MPS Bückeburg – 7.+8.7.2018 – 25 Jahre MPS Jubiläumstour

Seit 25 Jahren zieht das MPS nun schon Freunde des Fantasievollen und des Mittelalters an und feiert sein Jubiläum mit einem gebührenden Knall. Das mit einer bunten Mischung aus Met, Maiden, Mucke und mehr lockt. Veranstaltungsort ist, wie jedes Jahr, der Schlosspark, der mit dem größten Gelände aufwarten kann, dass das, über die Sommermonate auch andernorts stattfindende, MPS zu bieten hat. Mehr noch – bildet doch die teils licht bewaldete Fläche mit dem schönen Mausoleum Gebäude eine besonders gelungene Kulisse, die geradezu einlädt, sich direkt vom schnöden Alltag in mittelalterliche Szenarien zu begeben und einfach mal gepflegt Humpen und Horn bei bestem Sommerwetter zu heben.

Insgesamt kann ich vorwegnehmen, dass es auch dieses Jahr wieder eine wahnsinnig gelungene Veranstaltung ist, an der ich nur drei Dinge zu bemängeln hätte:

  1. Es dürfen keine privaten Autos mehr auf den Zeltplatz und der separate Autoparkplatz befindet sich einen Kilometer entfernt vom Gelände

Auch der Naturschutz muss seinen Platz auf dem MPS haben und aus dieser Warte befürworte ich die Entscheidung sehr, dass die eigentlich sehr großen Zeltflächen nicht weiter vergrößert werden. Das bedeutet natürlich auch, dass hier und da Kompromisse und Abstriche gemacht werden, damit Mittelalter und Lebensraum nebeneinander existieren können.

Als Schreiberling muss ich hier zusätzlich positiv vermelden, dass die Crew des MPS vor Ort was dies betrifft, außerordentlich hilfsbereit ist und uns die Mitnahme eines Autos ausnahmsweise gestattet, da wir sonst nicht wüssten, wie wir unser technisches Equipment zwischendurch diebstahlsicher verwahren können. Ein großer erhobener Daumen für dieses Entgegenkommen.

  1. Viele der Events, wie Konzerte und Ritterturnier, finden zeitgleich in unmittelbarer Nähe zueinander statt und stören sich gegenseitig

Ist es einerseits gut, dass es immer irgendwo etwas zu Schauen und vor allem zu Hören gibt, so störend ist es speziell im Bereich von MPS-Bühne und Turnierarena. Diese sind sehr dicht beieinander, und während auf der Bühne Konzerte stattfinden, kann man bei der Turnierarena kaum noch etwas verstehen, geschweige denn die musikalische Untermalung der Pferdeshows genießen, da diese sich mit den Bühnen Klängen zu einem einheitlichen Krach vermischen.

  1. Handynetz gab es im Mittelalter nicht, also gibt es das auch auf dem MPS nicht.

Wenn man vorher weiß, dass viele Handys ihren Dienst auf dem Gelände versagen, kann ich der Sache an sich durchaus etwas Positives abgewinnen. Es ist sowieso schöner nicht immer komplett vernetzt zu sein und sich komplett auf die Erfahrung „Mittelalter“ einzulassen. Wenn man allerdings, wie ich, völlig unvorbereitet und mit dem naiven Glauben, dass man Dinge ja spontan per Handy regeln könnte an die Sache ran geht, muss man lange nach Freunden suchen, mit denen man keinen Treffpunkt ausgemacht hat. Ich wünschte dementsprechend, dass ich dies vorher gewusst hätte.

Nun hab ich das Meckern auf sehr hohem Niveau hinter mich gebracht und kann mich endlich den positiven Dingen widmen und derer waren reichlich vorhanden.

MPS Bückeburg- Bild: Cynthia Theisinger

Tag 1  – 7.7.2018

Ein erster kurzer Blick auf die Running-Order lässt mich erschauern. So viele Möglichkeiten den Tag zu verbringen und so wenig Zeit!

Ein Zweiter lässt wieder hoffen, gibt es doch viele gleichartige Aktionen zu unterschiedlichen Zeiten. Auch die Bands spielen immer mehrfach am Tag, sodass man zumindest jede einmal anhören kann, wenn man es denn will. – Oder einfach bei der Bühne der eigenen Lieblingsband verweilen und auf ihren erneuten Auftritt warten.

Mir persönlich gefällt dieser Aspekt und ich glaube, dass dieses große Angebot die doch mit den Jahren sehr reichlich angewachsene Menge an Besuchern gut über das Gelände verteilt.

Auf der MPS-Bühne spielen am ersten Tag CULTUS FEROX sogar vier Mal unplugged. Da ich sie bisher nicht so gut kannte, lass ich mich direkt zu Beginn des Tages zum Tanzen und teils zum Träumen einladen. Hier besticht die Musik mehr durch instrumentale Arbeit, als durch den oftmals fast ätherisch anmutenden (aber durchaus guten) Gesang. Ich finde das, was dort geboten wird sehr gelungen.

