25 Jahre auf der Bühne: SCOOTER feiern Jubiläum in Hamburg

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Wie kommt man als Fan von härterer Gitarrenmusik plötzlich auf die Idee, zu einem SCOOTER-Konzert zu fahren? Zum Großteil wohl einfach die blanke Neugier, wie sich das Feiern auf einem EDM-Konzert von einem Metal-Konzert unterscheidet. Was passiert auf der Bühne? Wie verhält sich die Menge? Und wie sieht es da mit Vorbands aus? Dieser Abend beantwortete mir alle Fragen und ich hatte eine Menge Spaß.

Und ja, bei einer EDM-Show gibt es eine Vorband genauer gesagt einen Vor-DJ. Den Anfang auf der Bühne macht also DJ Jerome und heizt der Menge schon mal ordentlich ein. Der Hamburger Lokalmatador, der ebenfalls bei Kontor-Records unter Vertrag steht, blickt dabei bereits auf eine volle Barclaycard Arena. Die Menge selbst unterscheidet sich bisher aber nicht wirklich von einem Heer Metalheads. Besucher jeder Altersgruppe, die in ihre leeren Becher blicken. Und DJ Jerome ist einfach da, hinter seinem Pult und ohne besonderes Bühnenbild. Sein Set zieht er mit nur mit wenigen Unterbrechungen durch, sodass es eine ganze Stunde so ziemlich nur Musik auf die Ohren gibt. Die Umbaupause wird noch einmal genutzt um durchzuatmen und die leeren Becher zu befüllen, bevor es endlich mit dem Haupt-Act weitergeht.

Die Arena wird schlagartig dunkel und ein lauter Knall hallt durch durch die Halle. Plötzlich erhellt ein Scheinwerfer eine riesige Faust auf der Bühne, die langsam Richtung Decke gezogen wird. Derweil wird an ihr der Mittelfinger ausgefahren und verharrt in ausgestreckter Form. Statement gesetzt – nur die Frage gegen wen bleibt ungeklärt. Wer dies Spektakel aus irgendeinem Grund verpasst hat, keine Bange, gefühlt jede zweite Person hat das Ereignis mit seinem Handy gefilmt und somit für die Nachwelt festgehalten.

Und endlich geht es los. Die Musiker betreten die Bühne und spielen direkt ihren ersten Song. Die Menge feiert sofort los und Frontmann H. P. Baxxter springt wie wild auf der Bühne auf und ab. Die Menge tobt sich in Ekstase, auch auf den Rängen bleibt keiner mehr sitzen und die bekannten Melodien kommen teils lauter von den Fan-Gesängen als aus der PA-Anlage. Schon ein bisschen Gänsehaut-Feeling. Beim Bühnenbild ist jetzt mehr zu sehen, dank 22 kleinen und einem großen LED-Bildschirm, auf denen verschiedene Videos flimmern. Nett anzusehen, aber auch nichts wirklich Besonderes. Vielleicht bin ich da auch etwas verwöhnt, wenn man das mit großen Namen im Metal wie Amon Amarth vergleicht. Dafür gibt es etwas anderes, was man im Metal niemals finden würde: Tänzer. Vier Männliche und vier Weibliche begleiteten uns den Abend über in verschiedensten Kostümen durch das Set. Nicht schlecht. Dennoch gibt es Parallelen: Pyrotechnik ist bei SCOOTER in Hamburg ebenfalls zu finden, um das Publikum noch mal zusätzlich anzuheizen.

SCOOTER ziehen ihr Set professionell und ohne Unterbrechungen durch und so bleibt „Hallo Hamburg“ die einzige Ansage des Abends. Interaktionen mit dem Publikum bleiben aber trotzdem nicht aus. Während „How much is the fish“ werden mit Helium befüllte Haiballons über der Menge positioniert, die daraufhin durch den Saal schweben. Ab und zu sieht man dann aber doch etwas auf der Bühne, was ich nur all zu gut kenne: Gitarren. Wenn auch nur kurz, den H. P. zerschlägt seine kurzerhand auf der Bühne. Näher können wir dem Begriff Rock‘n‘Roll aber nicht kommen. Einige Hits später wird es wieder dunkel auf der Bühne. Die SCOOTER verlassen ohne einen Ton zu sagen die Bühne und verbleiben einen Moment dort. Anschließend kommen sie für „Maria“ und ein weiteres Medley aus der Dunkelheit zurück. Aber dann war auch wirklich Schluss. H. P. Baxxter stellt noch einmal seine Band und die Tänzer vor, bedankt sich bei Crew und Fans und nach 2 wilden Stunden geht’s mit einem „Bis bald“ von der Bühne.

Nach über 300 Live-Shows ausschließlich von Metal-Bands, war dieser Abend für mich eine Erfahrung der anderen Art. Es gibt viele Parallelen aber einiges wird nunmal anders gehandhabt. Feiern können zumindest alle, nur eben auf ihre Art. An der Stelle sagen zu können, was besser ist, wäre aber unmöglich, ist ja einfach Geschmackssache. Ich persönlich habe aber auf allen Konzerten meinen Spaß und so wird auch SCOOTER in Hamburg nicht das letzte Konzert außerhalb meiner sonst so typischen Musikrichtung gewesen sein.

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Fotos: Cynthia Theisinger