Jahresabschlusskonzert EISBRECHER & CLAWFINGER Die Turbinenhalle rockt zum Jahresende

Ursprünglich geschrieben für metal.de

Das Jahr neigt sich dem Ende und das wollen EISBRECHER noch einmal so richtig feiern. Ausverkauftes Haus, und das, obwohl dies das zweite Konzert innerhalb kurzer Zeit in der Turbinenhalle Oberhausen ist. Im Vorprogramm sorgen CLAWFINGER und JÜRGEN UND ICH bei vielen Zuschauern für Überraschung. Aber fangen wir vorne an und beginnen mit der ersten Truppe des Tages.

JÜRGEN UND ICH – Weihnachtslieder zum Warm-Up

Pünktlich um 19:30 betreten zwei Gestalten die Bühne, die wir später erneut sehen sollten: Die Vorband, die sich JÜRGEN UND ICH nennt, besteht nämlich aus zwei Mitgliedern von Eisbrecher: zum einen Sänger Alexander „Alexx“ Wesselsky und zum anderen Gitarrist Jürgen Plangger. Jeweils mit einer Akustikgitarre bewaffnet spielen die beiden Schlager und Weihnachtslieder um das versammelte Publikum langsam anzuheizen. Ja, richtig gelesen: mit Weihnachtsliedern und Schlager. Hierbei darf natürlich auch der Weihnachtsbaum auf der Bühne nicht fehlen. So gibt das Duo unter anderem „Kling Glöckchen“, „Oh Du Fröhliche“ und „Hello Again“ von Howard Carpendale zum Besten. Einige nehmen es gelassen, es ist schließlich das dritte Adventswochenende, andere bejubeln aber die Ansage, die das letzte Lied angekündigt. Als aber die ersten Töne vom Thema von „Biene Maja“ angestimmt werden, kann man kaum noch sein eigenes Wort verstehen, was zuvor eher kein Problem war. Man kann also zusammenfassen, dass das Publikum, was Weihnachtslieder angeht nicht wirklich textsicher ist, Biene Maja aber vereint sie dann aber doch alle wieder.

CLAWFINGER wirken eingerostet, doch der Schein täuscht

CLAWFINGER haben es von Anfang an schwer mit dem Publikum, denn gefühlt jeder zweite, den man im Publikum nach der Band fragt, hat noch nie von der Truppe gehört. So hört man auch immer wieder Leute „Klofinger“ durch die Halle rufen. Aber gut, das Publikum besteht auch aus allen Altersklassen. „Rapmetal since 1993“ steht auf Banner – damit ist die Band wohl älter als so mancher Besucher, was die Lage nicht gerade vereinfacht. Aber davon abgesehen ist es um CLAWFINGER selber in den letzten Jahren auch sehr still geworden. 2007 das letzte Album, 2013 die Auflösung und seitdem nur vereinzelte Konzerte. Leider hört man das der Band auch an, denn vom Sound befinden wir uns auf einem Konzert in dem Jahr 2007. Nicht das dies schlecht ist, aber viele können mit dieser Art einfach nichts mehr anfangen. Aber ist ja auch nicht alles schlecht. Wer die Band kennt, hat sichtlich Spaß und macht sich in den ersten Pits warm. Auch der Band selber sieht man an, dass diese immer noch Freude an der Musik haben. So sieht man auch nicht nur Sänger Zak Tell wie wild über die Bühne flitzen. Nach einer Stunde Spielzeit ist es auch schon wieder vorbei und CLAWFINGER verlassen unter tosendem Applaus die Bühne. Spätestens jetzt kennt jeder der Anwesenden die Band und vielleicht hat der ein oder andere diese mit diesem Auftritt (wieder)entdeckt.

