Rock Harz 2017 – 05.-08.07.2017 – Ballenstedt

Am 8. Juli geht auf dem Flugplatz Ballenstedt das 24. Rockharz Open Air Festival zu Ende. Auch dieses Jahr – so wie die Jahre zuvor – war es bereits einige Woche vor Beginn komplett ausverkauft. Die malerische Kulisse unterhalb der Teufelsmauer lockt über 15000 Zuschauer zu einem Festival, welches zweifellos mittlerweile einen gewissen Kultfaktor besitzt. Wenn man sich unter den Gästen umhört, waren viele bereits in den letzten Jahren zu Besuch und werden auch in den nächsten Jahren wieder kommen.

Der Veranstalter hat sich diese Jahr auch wieder um das Wohl der Teilnehmer gekümmert und mit einigen komfortablen Neuerungen aufgewartet. So sorgt z.B. ein mobiler Handymast für fast lückenlosen Empfang und einiges schmunzeln bei der Google Standorterkennung.
Statt der üblichen Dixi Klo´s gibt es im Infield und vor dem Eingang Spühltoiletten. Wer will kann sich gegen Bezahlung auch eine eigene Miettoilette auf den Zeltplatz stellen lassen. Einer der Vorteile des Rockharz Open Air ist unter anderem, dass man seinen PKW direkt am Zelt stehen hat und die kurzen Wege zum Festival Gelände. Auch diese Jahr ist wieder eine stressfeiere Anreise schon am Dienstag möglich, welche von sehr vielen Festivalbesuchern genutzt wird, so dass es am Mittwoch und Donnerstag für die Spätanreisenden schon recht eng wird.
Für die Frühanreisenden hält das Mutantenstadl am Dienstag Gastronomie und Musik bereit, so dass lange Weile gar nicht erst aufkommen kann.

Am Mittwoch, unter dem Motto AFM-Labelnacht, eröffnet dann die indische Heavy-Metal-Band KRYPTOS das Festivalgeschehen im Infield. Es folgten die Schweden von BLOODBOUND mit ihrem „War of Dragons“ und SERIOUS BLACK, die dieses Jahr ihr ganzes können präsentieren. Das Abendprogramm begint mit STAHLMANN, die unerwartet unstählernd sind dieses Jahr. Das Makeup hat es wohl nicht rechtzeitig in den Harz geschafft. Danach machen ORDEN OGAN, zum fünften Mal, dem Publikum des Rockharz Open Air Festivals ordentlich Feuer unterm Hintern. Ihnen gefällt es im Harz und den Fans gefällt es wohl auch, wenn sie hier sind. Den Abend beendete DIRKSCHNEIDER mit einem Teil seiner Verlängerung der Farewell-Tour von seinen Accept Zeiten. Mit einem Hit nach dem anderen und viel Rauch, Feuer und Funken geht die Eröffnung des Rockharz Open Air Festivals 2017 zu Ende.

