auch keine Interaktionen mit dem Publikum. Das Duo zieht einfach ihre Show los und spielt ein Song nach dem anderen mit nahtlosem Übergang. Generell nicht schlecht, der Beat macht schon Laune auf mehr, aber von der Show her ein wenig ausbaufähig.

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Fotos: Cynthia Theisinger

SYNTHATTACK

Hier ist der Name Programm. Eine Extrem verzerrte Stimme bildet die Basis des Sounds von SYNTHATTACK. Dazu noch Beats vom Laptop abgerundet durch live eingespieltes Keyboard. Stimmung kommt hier schon deutlich mehr auf. Immer mehr motivieren sich zum tanzen, was aber auch an den motivieren Gesten des Duos liegt. Gespielt werde nicht nur eigene Songs, sondern auch ein Cover von „I cant get no sleep“ von FAITHLESS. Aber auch komplett neue, noch nicht veröffentlichte Songs werden gespielt. Insgesamt heizt SYNTHATTACK dem Publikum gut ein und feiern ganz nebenbei ein Heimspiel, denn die Band stammt auch aus Hannover.

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Fotos: Cynthia Theisinger

NACHTMAHR

Was die Vorbands zu wenig haben, hat NACHTMAHR schon fast zu viel. Der Auftritt ist quasi eine große Show. Einen großen Teil machen hier die beiden Damen aus, welche allein schon die ersten vier Songs durch trommeln und zu keinem Zeitpunkt eine Miene verziehen. Wo wir gerade beim vierten Song sind: dies war „Antithese“, der Titeltrack des im Januar erscheinenden Albums. Spätestens ab jetzt ich die Stimmung richtig gut. Alle Tanzen oder bewegen sich zumindest in irgendeiner weise. Passend dazu gibt es auch den „Tanzdiktator“ zu hören, bei welchem das Publikum laut mitsingt. Aber auch bei „Feuer Frei“ zeigt sich das Publikum textsicher, als das Mikrofon immer wieder seinen Weg in diese findet. Inzwischen ist es ordentlich warm in der Subkultur, Sänger Thomas Rainer mit „Jens, kannst du mal die Klimaanlage anmachen?“ kommentiert und damit die Lacher auf seiner Seite hat. „Zieh dich aus“ schreit es aus dem Publikum. „Das will keiner sehen“ kontert Rainer. „Egal“ findet das Publikum. „Stil kennt keine Temperatur“ kontert Rainer erneut. Man muss eben Prioritäten setzen. Dafür gibt es dann einen weiteren neuen Song. „Helden“ heißt dieser. Dazu werden auf der Bühne Flaggen geschwungen. Etwas anders wird die Bühnenshow im Anschluss zu „Dein Herr“ mit Knebel und Peitsche. Mit „Kriegserklärung“ geht es weiter, einem Song, der es per Fanvote seinen Weg in die Show gefunden hat. „Sie wünschen, wir spielen“ ist dazu der Kommentar von Rainer dazu. „Heile mich“ ist ein weitere und er letzte Neue Song des im Januar erscheinenden Albums. Bei denen die Mädels eine Show mit einer Zwangsjacke auf die Bühne brachten. Anschließend ist das Konzert auch schon fast vorbei. Eine Zugabe gibt es nicht, das mag die Band nicht. Die verspricht die Zugabe einfach direkt zu spielen, wenn das Publikum verspricht danach nicht bei Facebook oder Twitter zu Posten, das NACHMAHR keine Zugabe gespielt hat. Das Publikum geht auf dieses Versprechen gerne ein und bekommt zum Abschluss noch den Publikumsliebling „Kathasis“ auf die Ohren, bevor die Band uns in den Abend oder die Aftershowparty entlässt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Fazit: Auch das sonst als eher „biedere“ Hannover kann ordentlich feiern, auch oder vermtlich genau weil die Subkultur so klein ist, stand niemand still und es wurde sehr schnell sehr warm im Club. NACHTMAHR hätten eigentlich auch von der Bekanntheit her im Musikzentrum spielen können – in der kleinen Subkultur kam das Ganze aber noch viel besser rüber, und die Fannähe ist einfach grandios. Wenn die Bühne etwas klein ist oder Requisiten nicht da wird halt improvisiert – einfach nur genial!