Reload Open Air 2018 – Rückblick auf den Festival Samstag, 25.8.2018

Nach einer kühlen und nassen Nacht soll es heute tagsüber auch nicht besser werden. Immerhin hat so der Staub keine Chance uns weiter zu ärgern. Morgenritual durchgeführt, evtl. die ersten Dinge für eine verfrühte Anreise ins Auto gepackt und ab vor die Bühne! Der Opener der Hauptbühne hat immerhin um seinen Spielplatz gekämpft.

10.10 bis 11.10 Uhr: Mr. Hurley & die Pulveraffen (Tent-Stage)

Und täglich grüßt das Murmeltier. MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN plagt mal wieder das Problem, dass das Zelt viel zu klein ist. Mal wieder müssen Hunderte davor platz nehmen und von dort aus ihre Lieblings Piratenband aus dem karibischen Osnabrück lauschen. Dennoch ist die Stimmung schnell hoch und im Zelt sind schnell die ersten Crowdsurfer zu sehen. Ist wohl auch schon jemand “Blau wie das Meer”?

Fotos: Markus Hillgärtner

11.20 bis 11.50 Uhr: Red County Jail

Die Hauptbühne wird pünktlich vom diesjährigen Bandcontest Gewinner eröffnet. RED COUNTY JAIL konnten sich in diesem Jahr mit ihrem Alternativ Rock durchsetzen, obwohl die Konkurrenz hart war. Leider muss die Band mit einem Ersatz Sänger vorlieb nehmen, da ihr normaler Sänger erkrankt ist. Es ist zwar noch nicht viel los vor der Bühne, dennoch wird die Band rigoros gefeiert. Hoffen wir mal, dass der Sänger wieder munter ist, wenn es im September so weit ist, dass RED COUNTY JAIL sich für ihr Debüt Album ins Studio begibt.

Fotos: Markus Hillgärtner

12.05 bis 12.40 Uhr: Rykers

Weiter im Programm geht es mit RYKERS. Die Band muss sich zwar auch mit einem geringen Publikum zufriedengeben. Dennoch beginnen die ersten Circle Pits schon, als die Band die ersten Töne spielt. Jedoch hat schon RYKERS etwas mit dem Wetter zu kämpfen. Immer wieder regnet es, sodass auch die Bühne nass ist. Dies führt dazu, dass Sänger Sergeant D. ausrutscht. Zumindest ist im Nichts SchlImmeres passiert, sodass es nur ein paar Sekunden ruhig ist. Sonst lässt er es sich auch nicht nehmen mal eben ins Publikum zu springen. Hardcore wie er leibt und lebt.

Fotos: Markus Hillgärtner

13.00 bis 13.35 Uhr: Kaiser Franz Josef

Etwas entspannter geht es bei KAISER FRANZ JOSEF zu. Die Band spielt Hard Rock und kann mit einer gewaltigen Stimme überzeugen. Langsam wird es vor der Bühne auch voller, kein Wunder, die Band hat immerhin schon als Vorband von AC/DC und Billy Idol gedient. Das Trio aus Österreich gibt sogar noch ein Lied zum Besten, von einer Band, mit der sie oft verglichen werden. Led Zeppelin. Das Cover von “Whole Lotta Love” kommt zumindest gut an. KAISER FRANZ JOSEF ist aber trotz allen erfolgen eine bodenständige Band geblieben, so verlassen sie mit den Worten “Es war uns eine Ehre für euch heute zu spielen” die Bühne.

Fotos: Markus Hillgärtner

13.55 bis 14.35 Uhr: The Night Flight Orchestra

Bleiben wir beim Rock und wechseln die Band. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA besteht aus bekannten Gesichter, die einfach Lust auf etwas Anderes haben. Mitglieder aus SOILWORK, ARCH ENEMY und MEAN STREAK haben sich hier zusammengefunden um die 80er wieder aufleben zu lassen. Klassischer Rock mit Backgroundsängerinnen und allem, was dazugehört. Leider ist die Stimmung noch nicht da, wo sie sein sollte. Man sieht nur vereinzelt Leute tanzen, obwohl die Musik mehr als nur dazu einlädt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

14.55 bis 15.35 Uhr: Deez Nuts

Darf’s noch ein bisschen auf die Fresse sein? DEEZ NUTS stehen für Hardcore, das ist keine Frage. Entsprechend wild geht es auch vor der Bühne zu. Zwar bluten hier keine Nasen wie am Vortag bei DEVILDRIVER, riesig ist der Pit dennoch. Dazu gibt es auch die ersten Crowdsurfer zu beobachten und ein laut mitsingendes Publikum. Dem geschulten Auge fällt jedoch auf, dass bei dem Konzert der FIRST BLOOD-Frontmann Carl Schwartz am Bass aushilft. Dieser ist, so stellt es sich heraus, eine wahre Bereicherung für die Band, da er auch an den backing Vocals einen hervorragenden Job verrichtet. Am Ende steigt die Stimmung noch mal richtig an, als die Band “Band Of Brothers” anstimmt. Im Anschluss beginnt es zwar wieder etwas zu regnen, das hindert aber kaum einem Fan daran sich noch “Binge & Purgatory” anzuhören, bevor er sich Schutz vor dem kühlen Nass sucht.