Während der Umbaupause erlaube ich es mir kurz zum Turnierplatz herüber zu springen, bei dem das große RITTERTURNIER DER FILMPFERDE bereits in vollem Gange ist. Die Pseudo-Story, die hier als Ankerpunkt für die recht ansehnliche Reitvorführung gegeben wird, hatte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich schon verpasst und mich beschleicht das Gefühl, das es ohnehin mehr um schöne Kostüme und Tiere geht, die ihr Können vor einem um 14 Uhr noch recht spärlichen Publikum präsentieren.

Ohne Verschnaufpause geht es zu VERSENGOLD, wo Malte Hoyer das doch schon recht reichlich erschienene Publikum mit humorvollen Ansagen und zum Jubiläum passenden Anekdoten gut in der Hand hat. Zu dieser frühen nachmittäglichen Stunde gibt es einige erhobene Hände. Bei der prallen Sonne wundert es mich nicht, dass deutlich weniger getanzt wird, als die wundervolle Musik verdient hat, die in meinen Augen speziell durch ihr Violinenspiel besticht. Ich bin aber überzeugt, das machen die Fans bei dem zweiten Auftritt um 19 Uhr wieder wett.

Versengold – Bild: Cynthia Theisinger

Danach machen ich und mein Trupp einen schnellen Abstecher zur Festivalbühne, um uns die zweite Hälfte des einstündigen WALDKAUZ-Konzertes anzuhören. Ätherische Klänge und grünes Licht scheinen ein Markenzeichen der Band zu sein und dies gibt es auch hier wieder in Bestform. Ich persönlich finde, die Band ist nicht unbedingt etwas, um ausgelassen Party zu machen und zu feiern, aber zwischendurch ist ja auch eine entspannte Pause angezeigt, und da man auf dem Weg zur Festivalbühne viel an den zahlreichen Ständen und bei den Mitmachaktionen zu schauen hat, schaffen wir es gar nicht schnell zur Bühne, um mehr als den letzten Song zu sehen. Dementsprechend kann ich das Ganze jetzt nur von Weitem und von den Erzählungen anderer Menschen beurteilen.

Waldkauz – Bild: Cynthia Theisinger

Dafür laufen wir auf dem Weg zur Bühne den FEUERVÖGELN in die Arme, die tagsüber vor ihrer Show am Abend oft auf dem Platz zu sehen sind und mit ihren wundervollen Kostümen für mich zum MPS gehören, wie Mittelalter, Fantasie und Spektakel.

Die Feuervögel – Bild: Cynthia Theisinger

Letzten Endes kommen wir dann immerhin noch rechtzeitig bei DIE DOLMEN auf der Folk Bühne an, um einen Teil ihres Auftrittes zu verfolgen. Die Band kenne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, aber im Internet kann man sich belehren lassen, dass es sich bei der spannenden Mischung aus E-Gitarre und folkigen Elementen um sogenannten „Celtic Rock“ handelt, der mit seiner doch sehr klaren Orientierung zum Rock auf dem MPS ein Alleinstellungsmerkmal hatte, das mir überraschend gut gefällt.

The Dolmen – Bild: Cynthia Theisinger

Und schließlich und endlich habe ich die Gelegenheit fix zur Festivalbühne zurück zu stürmen und dem Auftritt von MR HURLEY UND DIE PULVERAFFEN komplett beizuwohnen. Wenn eine Band aus meiner ehemaligen Heimatstadt aufspielt, dann ist es Ehre und Privileg zugleich sie auch zu hören. Noch dazu, wenn die Sauf- und Piratenlieder zum Tanzen und Feiern animieren. Besonders gefallen hat mir die Tatsache, dass sich vor der Bühne ein großer Stand mit Cocktails befand, der einem Piratenschiff nachempfunden war und sich „Tortuga Inn“ nannte. Mit dem gleichnamigen Song leiteten die Osnabrücker dann auch ihr Set um 17 Uhr ein.

Mr. Hurley und die Pulveraffen – Bild: Cynthia Theisinger

Nach einer kurzen Metpause spielen schließlich FIDDLERS GREEN auf derselben Bühne, die die Pulveraffen zuvor schon ordentlich abgerissen haben. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele und auch ich einfach vor Ort bleiben und sie freudig erwarten. Dann gab es kein Halten mehr und es wird zu irischen Klängen getanzt und gefeiert, sodass der Staub vor der Bühne eine zusätzliche Nebel Show überflüssig macht. Ich bin vermutlich sehr befangen, da ich diese Band liebe und jeder ihrer Auftritte automatisch genial und denkwürdig für mich sind. Aber ich für meinen Teil habe viel Spaß, bin in schönster Abendsonne in wenigen Minuten völlig durchgeschwitzt und kann nur dieses Fazit ziehen: Es ist genial und denkwürdig!

Fiddlers Green – Bild: Cynthia Theisinger

Danach bleibt Zeit für ein wenig „Kultur“ und Shopping. Wir beschließen über die ausladende Einkaufsmeile zu flanieren und dem MAUSOLEUM einen Besuch abzustatten. – Gesagt! Getan!

