So war das Amphi Festival 2018 am Sonntag

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Frisch gestärkt geht es auch am zweiten Tag zur idyllischen Festival Location, dem Tanzbrunnen in Köln, am Rhein entlang wieder zum Amphi Festival 2018. Und genau wie am Tag zuvor glänzt das Wetter mit schwüler Luft. Aber hey, Make-Up und Frisur sitzen, also alles richtig gemacht. Selbstverständlich ist die PET-Flasche fester Bestandteil der Ausrüstung. Habe ich schon erwähnt, wie großartig die Trinkwasserstellen sind?

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Fotos: Cynthia Theisinger

QNTAL

Der Sonntag beginnt für uns entspannt mit QNTAL. Die seit 1991 bestehende Formation macht eine etwas andere Musik. Eine interessante Mischung aus Elektro, gemischt mit mittelalterlichen Lyrics, in Mezzosopran vorgetragen, könnte den Anschein erwecken, dass das etwas langweilig bisweilen sperrig klingen könnte. Aber weit gefehlt. Die Gruppe versteht es, die eigenwillige Mischung harmonisch rüberzubringen. An der großen Zuschauermenge gemessen, scheinen sehr viele Besucher Fans von QNTAL zu sein. So harmonisch und friedlich ihre Lieder sind, so unglaublich freundlich und nett ist auch die Band. Mit viel Humor und Interaktion zum Publikum leitet die Band durch ihren Auftritt. Es ist immer Zeit für eine Einleitung oder eine kurze Erläuterung zum jeweiligen Song. Sehr sympathisch ist die Ansage von Sigrid: “Wir sind bekannt für Lieder, die niemand versteht” – womit sie ziemlich recht hat. Da die wenigsten Mittelhochdeutsch, Latein oder Altfranzösisch beherrschen, bleibt es dabei die Musik einfach nur zu genießen und sich der hypnotischen Klängen hinzugeben. Vielleicht wage ich mich etwas weit aus dem Fenster raus, wenn ich sage, dass viele (ich im Übrigen auch) auf ein ganz bestimmtes Lied gewartet haben. Als Sigrid das nächste Lied mit den Worten “Das nächste Lied stammt aus 1991” ankündigt, geht ein Jubeln durch die Menge. Und richtig, “Palästinalied” wird gespielt. Ebenfalls wird aus dem im März erschienen neuen Album “Qntal VIII – Nachtblume” gespielt.

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Fotos: Cynthia Theisinger

GRENDEL

Juuhuu ab geht’s wieder zur Theater Stage und was soll ich sagen? Es hat sich nichts an der Problematik zur kleine Halle und den vielen Besuchern geändert. Also heißt es wieder einmal Beine in den Bauch stehen. Nach der entspannten Musik von Qntal gibt es jetzt Aggrotech der niederländischen band Grendel auf die Lauscher. Obwohl die Herren weibliche Verstärkung sowie ihr aktuelles Album „Age of the Disposable Body“ (VÖ 2017) dabei haben, scheiden sich die Geister über den Auftritt. So wirklich will der Funke nicht überspringen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

SOLAR FAKE

Grendel kann ich leider nicht zu Ende schauen, da Solar Fake auf der Main Stage beginnen. Und das will ich mir keinesfalls entgehen lassen, zumal es dort wieder an die frische Luft geht und ich so aus der Sauna heraus komme. Und seien wir ehrlich, wenn Dr. Mark Benecke Solar Fake ankündigt mit den Worten: “Und hier kommt der schöne Sven!” ist das Konzert ja wohl Pflicht. Allerdings kommt nicht Sven, sondern der Keyboarder André als erstes auf der Bühne. Natürlich wird er mit tosendem Applaus begrüßt, aber so richtig flippen die Leute aus, als Sven die Bühne betritt. Ohne großes Gerede wird sofort “Not what I wanted” gespielt. André übernimmt während des Konzerts die Rolle des Anheizers, was er eigentlich gar nicht bräuchte, da das Publikum (hauptsächlich weiblich) sich eh schon im Tanzfieber befindet. Viele Lieder aus dem derzeit aktuellen Album “Another Manic Episode” werden gespielt und die Leute lieben es. Der Tausendsassa Sven weiß einfach, welche Musik die Leute hören wollen. Neben seinen anderen Bands wie Zeraphine und Dreadfuls ist Solar Fake ebenfalls sehr erfolgreich unterwegs. Es ist egal, was Sven anfasst, es wird Gold.

Endlich habe ich noch etwas Zeit bevor ich zur nächsten Band muss. Also nutze ich die Gelegenheit und schaue mir das Amphi 2018 mal außerhalb der Bühnen etwas genauer an. Neben meinem obligatorischen Gang zu den Trinkwasserstellen zieht es mich zu den unzähligen Verkaufsständen. Also wer in der Laune ist Geld auszugeben, der kann hier davon jede Menge unter die Leute bringen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