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Fotos: Cynthia Theisinger

16.00 bis 16.40 Uhr: Mantar

Manche Bands bestehen aus sieben oder mehr Leuten, und dann gibt es MANTAR mit zwei oder fast schon anderthalb Personen. An Sänger und Gitarrist Hanno Klänhardt ist so wenig dran, dass bei einem regelrecht die Mutterinstinkte durch kommen und man ihm etwas zu Essen anbieten möchte. Dennoch kommt der Doom Metal der Band gut an. Hanno fragt nicht zu unrecht “könnt ihr noch etwas auf die Fresse vertragen?” – besser könnte man ihre Musik auch nicht beschreiben. Es gibt dabei nicht nur alte Songs, sondern auch neue aus dem am Vortag erschienenen Albums “The Modern Art Of Setting Ablaze” zu hören.

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Fotos: Cynthia Theisinger

17.05 bis 17.50 Uhr: Torfrock

Wer die Werner-Filme kennt, kennt auch TORFROCK, auch wenn die Band schon viel älter ist. Es ist einfach Musik mit meist recht simplen Texten, in denen man sich teilweise selber wieder finden kann und die auch nach dem zehnten Bier noch spaß machen. Jetzt ist es das erste Mal voll vor der Bühne und auch das erste Mal kommt richtig Stimmung auf. Lautes Mitsingen inklusive. Neben der Musik gibt es aber auch ein Gedicht zu hören. Es ist aber keine Frage, dass die Stimmung bei den Songs “Beinhart” und “Volle Granate, Renate” am höchsten ist. Neue Musik gibt es von der Band zwar schon lange nicht mehr, aber ist das überhaupt nötig?

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Fotos: Cynthia Theisinger

18.15 bis 19.00 Uhr: Madball

MADBALL ist keine fünf Minuten auf der Bühne, da ist der Sänger Freddy Cricien auch schon wieder verschwunden und findet sich im Publikum wieder. Er ist einfach jemand, der die Nähe zum Publikum sucht. Dieses ist direkt dabei und feiert ausgelassen mit großen Pits. Aber auch wenn Freddy nicht an der Absperrung steht, hüpft er wie Wild über die Bühne und heizt dem Publikum weiter ein. Es gibt NY-Hardcore auf die Ohren, bis auch der Letzte nicht mehr an seinem Platz steht. Dabei werden neben vielen Klassikern auch Songs des neuen Albums “For the Cause” gespielt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

19.25 bis 20.10 Uhr: Dragonforce

Wer jemals einen Song von DRAGONFORCE gehört hat, weiß, was ihn erwartet. Hier stehen eindeutig die Gitarren im Vordergrund. Entweder man mag es oder nicht. Herman Li und Sam Totman springen wie wild über die Bühne oder Posieren, was das Zeug hält, während sie einen Riff nach dem anderen über ihre Gitarren schmettern. Das Publikum liebt das. Es entsteht ein riesiger Circle-Pit über das gesamte Set. Zum Glück gibt es durch den Regen heute kein Staub, das hätte sonst böse geendet. Die Band spielt ein Set aus ihrer ganzen Lebensgeschichte und behält sich ihren Megahit für den Schluss auf. “Are you guys familiar with guitar hero?”, fragt Sänger Marc Hudson in die Runde. Jeder weiß, was das heißt und so beenden DRAGONFORCE ihr Set mit “Through the Fire and Flames”, während die Menge nochmal eskaliert.

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Fotos: Cynthia Theisinger

20.35 bis 21.30 Uhr: Sick of it all

Andere Bands bewegen sich fast gar nicht, SICK OF IT ALL könnten auf einer Hüpfburg spielen. Hier bleibt keiner auch nur für einen Moment stehen. Vor der Bühne ist das nicht anders, auch wenn das Publikum ab und zu schwächelt. Eine kurze Bemerkung von Sänger Lou Koller oder ein Klassiker der Band lassen das Feuer aber schnell wieder entfachen. Die Setlist ist bunt gemischt aus den 32 Bands Jahren, jedoch nichts aus dem im November erscheinenden Album “Wake The Sleeping Dragon”. Zu dem Song “Scratch the Surface” gibt es dann noch eine große Wall of Death, bevor die Band langsam die Bühne verlässt.

