Summer Breeze Open Air – 16.08. – 19.08.2017 – Dinkelsbühl

Summerbreeze 2017 – Wer es bei dem ultrastarken Line-up verpasst hat, ist selbst schuld, denn was einem auf dem Flugplatz des Aeroclubs in Dinkelsbühl geboten wurde, war wie immer ein Garant für gute Laune, gute Musik und gute Gesellschaft fernab des Alltagsstresses. In diesem Jahr hat das Summerbreeze wohl aufgrund seines 20ten Jahrestages noch eine Schippe draufgelegt und sich mit der Bandauswahl nicht lumpen lassen. Da war eigentlich vor der langen Anreise aus Norddeutschland für mich schon klar, dass die paar Stunden Fahrt sich absolut lohnen würden.
An der Organisation wurden dieses Jahr einige berechtigte Kritiken laut. Wie zum Beispiel, dass die Menschen am Einlass oft unterschiedlich informiert waren, wie die Presse Ein- und Ausgehen darf, sodass es oft und an ganz unterschiedlichen Stellen zu Missverständnissen und Verwirrung auf allen Seiten kam. Da wusste dann plötzlich niemand mehr, wo der Hase läuft und das wird schnell frustrierend. Auch war die erhöhte Polizeipräsenz spürbar, was natürlich mit Blick auf die jüngsten Terrorereignisse an sich keine schlechte Sache ist und laut Veranstalter dazu geführt hat, dass deutlich weniger Delikte, wie Zeltschnitzereien und Diebstähle geschahen, als in den Vorjahren.
Angekommen bin ich am Mittwochmorgen in aller Frühe. Nach einer langen Nacht im Auto war ich sehr motiviert all die tollen Menschen, die ich in den letzten Jahren kennengelernt habe im Camp wieder zu sehen. Was fand ich aber vor? Genau! Verschlossene Zelte und leise Schnarchgeräusche von denjenigen Menschen, die schon am Vortag ordentlich gefeiert hatten. Ich war dann so lieb das ganze Camp zu wecken und von meiner Ankunft in Kenntnis zu setzen, damit sie diesen für mich epischen Moment nicht verpassten. Dann ging es nach einem zugegeben eher kurzen Powernap und dem ersten ,zweiten oder dritten Bier direkt gen Festivalgelände.
Zwar spielten zu diesem Zeitpunkt noch keine Bands, aber man will sich ja trotzdem einen Überblick verschaffen.
Was in diesem Jahr sehr auffiel war die ausgesprochen lange Schlange am Merchstand, die sich zumindest in den ersten beiden Tagen ohne zu übertreiben mehrere hundert Meter über den Platz wand und so bei vielen meiner Schreiberkollegen die Hoffnung zerschlug sich noch eines der limitierten T-Shirts sichern zu können.
Ansonsten ließ die Information, dass die Presse in diesem Jahr nicht durch die Exits zu den Bühnen konnte böse Vorahnungen aufkommen, denn die Arbeit der Presse und vor allem der Fotografen, die sich mit ihren teuren Kameras durch die teils sehr langen Menschenschlangen prügeln mussten, wird natürlich dadurch unnötig erschwert, wenn nicht gar behindert. – Ich spoilere mal, dass wir es trotzdem geschafft haben, die meisten Bands zu erreichen, wenn auch manchmal mit Verspätungen. Das lag aber eher daran, dass man sich mit der Situation irgendwie arrangiert hat und weniger an der Organisation, die sich in den letzten Jahren für mich deutlich familiärer anfühlte.

Mittwoch

14:00 – 15:00 Uhr — BLASMUSIK ILLENSCHWANG (T-Stage)

Trotz der Tatsache, dass ich schon früh auf dem Platz war, habe ich es wie jedes Jahr irgendwie mal wieder geschafft BLASMUSIK ILLENSCHWANG, die ortsansässige Blaskapelle, die seit jeher auf dem Breeze als Starter aufspielt, zu verpassen. Da gab es Leute zu begrüßen, Gelände zu erkunden und dann war es plötzlich schon so spät, als ich mich gefragt habe, wo die Zeit eigentlich geblieben ist. Wie jedes Jahr, nehme ich mir vor, sie im nächsten Jahr wirklich, wirklich, WIRKLICH anzuhören. Mal schauen, ob das klappt.

