M’era Luna Festival 12.-13.08.2017 – Hildesheim

Bereits zum 18. Mal lockte das M’era Luna mit einem erstaunlich bunten Programm die Anhänger der schwarzen Szene nach Niedersachsen. Vom 12.-13. August stand auf den Flugplatz von Drispenstedt, Hildesheim ein breites Programm aus Bands, Vorlesungen und einer Modenschau auf einer außen Bühne und zwei Hangars bereit.
Aufgrund von andauernden Regenfällen vor dem Festival sind leider viele der Parkplätze – umfunktionierte Felder – nicht verwendbar; auch Teile der Zeltplätze sind zu durchgeweicht für eine sinnvolle Verwendung. Selbst das Infield ist davon nicht verschont geblieben, und somit erwartet uns bei unserer Ankunft viel Matsch, Schlamm und … Stroh? Der Veranstalter hat an den am schlimmsten durchweichten Stellen Stroh verteilt, um wenigstens etwas Halt zu liefern, was leider weniger gut funktioniert als gewünscht.
Warum liegt hier eigentlich Stroh?
Schlechte Witze, warum hier eigentlich Stroh liegt, lassen nicht lange auf sich warten. Einzig mit dem Unterschied, dass genug Leute Masken tragen, um den Witz noch weiter zu treiben.

Samstag

Musikalisch erwartet uns EDEN WEINT IM GRAB die am Ende ihrer Show sind und „Die Jenseitsflugmaschine“ zum Besten geben. Ein Abstecher zur Hangarbühne zeigt zwei Dinge: Erstens, er ist noch wie ausgestorben. Zweitens, dieses Jahr gibt es eine große Rollibühne in der Mitte des Hangars. Kurze Zeit später füllt er sich aber dann doch noch halbwegs, als AMBASSADORE 21 aus Minsk, Weißrussland die Bühne betreten. Leider muss man sagen, dass diese etwas lasch sind. Im Vergleich zur Platte fehlt live einfach die Power. Entsprechend kommt auch die noch etwas verschlafene Menge nicht wirklich in Fahrt.

Auf der Mainstage machen dafür UNZUCHT umso mehr Druck. Bei leichtem Nieselregel und matschigem Untergrund liefern sie eine gute Show und wärmen auf. Besonders zu ihren Erfolgen „Deine Zeit läuft ab“ und „Engel der Vernichtung“ kommt die Menge gut in Fahrt. Weiter auf der Mainstage geht es mit Neuer Deutscher Härte.

Die OST+FRONT marschiert ein und legt direkt los mit „Fiesta de Sexo“. Zu „Fleisch“ wird dann auch klar, wozu diese große gläserne Schale auf der Bühne steht, als eine knapp bekleidete Dame hineinklettert – mehr dazu in der Galerie. Nach einer kurzen, aber harten Setlist ist der Aufritt aber auch schon vorbei, und sie verabschieden sich mit „Auferstanden aus Ruinen“ von der Bühne.

Als nächstes steigen FEUERSCHWANZ auf die Bühne. Klingt komisch, ist aber so, denn es heißt jetzt „Sex ist muss“. Dann holt sich der Hauptmann und sein geiler Haufen zwei junge Damen auf die Bühne, die währen „Blöde Frage, Saufgelage!“ mit den Miezen hinter der Bühne verschwinden. Nur um dann zurückzukehren mit Bier und Pizza … wobei, eher als Bier und Pizza. Frisch verkleidet geht es weiter mit „Moralisch (höchst verwerflich)“. Und so geht die Party von FEUERSCHWANZ weiter, für Bier und Pizza ist gesorgt, und so lässt sie sich nicht mal von dem einsetzenden Regen wirklich bremsen.

MESH aus Bristol sind danach an der Reihe und zunächst deutlich irritiert von dem ganzen Blut auf der Bühne. Egal, es geht los, auch wenn sie für eine merklich geschrumpfte Menge spielen. Diese ist zu einem dem Regen zum Opfer gefallen oder im Hangar bei NAMNAMBULU. Neben ihreren eigentlich Songs versuchen sie sich an einem Cover von LINKIN PARKs „What I’ve Done“, was bedauerlicherweise von der Stimme her überhaupt nicht mit dem Original mithalten kann. Man sollte in Zukunft vielleicht Lieder covern, wo die Messlatte nicht so hoch liegt, insbesondere nach dem so kurz zurückliegenden Ableben von Originalsänger Chester Bennington.

Dann geht es auch schon rüber zur Hangarstage. Dort wartet FADERHEAD schon mit „Generation Black“ von seinem aktuellen Album „Fh-X“ auf uns. Um sich danach weiter durch seine neuere Schaffensgeschichte zu schlängeln. Womit wir auch schon beim ersten Einlassstopp des Tages im Hangar angekommen wären. Ab hier ist es eher eine Seltenheit, dass der Hangar leer ist, so dass wir häufiger einen Einlassstopp erleben (müssen).