Fotos: Markus Hillgärtner

22.00 bis 23.15 Uhr: Kreator

KREATOR sind die ersten Headliner des Tages. Wer sich den ganzen Tag gefragt hat, warum so viel Pyro vor der Bühne aufgebaut ist, sollte hier die Antwort bekommen. Schon im Intro gibt es die ersten Bengalos zu sehen. Die Thrash-Metal Legenden starten im Anschluss stark mit dem Song “Phantom Antichrist”. Es folgt ein brachiales Set, welcher vor allem aus Songs des im letzten Jahr erschienenen Albums “Gods of Violence” besteht. Immer mit dabei: Viel Pyro. Zu dem Song “Enemy of God” gibt es dann noch eine sehr große Wall of Death, einschließlich Konfetti. Bei “Phobia” wird dann der Nebelwerfer rausgeholt, welcher die komplette Bühne verdeckt und auch während des Songs immer wieder eingenebelt. KREATOR beenden sein Set schließlich mit “Pleasure to Kill” und haben damit ein gutes, aber nicht herausragendes Set gespielt. Das Publikum hatte aber durchaus seinen Spaß.

Fotos: Markus Hillgärtner

23.45 bis 01.00 Uhr: In Flames

Wie am Vortag schon PAPA ROACH zeigten, braucht es keine Pyro um eine gute Show abzuliefern. IN FLAMES hat zwar auch keine Pyro, dafür aber umso aufwendigere Lichtshow. Die Bühne ist übersät mit LED-Säulen, welche direkt viel hermachen. Aber auch sonst kann die Band schnell überzeugen. In den letzten Jahren hat Sänger Anders Fridén immer mehr auf Screams und Growls verzichtet, auch alte Stücke wurden Live einfach gesunden, was sich jetzt wieder geändert hat. Seien Stimme kann einen Live einfach umhauen. Pausen gibt es im Set nur wenige. Es gibt ein Hit nach dem anderen, sodass die Stimmung gar keine Chance hat, auch nur an einer Stelle schlechter zu werden. Im Publikum ist auch noch einmal viel Bewegung, es ist auch schließlich der letzte Act auf der Hauptbühne beim diesjährigen Reload.  IN FLAMES beendet ihr Set schließlich mit den Mega Hits “Take This Life”, “Deliver Us” und “The End”, welcher auch namentlich sehr gut passt.

Fotos: Markus Hillgärtner

Und da ist das Reload Festival auch schon wieder vorbei. Zweieinhalb Tage voller Musik gehen vorbei und man hat viel erlebt. Dazu gehören gute als auch schlechte Dinge. Alleine die Anreise sorgte, zumindest bei uns, schon für den ersten Kummer. Die vorhandene Security wusste nicht genau, wo wir hin mussten, so wurden wir zunächst, ohne unser Wissen, an den falschen Ort geschickt. Dort das Zelt halb aufgebaut wurde uns mitgeteilt, dass wir hier falsch sind, uns konnte aber auch niemand sagen, wo wir dann hin mussten. Auch die Security, die sich um uns kümmern wollte, wurde nie mehr gesehen.Schließlich haben wir es selbst herausgefunden, aber das ist doch auch nicht Sinn der Sache, oder? Weiter geht es mit dem Zelt, welches wieder zu klein war. Auch im Bezug auf letztes Jahr war das doch wieder vorauszusehen. Als die Hauptbühne dann ihre Pforten öffnete, kam die nächste Enttäuschung. Der Sound war fast durchgängig nicht optimal. Teilweise waren die Boxen schon bei einfachen Ansagen übersteuert. Lediglich bei IN FLAMES war der Sound wirklich gut.Aber es war auch nicht alles schlecht. Gut waren zunächst die Wege für uns Presse, die wirklich kurz gehalten wurden. Auch das Pressezelt war wieder super und wir konnten euch schon auf dem Festival mit Bildern versorgen. Das ist nicht auf jedem Festival der Fall. Auch die Standauswahl auf dem Infield war durchaus gut, sodass jeder für den kleinen Hunger etwas gefunden hat oder sich mit Merch einkleiden konnte. Apropos Merch: Die Preise des Reload-Merches war etwas komisch. Ein T-Shirt für 25€ und ein Hoodie für 35€? Da sind wir von anderen Festivals anderes gewohnt, auch wenn der Hoodie wirklich billig ist im Vergleich. Aber zurück zur Musik: Das Lineup war mal wieder Klasse. Auch der Ticketpreis ist hierfür völlig ok, da kann man auch verkraften, dass das Ticket im nächsten Jahr wieder etwas teurer wird. Dafür gibt es auch wieder Early Bird Tickets, welche 10 € billiger sind. Außerdem hat sich der Veranstalter noch etwas Nettes ausgedacht: Auf dem Reload selber gibt es am Ende exklusive Tickets zu kaufen, welche noch mal 10 € billiger sind und nur an diesem Abend erworben werden können. Diese sind zudem auf 300 beschränkt, wer also zuerst kommt, malt zuerst. Wer also definitiv nächstes Jahr wieder kommen will, hat hier die Chance sich billig mit einem Ticket einzudecken.

Letztendlich war es ein gutes Festival. Das Wetter hat einem zwar ein bisschen zu schaffen gemacht, war aber dennoch recht angenehm, auch wenn man dankbar ist, keinen Staub mehr in der Lunge zu haben. Das Reload macht einfach einen guten Festival Abschluss für viele Bands und auch viele Fans. Vielleicht sieht man sich im nächsten Jahr wieder.