Setlist
  1. Instrumental
  2. Grüß‘ Gott, Ihr Freunde
  3. Vogelwiese
  4. Weil Du so schön bist, mein Tiroler Land
  5. Servus, Grüezi und Hallo
  6. Böhmischer Traum
  7. Kufstein-Lied
  8. Instrumental
  9. Fischer vom Bodensee
  10. Instrumental
  11. Kuschel-Polka

Zugabe

  1. Instrumental
  2. Frankenlied

15:00 – 15:28 Uhr — BEMBERS (Camel-Stage)

Auch BEMBERS fiel meiner anfänglichen Verpeiltheit zum Opfer, sodass ich den fränkischen Comedian fast vollständig verpasste. Wie ich gehört habe, hätte es sich echt gelohnt dort vorbei zu schauen. Als ich vor der Bühne war, hörte ich gerade noch, wie er über den HipHop herzog, was in Anbetracht des Metaller Publikums vor der Bühne sicherlich auf viele wohlwollende Ohren gestoßen sein dürfte. Ich selbst kann ehrlich gesagt mit Comedy „auf Kommando“ wenig anfangen, bin aber von Bembers Bühnenpräsenz durchaus überzeugt gewesen. Glücklicherweise war er auf den Bühnen des Summerbreeze noch mehrfach recht präsent und seine kurzen Auftritte dort waren auch immer absolut auf den Punkt gebracht, sodass ich ihn noch bei verschiedenen Anlässen live und in Aktion erleben konnte.
Als kleines Intermezzo gab es zum Abschluss ein rotes Feuerwerk bei Tageslicht. – Dies hatte natürlich mit BEMBERS nichts zu tun, sondern war ein sehr gelungener Tribut an den vor einigen Jahren verstorbenen Mitveranstalter Michael „Mike“ Trengert, dem die T-Stage nun auch seinen Namen verdankt. Durch die blutroten Rauchwolken am Himmel ordentlich eingestimmt, beschloss ich, dann doch mal vom Biertresen weg und vor eben diese Bühne zu tigern, um mir die Ohren ordentlich von BORN FROM PAIN freipusten zu lassen.

Setlist

– Gibt es dieses Mal natürlich nicht –

15:32 – 16:15 — BORN FROM PAIN (T-Stage)

Also war BORN FROM PAIN die erste Band, die ich auf dem Breeze von Anfang bis zum Schluss gesehen habe. Auf mich wirkte das Konzert ziemlich grundsolide. BORN FROM PAIN kenne ich bisher nur für amtlichen Auf-die-Fresse-Metal. Sie von ihrer ernsthaften und andächtigen Seite zu sehen, als sie von ihrer Verbindung zu Trengert sprachen und zur Andacht aufriefen, war neu und ungewohnt, aber eine große Geste. Viele Bands des Festivals haben auch danach noch ebenfalls in ihren Ansagen das Leben von Trengert gewürdigt, um danach das Leben mit einer amtlichen Portion Metal zu feiern. Der Auftritt von BORN FROM PAIN war an sich auch ansonsten super. Ich kenne sie ja und kann nicht wirklich abstreiten, dass die Songs teilweise ein bisschen gleichklingend sind, wenn böse Zungen dies behaupten. Der Sound von der Camelstage war aber gut und mit ihrem üblichen Erfolgsrezept aus kurzen Ansagen haben die Holländer den Platz vor der Bühne hart und corig so gerockt, dass ich mehr Bewegung in der Menge erwartet hätte. Der Platz vor der Bühne war aufgrund der eher frühen Stunde und vielleicht auch aufgrund der Hitze eher mittelmäßig besucht. Von der Stimmung her hatte ich weniger den Eindruck, dass den Anwesenden ein bisschen zu ordentlich eingeheizt wurde. Die Sonne brannte wirklich ungnädig auf die Besucher herunter. Ich persönlich hatte mich auf ein bisschen mehr Pit und Prügelei gefreut. Stattdessen gab es Luftballons und Wasserbälle im Publikum, sowie ein bisschen Moshen, das ich aber auch schonmal härter gesehen habe. Insgesamt aber ein sehr gelungener Auftritt von einer Band, deren Auftritte man durchaus mehrfach besuchen kann, wie ich finde.

