ARCH ENEMY Will to Power Tour 2018

Ursprünglich geschrieben für metal.de 

Das neue Album von ARCH ENEMY, „Will To Power“, ist schon etwas länger draußen – jetzt folgt die dazugehörige Europa-Tour. ARCH ENEMY verbringen wieder einige Zeit im Tourbus, um uns dann von der Bühne aus alle Live von den neuen Songs zu überzeugen. Mit von der Partie sind JINJER, TRIBULATION und WINTERSUN. Eine Kombination, an die man sich erst gewöhnen muss, aber vom Stimmungspegel keineswegs niedrig angesetzt ist.

Klein aber Oho

JINJER beginnt mit einer kleinen Enttäuschung. Dadurch, dass der Einlass zeitlich sehr eng bemessen ist, muss man mit nur einem halben Publikum vorlieb nehmen. Die Band scheint das aber weniger zu stören, denn diese drehen den Regler direkt voll auf. Der ein oder andere guckt nicht schlecht, als Sängerin Tatiana Shmaylyuk den Mund aufmacht. Von außen lieb und brav – dazu eine Stimme wie man sie von Alissa White-Gluz kennt. Aber nicht nur den gutturalen Gesang beherrscht sie. Nein, sie kann auch clean sehr gut in vielen Tonlagen überzeugen. Auch sonst ist sie kaum zu halten und springt den ganzen Auftritt über wie wild auf der Bühne auf und ab. Nach 30 Minuten ist alles aber auch leider schon wieder vorbei und die Bühne wird für TRIBULATION umgebaut. Schade, denn die Jungs und Mädchen von JINJER haben es echt drauf und man kann gespannt sein, was die Zukunft für die Ukrainer noch bringt.

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Bitte nehmt „Death Metal“ nicht zu ernst

Nach einem Umbau in Rekordzeit wurde es dunkel und nebelig auf der Bühne. Düstere Töne wummerten aus den Boxen und vier schaurige Gestalten betreten die Bretter der Großen Freiheit. TRIBULATION verkörpern quasi ihre Musik – Death-Metal – Blass geschminkt und dünn wie ein Gerippe. Naja, die Musik ist zumindest gut, auch wenn sie teilweise etwas einschläfernd ist – das aber auch mehr während der rein instrumentalen Passagen, die aber irgendwie einfach zu der atmosphärischen Band gehören. Direkt nach so einem Kraftpaket wie JINJER zu spielen kühlt die Menge irgendwie erst mal wieder ein wenig runter. Zum Glück ging es nicht dem ganzen Publikum so – die Mehrheit feierte die Truppe. Mit kaum mehr Spielzeit als JINJER war aber auch das Set von TRIBULATION schnell durch.

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Klasse statt Masse

Als Nächstes stehen WINTERSUN auf dem Programm. Wohl den wenigsten Fans fällt auf, dass der Drummer nicht aus der normalen Besetzung stammt und der Basser ganz fehlt. Es wird von der Band aber auch nicht weiter angesprochen. Auf die Ohren gibt ein einen kleinen Einblick in die Schaffensgeschichte von der Finnen rund um Mastermind Jari Mäenpää – leider gibt es insgesamt nur 6 Songs zu hören, aber okay, wenn man kaum ein Lied mit einer Spielzeit unter 5 Minuten hat, ist das auch in Ordnung. Leider kommt während des ganzen Sets nicht so viel Stimmung auf, was wohl aber auch daran liegen mag, dass die gesamte Spielzeit mit 60 Minuten zwar großzügig ist, aber für eine Band wie WINTERSUN einfach nicht reicht. Die Band braucht einfach mehr Zeit, damit der atmosphärische Melodic Death Metal auch wirken kann.

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ARCH ENEMY wie gewohnt in Höchstform

Nach der letzten Umbaupause schallt eine bekannte Melodie aus den Boxen – nein, es ist noch kein Song von ARCH ENEMY sondern „Ace Of Spades“ von MOTÖRHEAD, welches schon länger als Intro fungiert. Die Fans springen sofort auf den Zug auf und schon kann man sein eigenes Wort kaum noch verstehen. Kurz danach hören wir dann die ersten Töne von ARCH ENEMY. „The World Is Yours“ ist der Opener des Abends. Der Funke springt direkt über und die Menge ist nicht mehr zu halten. So wird auch mal eben die letzte Melodie des Songs mitgesungen. Alissa geht es aber genauso und so springt die energetische Frontfrau wie wild über die Bühne. Diese ist inzwischen größere Bühnen gewohnt, und das merkt man auch. Gefühlt wirkt sie doch etwas eingeengt auf der Bühne trotz des fast schon minimalistischen Bühnenbilds. Immer wieder dürfen wir jetzt auch Crowdsurfer beobachten, die sich ihren Weg nach vorne bahnen. Ein Anblick, den wir bei den Vorbands noch nicht hatten. Überraschenderweise spielen ARCH ENEMY verhältnismäßig wenig neue Songs. Während des gesamten Auftritts dürfen wir nur 3 neuen Songs lauschen und das, obwohl wir uns auf der „Will To Power“-Tour befinden. Leider war „Reason To Believe“ nicht unter diesen Dreien. Bestimmt hätte sich der ein oder andere Fan gefreut, Alissa mit Klarstimme zu hören, da sie diese in ARCH ENEMY bisher noch gar nicht zum Ausdruck gebracht hat. Wenn man also meckern möchte, kann man das höchstens hier tun. Dafür muss die Band aber inzwischen auch ein Set aus wahnsinnig vielen Songs zusammenstellen, ohne auf Klassiker zu verzichten. Da müssen hier und da eben Abstriche gemacht werden. Irgendwann muss aber auch das beste Konzert vorbei gehen und so verabschieden sich ARCH ENEMY nach gut 1,5 Stunden mit „Nemesis“ von der Bühne.

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Insgesamt kann man nur positiv über den Abend berichten. JINJER und ARCH ENEMY setzen die Bühne wirklich in Brand mit ihren Auftritten. TRIBULATION und WINTERSUN haben zwar ihre Probleme das Publikum komplett zu überzeugen, aber das ist auch schon meckern auf höchstem Niveau. Super Auftritte legen alle Bands hin und so kann man sich auch schon auf die Nächsten von diesen freuen.