So war das Amphi Festival 2018 am Samstag

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Wenn der Geruch von Patschuli durch Köln zieht und eine Horde schwarz gekleideter Menschen zielstrebig Richtung Tanzbrunnen läuft, dann ist wieder Amphi Zeit. Zum 14. Mal lädt das Amphi alle ein, um wieder gemeinsam zu elektronischen Sounds und knackigen Riffs zu feiern. Obwohl der Samstag wettertechnisch unter keinem guten Stern steht, es wurde eine Unwetterwarnung herausgegeben, hat das die Besucher nicht abgeschreckt zahlreich zu erscheinen. Die Veranstalter haben sogar extra das Schirm-Verbot aufgehoben und wegen des seit Wochen anhaltenden heißen Wetters, sind zwei zusätzliche Trinkwasserstellen eingerichtet wurden. Und im Gegensatz zu früher, dürfen die Besucher nun jeweils eine 0,5 PET-Flasche mit auf das Gelände nehmen. Vielen Dank an die Veranstaltern.

Auf dem Festivalgelände verteilen sich insgesamt drei Bühnen: Die Main Stage unter freiem Himmel, die Theater Stage (über diese Entscheidung müsste man wirklich noch mal nachdenken) und das Schiff. Da der Wasserpegel viel zu niedrig ist, liegt das Schiff leider gefühlte 100 KM entfernt vom Tanzbrunnen vor Anker. Der Besucher kann entscheiden, ob er zu Fuß gehen oder sich lieber mit dem eigens dafür eingerichteten Shuttle Bus kutschieren lassen möchte.

Bei 42 Bands an zwei Tagen ist definitiv möglich, jeden Geschmack zu treffen. Die Mischung ist auch dieses Jahr wieder sehr vielfältig gewählt. Von EBM bis hin zu Dark Rock ist alles vertreten. Einzig und allein zwei Dinge sind schwierig: Das Waschküchen-Wetter – Obwohl die Sonne nicht ständig scheint, ist es drückend und schwül. In der Theater Stage läuft einem der Schweiß in Strömen den Körper runter und draußen erwarteten einen statt erhoffter Abkühlung keine wesentlich besseren Temperaturen. Was einem bleibt ist der ständige Weg zu den Wasserstellen oder chillen am Strand, denn dieser gehört zu den unglaublichen tollen Dingen am Amphi Festival. Dann ist da noch die Theater Stage. Eine so kleine Halle kann nun mal nicht viele Leute aufnehmen, also warum spielen dort bekannte Größen wie Centhron oder Grendel? Dass da der Besucherandrang enorm sein wird, ist doch klar, oder? Vor allem bei den Temperaturen ist es anstrengend, bis zu einer Stunde in der Schlange anstehen, um dann nur vielleicht noch hinein zu gelangen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

FUTURE LIED TO US

Der Tag beginnt in der Theater Stage mit Future Lied to Us. Jens Puppekopp kündigt die Band mit dem Hinweis an, dass Krischan sich entschuldigen lässt und dass die Band Gast bei der kommenden „And One – World Vibration Tour 2018“ sein wird. Nach dem organisatorischen Teil kann die Show endlich beginnen. In der gut gefüllten Theater Stage beginnt das Konzert relativ gechillt und die ersten Leute geben sich der Musik hin, auch wenn der Funke noch nicht ganz Überspringen will. Das bleibt natürlich nicht so. Ab dem 3. Lied wird die Tanzfreude der Leute gefordert. Der vorher entspannte Beat wird härter, was das Publikum mit großer Freude zum Tanzen anregt. Die einst kühle Theater Stage wird langsam aber sicher muckelig warm. Sänger und Publikum schwitzen gemeinsam was das Zeug hält.

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Fotos: Cynthia Theisinger

X-RX

Noch schön nass geschwitzt geht es weiter zu X-RX. Dr. Benecke bereitet es ein Riesen großes Vergnügen die Jungs mit liebevollen Worten anzukündigen und extra zu erwähnen, dass Pascal und Jan sich für den Auftritt umgezogen haben. Ist doch nett, oder? So, genug der netten Worte, die Party kann jetzt starten. Die Mainstage verwandelt sich bei dem Lied „Kein Herz“ in ein Tollhaus und die Leute flippen zu den harten Beats komplett aus. Kein Wunder, denn Jan und Pascal geben ihr Bestes alle zum Eskalieren zu bringen. Beiden macht ihr Auftritt sichtlich Spaß, denn sie grinsen von einem Ohr zum anderen. Auch wenn der Spaß an oberste Stelle steht, machen die Beiden auf humorvolle Weise darauf aufmerksam, wie wichtig es ist bei dem Wetter ausreichend zu trinken. Nach diesen Worten geht die Eskalation weiter.

