Summer Breeze Open Air – 16.08. – 19.08.2017 – Dinkelsbühl

Freitag, 18.08.2017

Sah man sich die Setlist für den Freitag an, dann wurde sehr schnell klar: Das Summerbreeze war nicht nach Dinkelsbühl gekommen, um Gefangene zu machen. War mein Kopf auch am dritten Tag mittlerweile etwas schwer so schlugen AVERSIONS CROWN am frühen Tag ein, wie ein Komet und prügelten mich mit ihrem reichlich gekonnten Deathcore aus dem Schlafsack. Ich taperte dementsprechend mit meinen Begleitern etwas benommen gen Bühne und bekam leider nur die letzten paar Takte mit, was sehr schade ist.

Immerhin schafften sie es mich vor die Bühne zu locken, denn die ätherischen Töne der nachfolgenden Band CELLAR DARLING laden weniger zum Aufwachen ein, statt vielmehr zum entspannen und waren so stiltechnisch eher ein Schlaf, als ein Schlag aufs Maul. Trotzdem: Ich bin dem Folk Metal sehr angetan und obwohl die Band mir völlig neu war, verstand sie es doch mich sehr zu begeistern. Dabei sei nicht nur die ordentliche Stimme von Sängerin Anna erwähnt, sondern vor allem die perfekte Instrumentenführung mit wunderbaren Clean-Passagen.

Weiter ging es dann mit MEMORIAN, die ihr Todesblech gekonnt und Oldscool über die Hauptbühne schallen ließen. Ein wahres Must-See und Must-Hear für jeden wahren Fan dieses Genres, denn die Jungs haben sich nicht lumpen lassen und den noch reichlich verschlafenen Breezern ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht, als sei es noch nicht heiß genug. Zu sehen gab es trotz der frühen Stunde einiges Headbangern und erhobenen Pommesgabeln, einschließlich meiner.

Weiter im harten Bereich, aber mit einer ordentlichen Portion Frauenpower konnte man hiernach zu BATTLE BEAST abfeiern. Noora Louhimo (in einem Wahnsinns-Outfit) und ihre finnischen Recken feierten den Heavy-Metal und zelebrierten ihn wie eine Religion auf der Main-Stage. Das spornte natürlich auch die zahlreich erschienen Fans an, ihre Begeisterung kund zu tun und laut mitzugröhlen und zu feiern. Speziell mochte ich die Show bei der eine gute Bühnenausnutzung durch die Band und eine große Portion finnischen Charmes nicht fehlen durfte.

Mit SONATA ARCTICA standen danach gleich noch ein paar sehr talentierte Finnen, auf dem Platz, was kein Wunder ist, habe ich doch auch in den vergangenen Jahren immer wieder den Eindruck gehabt, der richtig gute Metal kommt halt vielfach aus Finnland. Hier gab es sehr melodiösen Power Metal um die Ohren, den die meisten eingeschworenen Fans auch lauthals mitgröhlen konnten. Der Mitgesang schallte sogar so weit über den Platz, wie es auf dem Breeze sonst nur selten der Fall war. Ich zumindest war ziemlich begeistert. Das war ich aber auch von der eindrucksvollen Instrumentalführung und der außerordentlichen Stimmgewalt von Sänger Tony Kakko.

Nach so viel Melodie wurde es schließlich Zeit ein bisschen die räudigere Schiene zu fahren und mit BETONTOD eine Kapelle aus Rheinberg auf die Bretter zu holen, die nicht grundlos zu den ganz Großen zählen. Wenn man Punk, Rock n Roll und Metal in einem Mixer zerhackt und alles einmal ordentlich durchrührt, dann kommt in etwa diese Band dabei raus. Eine Mischung, die der breiten Masse jedenfalls gefiel und Pits wie am Fließband entstehen ließ. Dabei merkte man nicht nur den Leuten vor der Bühne an, wie viel Spaß es ihnen machte, sondern auch den Anheizen. Eine solide Sache!

Man muss fast nicht mehr erwähnen, dass auf dem Breeze geballte Frauenpower im Bereich der Fronte schon lange keine Seltenheit mehr ist. So betrat EPICA die Hauptbühne und mit ihnen auch eine recht ansehnliche Regenfront hinter eben dieser. Die Niederländer ließen sich davon jedoch nicht abschrecken und legten mit Publikumsliebling und Sängerin Simone Simons los, als gäbe es kein Morgen mehr. Stiltechnisch ist EPICA eindeutig dem symphonischen Metal zugeordnet und in diesem Bereich waren sie so gut, dass man nicht mal mittels einer guten Fee noch Wünsche hätte haben können. Timing, Performance und Stimmung passte – letzteres sowohl auf, als auch vor der Bühne. Ich war gefesselt und die Menge vor der Bühne entfesselt!