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EISBRECHER lässt trotz Sturmfahrt niemanden im Regen stehen

Nach einer längeren Umbau- und Bier-Hol-Pause, während ein Banner das Bühnenbild verdeckt, wird es pünktlich um 21:40 dunkel in der Halle. Die ersten Töne vom Schlagzeug erfüllen den Raum, das Banner fällt und es geht los auf „Sturmfahrt“. Das Publikum springt sofort mit auf das Schiff und ist kaum mehr zu halten, denn so will es „Das Gesetz“. Danach begrüßt Alexx alle zum EISBRECHER-Jahresabschlusskonzert und ernennt sich selbst zum After Headliner des Abends, denn für ihn geht ein Kindheitstraum in Erfüllung, einmal mit CLAWFINGER auf der Bühne zu stehen. Danach geht es mit „Antikörper“ und weiteren Klassikern der Band weiter. Dass dieses Konzert das zweite von EISBRECHER innerhalb weniger Monate in der Turbinenhalle ist, stört das Publikum hierbei wenig, trotzdem werden alle Anwesenden noch mal explizit gelobt sich das Ganze direkt zweimal reinzuziehen. Aus diesem Grund – und weil bald Weihnachten ist – werden einige Geschenke an das Publikum verteilt, bevor es weiter im Set geht. „Himmel, Arsch und Zwirn“ ist eine Textzeile, die man sich auch nach einigen Bieren noch gut merken kann. So ist es nicht verwunderlich, wie laut die Halle plötzlich bei diesem Song wird. Alexx lässt es sich – wie immer – auch nicht nehmen, noch eine kleine Jodeleinlage zum Besten zu geben. Danach wird es kurz dunkel auf der Bühne, was für das Publikum die erste richtige Verschnaufpause bedeutet.

Kurz danach geht es mit „Eiszeit“ weiter. Die Künstler haben sich während der Unterbrechung passend zu dem Song umgezogen und so stehen diese jetzt in Winterjacken und mit Eispickeln bewaffnet auf der Bühne. So gut vorbereitet fehlt natürlich nur eins: Schnee. Wie konnte es auch anders sein, dass genau dieser während des Songs langsam von der Decke rieselte. Besser untermalen kann man einen Song einfach nicht. Anschließend geht Alexx bei „1000 Narben“ mit dem Publikum auf Tuchfühlung und drückt vereinzelt Leuten das Mikrofon in die Hand, um das Lied weiter singen zu lassen. Dabei werden die Sänger vom gesamten restlichen Publikum tatkräftig unterstützt. Bevor die Band zu dem vorerst letzten Lied des Abends kommt, spielt Alexx noch ein kurzes Mundharmonika-Solo. Dann heißt es „This is Deutsch“ und so verabschieden sich die Musiker von der Bühne, nur um kurze Zeit später unter großem Applaus wieder die Bühne zu betreten. Das belohnt die Band mit dem Song „Verrückt“, gefolgt von einem Drum- und Electronic-Solo. Anschließend heißt es nach „Miststück“ ein zweites Mal Abschied von EISBRECHER nehmen. Aber erneut nur kurz, denn den Abend abschließen soll der Song „In einem Boot“. Es werden noch einige Eisbären in die Menge geworfen und Alexx bedankt sich erneut bei allen Anwesenden, wünscht eine frohe Weihnacht und einen guten Rutsch in ein schönes 2018, bevor sich die Halle langsam leert.

Und da ist es vorbei, das für viele Besucher wahrscheinlich letzte Konzert in diesem Jahr. Aber auch ein schönes, bei dem sicherlich kaum Wünsche offen bleiben. Falls doch, ist dies auch nicht weiter tragisch, denn EISBRECHER werden es sich nach diesem Abend sicher nicht nehmen lassen, bald wieder zurück zu kommen.

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Setlist
  1. Sturmfahrt
  2. Das Gesetz
  3. Antikörper
  4. Fehler machen Leute
  5. Augen unter Null
  6. Amok
  7. So oder so
  8. Leider
  9. Prototyp
  10. Himmel, Arsch und Zwirn
  11. Herzdieb
  12. Eiszeit
  13. 1000 Narben
  14. Was ist hier los?
  15. This Is Deutsch
Zugabe
  1. Verrückt
  2. Miststück
Zugabe 2
  1. In einem Boot