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Fotos: Cynthia Theisinger

UNZUCHT

Nach einer kleinen Verschnaufpause und kurzem Aufenthalt bei den Trinkwasserstellen geht es wieder zurück zur Mainstage. Dr. Benecke und Jan von X-RX stehen zusammen auf der Bühne und kündigen Unzucht an. Kleiner Funfact: Unzucht waren schon auf Platz 61, 16 und 62 der deutschen Albumcharts. Na was ergibt das? Richtig die Zahl 666!! Evil!! Hach, den Humor von Benecke kann man einfach nur mögen. Da das neue Album „Akephalos“ Release-Woche hat, wird Benecke nicht müde uns immer wieder aufzufordern, das Album zu kaufen um Unzucht zu einer guten Chartplatzierung zu helfen. Schließlich würde das helfen, die ganzen Rapper und Schlagersternchen auf die hinteren Plätze zu verbannen. Check, ist vorgemerkt. Und dann endlich beginnt Unzucht. Habt ihr alle Bock auf Dark Rock?! Aber Hallo, was für eine Frage! Nach der Anzahl der Leute zu urteilen, scheint das komplette Amphi vor der Mainstage zu stehen. Ein Hit folgt dem nächsten und die Leute erweisen sich als sehr Textsicher. Ein kleiner Vorgeschmack auf das neue Album gibt es natürlich auch mit dem Lied „Nela“ offensichtlich gefällt Petrus, was er sieht, denn anstatt des erwarteten Unwetters beginnt es nur kurz zu regen. Die kleine Erfrischung wird von allen begeistert aufgenommen.

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Fotos: Cynthia Theisinger

In der Mittagszeit gestaltete sich der Eintritt ins Theater als problemlos, doch jetzt darf man als Besucher sich die Beine in den Bauch stehen. Und wer Pech hat, kommt nicht rein, denn es gibt nur ein begrenztes Aufnahmekontingent. Das ist wirklich verbesserungswürdig. Für diejenigen die das Glück hatten in die Halle zu kommen, wird eine Hammer Abrissparty veranstaltet. Alles was das kleine Besucher Herz begehrt, wird gespielt. Das Theater hat sich mittlerweile in eine Sauna verwandelt, aber das interessiert niemanden. Alle wollen nur tanzen und feiern.

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Fotos: Cynthia Theisinger

AESTHETIC PERFECTION

Dank der blöden Überschneidung von Centhron und Aesthetic Perfection habe ich leider ein paar Lieder verpasst. Als ich jedoch vor der Mainstage stehe, traue ich meinen Ohren nicht. Es wird ein Lied gespielt, dass mir so unglaublich bekannt vorkommt, es erinnert mich an alte Teen Zeiten. Erst beim genaueren hinhören, kann ich es erkennen. Beinahe fällt mir mein Becher aus der Hand als ich das weltberühmte „Bye Bye“ von NSync höre. Ich muss schon sagen, ein interessantes Cover, da es nur textlich mit dem Original zu tun hat, ansonsten gibt Daniel seine eigene Interpretation zum Besten. Der Auftritt beweist wieder einmal wie unglaublich wandelbar und vielseitig Aesthetic Perfection sind. Daniel und seine Band rocken im wahrsten Sinne die Bühne. Kein Wunder, dass niemand da still stehen kann. Selbst als es wieder anfängt etwas zu regnen, interessiert es keinen Mensch, dafür ist der Auftritt einfach zu genial. Auf der Theater Stage stehen währenddessen [:SITD:]. Die im Jahre 1996 gegründete Band versteht sich darauf, die Masse ausrasten zu lassen. Mit ihren Aggrotech schafft die Band um Carsten Jacek eine düstere apokalyptische Stimmung, die Begeistert aufgenommen wird, und sorgt damit für eine gewisse andere Art an Stimmung als auf der Hauptbühne.