Fotos: Thomas von Schaewen

Donnerstag

Am Donnerstag wird dann endlich beide Bühnen bespielt. Kurz vor Zwölf beginnen INFECTED RAIN ihren Nu Metal aus Moldawien zu präsentieren, bevor APRON von den Fans begeistert empfangen werden um einen Metalgeburtstag zu feiern. Konfetti, Luftballons und Einhörner für jeden Geschmack ist etwas dabei. Danach folgt THE NEW BLACK, ein saftiger Mix aus Modern Metal und gutem alten Rock’n’Roll. Dann ist es Zeit für Dark-Metal bei knallendem Sonnenschein und 30°C: NACHTBLUT zeigen wo die Sonne scheint, da kann es trotzdem dunkel sein. Darauf folgt die finnische Band WOLFHEART, die so zügig loslegen, dass ihnen am Ende der Setlist sogar noch Zeit für mehr bleibt also werden noch 2 Songs nachgelegt. Weiter geht es in den Nachmittag mit CIVIL WAR und Feuerwehrschläuchen. Die ersten sorgen für schwedischen Power Metal, die zweiten für etwas Abkühlung in der prallen Sonne. Das Doom-Metal-Duo MANTAR braucht zwar etwas Anlaufzeit, aber kann danach mit seinem gemächlicheren Takt trotzdem schwer begeistern. Etwas rasanterer wird es mit RAGE die mit ihrer Neubesetzung das erste Mal wieder auf dem Rockharz Open Air Festival auftreten. Harte Gitarrenriffs und ein Rasensprenger, dass zeichnet den Auftritt der Amerikaner von DEATH ANGEL bei dem Auftakt ihrer „The Evil Divide“ European Tour aus. Der frühe Abend beginnt mit HAGGARD und den fast schon legendären Soundcheck von Frontmann Asis Nasseri. Er schein Perfektionist zu sein und nimmt etwas Verspätung für guten Klang gerne in Kauf. Dafür wird auch gerne mal etwas die Zeit nach hinten überzogen. Alles in allem ein gelungener Auftritt. Danach liefern LACUNA COIL einen energetischen Auftritt ab, wie kaum ein anderer. Frontfrau Chrstina Scabbia ist motivierter als manch ein Motivationstrainer. Mit KADAVAR betreten die wilden 70er die Bühne. Mit ihrem Vollgasschlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt legen die Berliner eine Show hin die natürlicher kaum sein könnte. Kein Makeup, keine Masken, kein Klimbim einfach nur Rock. Als auch schon ARCH ENEMY die Dark Stage betraten. Frontsängering Alissa White-Gluz entpuppt sich heute wieder mal als echter Hingucker und feuert mit Energie das Publikum zu ihrem „War Eternal“ an. Als vorletzte Band sorgt IN EXTREMO mit ihren Hits und einer gigantischen Pyroshow für ein Feuerwerk auf der Bühne und rasende Begeisterung davor. Über Zuschauermangel konnte man wirklich nicht klagen, wer zu spät zur Rock Stage kam fand nur noch sehr weit hinten Platz. Abgerundet wurde der Abend mit FIDDLER’S GREEN im Late Night Slot. Mit Folk viel Tanz und der obligatorischen Wall of Folk neigt sich der heutige Donnerstag dem Ende und das Publikum zerstreut sich in die Nacht.