Setlist
  1. As Above, So Below
  2. Cause & Effect
  3. Rise Or Die
  4. Death And The City
  5. Still Cold
  6. The New Hate
  7. State Of Mind
  8. Final Nail
  9. Black Gold
  10. Behind Enemy Lines
  11. Dance With The Devil
  12. Stop At Nothing

16:16 – 17:00 Uhr — NIGHT DEMON (Camel-Stage)

Weiter ging es mit NIGHT DEMON, die direkt wortlos mit ihrem irgendwie sehr melodiösen Heavy Metal starteten und die ersten Feierwütigen zu etwas mehr Bewegung und Kopfnickerei animierten. Ich persönlich finde, die Band hat einen reichlich schönen Stil, bei dem sich Gesang, Growl und Instrumental in nichts nachstehen und sehr gut ergänzen. Schnelle und langsame Parts wechseln sich dabei relativ homogen ab und auch der Schlagzeuger kann ein bisschen mehr, als nur den Takt halten. Das Set an sich war außerdem sehr abwechslungsreich. Besonders gefallen hat mir und meiner Begleitung neben den vielen eigenen Songs das Iron Maiden Cover von „Wasted years“. Das Ganze machte ordentlich Partystimmung und war für den sehr frühen und noch nicht ganz so stark besuchten Nachmittag beinahe eine Verschwendung, wie ich finde. Meine erhobene Pommesgabel und die vieler Anwesender , sowie einen hübschen, kleinen Pit gab es dafür auf jeden Fall!

Setlist
  1. Welcome To The Night
  2. Full Speed Ahead
  3. Hallowed Ground
  4. Ritual
  5. The Howling Man
  6. Black Widow
  7. Screams In The Night
  8. The Chalice
  9. Night Demon
  10. Wasted Years

17:00-17:45 Uhr — VOMITORY (T-Stage)

Auf der T-Stagefolgte nun mit VOMITORY, eine Band, die ebenfalls zu einem Urgestein des Summerbreeze gehört. Die Besonderheit des Auftrittes hier war aber, dass die Band sich eigentlich schon 2013 aufgelöst hatte und hier zu Ehren von Gründer Michael Trengert noch einmal in altbekannter Manier ihr schwedisches Todesmetall zum Besten gaben. Mit ihrem sehr growllastigen Stil, kotzten sie sich wieder einen ins Miko zurecht, dass sich die Balken bogen. Dabei brannte die Sonne dermaßen heiß darnieder, dass meine Begleitung bereits einen Sonnenbrand hatte und ich mich unter meinem Sonnenöl ein bisschen wie ein Brathähnchen fühlte. Den Stil von VOMITORY finde ich persönlich etwas anstrengend. Von dem doch immer sehr wenig abwechslungsreichen Set, kann ich mir immer nur zwei drei Lieder mit Genuss anhören, bevor es mir ein bisschen zu viel wird. Auch die Bühnenshow ist wenig abwechslungsreich und besteht zum Großteil aus Stehen und Headbangen. Trotzdem muss ich die gelungene Bühnenbeleuchtung schon zum zweiten Mal loben. Ich glaube ja, es ist nicht einfach im hellen Sonnenlicht trotzdem mit Strahlern zu arbeiten, ohne, dass es komplett untergeht. Zumindest habe ich es selten erlebt, dass ich um solche Uhrzeiten schon Lob für Beleuchtung aussprechen kann. Ich werde das jetzt auch nicht wieder für jede Band schreiben, sondern einfach sagen, dass das rückblickend auch nicht das letzte Mal war, dass ich das Licht auf der T-Stage äschön fand. Dafür alle Achtung an das Team an den Funzeln. Das Publikum war wie ich finde nicht extrem zahlreich und auch bei dieser Band muss ich vermelden, dass das frisch angereiste Breezervolk in meinen Augen durchaus was Feierwut und Beweglichkeit angeht noch eine Schippe hätte drauflegen können. An den Leistungen der Band hat das aber sicherlich nicht gesehen.