AGONOIZE

Der Auftritt von Agonize steht unter keinem guten Stern. Wer die Band schon live gesehen hat weiß, wie ausgefallen die Bühnenshow sein kann. Aber ganz offensichtlich hat Chris für den Auftritt ein paar Auflagen bekommen. Und dazu gehört wohl auch, kein Blut zu spritzen. Am vorherigen Tag ist er noch mit Funker Vogt auf der Theater Stage aufgetreten und jetzt ist er selber auf der Main Stage. Eine deutliche Verbesserung, wenn ich ehrlich bin. Voller Energie geht es los mit “Femme Fatale”. Es werden keine halben Sachen gemacht, Chris prügelt sein Programm durch. Apropos prügeln: Zu “Staatsfeind” haben Trump und Merkel Kloppe bekommen. Ich muss nicht extra erwähnen, wie alle diese Show gefeiert haben, oder? Und was wäre eine Agonoize-Show, naaaaa … richtig, ohne Blut?! Als wenn Chris sich an irgendwelche Auflagen halten würde! Plötzlich tanzt eine rosafarbene (männliche) Ballerina über die Bühne mit einer Klobürste in der Hand. Und was hält die grazile Maid in der anderen Hand? Genau, einen kleinen Blutbeutel. Madame öffnet den Beutel, tunkt unter tosendem Applaus die Bürste in den Beutel bespritzt die erste Reihe mit „Blut“. Jetzt ist die Agonoize-Welt wieder in Ordnung. Es lebe der Widerstand, es lebe die Revolution! Kurz gesagt, Agonoize veranstalten eine Abrissparty und alle feiern begeistert mit.

Endlich hat sich die Luft abgekühlt und man kann den späten Sonnenschein in vollen Zügen genießen. Bevor es gleich zu Oomph! geht, nutze ich die erneute Gelegenheit und schlendere über die Händlermeile. Von Grillfackeln bis hin zu veganen Leckereien gibt es alles, was der hungrige Festivalbesucher braucht. Ich muss schon sagen, 2,00 EUR für eine 0,5 l Flasche Wasser zu verlangen, ist dann aber doch ganz schön sportlich. Dann doch lieber die Trinkwasserstelle. Mich zieht es danach auf den Gothic Markt. Und sofort umhüllt einen der Geruch von Patschuli, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ich am „Parfum Noire“ Stand vorbeigehe… Ich verweile aber nicht wirklich lange in den Zelten, da die Luft dort extrem unangenehm ist. Meine Uhr verrät mir, dass ich mich jetzt schleunigst Richtung Main Stage bewegen sollte, da Oomph! gleich spielen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

OOMPH!

Himmel hilf, ist es voll vor der Stage! Nun gut, Oomph! gibt es ja schließlich schon seit über 25 Jahren und die Braunschweig-Wolfsburger sollten mittlerweile auch wirklich jedem bekannt sein. Der Umstand, dass sie hin und wieder auf Pro7 und anderen Sendern aufgetreten sind, mag auch zu ihrem Bekanntheitsgrad beigetragen haben. Dero, Flux und Crap aka Oomph! samt musikalischer Unterstützung ihrer Liveband, beschränken sich bei dem Konzert hauptsächlich auf ihre alten Lieder wie beispielsweise „Augen Auf“, „Sex hat keine Macht“ oder „Labyrinth“. Das hat natürlich den Vorteil, dass alle Besucher ihre Textsicherheit beweisen können.

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Fotos: Cynthia Theisinger

AND ONE

And One treten als Headliner auf der Main Stage auf. Die Sonne scheint und die Leute wollen eine super Show sehen. Steve Naghavi ist ja eh schon bekannt für seine teilweise grenzdebilen Witze und die Leute lieben ihn dafür. Allerdings hat er hier den Bogen maßlos überzogen. Mit den Worten: „Das wollte ich schon immer mal machen“ lässt er die Leute ADOLF buchstabieren, bevor der den eh schon umstrittenen Song “Deutschmaschine” anstimmt. Die Meinungen hierzu gehen weit auseinander. Für mich ist das der Punkt, an dem ich mich entscheide lieber zum Beach zu gehen und bei einem gekühlten Cocktail den Sonnenuntergang in einer Sonnenliege zu genießen.

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Fotos: Markus Felix

 

Fazit: Nach knapp 5 Jahren Amphi-Abstinenz kann ich folgendes über das Wochenende sagen: Es war wieder schön am Tanzbrunnen zu sein, das Amphi Festival 2018 hat vor allem viel Spaß gemacht. Allerdings empfinde ich die Hinzuziehung der Theater Stage als eher schlechte Wahl. Die Leute geben viel Geld für die Karten aus und kommen dort nur oft mit Glück und Geduld in die Halle. Diese Problematik hat es früher im Staatenhaus nicht gegeben. Ebenfalls finde ich die allgemeinen Preise für Speis und Trank teils etwas unverschämt. Ja ich weiß, dass die Veranstalter sich an die Preise vom Tanzbrunnen halten müssen… 2,00 EUR für eine 0,5 l Flasche Wasser bei dieser Hitze zu verlangen, ist schon irgendwie hart. Zum Glück gab es die Trinkwasserstellen. Der Beach war wirklich ein wunderbarer Rückzugsort um sich vor der Sonne zu verstecken oder einfach nur auf den unzähligen Liegen und Himmelbetten zu chillen. Wenn allerdings Wind aufgekommen ist, so oft abends ab 17:00 Uhr, ist man schnell mit Sand einpaniert gewesen. Negativ aufgefallen ist noch, dass einige Securitys hinter dem Rücken der Gäste lautstark gelästert und dann sogar noch gar fiese Kommentare zu den opulenteren und kostümierten Gästen abgegeben haben. Leider ist diese Problematik hier beim Amphi am Tanzbrunnen schon öfter wahrgenommen wurden, schade.