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Fotos: Thomas von Schaewen

Freitag

Los geht es heute um kurz vor halb zwölf bei besten Wetter mit VLAD IN TEARS denen man anmerkt der Bock ist da, die Sonne aber auch. Es folgt der Epic Death Metal von den Lokalmatadoren aus Helmstedt KAMBRIUM. Einige Wall of Deaths und noch viel mehr Headbangen später ist der Auftritt auch schon wieder vorbei und sie übergeben die Bühne an CYPECORE. Die ohne viel Ansagen ein Lied nach dem anderen raushämmern. Von hier aus übernimmt EWIGHEIM in der prallen Sonne das Ruder. Das Publikum drückt sich jetzt schon in jedes schattige Plätzchen, dabei ist es ihnen egal ob es die wenigen Meter Schatten direkt vor der Bühne sind oder die vielen Möglichkeiten an den Getränke und Fressständen. Etwas Schade für EWIGHEIM die sich extra Unterstützung von EISREGEN in Form von Gitarrist Michael ‚Bursche‘ Lenz mitgebracht haben. Auch FIRKIN leiden unter der Mittagshitze beziehungsweise ihr Publikum. Mit Abhilfe durch den Feuerwehrschlauch wird es aber auch kühl genug um das Tanzbein zu Folk aus den Fingern der Ungaren zu schwingen. Danach ist es Zeit für Rock’n’Roll. Die Hamburger Band OHRENFEINDT gibt ordentlich Gas und so wird es vor der Bühne etwas zugiger als ein Headbanger nach dem anderen die Haare fliegen lässt. Und dann macht es Platsch. Bei UNZUCHT entlädt sich eine Regenwolke auf das Rockharz Open Air Festival. Dauer: viel zu kurz. Intensität: so mittel. Tropfengröße: gefrohren währen das sicher Tennisbälle! Gebürtiger Harzer und Frontsänger Daniel Schulz hat das Publikum dabei voll in seinen Bann gezogen und es wird gefeiert ohne Ende. Als ein heißer Wind auf zieht. Die Neue-Deutsche-Härte-Band OST + FRONT aus Berlin begeistern mit ihrer Musik und einer ausgiebigen Bühnenshow die Menge. Im Anschluss spielten VARG ihre dicht gepackt Setlist an Wolf-Metal und zwingen so manch einen für eine Abkühlung von innen an den nächsten Zapfhahn. LORD OF THE LOST präsentieren sich als nächstes in Topform und um die Setlist noch ein zusätzliches Stück düsterer zu gestalten verzichtet Frontmann Chris Harms vollständig auf klaren Gesang. Weiter geht es mit der Mannheimer Band BEYOND THE BLACK wo uns Sängerin Jennifer Haben mit Ihren Gesang verzaubert. Das Freitagabendprogramm beginnt mit PAIN. Es wird ein Klassiker nach dem anderen rausgehauen und selbst Joakin Broden von SABATON hat einen kurzen Auftritt auf der Bühne, wenn auch nur als Handpuppe. Danach ist die Dark-Rock-Band MONO INC aus Hamburg an der Reihe das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Was sie mit vielen Mitsingtiteln in gewohnter manier hervorragend schaffen. In der Zwischenzeit wurde die Dark Stage für ICED EARTH umgebaut. Es ist Zeit für Power Metal! Mit einem Brett nach dem anderen zeigen die Amerikaner was sie drauf haben und deswegen wird heute auch nicht nur rausgehauen was das Zeug hält, sondern auch für ruhige Minuten mit der Ballade „I died for you“ gesorgt. Danach ist sich das Publikum einig: HEAVEN SHALL BURN! Deswegen steigen die Thüringer als auf die Bühne und zeigen ein weiteres Mal live ihr ganzes können. Ein Hit jagt den anderen und eine Bühnenshow eines Headliners mehr als würdig wird abgebrannt. Diesem furiosen Auftritt folgen BELPHEGOR mit ihrem Black Metal sind sie dieses Jahr eher exotisch. Exotisch wird es auch auf dem Weg nach Tortuga als zu später Stunde 3 wankende Piraten aus dem karibischen Osnabrück auf die Planken klettern und zu später Stunde einige Metaller zu entführen. Womit diese nicht gerechnet haben sind abertausende Metaller die auf sie gewartet haben. Und so wird nach wenigen Zeilen vorne getanzt, hinten gesungen und wer kann macht beides. Nach einer zu kurzen Show und einer aufnahme des Publikums als wären sie schon immer hier gewesen verabschieden sich die 3 Piraten auch schon wieder und beenden damit den diesjährigen Freitag des Rockharz Open Air Festivals.

