WINTERSUN – 10.09.2017 – Hannover

Ursprünglich geschrieben für stagr.de 

Man stelle ich sich einen typischen Sonntagabend vor – mit irgendeiner Serie auf dem Sofa, Essen vom Lieferdienst und das Wochenende ist halt rum. Denn man muss ja Montags wieder arbeiten. Ich war kurz am überlegen abzusagen – schließlich hatte ich WINTERSUN schon auf dem Summer Breeze 2017 gesehen und da hatten sie mich nicht wirklich umgehauen. Aber wer die Band kennt, weiß – ihre wirkliche Magie entfalten die Finnen eigentlich nur in kleinen Clubs. Also hilft alles nichts – Kamerakram zusammenräumen und los. Nun, was ist denn hier los, wundert sich vielleicht gleich der aufmerksame Leser. Die Fotografin schreibt den Bericht? Ja – ich kann es mir nach diesem Konzert einfach nicht nehmen lassen, zumindest meinen Senf dazuzugeben. Denn als WINTERSUN ihre Show beginnen, läuft mir trotz Bullenhitze im MusikZentrum ein eisiger Schauer über den Rücken. Jari und seine Jungs können es immernoch. Ich habe diese Band 2006 auf dem „Up from the Ground Festival“ kennen und lieben gelernt – damals noch als Fotografie-Anfängerin. Diese absolut epische, alles einnehmende Musik frisst sich einfach dermaßen in den Kopf, das man gar nicht richtig weiß, wie einem geschieht. Es reißt einen mit und entführt einen in eine völlig andere Welt. Jari ist zurecht absoluter Perfektionist und auch wenn er sich mit der ewigen Warterei auf ein zweites und mittlerweile auch dritten Album und einer Crowdfunding Kampagne nicht unbedingt nur Freunde gemacht hat – wer die Jungs live in einem kleinen Club hört und sich auf die Musik einlassen kann, der weiß das nur perfekt gut genug ist.

2006 war ich mit den Jungs quer durch Europa unterwegs und heute – 11 Jahre später – ging es mir kein bisschen anders als damals als Teemu das Intro zu „Death and the healing“ anstimmte. Warum ich das in meinen Bericht schreibe? Ich denke „normale“ Berichte kann jeder schreiben – wer des lesen will, kann auch ein wenig weiter unten weiterlesen – denn natürlich hat mein Redakteur auch seinen Senf verfasst. Nun, weiter im Text. Sei es drum, dass ich das neue WINTERSUN Album nur am Rande mitbekommen habe (da bin ich mal ganz ehrlich), die beiden anderen Alben kenne ich dafür umso besser und stelle verwundert fest das ich auch wenn ich mittlerweile hauptsächlich andere Musik höre immer noch sehr textsicher bin. Vom erste Akkord an bin ich eingewickelt in diesen Klangteppich – versuche mich auf’s Fotos machen zu konzentrieren bin aber mit den Gedanken wieder Anfang 20 und völlig verrückt nach finnischem Metal. Seit dem Jari die Gitarre abgegeben hat und nur noch singt kann er noch mehr Ausdruck in seine Stimme legen – sei es die giftige bei „Winter Madness“ oder die gefühlvolle bei „Time and the healing“. Kann man sich vorher noch über den miesen Sound Beschwerden ist dieser jetzt episch und absolut glasklar prasselt diese Menge Eindrücke auf einen ein… Wie war das? „Ach – nach „Starchild“ können wir dann gehen“ (man linst ja vorher schon mal auf die Setlist) – ähm ne. Is nicht. Widerwillig lasse ich mich dazu überreden wenigstens „Time“ sausen zu lassen um noch irgendwie sinnvoll ins Bett zu kommen, aber irgendwie hätten die Jungs auch einfach ewig so weiter machen können. Ich meine – welche Band kann schon von sich behaupten 15 Minuten Songs spielen zu können ohne dass dem Publikum irgendwann im Song langweilig wird? Eben – so viele gibt es da nicht. Die Jungs und vor allem Jari haben es auch einfach raus solche Songs richtig rüber zu bringen. So, soviel zu meinem Senf. Ich lass euch dann mal das lesen, was Lars so verbrochen hat: Als Vorband treten BLACK THERAPY mit Melodic Death Metal aus Italien und WHISPERED mit ihrem Samurai Metal aus Finnland auf. Was Samurai Metal ist fragt ihr euch? Man werfe klassischen Power Metal in den Mixxer zusammen mit Instrumenten und Klängen aus fern Ost und einer Priese Textlicher Thematisch und voilá. Fertig! Leider ließ bei beiden Vorbands der Klang ein bisschen zu wünschen übrig. Aber das ist nun mal immer das Problem bei den Gästen.

Als nächstes treten unter lautstarkem Jubel WINTERSUN auf die Bühne. Ohne große Ankündigung geht es auch direkt los mit „Awaken from the Dark Slumber“. Ein einwandfrei vorgeheiztes Publikum geht von der ersten Minute an voll mit. Dann schallt es: „Hannover, We are Wintersun“ von der Bühne und schon klatscht einen „Winter Madness“ von der Bühne aus entgegen. Mit viel Headbangen und geht es bei heute erstklassigem Klang – auch in den hintersten Ecken – mit etwas altem weiter. Das erste Lied vom ersten Album „Beyond the Dark Sun“ wird aus der Vergangenheit gekramt und ist hier und heute geschleudert. Zum rastlosen hämmern des Schlagzeuges und den rhythmischen Rufen der Menge geht es dann weiter mit „Death and the Healing“. Danach ist es Zeit mit zu singen und so wird der Refrain von „Sons of Winter and Stars“ lautstark mitgegröhlt. Seit Anfang des Jahres ist Sänger Jari Mäenpää live nicht mehr an der Gitarre, stattdessen hat Asim Searah die Seiten übernommen. Die freien Hände heißen aber nicht, dass weniger Einsatz gezeigt wird. Seine neue Freiheit nutz Jari Mäenpää um ungehindert über die Bühne zu fegen und auch noch ordentlich was fürs Auge zu bieten. Auch am Schlagzeug ist eine personelle Veränderung zu beobachten. Da Kai Hahto für die Tour aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, haben sie sich Unterstützung von Rolf Pilve von Stratovarius mitgenommen. Nach einer kurzen Unterbrechung geht es gemächlicher weiter mit „Loneliness“. Das Tempo zieht danach aber wieder deutlich an. Mit „Starchild“ wird nicht nur den 5 Finnen mehr Energie abverlangt, auch das Publikum leistet hier wieder mehr. Nach „Eternal Darkness“ geht die Show dann auch schon in die Verlängerung. Als Zugabe spielen WINTERSUN „Time“ bis auch hier die Zeit endgültig abgelaufen ist und es für ein jeden in der Spätsommernacht nach Hause geht. Für die meisten ruft die Arbeit morgen schon viel zu früh.

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Fotos: Cynthia Theisinger