Als nächstes ist es Zeit, die Mistgabel auszupacken und ordentlich auf die Pauken zu schlagen. PROJECT PITCHFORK mit seinen drei Schlagzeugern machen es sich auf der Mainstage gemütlich. Dem drohenden Regen zum Trotz verteilt sich die Menge über das ganze Infield, und selbst weitab von der Bühne kommt die Energie von Frontmann Peter Spilles noch an und lässt das Tanzbein jucken. Zu „Rain“ geht ein Jubeln über den Platz, wie zum Spott über das Wetter. Langsam aber sicher kommt hier auch in den hinteren Reihen Festivalstimmung auf.

SOLAR FAKE macht es sich derweil in Hangar gemütlich. Dort ist auch mal wieder Einlassstopp, weil es rappelvoll ist. Unterstützung gibt es dabei von Benni Cellini von LETZTE INSTANZ am Cello.

Als nächstes steigen SUBWAY TO SALLY auf die Mainstage und legen direkt mit „Grausame Schwester“ los. Das Händemeer wogt dazu, nicht nur vor der Bühne, sondern bis weit hinter den FOH, im Wind über die weit verteilte Menge. Danach geht es direkt weiter mit der „Henkersbraut“. Mit einer Setlist, die zum Mitsingen nur so einlädt, wird der letzte Rest an Tageslicht abgefeiert, und so gibt es erst mal ein „Kleid aus Rosen“. Bevor es dann nicht nur Zeit ist mitzusingen, sondern auch dem Aufruf zum „Tanz auf dem Vulkan“ und zum „Veitstanz“ zu folgen. Beendet wird der Auftritt natürlich mit „Julia und die Räuber“.

Als vorletztes für heute stehen dann ASP auf der Mainstage. Diese leiden leider unter schweren technischen Problemen. Erst fangen sie verspätet an, und dann fällt direkt nach dem ersten Song der Strom komplett aus. Nach 45 Minuten Dunkelheit geht das Licht aber wieder an und die Show weiter. Ohne viele Ansagen wird losgeschmettert. Das Publikum deutlich abgekühlt durch die unfreiwillige Wartezeit ist ruckzuck wieder auf Temperatur, nachdem die neue Single „20.000 Meilen“ gespielt wird. Der einsetzende Regen zu „Werben“ hält die Menge zunächst nicht auf, und so wird im Poncho oder unterm Regenschirm weiter getanzt. Bei immer stärker werdendem Regen dezimieren sich die Reihen dann doch deutlich, und es wird Unterschlupf im Hangar oder einer der vielen Unterstellmöglichkeiten gesucht. ASP ziehen trotz des Wetters und trotz der Zwangspause ihre komplette Setlist durch, und pünktlich zum Abschluss verzieht sich auch wieder der Regen.

Mit 45 min Verzögerung durch den technischen Ausfall bei ASP geht es mit KORN als Headliner des Samstages weiter. Und wie es mit KORN weitergeht. Die eher gediegene – und stark geschrumpfte – M‘era Luna-Menge verwandelt sich unter der Gewalt der Musik von KORN innerhalb von Sekunden in eine headbangende Meute. Spätestens zu „Ya’ll want a single“ bebt die Menge. Frontsänger Jonathan Davis freut sich über das Festival der etwas anderen Art, besonders die deutschen Industrial Bands haben es ihm angetan. Ein Blick in die Menge zeigt aber eins deutlich: Das Wetter hat seinen Tribut gefordert. Für einen Headliner ist die Menge recht überschaubar. Aber die, die noch da sind, haben dafür umso mehr Spaß. Nach einem Auftritt der für ein M’era Luna fetzigen Art geht der Samstag zu Ende. Und für viele geht es wohl auch direkt ins Zelt.

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Sonntag
Der Sonntag geht für uns los mit MEGAHERZ. Die heute strahlende Sonne wird von leichten Wolken verdeckt, als es heißt: Willkommen im „Zombieland“. Die vereinzelten schweren Tropfen werden schulterzuckend ignoriert, nach den gestrigen Regenfällen sind sie auch eher läppisch. Weiter geht es mit „Glorreiche Zeiten“ vom aktuellen Album „Erdwärts“. Die Stimmung ist gut und die Menge steht dicht gedrängt, was auch mit daran liegt, dass Teile des Infields immer noch sehr gezeichnet sind von gestern. Zu „Miststück“ wird mitgebrüllt, was die Stimmbänder hergeben. Nach „Für immer“ gibt es die Ankündigung, dass ein neues Album in Arbeit ist. Die Tour dazu kommt 2018. Weiter geht es dann mit „Jagdzeit“. Zum Abschluss gibt es noch „Himmelstürmer“. Die Wolken verziehen sich, als ein Schatten auf die Mainstage fällt.