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Fotos: Thomas von Schaewen

Samstag

Heute ist leider schon wieder der letzte Festivaltag. Die Bühne wird heute von DAWN OF DISEASE eröffnet. Die, die den frühen Weg gefunden haben kriegen mit einer großen Ladung Deathmetal die Müdigkeit aus den Knochen gepustet. Wach? Dann kann es ja weiter gehen mit DESERTED FEAR. Wir fangen mit Death Metal an und machen auch direkt mit weiter. Für jeden Fan des Genre hat sich das frühe aufstehen voll und ganz gelohnt. Selbst das Wetter zeigt hier Einsicht und Wolke um Wolke schiebt sich der Sonne in Weg. Damit ja keine Langweile aufkommt legen danach DEW-SCENTED ihren Thrash Metal nach. Die Sonne hat mitlerweile leider gegen die Wolken gewonnen und so verziehen sich sie die ersten in den Schatten auf ein kühles Blondes. Wenigstens kommt zu TANK eine kühle Brise auf als kann es weiter gehen. Kommen wir zu meiner persönlichen Überraschung des Tages. Bei THE VINTAGE CARAVAN habe ich einiges erwartet aber nicht classic Rock im Stil der 70er und 80er aus den Fingern dreier Isländer. Gute Laune verbreiten auch MR. IRISH BASTARD. Der Name ist Programm und so wird getanzt, gesungen und natürlich das nächste Bier getrunken. Bevor mit SERUM 114 deutscher Punkrock angesagt ist. Wirkt hier heute etwas deplatziert, wird aber dennoch gut aufgenommen. Im Anschluss geht es dann auch wieder weiter mit Death Metal Urgestein ASPHYX. Hier geht aber leider die Rechnung nicht richtig auf. Erst ist noch viel Zeit übrig und wenig Setlist und selbst nachdem spontan noch 2 Tracks drangehängt wurden wird dennoch vor Deadline aufgehört. Schade eigentlich. MOONSPELL danach haben dagegen mehr als genug Setlist eingepackt und das, obwohl sie sich zum 25 jährigen Jubiläm auf ihre ersten beiden Alben mit der Liedauswahl eingeschränkt haben. INSOMNIUM berühmt berüchtigt für ihr ein Track Album „Winter’s Gate“ lassen böses erahnen als eben diesen anfangen zu spielen. Sie haben dann aber doch Gnade springen in ihr restlichen Sortiment nach der Eröffnung. Nach dem Abschluss wieder mit „Winter’s Gate“ geht es dann auch schon weiter mit der Rebellion. GRAVE DIGGER schwingen sich auf die Bühne und das Publikum feiert dies gebührend. Nach einem etwas verhaltenem Anfang wird mitgesungen was die Stimmbänder hergeben, als es zu den Klassikern dieser Heavy Metal Institution kommt. Das Abendprogramm wird danach von KORPIKLAANI eröffnet. Finnischer Folk Metal und ein gut gelauntes Metalpublikum sind eine vorzügliche Kombination. Ich bin sicher das der Großteil der Leute hier genauso wenig von dem Text versteht wie ich, das denen aber offensichtlich egal. Also wird weiter getanzt gefeiert und getrunken – immerhin gibt es wenige andere Bands mit so vielen Songs die nach Getränken benannt sind. Es folgen ihre schwedischen Nachbarn von DARK TRANQUILLITY mit ihrem etwas weniger freundlichen Melodic Death Metal, dessen Auftritt beinahe nicht zustande kam. So saß ihr Vertretung Gitarrist Christopher Ammott am Berliner Flughafen fest. Auto zu langsam, aber zum Glück sind wir an einem Flugplatz. Schnell hatte sich ein Pilot gefunden und als erster Künstler in 24 Jahren wird direkt zu Rockharz Open Air Festival eingeflogen. Hut ab zum Piloten! Darauf betreten ELUVEITIE aus der Schweiz die Bühne. Mit einer stark veränderten Besetzung seit dem letzten Mal vor zwei Jahren die Bühne. Als letzten Headliner des Rockharz Open Air Festivals 2017 begrüßt uns BLIND GUARDIAN von der Bühne, aber nicht bevor Thorsten „Buddy“ Kohlrausch eine Dankesrede an Fans, Bands und Crew richtet. BLIND GUARDIAN präsentiert heute ihren Meilenstein „Imaginations from the other Side“ in vollen Zügen bevor sind gegen Ende zu ihren Klassikern wie „Mirror, Mirror“ und natürlich „The bards Song“ übergehen. Der Ausklang des Festivals leitet dann der Hauptmann FEUERSCHWANZ an. Mit Met und Mietzen wird der letzte Rest an Festival abgerissen bevor dann der Finale Abschluss mit ALCEST aus Frankreich kommt. Andächtig wird das diesjährige Rockharz Open Air Festival 2017 zuende gebracht.

Alles in allem wieder ein Festival der Extraklasse, an den Veranstalter gerichtet kann man sagen weiter so, Ihr seid Spitze.

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Fotos: Thomas von Schaewen