Als besonderer Freund des Folk-Metal habe ich ELUVEITIE natürlich schon zu Beginn des musikalischen Tages entgegen gefiebert. Nun war es Zeit für die Big Band des Folk Metal und die unerschütterlichen Mannen haben sich dank ihrer zahllosen Konzerte weltweite mittlerweile auch einen unerschütterlichen Ruf erspielt. Die Tatsache, dass sie schon recht lange in dieser Art spielen, machte sich natürlich auch bemerkbar. Hier war schon zu Beginn klar, dass man eine Band vor sich hatte, die durch jahrelange Erfahrung zu recht dort hingelangt ist, wo sie war. EPICA zog natürlich einiges an Menschen ab, dennoch wurde die Band mit einem mehr als vollen Platz gefeiert und das obwohl sich die Himmelsschleusen mittlerweile geöffnet haben. Zu meiner großen Überraschung und Bewunderung traute sich im Übrigen ein Rollstuhlfahrer als Crowdsurfer über die Menge. RESPEKT von meiner Seite aus!

Nachdem Dudelsack und Konsorten wieder fachgerecht hinter der Bühne verstaut waren, betrat die Hassbrut die Bühne und machte in Sachen Hardcore sehr schnell klar, wo der Hammer hängt. HATEBREED besteht ja schon seit 1994 und feiert seitdem jedes Mal ein stattliches Abrissfest. Leider machte ihnen dieses Mal zumindest kurzzeitig das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Sicherheit und Co wurden auf dem Festival dieses Jahr besonders großgeschrieben, aus diesem Grund kam es zu einer Unterbrechung wegen einer Unwetterwarnung. Das war aber egal. Nach einer kurzen Zwangspause hielt die US-Amerikaner nichts mehr und es wurde mit Vollgas gemoscht, was das Zeug hält.

Wenn es um die Technik an der Gitarre geht, dann konnte auf dem diesjährigen Summerbreeze niemand CHILDREN OF BODOM etwas vormachen. Die Jungs zogen ihren Stiefel dermaßen souverän durch, dass einem schnell klar wurde, wieso die Band sich in Sachen Melodik Death Metal klar behaupten kann. Wer die Band kennt wird wissen, dass das Wort „Fuck“ bei dieser Band eine große Beliebtheit hat und sich durch vielfachen gebrauch auch nicht abzunutzen schien. Besonders wurde sich hier über das Wetter beschwert, bevor ein unfassbar geil schnelles Gitarrenriff das nächste jagte. Trotz des Dauerregens gaben sich noch viele Metalfans die Ehre und feierten Children of Bodom mit gebührendem Respekt und guter Laune.

Die Teutonen des Thrash Metal folgten quasi direkt auf dem Fuße und KREATOR legte direkt mit „Hordes of Chaos“ ein Set vor, das nicht nur zum mitgröhlen einlud, sondern auch dazu einlud den Kopf ordentlich freizuschütteln. Technisch hatten alle Bands des Summerbreeze extrem viel drauf und auch hier wurde technisch und gesanglich einwandfrei von Mille und seinen Männern ein Metalfest geboten – Hasserfüllt und voller Power. Das hatte ich vorher von der größten TrashBand der Bundesrepublik gar nicht anders erwartet, aber es ist immer wieder schön, wenn die eigenen Erwartungen sogar noch übertroffen werden.

Danach wurde es wieder Zeit zum entspannen und Ausruhen. WINTERSUN präsentierte uns sogar für Melodic Death Metal sehr melodiöse Klänge und präsentierte sich zu später Stunde mit einem sehr motivierten Jarii in Höchstform. Das war eine bombastische Liveshow. Einige ältere Fans versicherten mir im Nachhinein, dass Jarii den Posten als Leadgitarrist wohl jetzt komplett geräumt hat und sich ausschließlich auf seinen Gesang konzentrierte. Ich zumindest bin der Ansicht, dass eine Arbeitsteilung manchmal nicht schlecht ist und mit den höchst anspruchsvollen Gitarrenriffs wirkte das ganze Set doch sehr abgerundet. Spezielles Augenmerk lag hier auf den aktuelleren Songs der neuen Silberscheibe „The Forest Season“. Ein reiner Genuss!

AMOPRHIS als Headliner der Mainstage trat mit gewohnt progressivem Metal auf die Bühne und lud mit einer grandiosen Show zum Haare schütteln ein. Die Jungs aus Helsinki habe ich schon oft gesehen und gehört und jedes Mal wieder reißen sie auf eine sehr melodielastige Art die Bühne ab, dass es eine Freude ist. Auch mit eingegipstem Arm zeigte sich Sänger Tomi Joutsen in bester Spiellaune und was er vielleicht an Beweglichkeit einbüßte, holten seine Mitmusiker wieder auf. „Silver“ Bride und „The Smoke“ haben die zahllosen Fans vor der Bühne mächtig gefeiert und auch ich ertappte mich trotz fortgeschrittener Stunde beim Hüpfen und Headbangen. Was ein geiles Teil! 😀