Setlist
  1. Terrorize Brutalize Sodomize
  2. Blessed And Forsaken
  3. The Carnage Rages On
  4. Revelation Nausea
  5. Eternal Trail Of Corpses
  6. The Voyage
  7. The Corpsegrinder Experience
  8. Regorge In The Morgue
  9. Chaos Fury
  10. Blood Rapture

17:45-18:30 — KONTINUUM (Camel-Stage)

Und dann beehrte uns eine isländische Band, die ich bis dahin nicht kannte auf der Camelstage. KONTINUUM war fest entschlossen ihren Sommer auf dem Breeze zu verlängern und ihrem kalten Heimatland eine Weile zu entkommen. – So zumindest die Ansage der Band selbst. Dafür belieferte sie den gerammelt vollen Platz vor der Camelstage mit einem rockigen, aber irgendwie getragenen Musikstil, der sich mehr auf Gesang, als auf den, nur sporadisch ausgeführten, Growl verlässt. Dies zog offenbar nicht nur mich vor die Bühne, denn es war reichlich Publikum erschienen, um die Männer in schwarz zu bewundern. Dass diese große Menge an Leuten insgesamt relativ unbeweglich war und nur direkt vor der Bühne wirklich Stimmung zu sehen war, ist in meinen Augen kein Manko. Auch ich empfand das, was da geboten wurde zwar als reichlich gut, aber nicht als Tanzmucke, sodass ich selbst auch nicht wirklich am Hüpfen und Springen war. Auch die Band selbst schloss sich offenbar dieser Einschätzung an, denn auch die war mit ihrem eher puristischen Look – kein Banner, schlichte schwarze Klamotten – sehr unbeweglich auf der Bühne. Die Ansagen waren teilweise humoristisch verpeilt und auf jeden Fall sympatisch. Bunte Lichtshows mit auf die Band gerichteten Strahlern gehen leider im Sonnenlicht immer etwas verloren und das war auch hier der Fall. Mir hat hier bei der Präsentation persönlich ein bisschen das gewisse Etwas gefehlt. Für mich war diese neue Musikerfahrung auf jeden Fall eine, die ich nicht bereue, aber insgesamt eher was fürs Wohnzimmer, wo ich sie auch wirklich hören würde. Ich habe teilweise sogar von Anwesenden die Beschreibung „Lounge-Musik“ für das, was da gespielt wurde, gehört. Ich selbst fand sie teilweise schon fast etwas doomig angehaucht. Im Internet bezeichnen sie sich selbst allerdings als Rock.

Setlist
  1. Breathe
  2. Heimsveldi
  3. Kyrr
  4. Moonshine
  5. Lýs Milda Ljós
  6. Í Huldusal
  7. Steinrunnin Skogur

18:30-19:30 Uhr — IN EXTREMO (T-Stage)