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Fotos: Cynthia Theisinger

MONO INC.

Raus aus der schwitzigen Hölle und wieder vor die Mainstage. Mono Inc. wissen was ihre Fans hören wollen und feuern ein Hit nach dem anderen ab. Aber da Mono.Inc natürlich auch mit einem neuen Album „Welcome to Hell“ in den Startlöchern stehen, beglücken sie ihre Fans mit Auszügen aus diesem. Die neuen Lieder werden begeistert aufgenommen. Trotz ekliger Schwüle kann Manuel nicht auf seine obligatorische Kopfbedeckung verzichten. Er steht doch tatsächlich mit einem Kapuzen Umhang auf der Bühne! Gibt es eigentlich Bilder von ihm ohne Kopfbedeckung?

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Fotos: Cynthia Theisinger

FUNKER VOGT

Diese Band hat nicht nur ein neues Album im Gepäck, sondern auch einen neuen Sänger. Chris, welcher am Folgetag mit seiner anderen Band Agonoize auf der Bühne steht, ist noch nicht lange Teil der Crew, bereichert diese aber ungemein. Jetzt liefern Funker Vogt nicht nur gute Musik, sondern auch eine gute Show. Man könnte denken, dass aus diesem Grund nur neues gespielt wird, aber das ist falsch. Chris überzeugt nicht nur bei neuen Songs, sondern auch bei Klassikern. Ganz nebenbei feiert die Band noch eine Weltpremiere, indem sie den Song „Feel the Pain“ spielen, welcher im September als Single erscheinen wird. Und da soll jetzt nochmal einer sagen, dass Sängerwechsel eine Band schwächen würden.

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Fotos: Cynthia Theisinger

OMD

Die Altmeister (es gibt sie immerhin seit gut 40 Jahren) bitten zum Tanz. Es ist schon sehr beachtlich, wenn sich eine Band so lange halten kann, ohne auf dem Weg die Besatzung zu verändern, aber genau das haben OMD bisher geschafft. Letztes Jahr erschienen erst ihre 13 Album, was der Band aber keinesfalls Unglück beschert. Das Konzert des Albums schließt direkt an den Vorgänger an und sorgt so für einiges an Stimmung. Aber wer so lange unterwegs hat auch viele Fans der alten Schule, welche nicht nur neues hören wollen. Auch diese werden nicht enttäuscht und mit einigen Klassikern zufriedengestellt. So feiern alle Fans, ob neu oder alt, zusammen in den Abend.

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Fotos: Cynthia Theisinger

SUICIDE COMMANDO

Da Assemblage 23 leider absagen mussten, treten nun Suicide Commando auf. Und genau hier gibt es wieder besagtes Problem vor der Theater Stage. Es gibt kein hineinkommen. Während Funker Vogt spielten, bildete sich schon die Schlange für Suicide Commando . Wer Glück hat, kommt genau zu der Band rein, die er sehen will, ansonsten hat er halt Pech gehabt. Wirklich großartig, nicht! Aufgrund der spontanen Zusagen treten Suicide Commando mit ihrer Vintage Tour auf, da sie ihr normales Set schon am Vortag auf der Pre-Party gespielt haben. Wer also erst Samstag anreiste, hatte hier die Chance die Band doch noch zu sehen – sofern der Einlass klappte.

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Fotos: Cynthia Theisinger

ASP

Der Altmeister bittet zum Stelldichein. Dank der langjährigen Musikgeschichte kann ASP auf ein riesen Repertoire zurückgreifen. Gekonnt spielt er sein Programm und die Masse (jawohl Masse, mittlerweile hat sich das komplette Amphi vor der Mainstage eingefunden) feiert, was das Zeug hält. Und was wäre ein ASP Show ohne Feuer? Allerdings stießen die Feuer Showeinlagen bei den Fotografen nicht unbedingt auf Freude. Genau dann als sie für ein Foto den Fotograben verlassen mussten, wurde das Feuer über ihren Köpfen entzündet. Das kam wohl nicht bei allen so gut an. Den Fans war das egal, ASP haben wieder einmal routiniert eine gute Show abgeliefert.

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Fotos: Cynthia Theisinger