THE CRÜXSHADOW geben der Menge Grund zu feiern, auch wenn Frontsänger Rogue auf der Bühne etwas eingesperrt wirkt. Wo vorher geheadbangt wurde, wird jetzt fröhlich getanzt. Um seinem Gefängnis zu entkommen, klettert Rogue von der Bühne in den Graben und spaziert auf der Absperrung auf und ab. Leider ist Crowdsurfing hier verboten, sonst wäre er wohl auf der Menge noch weiter auf Reise gegangen.

Es geht weiter auf der Hauptbühne mit MONO INC. Mit Jacke Nummer 1 und „Together Till The End“ geht es los. Dicht gefolgt von „The Banks Of Eden“. Zu den ersten Akkorden von „Arabia“ fliegen die Hände nur so in die Lüfte. Die zweite Jacke von Sänger Martin Engler ist dran zu „Symphony Of Pain“. Zu „Gothic Queen“ traut sich auch die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor. Vor einem Jahr und drei Wochen frisch entstanden geht es danach weiter mit „Children Of The Dark“, was die Fans auch ohne die Band fleißig weitersingen. Nach „After The War“ geht es zurück nach 2009 mit „Voices Of Doom“. Zum Abschluss wird zu „Get Some Sleep“ die MONO INC.-Fahne ausgepackt.

Finstere Wolken ziehen auf, als SCHANDMAUL mit „Vor der Schlacht“ auf die Bühne tritt. Und dann beginnt auch schon wieder der Regen herunter zu prasseln. Das Tosen von unten ist aber mittlerweile lauter als das Trommeln der Tropfen von oben als SCHANDMAUL „Herren der Winde“ anstimmen. Nach der „Der Augenblick“ kommt die Frage: Was hilft gegen Kälte von oben? Richtig, Wärme von innen! Also heißt es mehr tanzen zu „Vogelfrei“, „Heute bin ich König“ und „Walpurgisnacht“. Nach „Der Drachentöter“ gibt es zum Abschluss gibt es noch ein Lied „Zum Geleit“.

Als nächstes begrüßt uns danach der Dieter Bohlen der schwarzen Szene. Der Helene Fischer des Gothicpop. Chris Pohl mit BLUTENGEL. Eröffnet wird mit „Black“ dicht gefolgt von „war between us“. Aber auch BLUTENGEL ist nicht gefeilt vor kleineren technischen Problemen, die sind aber schnell behoben und es geht weiter mit „Dein Gott“. Der schwarze Liebhaber hier kommt voll auf seine Kosten, egal ob andächtiges schwelgen oder tanzen alles ist zu sehen. Weiter durch die Setlist geht es mit „Asche zu Asche“, „Lucifer“ und „Engelsblut“. Als es dann zum Titelsong zum aktuellen Album „Leitbild“ kommt, sollen alle mitsingen und „Nein! Nein!“ im Refrain wird auch kräftig mit gebrüllt. Den Abschluss setzten sie mit „Reich mir die Hand“, bevor sie mit wehenden Fahnen den Abgang von der Bühne machen.

Headlinerzeit ist heute Elektrozeit. Die Elektrobeats von AND ONE bringen die Meute ab der ersten Sekunde zum beben. Von vorne bis hinten wird im Sonnenuntergang getanzt, was die Beine noch her geben. Gespart werden muss nicht mehr. Als letzter Act des Festivals gibt es nichts mehr wofür es sich lohnt kraft zurück zu halten, außer vielleicht den Heimweg. Frontsänger Steve Naghavi macht sich etwas über die armen Leute die ein ganzes Festival im Regen rum laufen lustig. Was die Menge mit viel Humor aufnimmt. Mit „get you closer“ von 1998 geht es mit Vollgas weiter in die Nacht. Zu „Krieger“ wird als Madley ein Cover von Eurythmics „sweet dreams“ eingebaut. Joke Jay(Schlagzeug) am Micro kann die Stimmung leider nicht so gut halten wie sein Kollege Steve Naghavi. Zu „Traumfrau“ übernimmt Steve aber wieder das Ruder. Nach „Unter meiner Uniform“ und „Sometimes“ spielen sie noch ihren aller ersten Song von 1991 „Second Voice“. In der Abschlusszugabe ist der wohl von vielen erhoffte Song „Military Fashion Show“ doch noch vertreten.

Und so endet das M’era Luna 2017. Mit mehr Regen, als es viele der Besucher gewohnt sind, geht es für die meisten direkt nach Hause. Viele der Zeltlager werden schon tagsüber abgebaut und verstaut. So manch einer freut sich nach den kalten und verregneten Nächten auf das heimische Bett und eine warme Dusche. Wir sagen auf Wiedersehen und bis nächstes Jahr! Wenn es heißt: M’era Luna am 11.-12.08.2018 in Drispenstedt, Hildesheim.

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