Und dann ging auch schon wieder die Sonne des ersten Summerbreeze-Tages unter. Das war einerseits gut, weil die Temperaturen nun endlich auf eine Gradzahl sank und für etwas mehr Bewegung in der Crowd sorgte, aber andererseits blendete die direkt hinter der T-Stage untergehende Sonne auch ziemlich, sodass es sehr anstrengend war die Show von IN EXTREMO auf der Bühne zu verfolgen ohne dabei blind zu werden. Ich empfand die Band als ziemlich leise eingestellt, im Vergleich zu anderen Bands des Abends. Außerdem war der Sound, der ansonsten vor der Bühne fast ausnahmslos gut war etwas seltsam und wurde mal lauter und mal leiser. Hatte ich zuvor im selben Abstand zur Bühne noch Ohrstöpsel getragen, so nahm ich diese nun raus, um IN EXTREMO quasi unplugged zu hören. Extrem störend war das allerdings nicht, wie ich finde. Vor der Bühne fanden sich so viele Leute ein, wie ich sie im bisherigen Verlauf des Tages noch nicht gesehen hatte und machten klar: Hier geht etwas Großes los! Und groß war es auch. Was mir sehr gefallen hat, war die Auswahl der Songs. In ex konzentrierte sich hier ganz auf alte und geliebte Songs. Dabei gefällt mir vor allem, dass der Dudelsack nicht überbenutzt wird, wie es bei anderen Bands der Fall ist. Auch empfinde ich sie als musikalisch sehr abwechslungsreich. Die Crowd vor der Bühne feierte die Band gehörig mit Händeklatschen, speziell auch bei den längeren instrumentalen Passagen. Es gab auch die erste wirklich merkliche Anzahl an Crowdsurfern zu beobachten. Trotz der tollen Stimmung und Songauswahl war ich persönlich ein bisschen enttäuscht, kenne ich sie doch von anderen Auftritten. Ich kann nicht genau benennen, was mir bei diesem an sich sehr guten Auftritt gefehlt hat. Es schien mir einfach ein bisschen, als seien die sieben Jungs nicht so motiviert, wie ich sie kenne. Vielleicht lag es auch an mir, dass sie mich nicht so arg abgeholt haben. Da blieb mir nur noch die Hoffnung, dass sie bei ihrem zweiten Breeze-Auftritt noch eine Schippe drauflegen würden.

Setlist
  1. Wind
  2. Hiamali Tempore
  3. Herr Mannelig
  4. Ai Vis Lo Lop
  5. Vänner Och Frände
  6. Rotes Haar
  7. Palästinalied
  8. Krummavísur
  9. Merseburger Zaubersprüche II
  10. Omnia Sol Temperat
  11. Spielmannsfluch
  12. Frei Zu Sein

19:30–20:15 Uhr — UADA (Camel-Stage)

Noch ein kurzer Abstecher zu den schwarzen Metallern von UADA und dann hieß es für mich: Ab in eine kurze Pause. Das heißt: Ich hab nicht den gesamten Auftritt dieser Band gesehen. Das was ich mitbekommen habe, war eine Mischung aus einem sehr geilen und melodiösem Gitarrenspiel und sehr viel Screamen, was nicht jedermanns Fall ist, wie ich weiß, – meins auch nicht so, aber dafür kann die Band ja nix. Der Sound schien mir leider auch nicht optimal abgemischt zu sein. Die Menge der mitgebrachten Fans störte das offenbar weniger und sie zeigten mir, dass es ne Menge Menschen gibt, die meinen musikalischen Geschmack nicht teilen. Da wurde jedenfalls ordentlich gefeiert und mitgesungen.

Setlist
  1. Unreleased Song
  2. Natus Eclipsim
  3. Devoid Of Light
  4. S.N.M.
  5. Unreleased Song
  6. Black Autumn, White Spring

20:15-21:30 Uhr — POWERWOLF (T-Stage)