Die Stand Auswahl ist seit Jahren unverändert gut. Die Preise sind größtenteils nachvollziehbar und die Leute hinter den Verkaufstischen freundlich und fast immer zu dem einen oder anderen Gespräch in mehr oder weniger gut geschauspielerter Mittelalter-Sprache aufgelegt. Als jemand, der oft und viel auf Mittelaltermärkten ist, habe ich eigentlich keine Überraschungen in der Produktauswahl gesehen, aber wenn man Geld loswerden will, dann schafft man es in der Verkaufsmeile problemlos. (… auch wenn man es eigentlich vermeiden will… 😉 )

Beim Mausoleum der Fürstenfamilie angekommen findet gerade die GROSSE GEWANDUNGSPRÄMIERUNG statt, wo ein sehr geniales Cosplay einer Muhme aus dem Computer- und Konsolenspiel Witcher 3 den sehr verdienten ersten Platz belegt.

Der Eintritt in das MAUSOLEUM selbst ist kostenfrei. Wer jedoch Fotos schießen will, muss eine kleine Spende in Höhe von 3 Euro entrichten. Ein netter Herr weist uns und unzähligen andere Personen direkt am Eingang höflich darauf hin, dass Flaschen jeder Art nicht mit ins Gebäude genommen werden dürfen. Natürlich ist das richtig und ich finde es gut, dass es Menschen gibt, die angestellt werden, um darauf zu achten, dass nicht versehentlich dieses schöne Stück Geschichte Schaden nimmt. Dafür wird man im Inneren des Mausoleums mit einem Wahnsinn Blick auf alte Gemälde, Glasfenster und die große vergoldete Kuppeldecke belohnt. Wenn man vor Ort ist, dann sollte man dieser tollen, lokalen Sehenswürdigkeit auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Das Mausoleum – Bild: Cynthia Theisinger

SALTATIO MORTIS, die um 22 Uhr nach unserem Mausoleums Besuch auftraten gehören eigentlich zu den Bands, die man auf dem MPS auf jeden Fall gesehen haben sollte. Da ich sie allerdings schon sehr, sehr, sehr oft gesehen habe, habe ich mich dieses Mal entschieden die schlimmste aller Sünden zu begehen und ihnen untreu zu werden, um die NACHT FEUERSHOW DER RITTER ZU PFERDE zu sehen und direkt danach zum FEUERSPEKTAKEL zu hüpfen, wo Bruder Rectus, der wohl beste Animateur, den man mit Glück finden kann, die LETZTE SEGNUNG durchführt und die Besucher des MPS langsam aber sicher ins Bett schickt.

Die NACHT FEUERSHOW DER RITTER ZU PFERDE behandelt storytechnisch den Kampf eines Ritters gegen eine Dämonin. Es werden vor allem Vertrauensübungen mit Pferden im Bezug auf Feuer und Explosionen gezeigt. Das Spektakel wird leider nach einer halben Stunde durch die sehr lauten Klänge Saltatios sehr gestört. Speziell, da die Nacht Feuershow ihre eigene Musik hat, ist das etwas anstrengend für den Zuschauer. So habe ich immerhin ein bisschen von Saltatio mitbekommen, auch, dass sie auf der Bühne mit der Pyro nicht geizen, denn die sind über die Stände hinter der Turnierarena gut zu sehen.

Rittershow – Bild: Cynthia Theisinger

Auch während des FEUERSPEKTAKELS auf der ganz anderen Seite des Geländes ist Alea auf der MPS-Bühne leider noch problemlos zu hören. Ich selbst sehe mir die FEUERVÖGEL unglaublich gerne an. Die Feuershow von DANSE INFERNALE, die direkt im Anschluss schon fast traditionell stattfindet, ist normalerweise eher nicht so meins. Allerdings können wir das Ganze von den oberen Stufen des Mausoleums beobachten und besser kann ein Ort für diese Show nicht gewählt werden. Der Ausblick ist wunderbar. Besonders freut mich in diesem Jahr die Tatsache, dass die infernalischen Tänzer auf ihre übliche Show noch einmal eine ganz große Schippe drauflegen und mit Tricks und Tänzen aufwarten, die endlich auch mal mich ein bisschen vom Hocker reißen.

Somit endete ein erster sehr genialer MPS-Tag, der Lust auf deutlich mehr macht. Zum Abschied lässt Bruder Rectus es sich nicht nehmen, noch einmal auf die Zelt- und Parkplatzsituation anzusprechen und sehr sympathisch anzumerken, dass die Situation tatsächlich für die Besucher nicht ganz optimal ist. Außerdem lädt er alle Anwesenden ein, die Woche zwischen dem ersten MPS-Wochenende in Bückeburg und dem Zweiten einfach zu verweilen, sodass man später ohne Unterbrechung weiter feiern könne.

Lagerfeuer – Bild: Cynthia Theisinger

Diese Einladung gilt natürlich nicht nur für all jene, die bereits auf dem ersten MPS zugegen sind, sondern auch für all jene Daheimgebliebenen, die durch meine Schilderungen Lust auf mehr Mittelalter in ihrem Leben bekommen haben und zum zweiten MPS-Wochenende etwas früher aufbrechen möchten.