ARCHITECTS mit WHILE SHE SLEEPS und COUNTERPARTS in Berlin

Ursprünglich geschrieben für stagr.de

Kann man Ende Januar 2018 wohl schon von der Tournee des Jahres sprechen? Wenn man Metalcore-Enthusiast ist, sicherlich. Die seit Jahren mit an der Spitze der Szene stehenden ARCHITECTS haben zusammen mit dem Aufsteiger der letzten Jahre – WHILE SHE SLEEPS – zu einer kleinen Europa-Tour geladen. Mit dabei sind ist auch COUNTERPARTS, die im letzten Jahr eines der besten Debütalben des Genres herausgebracht haben. Angesichts dieses Dreier-Line-Ups ist es nicht wunderlich, das viele Locations schon kurz nach Verkaufsstart „Sold out“ melden konnten. Anders war es auch in der Columbia Halle Berlin nicht.

Punkt 19:30 Uhr betreten COUNTERPARTS die Bühne, die Menge tobt und somit lassen die ersten Pits auch nur wenige Minuten auf sich warten. Die Jungs aus Ontario spielen einen Kracher-Song nach dem anderen, sodass die Zeit wie im Fluge vergeht. Das Set war mit 30 Minuten aber auch nicht das Längste, aber als Opener durchaus akzeptabel. Leider kamen nicht alle Besucher in den Genuss die Band live zu sehen, denn auch am Ende des Sets war die Schlange am Einlass immernoch recht lang. Schade, denn die Kanadier hätten so viele Menschen wie es geht vor der Bühne verdient.

Nach kurzer Umbaupause stürmen WHILE SHE SLEEPS die Bühne. Mit dem Titeltrack des letzten Albums starten die Briten ein Live-Set, bei dem es durchgehend keinen Stimmungsabbruch geben wird. Da es zwischendurch keine wirklichen Ansprachen gibt, sind währenddessen auch keine wirklichen Verschnaufpausen drin. Lediglich bei „Four Walls“ kann man im Intro von einer Pause sprechen, bei dem nur Feuerzeuge in den Himmel ragen. Insgesamt gibt es eine Mischung aus all ihrer Alben, bei dem kein Klassiker fehlt. Leider zeigen sich die Jungs aus Sheffield nicht wirklich in ihrer Bestleistung, was aber die wenigsten Zuschauer stört. Verwirrend lediglich das fehlende Band-Banner, welches dem bereits stehenden Bühnenbild der ARCHITECTS zu schulden ist. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt. Am Ende ist kein Fan enttäuscht und die Menge bereit für den Hauptact des Tages.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Die Halle wird dunkel, die Menge tobt und die ersten Screams von Sam Carter erfüllen den Raum. „A Match Made In Heaven“ ist der Opener des Auftritts. Eine sehr gute Wahl, denn für das Publikum gibt es wirklich kein halten mehr. Mit „Downfall“ hat sich dies auch nicht verändert und so startet der Abend zusätzlich auch mit einer politischen Aussage. Wer zwischen dem ganzen Headbangen einen Blick auf die Bühne wagt, wird von dem Bühnenbild regelrecht geflasht. Über die komplette Bühne ist eine LED-Wand aufgebaut, bei der in der Mitte in einem kleinen Kreis Videos oder Bilder zu den entsprechenden Songs angezeigt werden. Wie bei WHILE SHE SLEEPS fallen die Ansprachen eher kurz aus, lediglich über den verstorbenen Tom Searle werden einige Worte von seinem Bruder Dan und Sam Carter verloren. Die Briten machen nochmal deutlich, das dies der Grund ist, warum die Band überhaupt besteht und auch weiterhin bestehen bleibt.

Das Set ist sehr geprägt von den letzten zwei ARCHITECTS-Alben, sowie dem Song „Doomsday“, der der letzte von Tom geschriebene Song ist, aber vor seinem Tod nicht verwendet wurde. Etwas verwundert sind nur einige Fans bei den ersten Tönen der Zugabe: Das Intro von „Memeto Mori“ ertönt, ein Song der zwar schon vor langer Zeit das Licht der Welt erblickte, aber noch nie live gespielt wurden ist. Der letzte Song des Abends „Gone With The Wind“ ist Tom Searle gewidmet und endet mit einem Funkenregen bei dem ein Herz an die Leinwand geworfen wird. Gefüllt mit den Initialen von Tom verdeutlicht es nochmal die Widmung. Tom hat nicht nur in der Band ein riesiges Loch hinterlassen, sondern auch in der gesamten Metalcore-Szene, die durch seinen Tod nun aber ein echtes Stück näher zusammen gerückt ist.

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Fotos: Cynthia Theisinger

Ich glaube, wenn man am Nachmittag des Folgetages immer noch heiser und völlig fertig vom Konzert ist, kann man gewiss von einem der besten Konzerte seit langem sprechen. Zumindest war es bei mir so der Fall. Ein Abend, auf den ich noch lange mit einem Lächeln zurückblicken werde und mich jetzt schon auf die nächsten Liveshows von allen drei Bands freue.