Und dann nach einer kurzen Pause kam POWERWOLF. Mit ihrem absolut reinen Powermetal gehören sie sicherlich zu den Bands, die man kennen muss und auch schon Mal gesehen haben sollte, wenn sich einem die Gelegenheit bietet. Etwas schade ist es, dass sie immer irgendwie denselben Stiefel durchziehen. Abgesehen von ein paar kleinen Änderungen, war das auch wieder auf dem Summerbreeze der Fall. Da gab es eine kleine Showeinlage mit Räucherwerk, die mich vor allem dafür sehr begeistert hat, dass die Räucherschale exakt im Takt der Musik geschwenkt wurde und nicht, wie ich es sonst schon oft gesehen habe völlig außer Takt. Ansonsten habe ich nicht viel Neues gesehen und gehört. Das ist aber nicht nur schlecht. Immerhin beherrschen die Männer um Frontmann Atilla ihre Instrumente genial und es sitzt einfach jeder Ton. Die Ansagen wirken leider teilweise etwas einstudiert und es gibt wenig Überraschungen, weder in die positive, noch negative Richtung. Der Platz vor der Bühne war allerdings gerammelt voll mit Fans und Feiernden. Da half es mir, mich daran zu erinnern, wie es war, als ich POWERWOLF das erste Mal gesehen habe: Überepisch und einfach nur geil!

Setlist
  1. Blessed & Possessed
  2. Army Of The Night
  3. Coleus Sanctus
  4. Amen And Attack
  5. Kiss Of The Cobra King
  6. Sacred & Wild
  7. Armata Strigoi
  8. Let There Be Night
  9. Resurrection by Erection
  10. Werewolves Of Armenia
  11. All We Need Is Blood
  12. Sanctified With Dynamite
  13. We Drink Your Blood

21:30-22:15 — VITAL REMAINS (Camel-Stage)

Von VITAL REMAINS haben wir leider nur das Ende des Auftrittes gehört, weil wir zwischenzeitlich in der Schlange beim Einlass feststeckten. Persönlich scheint mir ja, der kurze Gang zum Zelt, gefolgt von dem viel längeren Anstehen in der Schlange war gut getimed, denn ich kann scheinbar mit dieser Art von Deathmetal nichts anfangen. Was ich sah war ein für diese Zeit eher mittelmäßig zahlreiches Publikum, eine sehr rote Lichtshow und ich hörte aggressive Growls von Sänger Brian Werner mit teilweise halbwegs ordentlichen Gitarrenparts. Leider konnte ich mich ob des chaotischen Stils nicht des Gefühls erwehren man hätte hier einen Tiger auf die Bühne gezerrt und würde ihn ganz ordentlich am Schwanz ziehen. Ich möchte diesen Teil also mit dem Klischeefazit abschließen: Über Geschmack kann man sich nicht streiten.

Setlist
  1. Where Is Your God Now
  2. Icons Of Evil
  3. Scorned
  4. Hammer Down The Nails
  5. A World Without God
  6. Let The Killing Begin
  7. Dechristianize

22:15-23:45 Uhr — AMON AMARTH (T-Stage)

AMON AMARTH war eine der Bands, die man auf dem Summerbreeze sogar zwei Mal bewundern konnte und das hat sich aber auch hammerfucking nochmal gelohnt. Für mich war es generell nicht mein erstes Mal, dass ich sie gesehen habe und ich kenne sie für amtliche Prügeleien vor der Bühne, hammerharten Sound und eine geile Bühnenshow. In zwei Dingen war dieser Auftritt denen, die ich schon kannte dahingehend auch nicht unähnlich. Ich habe selten so einen guten Einsatz von Licht und Nebel gesehen. Sie haben dagegen ein bisschen mit der für sie typischen Pyroshow gegeizt und nur gegen Ende ein bisschen was abgefackelt, was bei mir den Eindruck erweckt hat, sie hätten sich die großen Kanonen für den Folgetag aufgehoben. Trotzdem haben sie dem Publikum auch ohne überbordende Flammen ordentlich eingeheizt und neben dem mega pornösen Drumset auf der Bühne, war auch mal wieder das extra vor acht Jahren für einen Breeze gebaute „Jomsviking“-Schiff zu sehen. Leider wohl zum letzten Mal, denn als Tribut an T spendeten sie das Schiff nun dem Summerbreeze, um es in eine Bar umwandeln zu lassen. Mehr Metall geht nicht! — Leider muss ich vermelden, dass man von meiner Position die Menge zwar gut überblicken konnte, ich aber kaum Bewegung in ihr gesehen habe. Das Publikum war zwar guter Laune, man sah viele erhobene Pommesgabeln und n bisschen getanzt und gebanged wurde hier und da auch mal, aber das richtig harte Moshen, dass ich von Amon seit jeher kenne und liebe, ließ irgendwie auf sich warten. Irgendwann sah ich einen einsamen, winzigen Pit und auch ein paar wenige Crowdsurfer. Ich schiebe das mal auf das Wetter, denn Frontsau Johan Hegg hatte seine Bande vor der Bühne wie üblich trotzdem hart im Griff und auf Ansagen wurde mit Jubelrufen und erhobenen Fäusten, bis in die letzte Reihe reagiert. Auch eine Viking Roll wurde auf Aufforderung gerne umgesetzt.

Setlist
  1. Twilight Of The Thunder God
  2. Free Will Sacrifice
  3. With Oden On Our Side
  4. Valhall Awaits Me
  5. The Last With Pagan Blood
  6. For The Stabwounds In Our Backs
  7. 1000 Years Of Oppression
  8. Gods Of War Arise
  9. Versus The World
  10. Asator
  11. Under A Northern Star
  12. Fate Of Norns
  13. Varyags Of Miklagaard
  14. Live For The Kill
  15. Victorious March

23:45-00:30 Uhr — SISTER (Camel-Stage)

Was genau nun dieses SISTER war, dass nach AMON AMARTH auf der Camelstage spielen sollte, wusste ich selbst auch noch nicht, aber ich höre mir ja gerne mal ganz unvoreingenommen völlig neue Sachen an. Nach den ersten Sounds des Intros war ich zunächst sehr angetan. Bei den Klängen von „Johnny I hardly knew ya“, die am Anfang choralartig vom Band kamen, dachte ich mir, dass es sich hier um Tanzmucke vom Feinsten und ein bisschen in die folkige Richtung handelt. Weit gefehlt! Irreführende Werbung, sage ich da. Denn plötzlich sah man weiß-schwarz angemalte Männer über die Bühne springen und einen Stil zum Besten geben, den ich später als „Sleaze Rock“ erklärt kriegen würde. Ähnlich unerwartet gestaltete sich der Rest des Auftrittes dann auch. Tanzmucke war es jedenfalls nicht. Immerhin muss ich den Jungs aus Stockholm zu Gute halten, dass sie ein paar sehr textsichere Fans mitgebracht hatten, die laut mitzugröhlen wussten. Seine Ansagen und eine ungewöhnlich bewegungsreiche Bühnenshow tat sein Übriges, um ordentlich Stimmung zu erzeugen. Fronter Jamie Anderson besuchte sogar den Fotograben für eine direkte Interaktion mit dem Publikum. Ich selbst weiß ehrlich gesagt nicht ganz so, was ich von der Band halten soll. Vielleicht lag es daran, dass ich innerhalb der ersten paar Minuten etwas völlig anderes erwartet hatte und dann den stiltechnischen Schlag in die Fresse bekommen habe. Positiv vermerken kann ich, dass sie einen nicht zu einseitigen Musikstil sporten und ich fand den Wechsel zwischen ihren Scream- und Gesangsparts sogar recht gut und passend. Auch das Instrumentale musste sogar ich mit teils anerkennendem Kopfnicken bei so manchem Song würdigen. Definitiv ein Auftritt, der mir im Gedächtnis bleiben wird.

Setlist
  1. Destination Dust
  2. Carved In Stone
  3. Spit On Me
  4. Carry On
  5. Dead Man’s Dirt
  6. Sick
  7. Unbeliever
  8. Species
  9. Bullshit & Backstabbing

00:30-01:15 Uhr — DESTRUCION (T-Stage)

DESTRUCION… war vorhanden… fehlt uns aber leider als einzige Band des Tages so wirklich, weil irgendwie zu diesem Zeitpunkt keiner der Schreiber auf dem Platz war. Eigentlich schade, denn so wie ich DESTRUCITON kenne und nach allem, was ich gehört habe, haben sie den Platz mal wieder auseinander genommen. Schande auf unser Haupt und weiter geht’s!

Setlist
  1. Curse The Gods
  2. Nailed To The Cross
  3. Mad Butcher
  4. Dethroned
  5. Total Desaster
  6. Antichrist
  7. Second To None
  8. The Butcher Strikes Back
  9. Thrash Till Death
  10. Bestial Invasion

01:15-02:00 Uhr — SCHAMMASCH (Camel-Stage)

Auf dem Weg zurück zur T-Stage Band, bekamen wir die letzten zwei, drei Songs von SCHAMMASCH mit und die Bühne war so eingenebelt, dass man eigentlich gar nicht sah, was auf ihr vor ging. Den Stil dieser Band bezeichnet man offiziell als Blackmetal. Inoffiziell hatte ich eher das Gefühl, als würde ein Hubschrauber auf dem Flughafen landen.. Dass jetzt nicht so arg viele Menschen da waren, mag an der vorgerückten Stunde gelegen haben. Ich beschließe den Text jetzt einfach mal mit dem Fazit, dass mir nicht alles gefallen kann und es sicher ein paar Leute da draußen gibt, die SCHAMMASCH mehr abgewinnen können als ich.

Setlist
  1. Consensus
  2. Golden Light
  3. Diluculum
  4. Metanoia
  5. Black But Shining
  6. Conclusion

02:00-03:00 Uhr — STEVE N‘ SEAGULLS (T-Stage)

Kurz vor Schluss, habe ich mit STEVE N‘ SEAGULLS noch ein sehr unerwartetes Highlight erlebt. So richtig viel sagten mir die finnischen Metaller mit dem starken Bluegrass-Einfluss nicht, deren Musik man auch fast als Blödelmetal bezeichnen könnte. Dabei benutzten sie eine Akkustikinstrumentenmischung, die ich so auch eher selten gesehen und gehört habe. Sie machen Party mit einem Set aus sehr individuell gecoverten Songs, die mit Ukulele, Banjo und Akkordeon ganz neu auf eine sehr amerikanisch-rockige Art interpretiert wurden. Unter anderem gab es Songs wie „Over the hills and far away“, den viele von der Band NIGHTWISH kennen und lieben, „You shook me all night long“ von ACDC, zwei METALLICA Cover in Form von „Sad but true“ und „Seek and destroy“ und als besonderes deutschsprachiges Highlight „Ich will“ (im Original von RAMMSTEIN), das mit einem wunderbar sympatischen Aktzent dargeboten wurde. All diese Liefer wurden vom Publikum in den meisten Fällen auch lauthals mitgesungen. Das ist eben der Vorteil an Coversongs, selbst wenn man selbst vor Ort scheinbar nicht so bekannt ist. Dabei trug Hiltunen natürlich sein klassisches Tierfell auf dem Kopf und heizte durch lustige Show und Ansagen das Publikum an. – Viele dieser Ansagen waren sogar auf deutsch. Ein Highlight des Auftrittes war definitiv das Drumsolo, bei dem auch die Percussions eingebunden wurden. Eigentlich war dies für mich die bemerkenswerteste Band des Tages und ich habe es somit nicht bereut, dass ich erst dezent nach dem Rest meines Teams ins Bettchen gehen konnte.

Setlist
  1. The Trooper
  2. Over The Hills And Far Away
  3. You Could Be Mine
  4. Symphony Of Destruction
  5. Aces High
  6. Ich Will
  7. You Shook Me All Night Long
  8. Cemetery Gates
  9. Sad But True
  10. Burn
  11. Thunderstruck
  12. Seek And Destroy